Schlagwort: Madeleine Strub-Jaccoud

22. Oktober

Jesus spricht: Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde. Apostelgeschichte 1,8

Wenn der Kanon mit dem Wortlaut des heutigen Textes vielstimmig erklingt, dann schlägt mein Herz höher. Das Singen tut gut und öffnet die Seele. Der Anfang der Apostelgeschichte legt den Grundstein für die Kirche und ihre Mission. Zeug:innen sein heisst für mich, daran zu glauben, dass Jesus lebt. Und weil wir daran glauben, bezeugen wir, dass wir für das Leben aller Menschen und für die Schöpfung einstehen. Zuerst traten die Apostel in Jerusalem auf, dann wirkten sie in Samarien und erreichten Menschen, die nicht jüdischen Glaubens waren, bis an das Ende der Welt. Die weltweite Kirche soll diesen Glauben leben und ihn mit den Menschen teilen. Da ist niemand ausgeschlossen, da sind alle eingeschlossen. Wir wissen es, dieses Eingeschlossensein hat durch die Missionsbewegung auch Menschen in ihrer Kultur vereinnahmt. Ich hoffe, dass dies vorbei ist. Denn das Befreiende des Glaubens an das Leben stärkt uns für das gemeinsame Teilen, für das Voneinander-Lernen, für den Einsatz für die Würde aller Menschen. Und noch etwas: Jesus spricht von der Kraft des guten Geistes. Genau diese wollen wir miteinander einsetzen für das Leben.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

21. Oktober

Das Volk, das ich mir bereitet habe,
soll meinen Ruhm verkündigen.
Jesaja 43,21

Der Prophet erinnert an den Auszug aus Ägypten, damals. Aber jetzt ist jetzt: Es geht um den Auszug aus dem babylonischen Exil. Und da, das ist die Botschaft, schafft Gott, die Lebendige, Neues: «Seht, ich schaffe Neues, schon spriesst es, erkennt ihr es nicht? Ja, durch die Wüste lege ich einen Weg und Flüsse durch die Einöde.» (Jesaja 43,19) Neues erkennen, sich auf den Weg begeben, Altes hinter sich lassen und aufbrechen: Dazu lädt der Prophet ein – auch uns! So, wie die Menschen damals sehr wahrscheinlich nicht genau gewusst haben, wie das Neue aussieht, worin es besteht, so wissen auch wir es nicht genau. Aber, und das ermutigt doch, wir können uns auf den Weg machen. Auf den Weg mit der Lebendigen, denn sie weiss, wie der Weg aussieht und worin das Neue besteht. Vertrauen bedeutet immer auch, zu gehen, aufzubrechen.
Und, so denke ich, gerade damit rühmen wir Gott, die Lebendige. Wir lassen uns auf sie ein und machen uns auf. Und erzählen sollen wir davon, unser Vertrauen teilen, unsere Hoffnung leben. Wir sind mit anderen Menschen rund um die eine bewohnte Erde unterwegs. Das zu wissen, stärkt und lässt uns eintauchen in die Welt der Menschen, denen es nicht so gut geht. Und Neues wagen, unterwegs sein mit Gottes Hilfe und dem Vertrauen auf Heilung.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

Mittelteil September / Oktober

Boldern gibt Jugendlichen eine Chance

Boldern ist ein einmaliger Ort, der Menschen begeistert,
wo Menschen sich begegnen, sich mit gesellschaftspolitischen,
theologischen, ökologischen und kulturellen Themen
auseinandersetzen und sich herausfordern lassen. Eine ungezwungene,
herzliche Gastfreundschaft im Hotel Boldern trägt zum Wohlbefinden der Gäste bei.
Wir freuen uns, dass nach den Sommerferien 2024 ein neues Kapitel in der Geschichte Bolderns konkret wird. Wie vormals der Trägerverein Boldern verfolgt die Stiftung Boldern auch die Planung und Realisierung sozialer Projekte.
Zusammen mit dem Hotel Boldern prüfte der Stiftungsrat die Idee für ein Arbeitsintegrationsprojekt. Eine Arbeitsgruppe, bestehend aus drei Stiftungsrät:innen, der Geschäftsleiterin der Stiftung, dem Verwaltungsratspräsidenten des Hotels sowie den beiden Hoteldirektorinnen, arbeitete ein Konzept aus. Gemäss Stiftungszweck der Stiftung Boldern und der
Strategie des Hotels Boldern sollen Menschen mit besonderem Förderbedarf Möglichkeiten erhalten, zu lernen, sich weiterzuentwickeln und sich so im ersten Arbeitsmarkt im Bereich Gastronomie und Hotellerie zu integrieren.
Schon bald wurde der Arbeitsgruppe klar, dass das Hotel und die Stiftung Boldern die Zusammenarbeit mit einer Institution suchen müssen, die die agogische Begleitung der Lernenden und die Beziehung zur Invalidenversicherung (IV) und anderen zuweisenden Organisationen übernehmen würde. Es lag deshalb nahe, das Kompetenzzentrum Appisberg (siehe Kasten) ins Boot zu holen, das sich ja bereits um den Liegenschaftenunterhalt und die Pflege des Naturparks Boldern kümmert.
Das Kompetenzzentrum Appisberg begleitet vorwiegend Jugendliche und junge Erwachsene auf dem Weg ins Berufsleben im ersten Arbeitsmarkt. Die Teilnehmenden absolvieren eine Ausbildung zum Erlangen eines eidgenössischen Fähigkeitszeugnisses EFZ oder eines eidgenössischen Berufsattests EBA. Die Lernenden besuchen die Berufsfachschule und überbetriebliche Kurse in regulären Klassen.
Aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen (psychische Beeinträchtigungen und Lernbeeinträchtigungen wie Persönlichkeitsstörungen, Autismus-Spektrum-Störungen, Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, Depressionen, Traumata usw.) haben die Lernenden Anspruch auf Unterstützung durch die IV. Nichtsdestotrotz wird den Teilnehmenden nach entsprechenden Abklärungen zugetraut, dass sie mit zusätzlicher Unterstützung den Sprung ins Arbeitsleben schaffen.
Erfreulicherweise war das Interesse des Appisberg an einer Zusammenarbeit gross, sodass wir bald gemeinsam ein Detailkonzept erarbeiten konnten. Zu Beginn werden im Hotel Boldern zwei Lehrstellen für Menschen mit einer Beeinträchtigung geschaffen, eine im Bereich Küche und eine im Bereich Hauswirtschaft. Das Hotel Boldern wird somit ein Partnerbetrieb des Appisberg und kann von dessen reichhaltiger Erfahrung und Kompetenz profitieren.
Am 28. November 2023 stimmte der Stiftungsrat dem Arbeitsintegrationsprojekt im Hotel Boldern zu. Nun stehen wir bereits in der Umsetzung des Projekts. Eine der beiden Lehren hat nach den Sommerferien 2024 begonnen.


APPISBERG ist ein Kompetenzzentrum für berufliche Integration, das Abklärungen und Ausbildungen für Menschen mit besonderem Förderbedarf anbietet. Zum Angebot gehören auch sozialpädagogisch geführte Wohngruppen.
Der Sitz des Kompetenzzentrums ist – wie Boldern – in Männedorf. www.appisberg.ch

Von: Madeleine Strub-Jaccoud und Dominique Meier

21. September

Ein fröhliches Herz macht ein fröhliches Angesicht; aber wenn das Herz bekümmert ist, entfällt auch der Mut. Sprüche 15,13

