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30. März

Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünde nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.
1. Korinther 5,19

Das Wort von der Versöhnung sagt sich schwer
Sein Resonanzraum
Ist vollgestopft mit alten Möbeln
Staub hat sich angesammelt
und Milben sind fett geworden
Vom Leben langer Zeiten

Das Wort von der Versöhnung
Das grosse, stolze Wort
Ist klein geworden
Es sagt sich in jede Ritze hinein
Klebt sich an die Mauern und bleibt dort
Angeleimt
Im Dunkel der Träume und Wirrnisse:
Es wirkt nicht mehr.

Das Wort von der Versöhnung braucht
Eine Versöhnung mit sich selbst
Hoffnung auf einen neuen Anfang
Zärtliche Hände
und
Einen Kuss der Liebe!

Von Reinhild Traitler

29. März

Wir können es ja nicht lassen, von dem zu reden, was wir gesehen
und gehört haben.  Apostelgeschichte 4,20

Wie hätte ich reagiert, wenn ich damals zugehört hätte, als jene zwei Männer, Petrus und Johannes hiessen sie, vor der Jerusalemer Ratsversammlung über ihre Beziehung zu einem gewissen Jesus berichteten? Er sei es, der sie Wunder vollbringen lasse. Wie er es schon selbst getan habe vor seinem gewaltsamen Tod. Aber jetzt sei er auferstanden und wirke weiter, auch durch sie, die Angeklagten.

Hätte ich mich von ihnen überzeugen lassen? Ich bezweifle es. Heute jedenfalls kommen mir schnell die üblichen Etiketten in den Sinn: Verrückte! Verführte und Verführer! Und es stellt sich mir eine ganz neue Frage: Was unterscheidet die Geschichte von jenem «Auferstandenen» von den unglaublichen Theorien von heute? Nun gut, zum Beispiel die Tatsache, dass sie selber in die Geschichte eingegangen ist, ja sie gestaltet hat – manchmal auch wenig «jesusgemäss». Was aber macht den Unterschied zwischen Jesus von Nazaret und Bill Gates oder George Soros, die geheimer Pläne und schändlicher Taten  bezichtigt werden?

Zum Beispiel das: Der christliche Glaube sieht in Jesus eine Lichtgestalt. Heutige Verschwörungstheoretiker jedoch verteufeln jene Persönlichkeiten, um die sich ihre Gedanken drehen. Vieles, was über Jesus überliefert wurde, ist sicher nicht Tatsache, aber seine ganze Botschaft ist durchdrungen von einem Geist der Liebe. Sie sät nicht Hass, sondern sucht Verständigung, Versöhnung, Frieden.  

Von Käthi Koenig

28. März

Vor dem HERRN her kam ein grosser und gewaltiger Sturmwind, der Berge zerriss und Felsen zerbrach, in dem Sturmwind aber war der HERR nicht. Und nach dem Sturmwind kam ein Erdbeben, in dem Erdbeben aber war der HERR nicht. Und nach dem Erdbeben kam ein Feuer, in dem Feuer aber war der HERR nicht. Nach dem Feuer aber kam das Flüstern eines sanften Windhauchs.
1. Könige 19,11–12

sanfter Windhauch (Zürcher Bibel)

sanftes Sausen (Luther 2017)leises Wehen (Bibel in gerechter Sprache)

sanftes, feines Flüstern (Basis Bibel)

leiser Hauch (Gute Nachricht)

leises Säuseln (Hoffnung für alle)

Hättest du Gott so erkannt?

27. März

Jesus spricht: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.
Matthäus 25,40

Welchen Massstab lege ich an? Wenn ich richte über den Anderen, die Andere, wenn ich mir ein Urteil bilde über mein Gegenüber. Natürlich nicht leichtfertig und weit weg von einem simplen Vorurteil, sondern aufgrund einer genauen Analyse der Situation, des Kontextes und unter Berücksichtigung von objektiven Kriterien und zur Verfügung stehenden Fakten.  Wenn ich sage: Du bist schuld an der Situation, dass alles so aus dem Ruder gelaufen ist! Dass die Beziehung nicht mehr so toll ist wie früher! Dass der Job mir keinen Spass mehr macht! Immer machst du alles falsch! Was empfinde ich eigentlich als gerecht und was als ungerecht und woran mache ich das fest? Und vielleicht noch dringender die Frage: Nach welchem Massstab möchte ich gerichtet werden?
Na ja, eigentlich gar nicht!, fährt es mir durch den Kopf. Warum sollte ich denn gerichtet werden? Und wer sollte dies machen? Wer kennt mich denn so gut, dass er oder sie sich ein Urteil erlauben könnte? Ich kenne mich manchmal ja selbst nicht.

