Autor: Heidi Berner

Mittelteil Juli / August

Vorstellungsrunde

Seit Anfang 2026 schreiben über dreissig Autorinnen und Autoren die Bolderntexte. Die fünf Neuen stellten sich im Heft von Januar / Februar vor. Kurzporträts – von A bis H – waren im letzten Heft. Nun folgen die übrigen Porträts – von I (respektive K) bis Z.

Ralph Kunz
Es gehört zu den Privilegien meines Berufs, dass ich mich beinahe täglich
mit biblischen Texten beschäftigen darf. Ich lehre Praktische Theologie und verdiene
sozusagen mein Brot mit dem Wort. Das Schreiben von Bolderntexten
gehört dazu. Manchmal sperrt sich aber das Wort gegen meine Verarbeitung. Das macht mir dann zu schaffen und ich muss warten, bis das Wort an mir
und in mir arbeitet. Ich hoffe, dass diese Wortarbeit in den Bolderntexten spürbar wird, und freue mich, wenn sie weitergeht.
Kontakt: ralph.kunz@theol.uzh.ch

Carsten Marx
Ich wurde 1973 in Krefeld geboren und wuchs am Niederrhein, in Graz und Wien auf. Ob als Prediger, Kirchenmusiker, Sprecher, Chorleiter oder Moderator mag
ich das, was Sprache und Musik können. Nach vielen Jahren als Gemeindepfarrer,
zuletzt im Südburgenland in Grosspetersdorf und Rechnitz, reizt mich ab Herbst
2026 eine neue Tätigkeit in der Diakonie de La Tour am Standort Graz als Referent
für Diakonische Identität verbunden mit Religionsstunden an Gymnasien und berufsbildenden höheren Schulen. Als Familienmensch und Vater von drei
Töchtern bin ich gut vernetzt, liebe unsere österreichischen
Kaffeehäuser, sinnvolle Gedanken, Bücher um mich herum,
inspirierende Gespräche, etwas Neues auszuprobieren, Fahrten
mit der Eisenbahn sowie Basketball und Schach.
Kontakt: carsten.marx@evang.at

Katharina Metzger
Ich mag es, bei den Bolderntexten schreibend dem nachzuspüren, was die Bibelverse in mir auslösen. Die sehr kurze Form für jeden Tag und die Beschränkung auf
einen oder wenige prägnante Gedanken gefallen mir. In meine Texte fliesst
oft mein Alltagsleben ein, geprägt durch meine Arbeit als Lehrerin oder meine Familie. Gerne lese ich solche persönlichen und aus der jeweiligen Erlebniswelt geborenen Annäherungen an die Bibelverse auch bei anderen. Andererseits
weisen die Bolderntexte aber auch über diesen Alltag
hinaus und rühren an die Wunder und die Abgründe des Lebens.
Kontakt: k.metzger@gmx.ch

Elisabeth Raiser
Aus allen beruflichen und fast allen ehrenamtlichen Tätigkeiten
bin ich inzwischen schon länger ausgeschieden, habe Zeit und eine grosse Familie, die mich beglückt. Die politischen Ereignisse wecken in mir zunehmend den Gedanken: Was könnte ich in meinem kleinen Umfeld tun? Demokratie an der Basis? Unsere recht lebendige Kirchgemeinde bietet dazu angesichts der zurückgehenden
hauptamtlichen Pfarrstellen neue und spannende Möglichkeiten.
Jeden Morgen lesen mein Mann und ich den jeweiligen Bolderntext. Welche Fülle an Glauben, Erkenntnissen, Lebenserfahrungen kommen uns da entgegen! Danke!
Kontakt: elisabeth.raiser@posteo.de

Felix Reich
Jahrgang 1977. Ich bin in Marthalen und Winterthur aufgewachsen
und wohne heute mit meiner Frau und meinen drei Töchtern in Zürich-Wiedikon. Seit 2012 bin ich Redaktionsleiter der Zeitung «reformiert. » in Zürich. Zuvor arbeitete ich als freier Journalist und zehn Jahre in verschiedenen
Funktionen in der Redaktion der Tageszeitung «Der Landbote» in
Winterthur, zuletzt als Bundleiter Stadt Winterthur und Kultur. Ich studierte Germanistik, Allgemeine Geschichte und Vergleichende Literaturwissenschaften
in Zürich und Berlin. Als Kapitän des FC Religionen engagiere ich mich für den interreligiösen Dialog. Kontakt: felix.reich@reformiert.info

Barbara und Martin Robra
Wir verfassen unsere Texte gemeinsam. Seit 1994 leben wir in der Suisse
romande. Zuvor lebten wir beide in von Stahlwerken geprägten Kirchgemeinden
im Ruhrgebiet. Barbara ist selbständig und produziert Bücher, Filme und Ausstellungen mit ihrer Firma CAM (Communication, Arts, Media). Martin arbeitete in verschiedenen Funktionen für den Ökumenischen Rat der Kirchen.
Zur Familie gehören fünf Kinder mit Partnern und Partnerinnen
und drei Enkelkinder, Pferde, Esel und Katzen.
Kontakt: brobra@bluewin.ch

Gert Rüppell
Ich bin verheiratet und lebe in Moers am Niederrhein. Das Schreiben von
Bolderntexten bereitet mir grosses Vergnügen, weil es mir die Chance
bietet, meine Welt immer neu, meist in einem unerwarteten biblischen
Licht zu lesen. Als Theologe war ich viele Jahre mit Fragen
von Ökumene, Mission und ökumenischer Bildung in
Deutschland, Finnland und der Schweiz tätig. Nunmehr seit
langer Zeit Rentner, geniesse ich es, zu lesen, im Chor zu singen
und Freundschaften zu pflegen, Rad zu fahren und Golf zu spielen.
Von besonderer Bedeutung sind mir meine Kinder in Finnland mit ihren jeweiligen Partnern und Kindern. Regelmässige Besuche sind mir ein Muss.
Kontakt: gert.rueppell@icloud.com

Benedict Schubert
Im Feld, das sich zwischen der Evangelisch- reformierten Kirche, der Communität
Don Camillo, der weltweiten Kirche (namentlich Angola und Moçambique)
auftut, habe ich mich im Studium, im Berufsleben und seit Juni 2022 als Pensionär
bewegt. Biblische Texte faszinieren mich als Räume, in denen ich
Gott, den anderen, der Welt und mir selbst begegne. Manchmal
verlasse ich diese Räume mit mehr Fragen, als ich sie
betreten habe. Andere Male geht mir darin ein Licht auf,
das mich lange begleitet und mir den Weg leichter macht.
Kontakt: beni.schubert@bluewin.ch

Heiner Schubert
Seit ich 21 bin, lebe ich in der Communität Don Camillo. Mir passt das
Leben in Gemeinschaft sehr. Meinen Alltag verbringe
ich damit, zu kommunizieren, in Wort und Bild (www.worthand.com). Oft habe ich es dabei mit der Bibel zu tun, aber ich stehe immer noch sehr am
Anfang. Was für ein Buch! Theologie habe ich studiert und
dann eine Schreinerlehre absolviert und geheiratet. Heute
höre ich viel zu, predige, so oft es geht, und versuche, im
Auftrag der Gemeinschaft die Gemeinschaft zusammenzuhalten.
Kontakt: heiner.schubert@doncamillo.ch

Hans Strub
Jahrgang 1945. Mitschreiber an den Bolderntexten seit 1973, besonders in der Zeit als Studienleiter und Leiter von Boldern (1979–1987). Vor dieser Zeit Gemeindepfarrer in Zürich-Hirzenbach, nach der Boldernzeit
Beauftragter für die Vikariatsausbildung (im Konkordat) und die Weiterbildung
der Pfarrerinnen und Pfarrer (in den ref. Kirchen der Schweiz).
Seit 2010 pensioniert. Mitglied der Bezirkskirchenpflege Zürich. Mitwirkung
im Helfereitheater. Verheiratet mit Madeleine, eine Tochter und zwei Söhne, zusammen sechs Enkelkinder.
Kontakt: hansw.strub@bluewin.ch

Madeleine Strub-Jaccoud
Die Bolderntexte gehören zu meinem Leben – als Leserin und Schreiberin bin
ich mit Mitlesenden verbunden. Eine Boldern-Community – das ist der Traum, der
weitergehen soll. Meine Lebensschritte führten immer wieder nach Boldern.
Ich bin ehemalige Präsidentin der Stiftung Boldern und Ehrenpräsidentin des Trägervereins Boldern. Und wie gerne bin ich auch Grossmutter von sechs Enkelkindern!
Kontakt: madeleine.strub@bluewin.ch