Wenn ich am Hauptbahnhof in Zürich oder an einem anderen Bahnhof stehe, schaue ich gerne den Menschen zu. Dann habe ich oft den Eindruck, nur bekümmerte Gesichter zu sehen. Automatisch frage ich mich dann, ob ich auch ein bekümmertes Gesicht mache. Wie viel schöner ist es doch, mit einem fröhlichen Gesicht Kraft auszustrahlen. Oder liege ich falsch? Denn ich muss sofort aufpassen, nicht zu werten. Ich kann ja nicht in die Herzen der Menschen schauen. Das ist gut so. Und so weiss ich auch nicht, ob es stimmt, dass der Mut entfällt, wenn das Herz bekümmert ist. Es könnte ja auch sein, dass genau dann der Mut zum Widerstand wächst. Ich denke, dass all die verschiedenen Befindlichkeiten und ihre Ausdrucksformen aufgehoben sind bei Gott, der Lebendigen. Sie wertet nicht, sie ist einfach da. Und sie schenkt Kraft für das Leben, denn darum geht es doch, dass Leben als Ganzheit gemeint ist. An mir ist es, in die Gesichter der Menschen zu schauen und sie wahrzunehmen als ganze Menschen, je mit ihrer besonderen Würde. Und diese Würde muss geschützt werden, hier bei uns und dort, wo sie besonders beschädigt wird. Das braucht Mut, darum bitte ich.
Schenke uns die Kraft, hinzuschauen und für die Menschen, die uns brauchen, einzustehen.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

20. September

Gott breitet den Himmel aus und geht auf den Wogen des Meers. Er macht den Grossen Wagen am Himmel und den Orion und das Siebengestirn und die Sterne des Südens. Hiob 9,8–9

Auf meiner letzten Dienstreise nach Bolivien habe ich tatsächlich das Kreuz des Südens gesehen. Daran erinnert mich der heutige Text. Der Anblick des Himmels und seiner Sterne, die Sternbilder, die Milchstrasse, der Mond und die Sonne berühren mich und lassen mich staunen.
Hiob erinnert mit dem heutigen Text an die Schöpferkraft Gottes. Für ihn ist klar, dass Gottes Wirken wunderbar ist. Und diesem Wirken haben die Menschen nichts entgegenzusetzen, auch dann nicht, wenn Gott die Welt erschüttert. Kann ich mit beidem leben, mit dem Wunderbaren des Sternenhimmels und mit den Erschütterungen? Eigentlich will ich doch die Erschütterungen zwar annehmen, aber immer auch tatkräftig daran arbeiten, dass Heilung entstehen kann.
Und noch etwas bedenke ich: Das Wunderbare an Gottes Schöpfung macht mich demütig. Wie klein bin ich doch. Und die Erschütterungen, die ich immer wieder annehmen muss, machen auch demütig. Demütig sein heisst nicht passiv sein. Vielmehr ist Demut ein Anerkennen der Kraft Gottes, des Gottes des Lebens, damit wir selber Kraft haben.
Danke für deine Kraft.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

22. August

Der HERR spricht: Wenn du dich zu mir hältst,
so will ich mich zu dir halten.
Jeremia 15,19

Jeremia hat genug. Er ist einsam und kommt nicht gut an.
Er möchte sein Prophetenamt zurückgeben. Aber Gott lässt
nicht nach: «Wenn du umkehrst, lasse ich dich wieder vor
mir stehen, und wenn du Wertvolles hervorbringst, nicht
Leichtfertiges, wirst du sein wie mein Mund.» (Jeremia 15,19;
Zürcher Bibel) Wir sind alle keine Propheten, aber das Gefühl,
nicht anzukommen, einsam zu sein mit dem, was wir sagen
oder tun, kenne ich. Und wie oft haben wir gehört, dass wir
umkehren sollen zu Gott, der Lebendigen. Aber das «Wie»
wird uns nicht gesagt, das müssen wir, genau wie Jeremia,
selber suchen. Dafür gibt es kein Rezept. Aber vielleicht hilft
Jeremia selber. Er hat sein Amt nicht zurückgegeben. In ihm
war offenbar ein Wille, mit Gott weiterhin zu rechnen, auch
wenn es schwierig war. Und genau da kommt mir der heutige
Text nahe: Ich lese daraus eine Einladung, mich immer wieder
neu auf Gott, die Lebendige, einzulassen. Was es braucht,
damit wir das können, ist uns überlassen. Und was ich auch
mitnehme, ist die Wahrnehmung, dass die Lebendige nicht
lockerlässt, sie ist immer wieder da. Und sie sagt uns, dass
wir nicht leichtfertige Worte verlieren, sondern versuchen
sollen, Wertvolles zu denken und zu sagen. Das hilft, nicht
aufzugeben und uns an die frohe Botschaft des Auferstandenen
zu erinnern.
Sei du mit uns auf dem Weg.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