Vom Weltgericht schreibt Matthäus und versucht, Gottes Massstab in Worte zu fassen. Und dieser Massstab verstört, irritiert diejenigen, die drüberspringen, genauso wie die, die darunter durchfallen. Denn Gottes Massstab ist anders.
Und das ist meine Hoffnung.

Von Sigrun Welke-Holtmann

26. März

Der HERR wird seinen Engel vor dir her senden.
1.   Mose 24,7

Ein Engel soll dem Knecht Abrahams helfen, die richtige Frau für Isaak zu finden. Ganz schön dreist, denke ich, einen Engel für Liebesdinge zu bemühen. Dabei war die Liebe bei der Partnerwahl in damaliger Zeit gar nicht im Vordergrund, sondern wirtschaftliche Überlegungen oder, wie hier, der Wunsch Abrahams, eine Frau von ähnlicher Herkunft für seinen Sohn zu finden.

Wir halten ja nicht mehr so viel von arrangierten Ehen, wie sie in manchen Teilen der Welt durchaus noch üblich sind. Lieber verlassen wir uns auf den Algorithmus von Parship oder anderen Dating-Plattformen.

Wer aber kommt auf die Idee einen Engel zu beauftragen? Mir erzählte unlängst eine Frau, dass sie nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes in eine tiefe Depression verfiel. In einem Museum vor van Goghs «Sternennacht» stehend, empfand sie seit langem wieder so etwas wie ein Glücksgefühl. Einige Zeit später bemühte sich ein Mann um sie. Als sie bei ihm zuhause, in seinem Schlafzimmer eine Reproduktion von van Goghs «Sternennacht» entdeckte, wusste sie ganz tief drinnen, sie war wieder zurück in der Liebe und im Leben.

Vielleicht hat doch Gott seinen Engel gesandt, den Weg für das Lebensglück dieser Frau zu bereiten – durch eine dunkle Zeit hindurch, hin zu einer leuchtenden Sternennacht! .

Von Barbara Heyse-Schaefer

25. März

Es ist über alle derselbe Herr, reich für alle, die ihn anrufen.
Römer 10,12

Niederschwellig, wie bei der Nr. 143,
der Dargebotenen Hand,
ist es, dich anzurufen.
Es braucht weder Handy noch Festnetz,
nur den Mut, sich einzulassen
auf das Abenteuer des Glaubens.
Du befreist uns
aus der Selbstbezogenheit,
öffnest uns so auch für andere.

Die Menschheitsgeschichte ist voll
von Spuren der Beziehungen zu dir –
eine Erbsubstanz, die wir mit uns tragen
und weitergeben können,
in ihrem bunten Reichtum,
mit ihren Widersprüchen.

Wo immer Menschen dich anrufen,
dich in die Welt hinein glauben
und wahr werden lassen,
wird deine Wahrheit wachsen
und gedeihen in unserer Welt,
in deiner Welt.

Von Heidi Berner

24. März

Ich denke an die früheren Zeiten; ich sinne nach über all deine Taten und spreche von den Werken deiner Hände.        
Psalm 143,5

Es zeichnet ja uns Menschen aus,
dass wir seit Urzeit Werkzeug nutzen,
viel mehr als Tiere es je tun.
Und dies gilt nicht nur für Materielles,
sondern ebenso für das,
was uns in unserem Leben
sonst noch widerfährt.
Mit unseren Erfahrungen
– eigenen und fremden –
und auch mit Geschichten
sammeln wir im Lauf der Jahre
Werkzeuge für viele Lebenslagen.
Wenn wir dann in Schwierigkeiten stecken,
denken wir – vielleicht – an frühere Zeiten,
erinnern uns, was einst geholfen hat,
uns selber oder anderen.
Viel steckt in unseren Werkzeugkisten:
Vertrauen, Zuversicht, Geduld,
Gelassenheit, Lebensfreude und Humor.
Und in gutsortierten Kisten
sind gewiss auch diese drei:
Glaube, Hoffnung, Liebe.

Von Heidi Berner

23. März

Der HERR ist mein Fels und meine Burg und mein Erretter.
Samuel 22,2

Als die Kinder noch kleiner waren, besuchten wir als Familie hin und wieder die Mörsburg in der Nähe von Winterthur – einen gut erhaltenen Wohn- und Wehrturm, der schon rund tausend Jahre alt ist. Die dicken Mauern sind eindrückliche Zeitzeugen. Sie haben die Jahrhunderte überdauert und vermitteln bis heute ein Gefühl für den Schutz, den die Bewohner hinter ihnen suchten. Eine Burg birgt und trotzt den Feinden. Wenn man in der Mörsburg die Wendeltreppe hinaufsteigt, kann sich auch ein beklemmendes Gefühl einstellen. Wie sich das wohl anfühlte, wenn ein feindlich gesinnter Ritter mit bösen Absichten die Burgbewohner drangsalierte? Die Turmbewohner mussten bezüglich Komfort Kompromisse machen. Wer sich verschanzt, signalisiert denen, die draussen sind: Ich traue dir nicht über den Weg.

Das Siegeslied von David handelt von Gott. David dankt ihm, weil er ihn vor Saul beschützt hat. Gott war für ihn wie eine dicke Mauer. Ich frage mich: Ist mein Gott wie eine Mauer? Glaube ich an einen Gott, der im Krieg hilft? Das Gottesbild ist dreitausend Jahre alt, älter als die Mörsburg. Passt es noch? Ich denke, die Burg ist nur ein Bild, aber das beklemmende Mörsburg-Gefühl stellt sich dennoch ein. Man hofft, es sei veraltet. Ich fürchte, es bleibt aktuell für alle, deren Umwelt feindselig ist.

Von Ralph Kunz

22. März

Dies ist der Tag, den der HERR macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein. Psalm 118,24

Von meinen amerikanischen Freunden kenne ich die Wendung you made my day. Es ist ein Feedback, das ich bekomme, wenn ich jemanden glücklich gemacht habe. Die Freude herrscht für einen Tag. Im Psalm sagt die Gemeinde zu Gott etwas Vergleichbares, frei und fröhlich übersetzt: You  made our day!

Im Kirchenjahr sind es die besonderen Festtage. Der «Tag des Herrn» wurde in der christlichen Tradition öfters mit dem Ostersonntag identifiziert. Für uns senden die Worte eher ein weihnächtliches Signal. Johann Fürchtegott Gellert nimmt das Motiv aus Psalm 118,24 auf und deutet es auf die Geburt Jesu. Dies ist der Tag, den Gott gemacht, / sein werd in aller Welt gedacht; / ihn preise, was durch Jesus Christ / im Himmel und auf Erden ist.

Im  Original war vermutlich ein Sieg der Anlass. Der Sänger war in Bedrängnis, erfuhr aber eine wunderbare Rettung. Gestaltet wurde der Psalm danach als liturgischer Wechselgesang. Es gibt einen Vorsänger Israels, der Gott über- schwänglich dankt und dann verschiedene Chöre auffordert zu antworten: «Freundlich ist Gott und seine Güte währt ewig.» Man soll den Altar schmücken, für Gott Lieder singen und «seinen Tag» feiern. Ich  finde  es  eine schöne Idee,  jeden Tag so zu beginnen. God, you make my day!

Von Ralph Kunz

21. März

Tu mir kund den Weg, den ich gehen soll; denn mich verlangt nach dir.
Psalm 143,8

Der Psalmschreiber ist in einer Notlage, weiss nicht aus noch ein. Es fehlt ihm an etwas Entscheidendem für sein Leben: eine Idee des Weges, den er gehen soll. «Lass mich am Morgen deine Gnade spüren, denn auf dich vertraue ich.» (Vers 8a) Von Gericht ist die Rede, davon, dass Gott ihn retten soll.
Im ganzen Psalm wird Gott als Retter angerufen. Ob seine Gnade den Weg kundtut, entzieht sich bei der Lektüre der Gewissheit. Und so drücken diese Worte des Gebets die Spannung aus zwischen dem Suchen nach Gott und seiner Gnade und der Angst davor, dass der «Geist in mir verzagt». Und doch muss er einen Weg gehen. Keine Resignation, kein Fatalismus, nur ein Ringen darum, was wohl Gottes Wille sein könnte.

Dieser Psalm kommt mir nahe, denn auch ich und wahrscheinlich wir alle kennen Situationen, in denen wir nach dem Weg suchen. Ob es dann der richtige oder der falsche ist, bleibt offen. Nahe kommt mir der Psalm, weil da einer schreibt, der nicht nachlässt mit fragen und bitten, aber auch mit der Gewissheit, dass Gott da ist. Ein letzter Halt in Gottes Liebe, der Liebe der Lebendigen zum Leben, auch zu meinem Leben, kommt mir entgegen und wirft ein Licht auf meinen Weg.

Danke, Gott, dass du da bist für die Menschen und deine ganze Schöpfung.

Von Madeleine Strub-Jaccoud