Lars Syring
Jahrgang 1971. Ein Ostwestfale bei den AppenzellerInnen. Ich mag das Meer
und Spaghettieis. Ich backe mein tägliches Brot selbst, fotografiere gerne und
betreibe einen Youtube-Kanal: http://www.youtube.com/@Mystikundich
Seit 2001 bin ich Pfarrer in Bühler AR. Ich bin verheiratet und habe drei Kinder.
Kontakt: lars.syring@gmx.ch

27. Juli

Die Augen des HERRN merken auf die Gerechten und seine Ohren auf ihr Schreien. Psalm 34,16

Ausschnitte aus meiner Übertragung des Psalms:


Ich will das Leben optimistisch anpacken,
positiv denken und reden.
Damit kann ich andere anstecken,
denen es weniger gut geht als mir.
Freut euch am Leben mit mir
und lasst uns alle erkennen, worauf es ankommt.
Alle, die sich am Wesentlichen orientieren,
werden strahlen und nicht zugrunde gehen.
Alle, die in ihrem Elend um Hilfe rufen, erhalten Gehör
und die Unterstützung, die sie brauchen.
Hütet euch vor bösem Geschwätz,
lasst euch nicht zum Lügen verleiten.
Meidet das Böse und tut das Gute,
sucht Frieden mit eurer ganzen Kraft.
Die Gerechten stehen in einem guten Licht
und sie finden Gehör in der Not. (Vers 16)

Von: Heidi Berner

26. Juli

Josef sprach zu seinen Brüdern: Zankt nicht auf dem Wege! 1. Mose 45,24

Geschwister zanken –
das gehört zum Repertoire
menschlichen Verhaltens.
Es ist das Einüben von Reaktionen
auf allerlei Herausforderungen –
für den Ernstfall.
Alle, die Kinder und Enkel haben,
kennen das zur Genüge.
Oft überfordern uns die Streitereien.
Wir wünschen uns doch so sehr
Frieden und Harmonie,
gerade in der Familie.
Im Ernstfall aber halten sie zusammen,
die Brüder und Schwestern.
Jedenfalls, wenn es «stimmt»
in der Familie.
Bei Josef und seinen Brüdern
hat es nicht immer «gestimmt».
Es ist eine lange Geschichte –
von Missgunst und Kränkungen.
Aus alter Zeit und doch so aktuell.
Zurzeit stimmt vieles nicht – weltweit.
Also: mehr Zusammenhalt – weniger Zank!

Von: Heidi Berner

Mittelteil Mai / Juni 2026

Vorstellungsrunde

Seit diesem Jahr schreiben über dreissig Autorinnen und
Autoren die Bolderntexte. So viele waren wir noch nie!
Die fünf Neuen haben sich im Heft von Januar / Februar
bereits vorgestellt. In diesem Heft folgen weitere Kurzporträts
– von A bis H.

Kathrin Asper
Geboren 1941, wuchs ich in Küsnacht auf
und besuchte da die Primarschule. Es folgten
Gymnasium und Studium, das ich in
Literatur und Pädagogik abschloss. Heirat
und Familiengründung. Nach einer Ausbildung
zur Psychotherapeutin führte ich ab
1975 eine eigene Praxis in Meilen.
Nun bin ich pensioniert, darf mich den Bolderntexten und
der Malerei widmen. Mein Mann und ich wohnen nunmehr
in den Bergen, wo wir unseren Lebensabend verbringen. Kirche,
religiöse Ikonografie und die Bibel haben mich immer
interessiert und mir viel gegeben.
Kontakt: kathrin.asper@bluewin.ch

Heidi Berner
Jahrgang 1955, aufgewachsen im Berner Oberland. Seit dem
Biologiestudium fasziniert mich die Formenvielfalt von
Rädertierchen, Hüpferlingen und Kieselalgen. In einer kirchli-
chen Frauengruppe entdeckte ich als junge Familienfrau
eine ebenso reiche Welt – oft im Widerspruch zu meinem
naturwissenschaftlichen Weltbild. Ich begann meine Gedanken zu
notieren und mit andern zu teilen.
Als Stadträtin (2004 bis 2017) in Lenzburg mit dem Ressort
Soziales lernte die ganze Bandbreite des Lebens kennen: Kinderbetreuung
und Jugendarbeit, Sozialhilfe, Einbürgerungen,
Gesundheitsversorgung, Altersbetreuung.
Seit 2013 bin ich im Team der Bolderntexte, dankbar für
die Herausforderung, in den oft sperrigen, aus dem Zusammenhang
gerissenen Losungen und Lehrtexten etwas zu entdecken,
das zu mir, zu uns heute spricht.
Ende 2022 übernahm ich die Redaktion der Bolderntexte.
In dieser Rolle habe ich einen ganz neuen Blick auf die Beiträge
der anderen Autorinnen und Autoren. Eine spannende
und lehrreiche Aufgabe!
Kontakt: heidi.berner@bluewin.ch


Annegret Brauch
Bolderntexte zu schreiben, ist für mich
eine lieb gewordene geistliche Übung, eine
Freude und zuweilen auch eine Herausforderung.
Im Gespräch mit der mir zugefallenen
Tageslosung oder dem Lehrtext entdecke
ich oft überraschend Neues, unerwartete
Verknüpfungen, den Trost und die Kraft des Gotteswortes.
Als Leserin freue ich mich an den verschiedenen
Perspektiven, mit denen die Mitautor:innen die Bibelverse
zum Klingen bringen.
Beruflich habe ich als Pfarrerin in der Gemeinde, im Schuldienst,
in der Erwachsenenbildung, der Frauenarbeit und
zuletzt als persönliche Referentin des Landesbischofs gearbeitet.
Seit April 2022 im «Ruhestand», empfinde ich den
gewonnenen Frei- und Gestaltungsraum, der damit verbunden
ist, als grosses Geschenk.
Kontakt: Annegret.Brauch@web.de


Monika Britt
In Zürich geboren und aufgewachsen, habe ich eine erste Ausbildung als Pflegefachfrau absolviert. Später habe ich die Matura nachgeholt und bin nach Freiburg gezogen, um Philosophie zu studieren.
Viele Fragen, die ich mir zur Welt, zum Menschen, zum Leben allgemein stelle, sind aber trotz Studium unbeantwortet geblieben, und es haben sich noch
mehr Fragen ergeben.
Beruflich war ich vor allem in der Pflege und in der Bildung tätig. Dann durfte ich, nach der Geburt meiner Tochter, dank einem Spezialstudiengang in Bern noch Theologie studieren. Während fünf Jahren wirkte ich als Pfarrerin im Kanton
Bern, nun bin ich seit März 2026 in Richterswil am Zürichsee.
Das Fragen und Nachdenken hat sich aber auch in diesem
schönen Beruf nicht erledigt, was mir durchaus entspricht.
Kontakt: Monika.Britt@refrichterswil.ch


Markus Bürki
Jahrgang 1980. Ich bin Vater von drei Kindern, Sozialdiakon, Erwachsenenbildner,
Männercoach, Umweltberater und Musiker.
Ich liebe Gespräche zwischen Bibel, Bier und Gesang! Darum habe ich unter anderem
ein Buch geschrieben und veröffentlicht:
«Bibel, Bier, Gesang – das volle Leben!» Ich schreibe
gerne, bin mit viel Freude am Schreiben für die Bolderntexte.
In Muttenz bin ich für die reformierte Kirche als Sozialdiakon
in der Senioren- und der Männerarbeit angestellt. Gerne
besuche ich die Metalchurch oder gehe an Metal-Konzerte.
Aktuell beschäftige ich mich stark mit der Frage, was die
«spirituelle Obdachlosigkeit» mit der Gesellschaft macht
und was es für mögliche Gegenrezepte anzupreisen gibt.
Kontakt: markus.buerki@ref-muttenz.ch 


Dorothee Degen
Jahrgang 1946. Seit ich in der Mittelschulzeit den Weg in die Bibelgruppe
(VBG) gefunden habe, gehört die Bibel zu meinem Leben als sättigendes, manchmal auch schwer verdauliches Brot.
Auch das Schreiben gehört zu mir: Artikel, Bücher, Redaktionsarbeit
– und sehr gerne die Bolderntexte, bei denen sich für mich das
«Kauen» des Bibeltexts und das Ringen um die schriftliche Form miteinander verbinden. Die Baptistengemeinde Zürich, der ich angehöre, hat sich das Motto gegeben:
«Wo Gott ist, da ist Liebe und Freiheit.» Damit kann ich mich identifizieren, da bringe ich mich gerne ein. Ich lebe in der schönen Stadt Zürich und schätze mich glücklich, dass unsere drei Söhne, drei Schwiegertöchter und acht Enkelkinder in guter ÖV-Reichweite wohnen.
Kontakt: degend@bluewin.ch


Bernhard Egg
Ich bin seit 2024 ein so genannt Pensionierter, einer mit vielfältigen Engagements. Ich bin Jurist, habe viel Politik gemacht, unter anderem fünfzehn Jahre im Kantonsrat
Zürich, war zuletzt während drei Amtsdauern Mitglied des Kirchenrats der Reformierten Landeskirche Zürich und Stellvertreter des kantonalen Ombudsmannes. Seit Mai 2024 führe ich mit Urs Häfliger zusammen das
Co-Präsidium der Stiftung Boldern. Ich gehe sehr gerne in die Berge, treibe Sport, habe eigenen Wald und bin glücklich, wenn ich meine Enkelin hüten darf.
Ich freue mich, einen Beitrag zu den Boldentexten zu leisten.
Kontakt: begg@bluewin.ch


Andreas Egli
Als pensionierter Pfarrer und Spitalseelsorger wohne ich mit meiner Frau in Schaffhausen. Unsere drei erwachsenen Kinder leben in Zürich und in der Region Schaffhausen. Gerne sind wir für unsere Enkelkinder da. Schon lange beschäftige
ich mich mit den Sprachen der Bibel. Nun habe ich Zeit, das moderne Hebräisch besser kennenzulernen. Die Bibel betrachte ich als ein «Buch des Lernens» (Ingo
Baldermann). Die Texte dokumentieren, wie Menschen in einer bestimmten Situation daran waren, etwas zu lernen oder zu entdecken. Heute kann beim Lesen wieder ein Lernprozess stattfinden.
Kontakt: andreasegli@gmx.ch


Andreas Fischer
Jahrgang 1966. Ein Nichtwissender werden – von diesem
Ziel aller mystischen Wege würde ich mir wünschen, dass es meinem Leben
die Richtung wiese. Und auch meinem Schreiben von Bolderntexten. Neugierig warte ich jeweils auf die mir zugespielten Losungen und versuche, wenn sie mir dann vorliegen, besonders auf Unbekanntes zu achten.
Einkehr in die Stille und Rückkehr zum Urtext helfen mir,
den Kopf von den eigenen Konzepten zu befreien. «Giess
aus, damit du erfüllt wirst!» (Meister Eckhart)
Kontakt: andreas.fischer@refrheinfelden.ch


Chatrina Gaudenz
Ich bin gebürtige Rätoromanin und in Lavin im Unterengadin aufgewachsen.
Ich studierte vergleichende Religionswissenschaften mit Schwerpunkt Judentum
in Zürich, Luzern und Jerusalem. Unterdessen bin ich Pfarrerin in der reformierten
Gemeinde Zürich-Fluntern und gehörte von Herbst 2020 bis Herbst 2022 zum Team der SRF-Sendung «Wort zum Sonntag».
Kontakt: chatrina.gaudenz@reformiertzuerich.ch


Dörte Gebhard
Aufgewachsen bin ich in der DDR, war siebzehn, als die Mauer fiel, und habe Evangelische Theologie in Kiel und Tübingen studiert. Jetzt bin ich Privatdozentin für Praktische Theologie an der Universität Zürich (seit 2010), Teilzeitpfarrerin in Schöftland AG (seit 2012) mit Schwerpunkt Erwachsenenbildung und aktiv in der kirchlichen Aus- und Weiterbildung. Regelmässig verfasse ich Onlinepredigten,
die das Komische am Christentum nicht verschweigen.
Bolderntexte bringen Würze durch die Kürze und sind oft wie Brühwürfel, aus
denen ich später Andachten und Predigten aufgiesse oder einen Perspektivwechsel in einem Seelsorgegespräch ermögliche.
Kontakt: doerte.gebhard@web.de


Barbara Heyse-Schaefer
Ich bin Jahrgang 1960 und lebe seit Ende 2023, meiner Pensionierung, mit einer
Freundin am Stadtrand von Wien. Unsere Frauen-Alters-WG ist ein Glücksfall: ein
geteiltes Haus mit Garten, eine kritische Gesprächspartnerin, viel gemeinsames
Leben – und eine Entlastung für unsere sieben erwachsenen Kinder, die gern mit ihren Familien zu Besuch kommen. Viele Jahre war ich Pfarrerin in zwei Wiener
Gemeinden, zudem Hochschulpfarrerin, später Leiterin der Evangelischen
Frauenarbeit in Österreich. Theologie studierte ich in Wien, Tübingen und Berlin. Feministische Theologie, Ökumene, interreligiöser Dialog und soziales Engagement begleiten mich bis heute. Ich bin Mutter von drei erwachsenen Kindern und werde
demnächst Grossmutter – eine neue Perspektive auf Zeit, Verantwortung, verbunden mit viel Freude!
Seit 2014 schreibe ich für die Bolderntexte. Persönliches verbinde ich mit theologischer Reflexion, Alltägliches mit politischer Wachsamkeit und bringe eine österreichische Stimme ein, die zuhört und nachfragt und dem Leben zutraut,
dass es mehr ist als das, was gerade sichtbar ist.
Kontakt: barbaraschaefer05@gmail.com


Esther Hürlimann
Das Schreiben der Bolderntexte ist für mich eine spirituelle und kreative Aufgabe, die ich als Bereicherung empfinde. Meine Bibelfestigkeit ist sehr selektiv, dafür aber innig-kritisch-beeinflusst durch mein Aufwachsen in einem landeskirchlich-
liberal geprägten Pfarrhaus im Kanton Zürich. Die Faszination für die poetische Kraft der Bibel wurde genährt in meinem Studium der Geschichte, Germanistik und Judaistik. Beruflich war ich nach meinem Universitätsabschluss einige Jahre im Tagesjournalismus tätig, bis ich vor 25 Jahren mit dem Herausgeben und
Schreiben von Büchern begann. Als Sachbuchautorin habe ich mich auf Firmen-
und Familiengeschichten spezialisiert. Zudem leihe ich meine Feder für historische Festreden und schicksalhafte Lebensgeschichten aus. Kontakt: e.huerlimann@pantarhei.ch

27. Mai

Obwohl es solche gibt, die Götter genannt werden, es sei im Himmel oder auf Erden, wie es ja viele Götter und viele Herren gibt, so haben wir doch nur einen
Gott, den Vater, von dem alle Dinge sind und wir zu ihm und einen Herrn, Jesus Christus, durch den alle Dinge sind und wir durch ihn. 1. Korinther 8,5–6

In der Tat gibt es viele Herren,
die sich auf Erden aufführen,
als hätten sie die Macht,
nach reiner Willkür
zu schalten und zu walten.


So gesehen ist der Korinthervers
ein «Abwehrmittel»
gegen diese Machtprotze.


Vielleicht müsste man es einfach
etwas schlichter sagen:
«Hört, ihr Mächtigen, wir fallen nicht
auf euch herein, so pompös ihr euch
auch aufführen mögt!
Wir vertrauen auf die radikale Liebe,
die der Wanderprediger
aus Nazaret vorgelebt hat
und die in uns allen schlummert.»
Hin und wieder blitzt sie auf
wie ein Sonnenstrahl –
welch ein Glück!

Von: Heidi Berner

26. Mai

Weist die zurecht, die sich an keine Ordnung halten,
ermutigt die Verzagten, steht den Schwachen bei,
habt Geduld mit allen! 1. Thessalonicher 5,14

Wenn wir diesen Anordnungen folgen,
konsequent und beharrlich,
dann haben wir ordentlich zu tun!


Es gibt leider viel zu viele, auch Mächtige,
die sich an keine Ordnung halten.
Was bringt da meine Zurechtweisung?
Herzlich wenig, schätze ich mal,
denn diese Mächtigen beeindruckt
weder Ordnung noch Zurechtweisung.


Die Verzagten ermutigen, das geht.
Am besten fange ich bei mir selber an!


Den Schwachen beistehen?
So umfassend eine Überforderung.
Aber es müssen ja nicht alle sein,
sondern jene, die mir nahe sind,
wo ich etwas bewirken kann.


Bei einigen geht mir die Geduld aus.
Also lass ich mich nicht entmutigen
und wage kleine Schritte.
Auf geht’s!

Von: Heidi Berner

27. März

Gerechtigkeit führt zum Leben; aber dem Bösen
nachjagen führt zum Tode. Sprüche 11,19

Es ist nicht immer so klar,
was gerecht und was ungerecht ist.
«Zwei für mich – einer für dich»
ist ein Bilderbuch, das die Sache
wunderbar auf den Punkt bringt.
Es ist spannend, mit kleinen Kindern
darüber zu debattieren,
wie drei Pilze gerecht zu verteilen sind.
Bär und Wiesel führen ein ausgiebiges,
gewitztes Streitgespräch über Gerechtigkeit.
Der Bär argumentiert, er kriege zwei,
weil er gross sei und mehr brauche.
Das Wiesel hingegen meint, es sei klein
und müsse noch wachsen.
In der Regel nehmen Kinder Partei
für das Wiesel, das kleine Tier.
Die Lösung bringt der Fuchs,
der den dritten Pilz klaut.
Die Empörung über den «bösen» Dieb ist gross,
aber das Verteilproblem ist gelöst!
Darauf essen Bär und Wiesel je einen Pilz
– und sind glücklich.
Es gibt sogar Nachtisch: drei Erdbeeren …

Von: Heidi Berner

26. März

Gott hat uns dazu vorherbestimmt, seine Kinder zu sein durch Jesus Christus nach dem Wohlgefallen seines Willens, zum Lob seiner herrlichen Gnade. Epheser 1,5–6

Jesus Christus ist unser Bruder.
Sonst wäre ja das Unservater
eine Lüge, eine Anmassung!
Es ist tröstlich, dass uns allen gilt,
in welcher Situation auch immer
wir gezeugt oder in welche Welt
wir hineingeboren werden:
Wir sind Kinder Gottes!
Übersetzt in Alltagssprache:
Wir alle haben Würde und Wert,
einfach, weil wir Menschen sind.
Wir dürfen leben auf diesem Planeten,
verletzlich, vergänglich und verbunden
mit anderem Leben, hungrig und durstig,
auch nach Liebe und Glück.
Wie aber damit umgehen, dass es
– unbestreitbar – «Geschwister» gibt,
mit denen wir nichts zu tun haben möchten?
Genau hinschauen, Unrecht erkennen
– auch das eigene –, dagegen angehen,
mutig für das Gute einstehen.
Und trotzig am Axiom des Glaubens
festhalten: Wir sind Kinder Gottes!

Von: Heidi Berner

Mittelteil Januar / Februar

Unsere Neuen im Team.

Wie schon in der Einleitung erwähnt, sind wir ab diesem
Heft über dreissig Schreiberinnen und Schreiber. Wer wir
sind, können Sie jederzeit auf www.boldern.ch nachlesen. In
einem der nächsten Hefte werden wir wieder einmal alle im
Mittelteil kurz vorstellen, sodass sich auch Leserinnen und
Leser ohne Internet ein Bild von unseren Autorinnen und
Autoren machen können.
In dieser Ausgabe geben wir aber den fünf Neuen etwas
mehr Raum. Eine Frau und vier Männer schreiben ab 2026
Bolderntexte. Drei von ihnen wohnen in Deutschland, zwei
junge Autoren in der Schweiz.
Die fünf Neuen stellen sich selber vor mit dem, was ihnen
wichtig ist.
Wir bedanken uns bei Johanna Zeuner, Jonas Meier, Armin
Schneider, Simon Sigrist-Hellingman und Jan Simowitsch für
ihr Mitwirken und freuen uns auf ihre Texte!

Jonas Meier
Jahrgang 1997. Ein Losungsvers kann uns allen auf verschiedene
Weise in den Alltag hineinsprechen, jeden Tag neu.
Deshalb liegen die Bolderntexte bei mir immer griffbereit da.
Es ist mir eine Freude, eigene Bolderntexte beizusteuern und
auf diese Weise einen Anstoss zu geben, wie die Bibelverse
weiterwirken können. Als Pfarrer in Rheinfelden beschäftige
ich mich Tag für Tag mit der frohen biblischen Botschaft, die
manchmal so quer steht zu einer Welt, die aus den Fugen
gerät. Mir liegt dabei die persönliche Begegnung am Herzen:
Wie spricht das Wort in deine konkrete Lebenssituation?

Armin Schneider
Jahrgang 1955. Geboren und aufgewachsen in einem kleinen
Dorf in Mittelhessen, lebe ich seit über vierzig Jahren in Duisburg.
Nach dem Studium der Evangelischen Theologie in
Wuppertal, Zürich und Tübingen war ich zunächst vierzehn
Jahre Gemeindepfarrer im Duisburger Norden, danach sechs
Jahre ausschliesslich in der Krankenhausseelsorge tätig, von
2004 bis zu meinem Ruhestand Superintendent des Evangelischen
Kirchenkreises Duisburg. Ich bin glücklich verheiratet,
meine Frau und ich erfreuen uns an zwei erwachsenen
Söhnen. Den Ruhestand erleben wir als eine nicht zu verachtende
Lebensphase; ehrenamtlich bin ich weiterhin mit
Freude im seelsorglichen Bereich tätig und freue mich jetzt
auf die Herausforderung durch die Bolderntexte, die ich seit
etlichen Jahren regelmässig und gerne lese.

Simon Sigrist-Hellingman
Ich wurde 1996 in St. Gallen geboren und bin im Zürcher Unterland aufgewachsen. Nach dem Theologiestudium in Zürich, Tübingen und Stassburg, dem Praktischen Semester in Zollikon und dem Vikariat im Kirchkreis 10 der Stadt Zürich (Höngg, Wipkingen West, Oberengstringen) bin ich nun im Pfarramt der Reformierten Kirchgemeinde Walenstadt-Flums-Quarten tätig. Die Herrnhuter Losungen inspirieren mich jeden Tag aufs Neue und sprechen in unsere Zeit.


Jan Simowitsch
Jahrgang 1980. Fragt nicht, warum! Es kam, wie es kam, und es ist gut: Ich wurde für alle überraschend Kirchenmusiker, Komponist und Autor. Als Kirchenmusiker habe ich unter anderem acht Jahre lang das Popinstitut der Nordkirche leiten dürfen und dabei das Song-Projekt «Monatslied» entwickelt. Für meine Kompositionen, meist Klaviermusik, lasse ich mich von der Natur inspirieren. Als Autor schreibe ich regelmässig Texte für verschiedene Zeitschriften und auf Instagram. Im Jahr 2025 habe ich im Bene!-Verlag mein Buch-Debüt «Und der Wal spuckt mich aus» veröffentlicht. Und nun freue ich mich auf die Bolderntexte und bin gespannt auf alles, was da jetzt kommt.


Johanna Zeuner
Volltheologin, Baujahr 1965. In der Wartezeit auf das Vikariat: Ausbildung zur Erzieherin. Wechsel nach Österreich, wo ich ordiniert wurde und in einem Kurort samt Dorf und am Stadtrand Wiens gearbeitet habe. Es folgten viele Jahre im gymnasialen Religionsunterricht. 2014 Rückkehr nach Deutschland; zunächst nach Berlin, dann in die Heimatstadt Verden an der Aller, wo ich an Haupt- und Realschulen unterrichte, nicht nur Religion. Ausbildung in systemischer Beratung.
Seit meinem 17. Lebensjahr ist Sprache für mich ein künstlerisches Ausdrucksmittel und eine biografische Bearbeitungsform. Damit tat sich auch theologisch ein neuer Weg auf. Nebenberuflich habe ich journalistisch gearbeitet. In meiner Freizeit bin ich fotografisch und musikalisch unterwegs. Ich freue mich, für Boldern schreiben zu dürfen. Die Losungskommentare schätze ich schon sehr lange für ihre Offenheit und ihren Lebensweltbezug.

27. Januar

Wohlan, die ihr sagt: Heute oder morgen werden
wir in die und die Stadt aufbrechen, ein Jahr dort
verbringen, gute Geschäfte machen und Gewinne
erzielen! Ihr solltet sagen: Wenn der Herr es will,
werden wir leben und dies oder jenes tun.
Jakobus 4,13.15

Wohlan! Wir sind es gewohnt,
genau so zu planen:
Wo und wann wir dies und das
zu tun gedenken und wozu.
Es ist halt so, dass unsere Pläne
längst nicht immer aufgehen.
Ist das Gottes Wille? Ist es Zufall?
Wer weiss das schon.
Es ist Glaubenssache.
Wir tun – so oder so – gut daran,
uns nicht allzu sehr festzulegen,
sondern offen für Überraschendes
und Unvorhersehbares
in die Zukunft zu blicken.
Wer weiss schon, welche Wunder
uns erwarten, gerade dann,
wenn wir sie nicht erwarten!
Es gilt – so oder so – die Kurzfassung
des Jakobusverses:
So Gott will und wir leben.

Von: Heidi Berner