21. August

Lasst uns unser Herz samt den Händen aufheben
zu Gott im Himmel!
Klagelieder 3,41

Der Tempel ist zerstört, die Menschen klagen. Sie sehen ihre
Schuld im Verlust der Gottesbeziehung, sie waren widerspenstig.
Aber sie beten zu Gott. Sie klagen.
Wie geht eigentlich Klagen? Ich habe den Eindruck, dass
wir das gar nicht dürfen oder nicht können. Ich bin müde,
habe Schmerzen, aber nein, ich will nicht klagen. Dabei hat es
doch etwas Befreiendes, seinen Schmerz, auch den Schmerz
über den Zustand unserer Welt, mit anderen Menschen und
mit Gott zu teilen. Schämen will ich mich nicht, will nur
einen Zustand nicht einfach für mich behalten. Ich hoffe
dabei auf Freund:innen, die zuhören, und ich hoffe zugleich
auf Gott, die Lebendige. Klagen geschieht auch im Vertrauen
darauf, dass meine Klage gehört wird. Die Zuhörenden müssen
damit ja gar nichts tun. Ihr Hören ist ein Zuhören aus
Solidarität. Mir fällt auf, dass wir in den Bildern über die
Kriege, den Berichten von Flüchtenden selten eine Klage
hören. Oder verdränge ich die Klage, weil ich nicht mehr
zuhören will oder kann? Ich wünsche mir, dass wir das Befreiende
des Klagens erfahren, dass alle Menschen die Solidarität
des Zuhörens erfahren, damit sie mit neuer Kraft ihren
Weg gehen können. Denn das ist es doch, was wir brauchen:
immer wieder neu aufbrechen im Hoffen auf gute Wege.
Und darauf vertrauen, dass unser Klagen erhört wird.
Danke, dass du uns hörst. Hilf uns, aufzubrechen.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

21. Juli

Siehe auf den Bergen die Füsse eines guten Boten,
der da Frieden verkündigt!
Nahum 2,1

Die Fremdherrschaft wird abgeschüttelt, Befreiung wird
angekündigt. Und im selben Vers ist wieder von Aufrüstung
die Rede. Und doch ist hier der Bote. Zwar ist er auf den
Bergen, sein Weg ist verborgen. Aber er ist da. Es kommt
mir vor, als komme er, oder auch sie, auf leisen Sohlen über
die Berge zu den Menschen. Wie gross ist meine Sehnsucht
nach einem Boten, jemandem, der oder die Frieden ankündigt
heute und für die ganze Welt! Soll ich resignieren? Soll
ich mich einfach zurückziehen, fatalistisch abwarten? Soll ich
meine Sehnsucht mit anderen Sehnsüchtigen teilen? Jede
und jeder muss den eigenen Weg suchen und finden. Aber
eines wird mir beim Lesen des heutigen Textes klar: Die
Boten sind da, irgendwo, vielleicht auf den Bergen, vielleicht
bereits unter den Menschen. Und diese Boten sind für mich
Gesandte, Gesandte vom Gott des Lebens. Ich will nicht
stecken bleiben in der Sehnsucht, will nicht resignieren, will
mich nicht zurückziehen. Ich will Vertrauen haben in Gott,
die Lebendige, und will daran festhalten, dass Friede und
Gerechtigkeit möglich sind. Und ich will mein Herz öffnen
für den Boten oder die Botin, will Ausschau halten nach
Frieden, will, wie die Menschen damals, dass die
Fremdherrschaft vorbeigeht.
Gott des Lebens, schenke du der Welt Boten des Friedens.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

20. Juli

Du musst innewerden und erfahren, was es für Jammer und
Herzeleid bringt, den HERRN, deinen Gott, zu verlassen und
mich nicht zu fürchten. Jeremia 2,19

Die Zürcher Bibel übersetzt: «Böse und bitter ist es, dass
du den HERRN, deinen Gott, verlassen hast.» Es schmeckt
bitter. Das wollen wir doch nicht. Diese Worte sind an das
Volk Israel gerichtet. Das war damals. Und heute? Und wie
ist es mit mir und dem Erfahren, dass wir gottverlassen sind?
Es geht nicht an ,zu urteilen oder zu bewerten. Also schreibe
ich einfach von mir. Kann ich in all dem Leid auf unserem
Planeten mit Gott, der Lebendigen, rechnen? Auch mein
Vertrauen ist oft erschüttert. Das schmeckt bitter. Und das
soll ich erfahren? Eigentlich lieber nicht.
Und doch führt kein Weg daran vorbei. Nur: Wie kann
ich die Bitterkeit hinter mich bringen? Dafür gibt es keine
Rezepte. Aber die Lebendige lässt mich nicht fallen. Sie ist
da und sie hilft, das Vertrauen wieder aufzubauen. Das ist
für mich ein Geheimnis des Glaubens: die Gegenwart Gottes
auch in der Bitterkeit, der Verzweiflung, im Schreien.
Ich glaube nicht, dass die Zeit die Wunden der momentanen
Krisen heilt. Aber ich glaube, dass den Menschen Kraft
geschenkt wird, um den Weg des Lebens, der Gerechtigkeit
und des Friedens weiterzugehen.
Dazu schenke du uns Vertrauen, Glauben, Nähe

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

22. Juni

HERR sei mir gnädig, denn ich bin schwach; heile
mich, HERR, denn meine Seele ist sehr erschrocken.

Psalm 6,3.4

Es ist schwierig, aus dem Erschrecken herauszufinden. Manchmal
sind es ja Kleinigkeiten, die uns erschrecken, etwa wenn
etwas in die Brüche geht. Manchmal sind es tiefgehende
Erfahrungen, die nach Heilung rufen. Die Heilung kommt
auch bei intensiven Gebeten nicht sofort. Es ist, als ob Gott,
die Lebendige, sich Zeit liesse. Ist es gerade diese Zeit, in
der ich mir meiner Schwachheit so richtig bewusst werde?
Ist es diese Zeit, die mich zum Nachdenken führt? Denke
ich über die Heilung nach? Ungezählte Menschen, Kinder,
Frauen, Männer als Soldaten brauchen Heilung von ihren
Kriegstraumata. Sie sind zutiefst erschrocken. Lässt sich die
Lebendige da auch Zeit, oder schenkt sie Heilung? Stimmt es,
dass die Zeit Wunden heilt? So einfach scheint mir das nicht.
Bestimmt gibt es Menschen, die Hilfe erfahren in ihrer Situation,
aber das bedeutet nicht, dass sie Heilung erfahren. Mir
ist es wichtig, mir diese Tatsache immer wieder vor Augen
zu führen. Unsere Welt macht uns verletzlich. Und da gibt es
für mich eigentlich nur eines: das Bewusstwerden, wie nötig
Heilung ist. Ich kann die Lebendige darum bitten. Ich kann
für die Menschen beten, für sie eintreten, die Augen nicht
verschliessen, selbst zu erschrecken in meiner Seele.
Sei du den Menschen in den Kriegssituationen ganz nahe.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud