Schlagwort: Madeleine Strub-Jaccoud

21. Juni

Jesus sprach zu seinen Jüngern: Das ist mein Gebot,
dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch liebe.

Johannes 15,12

Mein Blick wandert über den Bahnhof zum See. Ich blicke
zu den Menschen und mit ihnen in die Weite. Alle, die ich
sehe, sind verschieden, haben ihre je eigene Biografie und
gehen ihren Lebensweg. Die Vielfalt der Menschen gehört zu
unserer Gesellschaft, macht sie reich. Ich atme durch und bin
dankbar für das Leben, meines und dasjenige der Menschen,
die ich sehe. Und doch ist da jene Herausforderung der
Bewertung. Wie rasch bin ich dabei, Menschen zu bewerten.
Ihre Haltung, ihr Gesicht, ihre Ausdrucksweise – ach, so vieles
steht da im Weg. Und es tut mir ja gar nicht gut, was ich
tue. Denn unweigerlich setze ich mich unter Druck. Ich will
selber eben nicht bewertet werden. Jesus hat die Menschen
so genommen, wie sie sind. Er ist ihnen mit einem offenen
Herzen begegnet, hat sich mit ihnen ausgetauscht, ihr Leiden
wahrgenommen. Und er hat gespürt, dass die Menschen
etwas suchen. Zum Beispiel Heilung, Halt, Hoffnung auf ein
gutes Leben. Da sind wieder die Vielfalt und die Weite. Wegschauen
von mir, hin zu den anderen. Ein hoher Anspruch,
aber auch eine Befreiung. Die Weite und die Vielfalt helfen,
mich nicht so ernst zu nehmen, mich ein Stück weit zurückzunehmen.
Dann ist das Leben selbst vielfältig und reich.
Dazu gib uns Kraft und Mut.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

Mittelteil Mai / Juni

Boldern – Ort der Begegnung, der Herausforderung, der Hoffnung

An der Jahresversammlung 2014 übernahm Madeleine
Strub-Jaccoud, zusammen mit einem damals kleinen Team,
die Leitung und damit die Neukonzeption von Boldern. An
der kommenden Jahresversammlung 2024 tritt sie zurück
und gibt ihre verschiedenen Funktionen an bewährte Boldern-
Leute weiter. Nachstehend ihr letzter Jahresbericht an
den Förderverein Boldern (vormals Trägerverein Boldern).

75 Jahre Boldern – das Jubiläum am 2. September 2023 hat
Menschen zusammengeführt, hat die Menschen feiern
lassen.
Der Markt hat Boldern belebt, die Menschen haben
getanzt, gefeiert, sich ausgetauscht. Die Gespräche mit verschiedenen
Persönlichkeiten haben Menschen inspiriert. Der
Dokumentarfilm «Boldern inspiriert» wirft einen vertieften
Blick in die Geschichte Bolderns. Das Jubiläumsbuch
mit Beiträgen aus den Veranstaltungen «Boldern inspiriert»
blickt mit Visionen in die Zukunft.
Mit dem Jubiläum ist Boldern im Dorf Männedorf und in
der Region angekommen. Es war leichtfüssig, fröhlich und
passte ganz zu Boldern. Deshalb soll dieser Bericht einen
tiefen Dank an das Organisationskomitee enthalten. Besonders
gilt dieser Dank den Mitarbeitenden des Kompetenzzentrums
Appisberg. Wir durften einfach fragen, und schon
kam Unterstützung. Die Stiftung Boldern hat alle laufenden Projekte weiterentwickelt. Besonders zu erwähnen sind: Die Wohnüberbauung
«Seeterrassen» geht in die Realisierung. Die Umzonung
des Plateaus wird voraussichtlich noch in diesem Jahr
zur Abstimmung kommen. Die Idee, das Hotel Boldern als
Arbeitsintegrationsbetrieb zu führen, nimmt in Zusammenarbeit
mit dem Kompetenzzentrum Appisberg Gestalt
an. Eine besondere Herausforderung stellt die nachhaltige
Bewirtschaftung der Finanzen dar. Im Berichtsjahr hat sich
die Stiftung für eine neue Hausbank entschieden.
Immer wieder stellt sich die Frage: «Wer ist Boldern?»

Boldern – Ort der Begegnung
Der Weg, dieses Ziel zu erreichen, war lang und nicht einfach.
Er geht weiter, und so wird sich Boldern auch immer
wieder verändern.


Boldern – Ort der Herausforderung
Boldern hat in der Vergangenheit Menschen, die in der
Gesellschaft keine oder nur eine leise Stimme haben, eine
Stimme gegeben. Die Veranstaltungen, die Boldern durchführt,
tragen diesem Anliegen Rechnung.


Bolden – Ort der Hoffnung
Wir leben in einer Zeit, wo Kriege wieder zur Realität gehören.
Boldern soll ein Ort sein, wo über Frieden nachgedacht
wird. Boldern soll ein Ort sein, wo Menschen gemeinsam
nach Kraft und Mut suchen und sich gegenseitig darin unterstützen.
Hoffnung ist die Kraft, die wir teilen. Sie kommt
auch heute noch für viele aus dem Evangelium von Jesus
Christus. Um das zu leben, braucht es den Ort, wo auch diese
Dimension zur Sprache kommen darf und Hoffnung geteilt
wird. Davon zeugen auch die Bolderntexte.
Und: Der Förderverein Boldern soll durch den Zusammenarbeitsvertrag
mit der Stiftung Boldern aktiv und kreativ an
der Gestaltung der Zukunft partizipieren. Diese Partizipation
aufzubauen, ist die Aufgabe der nächsten Jahre. Damit
Boldern lebt.
Mit dem Wunsch, dass Boldern sich als Ort der Hoffnung
weiterentwickelt, lege ich die Verantwortung in neue Hände.
Ich bedanke mich sehr herzlich bei meinen Kolleginnen und
Kollegen im Stiftungsrat für ihr Mitwirken und ihre Kraft,
bedanke mich bei der Geschäftsleitung und allen Mitarbeitenden,
auch denjenigen des Hotels, und bedanke mich ganz
besonders bei meiner Familie, die mich kritisch begleitet und
herzlich unterstützt hat.
So weit der Bericht über das letzte Jahr. Wenn er erscheint,
bin ich bereits nicht mehr Präsidentin der Stiftung und warte
gespannt auf die Vereinsversammlung des Fördervereins.
Ich blicke mit Dankbarkeit auf diese Zeit des Gestaltens
zurück und weiss die Leitung Bolderns in guten Händen.
Die Bolderntexte sind eine Säule für Boldern. Sie spiegeln
die Vielfalt in unserer Gesellschaft wider, werten nicht und
öffnen Horizonte. So bedanke ich mich auch an dieser Stelle
Mittelteil
bei allen Leserinnen und Lesern für ihre Treue, bei der Redaktorin
für ihre so wertvolle Arbeit und bei allen Autorinnen
und Autoren für ihre so Kraft schenkenden Auslegungen.
Boldern lebt in den Herzen vieler Menschen, auch in
meinem.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

21. Mai

Ich, der HERR, behüte den Weinberg und begiesse
ihn immer wieder. Damit man ihn nicht verderbe,
will ich ihn Tag und Nacht behüten.
Jesaja 27,3

Zuvor spricht der Prophet vom Leviathan, der Verkörperung
des lebensfeindlichen Chaos. Ihn wird beim Gericht
das Schwert treffen. Und nach dem Gericht wird Israel ein
lebendiger Weinberg sein. Die Welt, in der wir leben, ist aus
den Fugen geraten. Wir beten um Gottes Präsenz in dieser
chaotischen Welt, bitten um Heilung, um Gerechtigkeit,
Frieden. Ja, wir bitten Gott, die Lebendige, doch einzugreifen.
Die Vision eines Weinbergs, den die Lebendige selber
hütet, die Reben begiesst, den Weisen einen klaren Verstand
geben möchte, leitet uns in unserer Ohnmacht. Aber da ist
dieses Gericht. Es will einfach nicht in meine Gedankenwelt
passen, das Schwert schon gar nicht. Denn meine Vision von
Heilung und Versöhnung ist ja nicht nur von der Vision des
Propheten getragen, sondern auch vom Glauben an die Auferstehung
Jesu, an die Auferstehung, die den Tod überwunden
hat. Ich spüre stark, dass genau dieser Glaube gestärkt
werden muss, gehegt und gepflegt. Kann ich das allein?
Oder kann ich es, wenn ich zusammen mit anderen Menschen
bete? Kann ich es, wenn ich mich verbunden weiss mit
Schwestern und Brüdern aus der weltweiten Kirche?
Schenke du uns den Glauben an das Leben.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

20. Mai

So spricht der HERR: Der Himmel ist mein Thron
und die Erde der Schemel meiner Füsse! Was ist denn
das für ein Haus, das ihr mir bauen könntet?
Jesaja 66,1

Beim Schemel bleibe ich hängen: Meine Grossmutter stellte
ihre Füsse beim Stricken auf einen Schemel, ich sass vis-à-
vis und strickte auch. Sie erzählte, ich hörte ihr gespannt zu –
und ich wartete auf ein Feedback. Das Bild mit dem Himmel
als Thron und der Erde als Schemel ist das Bild für Gott bei
den Menschen. Er braucht keinen speziellen Tempel, sondern
einfach die Menschen. Gott will seine Ruhe finden an
der Stätte, wo er seine Füsse auf den Schemel stellt (Vers 1).
So blickt er auf «diejenigen, die zerschlagenen Herzens sind
und vor seinem Wort zittern» (Vers 2). Das sind jene, die
besonders auf das «Feedback» Gottes, der Lebendigen,
angewiesen sind. Denn sie werden wegen ihres Gottes verstossen.
Aber diese, so der Kommentar, sind besonders im
Tempel zu Hause. Zeit also, auszubrechen aus den Mauern
des Tempels und Gott bei den Menschen zu suchen und
so der Lebendigen zu begegnen. Ich weiss nicht genau, wer
heute zu den Verstossenen zählt. Wichtiger scheint mir, dass
ich versuche, dazu beizutragen, die Hoffnung in das Handeln
der Lebendigen zu pflegen, und davon Kraft erhalte, um
mich einzusetzen für Gerechtigkeit und Frieden. Da sind
wir alle gemeint. Und da kann ich auch getrost hie und da
meine Füsse auf einen Schemel stellen, denn nicht nur Gott,
sondern auch wir sollen zur Ruhe kommen.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

22. April

Gelobt sei Gott, der seinen Engel gesandt und seine Knechte errettet hat, die ihm vertraut haben. Daniel 3,28

Drei Männer weigern sich, einem Standbild des Königs Nebukadnezar zu huldigen. Ihr Gott ist der alleinige Gott, dem sie vertrauen. Sie sollen in einem Feuerofen umkommen. Doch das Feuer tut ihnen nichts, und der Tyrann schützt darauf ihren Glauben. So weit die dramatische Geschichte. Sich hinzustellen und der Macht eines Menschen oder auch einer Gruppe von Menschen zu widerstehen, braucht Kraft und Mut. Und es braucht den festen Glauben an die Kraft Gottes, der Lebendigen. Es ist der König selbst, der Gott lobt. Hat er etwas gelernt? Oder ist es reiner Opportunismus? Ich bin mir da nicht so sicher. Gerade weil es nicht so transparent ist, was der König meint, lerne ich, unabhängig von Machthaber:innen Gott zu loben für seine Hilfe, für seine Engel. Und ich bin dankbar für alle Menschen, die sich hinstellen und sich eindeutig zum Gott des Lebens bekennen.

Aber wo sind sie? Für mich sind sie in der weltweiten Kirche, sie sind überall da, wo Kirchen am Frieden arbeiten und ihre Stimme einbringen, etwa im Südsudan. Sie sind da, wo Menschen lernen, anders zu denken und damit Partei für die Schwachen zu ergreifen.

Danke, Gott, für die Menschen, die sich zu deiner Kraft bekennen.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

21. April

Wer als Verleumder umhergeht, gibt Vertrauliches preis, wer aber verlässlich ist, behält Geheimnisse für sich. Sprüche 11,13

Als Kind hatte ich so gerne ein Geheimnis in meinem Kopf. So gerne, dass ich verkündete: «Ich habe ein Geheimnis», und alle, die das sahen und hörten, hatten nur ein Ziel: dass ich das Geheimnis preisgebe. Es waren ja kleine Geheimnisse. Heute habe ich es nicht mehr so mit den Geheimnissen. Sie sind ein Machtinstrument, das Transparenz und gemeinsames Handeln verunmöglicht. Und doch gibt es Situationen, in denen ich auf einen Text schreibe «vertraulich», selten zwar, aber dann, wenn ein zu lösendes Problem vorbesprochen werden muss. Dann bin ich dankbar, wenn das sogenannte Geheimnis nicht die Runde macht. Es gibt auch in meinem Leben Dinge, die ich für mich behalte, sie nicht teile. Das ist meine Privatsache. Und es gibt Problemlösungen, die ich noch eine Zeit lang nicht besprechen kann oder will, weil sie reifen müssen. Intransparenz aber wird zum Machtmissbrauch, wenn sie gewollt ist, wenn es darum geht, Mitarbeitende oder Partner auszuschliessen, um sie dann vor vollendete Tatsachen zu stellen. Geheimnisse für mich behalten kann hilfreich sein. Ich denke, es ist wichtig, diese von Intransparenz zu unterscheiden. Es ist gut, dass uns das Buch der Sprüche darauf aufmerksam macht. Denn gerade die Geschichte der Geheimnisse ist eine, die auch in der Politik und im alltäglichen Tun eine Rolle spielt.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

21. März

Gott gibt den Weisen ihre Weisheit und den Verständigen ihren Verstand. Daniel 2,21

Ein humorvoller junger Mann ist dieser Daniel, respektive er versteht es, Gott darum zu bitten, ihm Nebukadnezars Traum mitzuteilen, um dann festzustellen, dass die Weisheit von Gott kommt. Aber zuerst lässt er es sich nicht nehmen, von den Königen zu reden, die abgesetzt werden, und wie dann wieder neue kommen, die auch abgesetzt werden. Er weist so auf Nebukadnezars Reich hin, das aufgeteilt werden wird. Humorvoll dabei ist, dass es keine Dramatik, kein Besserwissen, keine Rechthaberei braucht, um das zu kommunizieren, was kommuniziert werden muss. Daniels Denken, Beten und Tun verhinderte, dass der Befehl des Königs, alle Weisen zu töten, umgesetzt werden musste. Für mich wird gerade damit offenbar, was Weisheit ist: nachzufragen bei Gott, um damit Gewalt und Leiden zu verhindern. Nachzufragen bei Gott ist eine Möglichkeit. Eine andere ist es, auf Gottes Stimme zu hören, auch wenn wir nicht nachfragen. Und es könnte auch sein, dass wir uns gerade in der schwierigen Zeit, in der wir uns befinden, ein wenig zurücknehmen, nicht allein auf unsere Kraft vertrauen. Weisheit und Verstand können ein Geschenk sein, das uns ermutigt. Und sicher brauchen wir Ruhe, Gelassenheit, Zuversicht und Humor, um festzuhalten daran, dass der Gott des Lebens wirkt und auf der Seite der Menschen und der Schöpfung ist.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

20. März

Wie soll ich dem HERRN vergelten all seine Wohltat, die er an mir tut? Psalm 116,12

Es sind ein paar Worte, die mir aus dem Psalm entgegenkommen, Worte, die helfen, die Losung wertzuschätzen: «Er hat sein Ohr zu mir geneigt» (Vers 2), «Der Herr behütet die Einfältigen» (Vers 6), «Du hast mein Leben gerettet». Darauf fragt der Sänger oder die Sängerin des Psalms, was er oder sie Gott zurückgeben kann. Vielleicht dass ich selber mein Ohr neige, um die Stimme der Lebendigen zu hören. Oder dass ich selber einfältig sein kann und nicht vom Drang beseelt bin, die Welt erklären zu müssen und sowieso alles besser zu wissen. Leben retten? Darum kann ich Gott bitten, dass die Lebendige den Menschen, die unter Krieg, Gewalt, Unterdrückung, Hunger und Durst leiden, beisteht und ihnen hilft. Von der Barmherzigkeit Gottes ist in unserem Psalm die Rede. Sie soll in erster Linie den Leidenden zuteilwerden. Zu ihnen neigt sich das Ohr, in meiner Einfalt kann ich beten und kann um Leben in Gerechtigkeit und Frieden für alle bitten. Ob ich mit diesen Gedanken und diesem Tun Gott etwas zurückgebe, weiss ich nicht. Aber das ist auch nicht so wichtig. Wichtig scheint mir, dass ich beharrlich daran festhalte, dass Gottes Barmherzigkeit eine Kraft ist, mit der ich in meinem Leben rechne und dankbar bin dafür.

Danke, Gott des Lebens, dass du für alle Menschen da bist.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

22. Februar

Dienet dem HERRN mit Freuden,
kommt vor sein Angesicht mit Frohlocken.
Psalm 100,2

Ein Vers aus dem bekannten Psalm begleitet uns auf der Entdeckungsreise zum Finden der Gründe, die uns zum Lob Gottes, der Lebendigen, ermuntern, ja zum Singen des Lobes anstacheln. Es sind die Erfahrungen von gelingenden Beziehungen, von Gesundheit, von Kraft, von Dankbarkeit, die in unserem Herzen auf der Entdeckungsreise wach werden. Wir werden uns bewusst, was gut ist. Und das, so meine ich, ist heilsam. Vielleicht sind es nur kurze Momente, die uns durchatmen lassen. Aber sie kommen wieder, denn, so sagt der Psalm, Gottes Gnade währt ewig. Wie aber bringe ich dies zusammen mit dem Schweren, dem Belastenden? Wie bringe ich das Frohlocken zusammen mit der Trauer um die Opfer der vielen kriegerischen Auseinandersetzungen? Wo ist Gott in alledem?
Ich bin überzeugt, dass wir gerade diese Fragen, auch unsere Verletzlichkeit, unsere Ängste, unsere Zweifel der Lebendigen anvertrauen können. Das gehört dazu, wenn wir Gott dienen. Denn die Lebendige ist da in unserem Leben und im Leben aller Menschen und der ganzen Schöpfung. Und so können wir auf unserer Entdeckungsreise beides anschauen, das Gute und das Schwere, und die Fülle des Lebens entdecken.
Dafür danke ich dem Gott des Lebens von Herzen.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

21. Februar

Wer kann sagen: «Ich habe mein Herz geläutert
und bin rein von meiner Sünde.»
Sprüche 20,9

Wer tut sich nicht schwer mit der Frage nach der Sünde? Unser Text kommt aus einer Reihe von Sprüchen, die wohltun, weil sie den Alltag ansprechen und doch darüber hinausweisen: «Es ehrt einen Mann, dem Streit fern zu bleiben, jeder Tor aber fängt Streit an.» (Sprüche 20,3)
Etwas alltäglich, etwas locker, so kommen die beiden Sätze daher. Und beide handeln vom Leben, meinem Leben und dem Leben in der Gesellschaft. Beide Sätze sollen mir helfen, mein Leben so zu gestalten, dass ich achtsam mit meinem Herzen umgehen kann. Und sie sollen aufzeigen, dass genau diese Achtsamkeit für das Zusammenleben der Menschen gut ist. Ich weiss nicht, wie genau das geht, sein Herz zu läutern. Aber ich kann nachdenken, stille sein, mir Fragen stellen lassen von Menschen, die mit mir auf dem Weg sind. Und dann kann ich mein Verhalten ändern. Ich muss Konflikten nicht aus dem Weg gehen, kann aber aus dem Nachdenken heraus diese so gestalten, dass kein Streit entsteht. Das ist vielleicht das, was wir alle beitragen können, gerade in dieser schwierigen Zeit, wo Menschen sich wieder bekriegen. Was genau Sünde ist, ist damit nicht geklärt. Und das ist gut so, denn gerade dieses Wort ist eines, das belastet und mich einknicken lässt.

Schenke du uns die Kraft, nachzudenken und uns ganz am Leben zu orientieren.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud