Autor: Madeleine Strub-Jaccoud

22. Februar

Dienet dem HERRN mit Freuden,
kommt vor sein Angesicht mit Frohlocken.
Psalm 100,2

Ein Vers aus dem bekannten Psalm begleitet uns auf der Entdeckungsreise zum Finden der Gründe, die uns zum Lob Gottes, der Lebendigen, ermuntern, ja zum Singen des Lobes anstacheln. Es sind die Erfahrungen von gelingenden Beziehungen, von Gesundheit, von Kraft, von Dankbarkeit, die in unserem Herzen auf der Entdeckungsreise wach werden. Wir werden uns bewusst, was gut ist. Und das, so meine ich, ist heilsam. Vielleicht sind es nur kurze Momente, die uns durchatmen lassen. Aber sie kommen wieder, denn, so sagt der Psalm, Gottes Gnade währt ewig. Wie aber bringe ich dies zusammen mit dem Schweren, dem Belastenden? Wie bringe ich das Frohlocken zusammen mit der Trauer um die Opfer der vielen kriegerischen Auseinandersetzungen? Wo ist Gott in alledem?
Ich bin überzeugt, dass wir gerade diese Fragen, auch unsere Verletzlichkeit, unsere Ängste, unsere Zweifel der Lebendigen anvertrauen können. Das gehört dazu, wenn wir Gott dienen. Denn die Lebendige ist da in unserem Leben und im Leben aller Menschen und der ganzen Schöpfung. Und so können wir auf unserer Entdeckungsreise beides anschauen, das Gute und das Schwere, und die Fülle des Lebens entdecken.
Dafür danke ich dem Gott des Lebens von Herzen.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

21. Februar

Wer kann sagen: «Ich habe mein Herz geläutert
und bin rein von meiner Sünde.»
Sprüche 20,9

Wer tut sich nicht schwer mit der Frage nach der Sünde? Unser Text kommt aus einer Reihe von Sprüchen, die wohltun, weil sie den Alltag ansprechen und doch darüber hinausweisen: «Es ehrt einen Mann, dem Streit fern zu bleiben, jeder Tor aber fängt Streit an.» (Sprüche 20,3)
Etwas alltäglich, etwas locker, so kommen die beiden Sätze daher. Und beide handeln vom Leben, meinem Leben und dem Leben in der Gesellschaft. Beide Sätze sollen mir helfen, mein Leben so zu gestalten, dass ich achtsam mit meinem Herzen umgehen kann. Und sie sollen aufzeigen, dass genau diese Achtsamkeit für das Zusammenleben der Menschen gut ist. Ich weiss nicht, wie genau das geht, sein Herz zu läutern. Aber ich kann nachdenken, stille sein, mir Fragen stellen lassen von Menschen, die mit mir auf dem Weg sind. Und dann kann ich mein Verhalten ändern. Ich muss Konflikten nicht aus dem Weg gehen, kann aber aus dem Nachdenken heraus diese so gestalten, dass kein Streit entsteht. Das ist vielleicht das, was wir alle beitragen können, gerade in dieser schwierigen Zeit, wo Menschen sich wieder bekriegen. Was genau Sünde ist, ist damit nicht geklärt. Und das ist gut so, denn gerade dieses Wort ist eines, das belastet und mich einknicken lässt.

Schenke du uns die Kraft, nachzudenken und uns ganz am Leben zu orientieren.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

21. Januar

Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten
das Böse nicht auch annehmen?
Hiob 2,10

Hiob kommt mir ganz nahe in diesem Text. Er leidet grosse Qualen. Er wird vom Satan, vom Bösen, immer mehr bedroht und will sich nicht wehren. Seine Frau sagt ihm, er solle Gott lästern und sterben. Und darauf sagt Hiob, wir sollen auch Böses annehmen. Er leistet Widerstand, will nicht aufgeben und will, so verstehe ich den Text und den Kontext, bei sich bleiben und sich am Guten festhalten. Es geht um das ganz individuelle Festhalten, Aushalten des Leidens. Der Widerstand aber gegen den Satan, das Böse, hat eine politische Dimension. Hiob zeigt mir mit seinem Widerstand, dass auch ich bei mir und meinen Werten bleiben kann. Ich muss mich weder dem, was in meinen Augen böse ist, anpassen, noch muss ich mich vor ihm verbeugen. Aber da ist noch seine Frau, die einen anderen Weg vorschlägt. Auch ihr leistet Hiob Widerstand, lässt sich nicht dreinreden. Das scheint mir auch für mich wichtig. In der Vielstimmigkeit von heute, den vielen Informationen, den Bildern, muss ich immer wieder darauf achten, bei mir zu bleiben und nicht einzuschwenken auf das, was vielleicht ein einfacherer Weg sein könnte. Und: Hiob will leben. Genau dafür können wir Widerstand leisten, nicht für uns, aber für die Menschen, deren Leben besonders gefährdet ist.

Schenke du Leben in dieser so verletzlich gewordenen Welt.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

20. Januar

Der HERR hat die Erde durch seine Kraft gemacht und den Himmel ausgebreitet durch seinen Verstand. Jeremia 10,12

das Volk Israel. Ich schreibe diesen Text etwas mehr als eine Woche nach dem Ausbruch des neusten Krieges im Nahen Osten. Die Bilder der Zerstörungen und Geiselnahmen in Israel, das Leiden der Menschen auf der Flucht aus Gaza ohne Wasser und genügend Nahrung, all die Zerstörung der Lebensgrundlagen auf beiden Seiten, wo ist die Kraft Gottes, sein Verstand? Was Jeremia den Menschen sagen will, will Gott, die Lebendige, auch uns sagen: Festhalten am Glauben an das Leben sollen wir, daran, dass Gott da ist in seiner Schöpfung. Meine Ohnmacht ist aufgehoben in dieser Kraft, und auch mir wird Kraft geschenkt werden. Aber ich muss das alles aushalten. Dabei ist es für mich von grosser Bedeutung, immer wieder an die Menschen in all den Kriegen zu denken und um Gerechtigkeit zu beten. Gerade jetzt für die israelische und die palästinensische Bevölkerung, damit sie eine Zukunft und Hoffnung erhalten. Ob dieses Aushalten mit dem Himmel zu tun hat, der durch Gottes Verstand ausgebreitet ist? Ich weiss es nicht. Ich möchte einfach versuchen, in all dem Chaos Gott um die Erneuerung seiner Kraft zu bitten. Kraft für die Menschen, Kraft für die Schöpfung und Kraft für mich.
Denn Gott hat die Erde durch seine Kraft gemacht.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

22. Dezember

Werdet ihr der Stimme des HERRN nicht gehorchen, so wird die Hand des HERRN gegen euch sein wie gegen eure Väter. 1. Samuel 12,15

In ein paar Tagen ist Weihnachten, und wir feiern Jesu Geburt, jene Geburt, die die Welt verändert, weil sie Hoffnung auf Leben bringt. Da können wir eigentlich keine Strafpredigt des Propheten brauchen, schon gar nicht, wenn wir alle Hände voll zu tun haben für die Vorbereitung des Weihnachtsfestes. Und doch ist die Stimme der Lebendigen durch den Propheten da, und sie sagt uns, dass wir auf Gottes Stimme hören sollen. Gerade in dieser Zeit, in der viel Hektik, laute Weihnachtslieder in den Läden, Lichter überall unseren Alltag zu bestimmen drohen. Die Stimme der Lebendigen hören wir in der Stille des Abends, wenn wir durchatmen und den Tag nochmals an uns vorbeiziehen lassen. Sie sagt uns, dass Gott uns nahe ist. Und sie sagt uns, dass wir uns gerade in dieser Vorweihnachtszeit darauf besinnen sollen,
was das Fest für unser Leben bedeutet. Wie das geht mit dem Gehorchen, weiss ich nicht so recht, aber das macht nichts. Hauptsache, ich nehme mir Zeit und denke an die Menschen, denen es nicht so gut geht wie mir, denke daran, dass Weihnachten auch die Stimme des Friedens in die Welt trägt, denke an den beginnenden Weg Jesu.

Lass uns deine Stimme hören und schenke du allen Menschen
deine Zuwendung.

von: Madeleine Strub-Jaccoud

21. Dezember

Ich will meinen Odem in euch geben, dass ihr wieder leben sollt, und will euch in euer Land setzen, und ihr sollt erfahren, dass ich der HERR bin. Hesekiel 37,14

Es ist wahrscheinlich einer der bekanntesten Texte des Ezechielbuches, aus dem heute zitiert ist. Der Geist der Lebendigen, die Ruach, wird den toten Gebeinen zu Leben verhelfen. Gerne will ich einfach die Vision auf mich wirken lassen, um sie zu bedenken. Da ist die Rede von der Ruach, die zu neuem Leben verhilft. Und zwar in ihrem Land. Gemeint ist die Vereinigung des Nordreichs mit dem Südreich, also die Wiederherstellung Israels. Der Text Ezechiels kann auch als erste Auferstehungsgeschichte verstanden werden. Aber die Ruach, die neues Leben bringt, ist nicht an die Geschichte, wie sie der Prophet erlebt und erzählt, gebunden. Sie wirkt auch heute. Ich bin überzeugt, dass sie dort wirkt, wo Leben bedroht ist, wo Hunger, Durst, Krieg herrschen. Das verbinde ich mit der Hoffnung. Mit der Hoffnung, dass die Lebendige ein Leben in Würde wiederherstellt. Im Text der Propheten ist die Rede davon, dass der Wind aus allen vier Himmelsrichtungen kommt, die Ruach also für alle weht. Das stärkt meine Hoffnung darauf, dass gerade dort, wo Leben besonders gefährdet ist, Gott, die Lebendige, da ist und hilft.

Schenke du den Geist des Friedens und der Gerechtigkeit.

von: Madeleine Strub-Jaccoud

21. November

Bis hierher hat uns der HERR geholfen. Samuel 7,12

Es herrschte Krieg zwischen den Israeliten und den Philistern. Samuel wurde gebeten, zum HERRN zu schreien, damit er den Israeliten beisteht. Zuerst aber wurden sie versammelt, gossen Wasser aus und sprachen davon, dass sie gesündigt hatten, denn sie hatten anderen Göttern vertraut. Und dann kam es zur Auseinandersetzung, ja zum Krieg gegen die Philister. Gott aber stand auf der Seite seines Volkes. Und dazu sprach Samuel, dass der HERR bis hierher geholfen hatte.
Immer wieder berichtet die Bibel über die Hilfe, die von
Gott, der Lebendigen, ausgeht. Es ist die Hilfe, die Leben ermöglicht, die den Menschen einen guten Weg zeigt, es ist die Hilfe, die auf der Seite der Menschen steht. Daran zu glauben, ja festzuhalten, ist nicht immer einfach. Gerade jetzt, wo der Krieg in der Ukraine intensiviert wird, wo Menschen dort und anderswo, wie in Niger, leiden, frage ich mich, weshalb ihnen keine Hilfe zuteilwird. Gewiss, die Israeliten haben sich schuldig bekannt. Aber an einem Schuldbekenntnis kann es in meinen Augen nicht liegen. Es leiden unzählige Menschen, denen keine Schuld vorgeworfen werden kann. Und eben genau da frage ich: Wo ist Gottes Hilfe? Aber diese Frage ist offensichtlich sinnlos. Vielmehr tue ich gut daran, eben gerade jetzt festzuhalten an der Überzeugung, dass die Lebendige mit allen Menschen auf ihrem Weg unterwegs ist. Schenke du allen leidenden Menschen deine Hilfe, jetzt.

von: Madeleine Strub-Jaccoud

20. November

HERR, kehre dich doch endlich wieder zu uns
und sei deinen Knechten gnädig! Psalm 90,13

Es ist, als ob die heutige Losung so gezogen worden sei, dass sie zu einem trüben Novembertag passt. Wenn es draussen trüb ist, machen sich trübe Gedanken im Herzen breit. Die Losung stammt aus einem Psalm, der von der Zeit und der
Ewigkeit berichtet, diese beschreibt, vielmehr: meditiert. Und da ist viel die Rede von Mühsal und Trug, vom Zorn Gottes und seinem Grimm. Die Zeit des Leidens soll ein
Ende haben, auch die Trübsal soll aufhören. Denn, so lese ich den Psalm, Gott, die Lebendige, ist nicht abwesend. Sie ist in schwierigen Situationen da, das möchten wir erfahren. Sie soll sich doch bitte zu uns wenden. Der Psalm spricht nicht von einem einzigen Gefühl. Es ist vom ganzen Leben die Rede, das, wenn es hochkommt, achtzig Jahre währt. In jedem Leben gibt es schwierige Zeiten. Und die Lebendige hilft, sie zu bewältigen, zu gestalten. Und sicher beten wir immer wieder darum, dass Gott bei uns und in der Welt sei. Es ist aber auch für mich so, wie es offenbar für den Psalmschreiber war: Gerade im Älterwerden möchte ich erfahren, dass mir die Lebendige nahe ist. Darum bete ich:
«Lass deine Diener dein Walten schauen und ihre Kinder deine Herrlichkeit. Und die Freundlichkeit des HERRN, unseres Gottes, sei über uns, gib dem Werk unserer Hände
Bestand, ja, gib dem Werk unserer Hände Bestand.»

(Psalm 90,16–17)

von: Madeleine Strub-Jaccoud

22. Oktober

Du sollst deinen Bruder nicht hassen in deinem Herzen,
sondern du sollst deinen Nächsten zurechtweisen,
damit du nicht seinetwegen Schuld auf dich lädst.
3. Mose 19,17

Die heutige Losung spricht die Beziehungen zu Menschen
an. Und doch möchte ich sie auch auf Strukturen beziehen,
denn diese lassen mich selber mit all den Verstrickungen
Schuld auf mich laden. Was ist mit den Geldern meiner Pensionskasse?
Es geht nicht um Hass. Vielmehr geht es darum,
eine Haltung einzunehmen, die einen bewussten Umgang
mit unseren Verstrickungen pflegt, diese hinterfragt. Es ist
ja nicht so, dass ich durch das, was ich nicht beeinflussen
kann, Schuld auf mich lade. In unserem Text geht es um ein
individuelles Verhalten. Ich meine aber, dass er uns trotzdem
einlädt, unser Verhalten den Strukturen gegenüber zu reflektieren.
Und so, wie die Losung eine Haltung auch im sozialen
Bereich vorschreibt, so lädt sie uns ein, global zu denken und
mitzuwirken – da, wo wir etwas verändern können. Wir können
zum Beispiel unsere Stimme erheben, wenn wir eingeladen
werden, eine Petition zu unterschreiben, die von Konzernen
mehr Verantwortung verlangt. Könnte das gemeint sein,
wenn der Text sagt, dass wir «den Nächsten» zurechtweisen
sollen? Und noch etwas: Die individuelle Schuld erdrückt
uns. Das braucht zu viel Kraft. Die Mitverantwortung für die
Menschen und die Schöpfung soll uns nicht zur Last werden.
Schenke du die Hoffnung auf Veränderung.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

21. Oktober

Wessen Zuversicht der HERR ist, der ist wie ein Baum,
am Wasser gepflanzt, der seine Wurzeln zum Bach
hin streckt. Er sorgt sich nicht, wenn ein dürres Jahr
kommt, sondern bringt ohne Aufhören Früchte.
Jeremia 17,7.8

Wie gerne würde ich diese Losung mit Menschen in Afrika
oder Lateinamerika besprechen. Wie viele von ihnen sind
von Dürre betroffen! Harte Arbeit, Wasser erbitten, ein paar
Tropfen auftreiben. Worin besteht ihre Zuversicht? Der Prophet
will, dass die Menschen zuversichtlich sind, dass sie
nicht abfallen vom Gott des Lebens. Dann, und nur dann,
werden ihre Felder und Fruchtbäume genügend Wasser
haben, auch wenn ein Jahr der Dürre kommt. Worin besteht
die Zuversicht der Menschen, die unter Dürre leiden? Wie
gestalten sie ihr schweres Leben? Und: Wie gehen wir um
mit der Tatsache, dass der Klimawandel immer mehr Menschen
betrifft und sie Wege suchen, aus der Dürre zu fliehen?
Zuversicht bei Gott, der Lebendigen – was bedeutet sie den
Menschen und was bedeutet sie mir? Ich kann nur für mich
sprechen: Ich setze meine Zuversicht auf das Beiunssein der
Lebendigen und hoffe, so die Kraft zu erhalten, nicht nur
mein Leben gut zu gestalten, sondern offene Augen und ein
offenes Herz zu haben für die Menschen, denen es nicht so
gut geht. Und die Zuversicht ist es, die hilft, mit der Lebendigen
zu rechnen, sie zu bitten um Beistand für die Schöpfung,
für Gerechtigkeit und Frieden.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud