Schlagwort: Madeleine Strub-Jaccoud

21. Januar

Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten
das Böse nicht auch annehmen?
Hiob 2,10

Hiob kommt mir ganz nahe in diesem Text. Er leidet grosse Qualen. Er wird vom Satan, vom Bösen, immer mehr bedroht und will sich nicht wehren. Seine Frau sagt ihm, er solle Gott lästern und sterben. Und darauf sagt Hiob, wir sollen auch Böses annehmen. Er leistet Widerstand, will nicht aufgeben und will, so verstehe ich den Text und den Kontext, bei sich bleiben und sich am Guten festhalten. Es geht um das ganz individuelle Festhalten, Aushalten des Leidens. Der Widerstand aber gegen den Satan, das Böse, hat eine politische Dimension. Hiob zeigt mir mit seinem Widerstand, dass auch ich bei mir und meinen Werten bleiben kann. Ich muss mich weder dem, was in meinen Augen böse ist, anpassen, noch muss ich mich vor ihm verbeugen. Aber da ist noch seine Frau, die einen anderen Weg vorschlägt. Auch ihr leistet Hiob Widerstand, lässt sich nicht dreinreden. Das scheint mir auch für mich wichtig. In der Vielstimmigkeit von heute, den vielen Informationen, den Bildern, muss ich immer wieder darauf achten, bei mir zu bleiben und nicht einzuschwenken auf das, was vielleicht ein einfacherer Weg sein könnte. Und: Hiob will leben. Genau dafür können wir Widerstand leisten, nicht für uns, aber für die Menschen, deren Leben besonders gefährdet ist.

Schenke du Leben in dieser so verletzlich gewordenen Welt.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

20. Januar

Der HERR hat die Erde durch seine Kraft gemacht und den Himmel ausgebreitet durch seinen Verstand. Jeremia 10,12

das Volk Israel. Ich schreibe diesen Text etwas mehr als eine Woche nach dem Ausbruch des neusten Krieges im Nahen Osten. Die Bilder der Zerstörungen und Geiselnahmen in Israel, das Leiden der Menschen auf der Flucht aus Gaza ohne Wasser und genügend Nahrung, all die Zerstörung der Lebensgrundlagen auf beiden Seiten, wo ist die Kraft Gottes, sein Verstand? Was Jeremia den Menschen sagen will, will Gott, die Lebendige, auch uns sagen: Festhalten am Glauben an das Leben sollen wir, daran, dass Gott da ist in seiner Schöpfung. Meine Ohnmacht ist aufgehoben in dieser Kraft, und auch mir wird Kraft geschenkt werden. Aber ich muss das alles aushalten. Dabei ist es für mich von grosser Bedeutung, immer wieder an die Menschen in all den Kriegen zu denken und um Gerechtigkeit zu beten. Gerade jetzt für die israelische und die palästinensische Bevölkerung, damit sie eine Zukunft und Hoffnung erhalten. Ob dieses Aushalten mit dem Himmel zu tun hat, der durch Gottes Verstand ausgebreitet ist? Ich weiss es nicht. Ich möchte einfach versuchen, in all dem Chaos Gott um die Erneuerung seiner Kraft zu bitten. Kraft für die Menschen, Kraft für die Schöpfung und Kraft für mich.
Denn Gott hat die Erde durch seine Kraft gemacht.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

22. Dezember

Werdet ihr der Stimme des HERRN nicht gehorchen, so wird die Hand des HERRN gegen euch sein wie gegen eure Väter. 1. Samuel 12,15

In ein paar Tagen ist Weihnachten, und wir feiern Jesu Geburt, jene Geburt, die die Welt verändert, weil sie Hoffnung auf Leben bringt. Da können wir eigentlich keine Strafpredigt des Propheten brauchen, schon gar nicht, wenn wir alle Hände voll zu tun haben für die Vorbereitung des Weihnachtsfestes. Und doch ist die Stimme der Lebendigen durch den Propheten da, und sie sagt uns, dass wir auf Gottes Stimme hören sollen. Gerade in dieser Zeit, in der viel Hektik, laute Weihnachtslieder in den Läden, Lichter überall unseren Alltag zu bestimmen drohen. Die Stimme der Lebendigen hören wir in der Stille des Abends, wenn wir durchatmen und den Tag nochmals an uns vorbeiziehen lassen. Sie sagt uns, dass Gott uns nahe ist. Und sie sagt uns, dass wir uns gerade in dieser Vorweihnachtszeit darauf besinnen sollen,
was das Fest für unser Leben bedeutet. Wie das geht mit dem Gehorchen, weiss ich nicht so recht, aber das macht nichts. Hauptsache, ich nehme mir Zeit und denke an die Menschen, denen es nicht so gut geht wie mir, denke daran, dass Weihnachten auch die Stimme des Friedens in die Welt trägt, denke an den beginnenden Weg Jesu.

Lass uns deine Stimme hören und schenke du allen Menschen
deine Zuwendung.

von: Madeleine Strub-Jaccoud

21. Dezember

Ich will meinen Odem in euch geben, dass ihr wieder leben sollt, und will euch in euer Land setzen, und ihr sollt erfahren, dass ich der HERR bin. Hesekiel 37,14

Es ist wahrscheinlich einer der bekanntesten Texte des Ezechielbuches, aus dem heute zitiert ist. Der Geist der Lebendigen, die Ruach, wird den toten Gebeinen zu Leben verhelfen. Gerne will ich einfach die Vision auf mich wirken lassen, um sie zu bedenken. Da ist die Rede von der Ruach, die zu neuem Leben verhilft. Und zwar in ihrem Land. Gemeint ist die Vereinigung des Nordreichs mit dem Südreich, also die Wiederherstellung Israels. Der Text Ezechiels kann auch als erste Auferstehungsgeschichte verstanden werden. Aber die Ruach, die neues Leben bringt, ist nicht an die Geschichte, wie sie der Prophet erlebt und erzählt, gebunden. Sie wirkt auch heute. Ich bin überzeugt, dass sie dort wirkt, wo Leben bedroht ist, wo Hunger, Durst, Krieg herrschen. Das verbinde ich mit der Hoffnung. Mit der Hoffnung, dass die Lebendige ein Leben in Würde wiederherstellt. Im Text der Propheten ist die Rede davon, dass der Wind aus allen vier Himmelsrichtungen kommt, die Ruach also für alle weht. Das stärkt meine Hoffnung darauf, dass gerade dort, wo Leben besonders gefährdet ist, Gott, die Lebendige, da ist und hilft.

Schenke du den Geist des Friedens und der Gerechtigkeit.

von: Madeleine Strub-Jaccoud

21. November

Bis hierher hat uns der HERR geholfen. Samuel 7,12

Es herrschte Krieg zwischen den Israeliten und den Philistern. Samuel wurde gebeten, zum HERRN zu schreien, damit er den Israeliten beisteht. Zuerst aber wurden sie versammelt, gossen Wasser aus und sprachen davon, dass sie gesündigt hatten, denn sie hatten anderen Göttern vertraut. Und dann kam es zur Auseinandersetzung, ja zum Krieg gegen die Philister. Gott aber stand auf der Seite seines Volkes. Und dazu sprach Samuel, dass der HERR bis hierher geholfen hatte.
Immer wieder berichtet die Bibel über die Hilfe, die von
Gott, der Lebendigen, ausgeht. Es ist die Hilfe, die Leben ermöglicht, die den Menschen einen guten Weg zeigt, es ist die Hilfe, die auf der Seite der Menschen steht. Daran zu glauben, ja festzuhalten, ist nicht immer einfach. Gerade jetzt, wo der Krieg in der Ukraine intensiviert wird, wo Menschen dort und anderswo, wie in Niger, leiden, frage ich mich, weshalb ihnen keine Hilfe zuteilwird. Gewiss, die Israeliten haben sich schuldig bekannt. Aber an einem Schuldbekenntnis kann es in meinen Augen nicht liegen. Es leiden unzählige Menschen, denen keine Schuld vorgeworfen werden kann. Und eben genau da frage ich: Wo ist Gottes Hilfe? Aber diese Frage ist offensichtlich sinnlos. Vielmehr tue ich gut daran, eben gerade jetzt festzuhalten an der Überzeugung, dass die Lebendige mit allen Menschen auf ihrem Weg unterwegs ist. Schenke du allen leidenden Menschen deine Hilfe, jetzt.

von: Madeleine Strub-Jaccoud

20. November

HERR, kehre dich doch endlich wieder zu uns
und sei deinen Knechten gnädig! Psalm 90,13

Es ist, als ob die heutige Losung so gezogen worden sei, dass sie zu einem trüben Novembertag passt. Wenn es draussen trüb ist, machen sich trübe Gedanken im Herzen breit. Die Losung stammt aus einem Psalm, der von der Zeit und der
Ewigkeit berichtet, diese beschreibt, vielmehr: meditiert. Und da ist viel die Rede von Mühsal und Trug, vom Zorn Gottes und seinem Grimm. Die Zeit des Leidens soll ein
Ende haben, auch die Trübsal soll aufhören. Denn, so lese ich den Psalm, Gott, die Lebendige, ist nicht abwesend. Sie ist in schwierigen Situationen da, das möchten wir erfahren. Sie soll sich doch bitte zu uns wenden. Der Psalm spricht nicht von einem einzigen Gefühl. Es ist vom ganzen Leben die Rede, das, wenn es hochkommt, achtzig Jahre währt. In jedem Leben gibt es schwierige Zeiten. Und die Lebendige hilft, sie zu bewältigen, zu gestalten. Und sicher beten wir immer wieder darum, dass Gott bei uns und in der Welt sei. Es ist aber auch für mich so, wie es offenbar für den Psalmschreiber war: Gerade im Älterwerden möchte ich erfahren, dass mir die Lebendige nahe ist. Darum bete ich:
«Lass deine Diener dein Walten schauen und ihre Kinder deine Herrlichkeit. Und die Freundlichkeit des HERRN, unseres Gottes, sei über uns, gib dem Werk unserer Hände
Bestand, ja, gib dem Werk unserer Hände Bestand.»

(Psalm 90,16–17)

von: Madeleine Strub-Jaccoud

22. Oktober

Du sollst deinen Bruder nicht hassen in deinem Herzen,
sondern du sollst deinen Nächsten zurechtweisen,
damit du nicht seinetwegen Schuld auf dich lädst.
3. Mose 19,17

Die heutige Losung spricht die Beziehungen zu Menschen
an. Und doch möchte ich sie auch auf Strukturen beziehen,
denn diese lassen mich selber mit all den Verstrickungen
Schuld auf mich laden. Was ist mit den Geldern meiner Pensionskasse?
Es geht nicht um Hass. Vielmehr geht es darum,
eine Haltung einzunehmen, die einen bewussten Umgang
mit unseren Verstrickungen pflegt, diese hinterfragt. Es ist
ja nicht so, dass ich durch das, was ich nicht beeinflussen
kann, Schuld auf mich lade. In unserem Text geht es um ein
individuelles Verhalten. Ich meine aber, dass er uns trotzdem
einlädt, unser Verhalten den Strukturen gegenüber zu reflektieren.
Und so, wie die Losung eine Haltung auch im sozialen
Bereich vorschreibt, so lädt sie uns ein, global zu denken und
mitzuwirken – da, wo wir etwas verändern können. Wir können
zum Beispiel unsere Stimme erheben, wenn wir eingeladen
werden, eine Petition zu unterschreiben, die von Konzernen
mehr Verantwortung verlangt. Könnte das gemeint sein,
wenn der Text sagt, dass wir «den Nächsten» zurechtweisen
sollen? Und noch etwas: Die individuelle Schuld erdrückt
uns. Das braucht zu viel Kraft. Die Mitverantwortung für die
Menschen und die Schöpfung soll uns nicht zur Last werden.
Schenke du die Hoffnung auf Veränderung.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

21. Oktober

Wessen Zuversicht der HERR ist, der ist wie ein Baum,
am Wasser gepflanzt, der seine Wurzeln zum Bach
hin streckt. Er sorgt sich nicht, wenn ein dürres Jahr
kommt, sondern bringt ohne Aufhören Früchte.
Jeremia 17,7.8

Wie gerne würde ich diese Losung mit Menschen in Afrika
oder Lateinamerika besprechen. Wie viele von ihnen sind
von Dürre betroffen! Harte Arbeit, Wasser erbitten, ein paar
Tropfen auftreiben. Worin besteht ihre Zuversicht? Der Prophet
will, dass die Menschen zuversichtlich sind, dass sie
nicht abfallen vom Gott des Lebens. Dann, und nur dann,
werden ihre Felder und Fruchtbäume genügend Wasser
haben, auch wenn ein Jahr der Dürre kommt. Worin besteht
die Zuversicht der Menschen, die unter Dürre leiden? Wie
gestalten sie ihr schweres Leben? Und: Wie gehen wir um
mit der Tatsache, dass der Klimawandel immer mehr Menschen
betrifft und sie Wege suchen, aus der Dürre zu fliehen?
Zuversicht bei Gott, der Lebendigen – was bedeutet sie den
Menschen und was bedeutet sie mir? Ich kann nur für mich
sprechen: Ich setze meine Zuversicht auf das Beiunssein der
Lebendigen und hoffe, so die Kraft zu erhalten, nicht nur
mein Leben gut zu gestalten, sondern offene Augen und ein
offenes Herz zu haben für die Menschen, denen es nicht so
gut geht. Und die Zuversicht ist es, die hilft, mit der Lebendigen
zu rechnen, sie zu bitten um Beistand für die Schöpfung,
für Gerechtigkeit und Frieden.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

Mittelteil September / Oktober

Boldern inspiriert – Der Dokumentarfilm von Stefan Muggli

Wenn sich eine Schlange junger Menschen in das Jugendhaus
auf Boldern bewegt, schreiben wir das Jahr 1948. Wenn
ehemalige Studienleiterinnen und Studienleiter von Begegnungen,
Erfahrungen, von offenen Räumen berichten, geht
die Geschichte weiter. Wenn Interviews geführt werden zur
Identität von Boldern, wird deutlich, welche gesellschaftspolitischen
Themen Aufsehen erregen. Wenn sich der heutige
Stiftungsrat über das Modell der zukünftigen Wohnüberbauung
beugt, werfen wir einen Blick in die Zukunft.
Und wenn die Linde vor dem Seehaus ins Bild kommt, reden
wir von den Wurzeln, vom Schutz der Blätterkrone und vom
Blick durch die Blätter in die Weite.
Stefan Muggli schlug uns vor anderthalb Jahren vor, einen
Dokumentarfilm über Boldern zu drehen. Die Filmkommission
erarbeitete gemeinsam mit ihm die Themen des Films
in einem Dossier. Sponsoren wurden gesucht und gefunden,
und schon bald ging es los mit den Dreharbeiten. Ziel des
Films ist es, den Blick in die Zukunft von Boldern zu richten.
Dieser Blick soll sich aus der vielfältigen Geschichte entwickeln
und auch die Gegenwart anschauen. Der Film ist ein
Verweben aller drei Ebenen und zeigt, dass Boldern ein Ort
der Begegnung, der Auseinandersetzung und der Hoffnung
war, ist und sein wird. Die Menschen, die gefilmt wurden,
kommen uns nahe. Die Themen, die angesprochen werden,
sind aktuell, eingebettet in das Nachdenken über die
Präsenz von Kirche in den gesellschaftspolitischen Fragen.
Und immer wieder sehen und hören wir, dass Boldern den
Menschen eine Stimme gibt, die in der Gesellschaft keine
haben. Es ist sehr eindrücklich, dass keine der ehemaligen
Leitungspersonen von «ich habe» spricht, sondern immer
von einem «wir haben». Das gibt einen Blick in die Boldern-
Community.
Der Film feiert am Jubiläumsfest am 2. September Premiere
und kann anschliessend auf der Homepage www.bolderninspiriert.
ch angeschaut werden.

Ein Credo für die Zukunft, Visionen in eine visionslose Zeit – Das Buch, herausgegeben von Hans Strub

Wenn Persönlichkeiten in den vergangenen sechs Jahren im
Rahmen der Veranstaltungen von «Boldern inspiriert» über
theologische, politische, ökologische Themen berichteten
oder als Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus ihren Werken
lasen, dann wurde zugehört, gefragt, diskutiert, ja sogar
debattiert. Wenn Menschen aus der nahen und der weiteren
Umgebung auf Boldern kamen, um sich inspirieren zu lassen,
entwickelte sich eine Atmosphäre der Konzentration und
der Solidarität. Die beiden «langen Pfingstnächte» liessen
ebenso wie etliche Veranstaltungen eine Gemeinschaft entstehen,
die gerne auch als «Kirche auf Zeit und bei Gelegenheit
» bezeichnet werden kann.
Nun wurden die Persönlichkeiten, die sich an den Veranstaltungen
beteiligt hatten, die Autorinnen und Autoren
der Bolderntexte und einige andere angefragt, einen Text
zu schreiben über ihre Perspektiven und Visionen für die
Zukunft, die sie mit anderen teilen möchten. Und wieder
ist eine Vielfalt entstanden, eine Vielfalt, die nicht beliebig
ist, sondern eine, die aktuelle Fragen aufnimmt und in Visionen
giesst. Es sprudelt geradezu! Und es verwundert nicht,
dass viele der Beiträge an Themen anknüpfen, die auch im
Film angesprochen werden. Das Buch gibt Einblick in gesellschaftspolitische
Herausforderungen wie Migration, in die
Theologie, in die drängenden Fragen der Klimakrise, in die
Literatur und den politischen Diskurs. Das Buch ermutigt
dazu, die eigenen Visionen zu ergründen. Und es ermutigt
zum Gespräch, zur Auseinandersetzung und zur Hoffnung.
Es zeigt auf, dass gar nicht über die Zukunft von Boldern
geschrieben werden muss, sondern dass der einmalige Ort
selbst ein Ort der Zukunft ist.
Die Vernissage findet am Jubiläumsfest am 2. September
statt. Das Buch kann anschliessend bei der Geschäftsleitung,
dominique.meier@boldern-inspiriert, für Fr. 20.– erworben
werden.

21. September

Mich sollst du fürchten und dich zurechtweisen lassen.
Zefanja 3,7

Was ist es wohl, was mir eine Blockade beim Schreiben zur
heutigen Losung beschert? Ist es meine Mühe, mich zurechtweisen
zu lassen? Ist es mein Glaube an das Gute, das Lebendige,
was mir die Auseinandersetzung mit der Anweisung,
Gott zu fürchten, so schwierig macht? Bin ich mitgemeint,
denn der Text richtet sich nicht an mich, sondern an die
Stadt Jerusalem. Das Buch Zefanja handelt ja von prophetischen
Gerichtsworten und prophetischen Heilszusagen. Und
die gibt es eben nicht so rasch ohne das Zutun derjenigen,
an die sie gerichtet sind. Aber es lohnt sich, etwas weiterzulesen
in diesem Buch des Propheten. Denn die Zusage, dass
Gott, die Lebendige, ihr Volk sammeln und es gut kommen
wird, schenkt Hoffnung und Leben. Die Heilszusage ist nicht
an einzelne Menschen gerichtet, sondern an viele, die sich
zusammentun sollen, um mit der Lebendigen unterwegs zu
sein und mit ihr das Leben zu gestalten. Und das geht wohl
nicht, ohne zu überlegen, ohne nachzudenken über den Weg
und ohne die Lebendige zu bitten um ihr Geleit, ihr Vergeben,
ihre Zuwendung zu allen Menschen. Die Blockade ist
aufgehoben. Ihr macht ein Nachdenken darüber Platz, was
ich wohl anders anpacken könnte in meinem Leben – nicht
nur, um die Heilszusage wahrzunehmen, sondern auch, um
immer wieder neu zu fragen nach dem Tun der Gerechtigkeit
und des Friedens.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud