Autor: Heidi Berner

Mittelteil Mai / Juni 2026

Vorstellungsrunde

Seit diesem Jahr schreiben über dreissig Autorinnen und
Autoren die Bolderntexte. So viele waren wir noch nie!
Die fünf Neuen haben sich im Heft von Januar / Februar
bereits vorgestellt. In diesem Heft folgen weitere Kurzporträts
– von A bis H.

Kathrin Asper
Geboren 1941, wuchs ich in Küsnacht auf
und besuchte da die Primarschule. Es folgten
Gymnasium und Studium, das ich in
Literatur und Pädagogik abschloss. Heirat
und Familiengründung. Nach einer Ausbildung
zur Psychotherapeutin führte ich ab
1975 eine eigene Praxis in Meilen.
Nun bin ich pensioniert, darf mich den Bolderntexten und
der Malerei widmen. Mein Mann und ich wohnen nunmehr
in den Bergen, wo wir unseren Lebensabend verbringen. Kirche,
religiöse Ikonografie und die Bibel haben mich immer
interessiert und mir viel gegeben.
Kontakt: kathrin.asper@bluewin.ch

Heidi Berner
Jahrgang 1955, aufgewachsen im Berner Oberland. Seit dem
Biologiestudium fasziniert mich die Formenvielfalt von
Rädertierchen, Hüpferlingen und Kieselalgen. In einer kirchli-
chen Frauengruppe entdeckte ich als junge Familienfrau
eine ebenso reiche Welt – oft im Widerspruch zu meinem
naturwissenschaftlichen Weltbild. Ich begann meine Gedanken zu
notieren und mit andern zu teilen.
Als Stadträtin (2004 bis 2017) in Lenzburg mit dem Ressort
Soziales lernte die ganze Bandbreite des Lebens kennen: Kinderbetreuung
und Jugendarbeit, Sozialhilfe, Einbürgerungen,
Gesundheitsversorgung, Altersbetreuung.
Seit 2013 bin ich im Team der Bolderntexte, dankbar für
die Herausforderung, in den oft sperrigen, aus dem Zusammenhang
gerissenen Losungen und Lehrtexten etwas zu entdecken,
das zu mir, zu uns heute spricht.
Ende 2022 übernahm ich die Redaktion der Bolderntexte.
In dieser Rolle habe ich einen ganz neuen Blick auf die Beiträge
der anderen Autorinnen und Autoren. Eine spannende
und lehrreiche Aufgabe!
Kontakt: heidi.berner@bluewin.ch


Annegret Brauch
Bolderntexte zu schreiben, ist für mich
eine lieb gewordene geistliche Übung, eine
Freude und zuweilen auch eine Herausforderung.
Im Gespräch mit der mir zugefallenen
Tageslosung oder dem Lehrtext entdecke
ich oft überraschend Neues, unerwartete
Verknüpfungen, den Trost und die Kraft des Gotteswortes.
Als Leserin freue ich mich an den verschiedenen
Perspektiven, mit denen die Mitautor:innen die Bibelverse
zum Klingen bringen.
Beruflich habe ich als Pfarrerin in der Gemeinde, im Schuldienst,
in der Erwachsenenbildung, der Frauenarbeit und
zuletzt als persönliche Referentin des Landesbischofs gearbeitet.
Seit April 2022 im «Ruhestand», empfinde ich den
gewonnenen Frei- und Gestaltungsraum, der damit verbunden
ist, als grosses Geschenk.
Kontakt: Annegret.Brauch@web.de


Monika Britt
In Zürich geboren und aufgewachsen, habe ich eine erste Ausbildung als Pflegefachfrau absolviert. Später habe ich die Matura nachgeholt und bin nach Freiburg gezogen, um Philosophie zu studieren.
Viele Fragen, die ich mir zur Welt, zum Menschen, zum Leben allgemein stelle, sind aber trotz Studium unbeantwortet geblieben, und es haben sich noch
mehr Fragen ergeben.
Beruflich war ich vor allem in der Pflege und in der Bildung tätig. Dann durfte ich, nach der Geburt meiner Tochter, dank einem Spezialstudiengang in Bern noch Theologie studieren. Während fünf Jahren wirkte ich als Pfarrerin im Kanton
Bern, nun bin ich seit März 2026 in Richterswil am Zürichsee.
Das Fragen und Nachdenken hat sich aber auch in diesem
schönen Beruf nicht erledigt, was mir durchaus entspricht.
Kontakt: Monika.Britt@refrichterswil.ch


Markus Bürki
Jahrgang 1980. Ich bin Vater von drei Kindern, Sozialdiakon, Erwachsenenbildner,
Männercoach, Umweltberater und Musiker.
Ich liebe Gespräche zwischen Bibel, Bier und Gesang! Darum habe ich unter anderem
ein Buch geschrieben und veröffentlicht:
«Bibel, Bier, Gesang – das volle Leben!» Ich schreibe
gerne, bin mit viel Freude am Schreiben für die Bolderntexte.
In Muttenz bin ich für die reformierte Kirche als Sozialdiakon
in der Senioren- und der Männerarbeit angestellt. Gerne
besuche ich die Metalchurch oder gehe an Metal-Konzerte.
Aktuell beschäftige ich mich stark mit der Frage, was die
«spirituelle Obdachlosigkeit» mit der Gesellschaft macht
und was es für mögliche Gegenrezepte anzupreisen gibt.
Kontakt: markus.buerki@ref-muttenz.ch 


Dorothee Degen
Jahrgang 1946. Seit ich in der Mittelschulzeit den Weg in die Bibelgruppe
(VBG) gefunden habe, gehört die Bibel zu meinem Leben als sättigendes, manchmal auch schwer verdauliches Brot.
Auch das Schreiben gehört zu mir: Artikel, Bücher, Redaktionsarbeit
– und sehr gerne die Bolderntexte, bei denen sich für mich das
«Kauen» des Bibeltexts und das Ringen um die schriftliche Form miteinander verbinden. Die Baptistengemeinde Zürich, der ich angehöre, hat sich das Motto gegeben:
«Wo Gott ist, da ist Liebe und Freiheit.» Damit kann ich mich identifizieren, da bringe ich mich gerne ein. Ich lebe in der schönen Stadt Zürich und schätze mich glücklich, dass unsere drei Söhne, drei Schwiegertöchter und acht Enkelkinder in guter ÖV-Reichweite wohnen.
Kontakt: degend@bluewin.ch


Bernhard Egg
Ich bin seit 2024 ein so genannt Pensionierter, einer mit vielfältigen Engagements. Ich bin Jurist, habe viel Politik gemacht, unter anderem fünfzehn Jahre im Kantonsrat
Zürich, war zuletzt während drei Amtsdauern Mitglied des Kirchenrats der Reformierten Landeskirche Zürich und Stellvertreter des kantonalen Ombudsmannes. Seit Mai 2024 führe ich mit Urs Häfliger zusammen das
Co-Präsidium der Stiftung Boldern. Ich gehe sehr gerne in die Berge, treibe Sport, habe eigenen Wald und bin glücklich, wenn ich meine Enkelin hüten darf.
Ich freue mich, einen Beitrag zu den Boldentexten zu leisten.
Kontakt: begg@bluewin.ch


Andreas Egli
Als pensionierter Pfarrer und Spitalseelsorger wohne ich mit meiner Frau in Schaffhausen. Unsere drei erwachsenen Kinder leben in Zürich und in der Region Schaffhausen. Gerne sind wir für unsere Enkelkinder da. Schon lange beschäftige
ich mich mit den Sprachen der Bibel. Nun habe ich Zeit, das moderne Hebräisch besser kennenzulernen. Die Bibel betrachte ich als ein «Buch des Lernens» (Ingo
Baldermann). Die Texte dokumentieren, wie Menschen in einer bestimmten Situation daran waren, etwas zu lernen oder zu entdecken. Heute kann beim Lesen wieder ein Lernprozess stattfinden.
Kontakt: andreasegli@gmx.ch


Andreas Fischer
Jahrgang 1966. Ein Nichtwissender werden – von diesem
Ziel aller mystischen Wege würde ich mir wünschen, dass es meinem Leben
die Richtung wiese. Und auch meinem Schreiben von Bolderntexten. Neugierig warte ich jeweils auf die mir zugespielten Losungen und versuche, wenn sie mir dann vorliegen, besonders auf Unbekanntes zu achten.
Einkehr in die Stille und Rückkehr zum Urtext helfen mir,
den Kopf von den eigenen Konzepten zu befreien. «Giess
aus, damit du erfüllt wirst!» (Meister Eckhart)
Kontakt: andreas.fischer@refrheinfelden.ch


Chatrina Gaudenz
Ich bin gebürtige Rätoromanin und in Lavin im Unterengadin aufgewachsen.
Ich studierte vergleichende Religionswissenschaften mit Schwerpunkt Judentum
in Zürich, Luzern und Jerusalem. Unterdessen bin ich Pfarrerin in der reformierten
Gemeinde Zürich-Fluntern und gehörte von Herbst 2020 bis Herbst 2022 zum Team der SRF-Sendung «Wort zum Sonntag».
Kontakt: chatrina.gaudenz@reformiertzuerich.ch


Dörte Gebhard
Aufgewachsen bin ich in der DDR, war siebzehn, als die Mauer fiel, und habe Evangelische Theologie in Kiel und Tübingen studiert. Jetzt bin ich Privatdozentin für Praktische Theologie an der Universität Zürich (seit 2010), Teilzeitpfarrerin in Schöftland AG (seit 2012) mit Schwerpunkt Erwachsenenbildung und aktiv in der kirchlichen Aus- und Weiterbildung. Regelmässig verfasse ich Onlinepredigten,
die das Komische am Christentum nicht verschweigen.
Bolderntexte bringen Würze durch die Kürze und sind oft wie Brühwürfel, aus
denen ich später Andachten und Predigten aufgiesse oder einen Perspektivwechsel in einem Seelsorgegespräch ermögliche.
Kontakt: doerte.gebhard@web.de


Barbara Heyse-Schaefer
Ich bin Jahrgang 1960 und lebe seit Ende 2023, meiner Pensionierung, mit einer
Freundin am Stadtrand von Wien. Unsere Frauen-Alters-WG ist ein Glücksfall: ein
geteiltes Haus mit Garten, eine kritische Gesprächspartnerin, viel gemeinsames
Leben – und eine Entlastung für unsere sieben erwachsenen Kinder, die gern mit ihren Familien zu Besuch kommen. Viele Jahre war ich Pfarrerin in zwei Wiener
Gemeinden, zudem Hochschulpfarrerin, später Leiterin der Evangelischen
Frauenarbeit in Österreich. Theologie studierte ich in Wien, Tübingen und Berlin. Feministische Theologie, Ökumene, interreligiöser Dialog und soziales Engagement begleiten mich bis heute. Ich bin Mutter von drei erwachsenen Kindern und werde
demnächst Grossmutter – eine neue Perspektive auf Zeit, Verantwortung, verbunden mit viel Freude!
Seit 2014 schreibe ich für die Bolderntexte. Persönliches verbinde ich mit theologischer Reflexion, Alltägliches mit politischer Wachsamkeit und bringe eine österreichische Stimme ein, die zuhört und nachfragt und dem Leben zutraut,
dass es mehr ist als das, was gerade sichtbar ist.
Kontakt: barbaraschaefer05@gmail.com


Esther Hürlimann
Das Schreiben der Bolderntexte ist für mich eine spirituelle und kreative Aufgabe, die ich als Bereicherung empfinde. Meine Bibelfestigkeit ist sehr selektiv, dafür aber innig-kritisch-beeinflusst durch mein Aufwachsen in einem landeskirchlich-
liberal geprägten Pfarrhaus im Kanton Zürich. Die Faszination für die poetische Kraft der Bibel wurde genährt in meinem Studium der Geschichte, Germanistik und Judaistik. Beruflich war ich nach meinem Universitätsabschluss einige Jahre im Tagesjournalismus tätig, bis ich vor 25 Jahren mit dem Herausgeben und
Schreiben von Büchern begann. Als Sachbuchautorin habe ich mich auf Firmen-
und Familiengeschichten spezialisiert. Zudem leihe ich meine Feder für historische Festreden und schicksalhafte Lebensgeschichten aus. Kontakt: e.huerlimann@pantarhei.ch

27. Mai

Obwohl es solche gibt, die Götter genannt werden, es sei im Himmel oder auf Erden, wie es ja viele Götter und viele Herren gibt, so haben wir doch nur einen
Gott, den Vater, von dem alle Dinge sind und wir zu ihm und einen Herrn, Jesus Christus, durch den alle Dinge sind und wir durch ihn. 1. Korinther 8,5–6

In der Tat gibt es viele Herren,
die sich auf Erden aufführen,
als hätten sie die Macht,
nach reiner Willkür
zu schalten und zu walten.


So gesehen ist der Korinthervers
ein «Abwehrmittel»
gegen diese Machtprotze.


Vielleicht müsste man es einfach
etwas schlichter sagen:
«Hört, ihr Mächtigen, wir fallen nicht
auf euch herein, so pompös ihr euch
auch aufführen mögt!
Wir vertrauen auf die radikale Liebe,
die der Wanderprediger
aus Nazaret vorgelebt hat
und die in uns allen schlummert.»
Hin und wieder blitzt sie auf
wie ein Sonnenstrahl –
welch ein Glück!

Von: Heidi Berner

26. Mai

Weist die zurecht, die sich an keine Ordnung halten,
ermutigt die Verzagten, steht den Schwachen bei,
habt Geduld mit allen! 1. Thessalonicher 5,14

Wenn wir diesen Anordnungen folgen,
konsequent und beharrlich,
dann haben wir ordentlich zu tun!


Es gibt leider viel zu viele, auch Mächtige,
die sich an keine Ordnung halten.
Was bringt da meine Zurechtweisung?
Herzlich wenig, schätze ich mal,
denn diese Mächtigen beeindruckt
weder Ordnung noch Zurechtweisung.


Die Verzagten ermutigen, das geht.
Am besten fange ich bei mir selber an!


Den Schwachen beistehen?
So umfassend eine Überforderung.
Aber es müssen ja nicht alle sein,
sondern jene, die mir nahe sind,
wo ich etwas bewirken kann.


Bei einigen geht mir die Geduld aus.
Also lass ich mich nicht entmutigen
und wage kleine Schritte.
Auf geht’s!

Von: Heidi Berner

27. März

Gerechtigkeit führt zum Leben; aber dem Bösen
nachjagen führt zum Tode. Sprüche 11,19

Es ist nicht immer so klar,
was gerecht und was ungerecht ist.
«Zwei für mich – einer für dich»
ist ein Bilderbuch, das die Sache
wunderbar auf den Punkt bringt.
Es ist spannend, mit kleinen Kindern
darüber zu debattieren,
wie drei Pilze gerecht zu verteilen sind.
Bär und Wiesel führen ein ausgiebiges,
gewitztes Streitgespräch über Gerechtigkeit.
Der Bär argumentiert, er kriege zwei,
weil er gross sei und mehr brauche.
Das Wiesel hingegen meint, es sei klein
und müsse noch wachsen.
In der Regel nehmen Kinder Partei
für das Wiesel, das kleine Tier.
Die Lösung bringt der Fuchs,
der den dritten Pilz klaut.
Die Empörung über den «bösen» Dieb ist gross,
aber das Verteilproblem ist gelöst!
Darauf essen Bär und Wiesel je einen Pilz
– und sind glücklich.
Es gibt sogar Nachtisch: drei Erdbeeren …

Von: Heidi Berner

26. März

Gott hat uns dazu vorherbestimmt, seine Kinder zu sein durch Jesus Christus nach dem Wohlgefallen seines Willens, zum Lob seiner herrlichen Gnade. Epheser 1,5–6

Jesus Christus ist unser Bruder.
Sonst wäre ja das Unservater
eine Lüge, eine Anmassung!
Es ist tröstlich, dass uns allen gilt,
in welcher Situation auch immer
wir gezeugt oder in welche Welt
wir hineingeboren werden:
Wir sind Kinder Gottes!
Übersetzt in Alltagssprache:
Wir alle haben Würde und Wert,
einfach, weil wir Menschen sind.
Wir dürfen leben auf diesem Planeten,
verletzlich, vergänglich und verbunden
mit anderem Leben, hungrig und durstig,
auch nach Liebe und Glück.
Wie aber damit umgehen, dass es
– unbestreitbar – «Geschwister» gibt,
mit denen wir nichts zu tun haben möchten?
Genau hinschauen, Unrecht erkennen
– auch das eigene –, dagegen angehen,
mutig für das Gute einstehen.
Und trotzig am Axiom des Glaubens
festhalten: Wir sind Kinder Gottes!

Von: Heidi Berner

Mittelteil Januar / Februar

Unsere Neuen im Team.

Wie schon in der Einleitung erwähnt, sind wir ab diesem
Heft über dreissig Schreiberinnen und Schreiber. Wer wir
sind, können Sie jederzeit auf www.boldern.ch nachlesen. In
einem der nächsten Hefte werden wir wieder einmal alle im
Mittelteil kurz vorstellen, sodass sich auch Leserinnen und
Leser ohne Internet ein Bild von unseren Autorinnen und
Autoren machen können.
In dieser Ausgabe geben wir aber den fünf Neuen etwas
mehr Raum. Eine Frau und vier Männer schreiben ab 2026
Bolderntexte. Drei von ihnen wohnen in Deutschland, zwei
junge Autoren in der Schweiz.
Die fünf Neuen stellen sich selber vor mit dem, was ihnen
wichtig ist.
Wir bedanken uns bei Johanna Zeuner, Jonas Meier, Armin
Schneider, Simon Sigrist-Hellingman und Jan Simowitsch für
ihr Mitwirken und freuen uns auf ihre Texte!

Jonas Meier
Jahrgang 1997. Ein Losungsvers kann uns allen auf verschiedene
Weise in den Alltag hineinsprechen, jeden Tag neu.
Deshalb liegen die Bolderntexte bei mir immer griffbereit da.
Es ist mir eine Freude, eigene Bolderntexte beizusteuern und
auf diese Weise einen Anstoss zu geben, wie die Bibelverse
weiterwirken können. Als Pfarrer in Rheinfelden beschäftige
ich mich Tag für Tag mit der frohen biblischen Botschaft, die
manchmal so quer steht zu einer Welt, die aus den Fugen
gerät. Mir liegt dabei die persönliche Begegnung am Herzen:
Wie spricht das Wort in deine konkrete Lebenssituation?

Armin Schneider
Jahrgang 1955. Geboren und aufgewachsen in einem kleinen
Dorf in Mittelhessen, lebe ich seit über vierzig Jahren in Duisburg.
Nach dem Studium der Evangelischen Theologie in
Wuppertal, Zürich und Tübingen war ich zunächst vierzehn
Jahre Gemeindepfarrer im Duisburger Norden, danach sechs
Jahre ausschliesslich in der Krankenhausseelsorge tätig, von
2004 bis zu meinem Ruhestand Superintendent des Evangelischen
Kirchenkreises Duisburg. Ich bin glücklich verheiratet,
meine Frau und ich erfreuen uns an zwei erwachsenen
Söhnen. Den Ruhestand erleben wir als eine nicht zu verachtende
Lebensphase; ehrenamtlich bin ich weiterhin mit
Freude im seelsorglichen Bereich tätig und freue mich jetzt
auf die Herausforderung durch die Bolderntexte, die ich seit
etlichen Jahren regelmässig und gerne lese.

Simon Sigrist-Hellingman
Ich wurde 1996 in St. Gallen geboren und bin im Zürcher Unterland aufgewachsen. Nach dem Theologiestudium in Zürich, Tübingen und Stassburg, dem Praktischen Semester in Zollikon und dem Vikariat im Kirchkreis 10 der Stadt Zürich (Höngg, Wipkingen West, Oberengstringen) bin ich nun im Pfarramt der Reformierten Kirchgemeinde Walenstadt-Flums-Quarten tätig. Die Herrnhuter Losungen inspirieren mich jeden Tag aufs Neue und sprechen in unsere Zeit.


Jan Simowitsch
Jahrgang 1980. Fragt nicht, warum! Es kam, wie es kam, und es ist gut: Ich wurde für alle überraschend Kirchenmusiker, Komponist und Autor. Als Kirchenmusiker habe ich unter anderem acht Jahre lang das Popinstitut der Nordkirche leiten dürfen und dabei das Song-Projekt «Monatslied» entwickelt. Für meine Kompositionen, meist Klaviermusik, lasse ich mich von der Natur inspirieren. Als Autor schreibe ich regelmässig Texte für verschiedene Zeitschriften und auf Instagram. Im Jahr 2025 habe ich im Bene!-Verlag mein Buch-Debüt «Und der Wal spuckt mich aus» veröffentlicht. Und nun freue ich mich auf die Bolderntexte und bin gespannt auf alles, was da jetzt kommt.


Johanna Zeuner
Volltheologin, Baujahr 1965. In der Wartezeit auf das Vikariat: Ausbildung zur Erzieherin. Wechsel nach Österreich, wo ich ordiniert wurde und in einem Kurort samt Dorf und am Stadtrand Wiens gearbeitet habe. Es folgten viele Jahre im gymnasialen Religionsunterricht. 2014 Rückkehr nach Deutschland; zunächst nach Berlin, dann in die Heimatstadt Verden an der Aller, wo ich an Haupt- und Realschulen unterrichte, nicht nur Religion. Ausbildung in systemischer Beratung.
Seit meinem 17. Lebensjahr ist Sprache für mich ein künstlerisches Ausdrucksmittel und eine biografische Bearbeitungsform. Damit tat sich auch theologisch ein neuer Weg auf. Nebenberuflich habe ich journalistisch gearbeitet. In meiner Freizeit bin ich fotografisch und musikalisch unterwegs. Ich freue mich, für Boldern schreiben zu dürfen. Die Losungskommentare schätze ich schon sehr lange für ihre Offenheit und ihren Lebensweltbezug.

27. Januar

Wohlan, die ihr sagt: Heute oder morgen werden
wir in die und die Stadt aufbrechen, ein Jahr dort
verbringen, gute Geschäfte machen und Gewinne
erzielen! Ihr solltet sagen: Wenn der Herr es will,
werden wir leben und dies oder jenes tun.
Jakobus 4,13.15

Wohlan! Wir sind es gewohnt,
genau so zu planen:
Wo und wann wir dies und das
zu tun gedenken und wozu.
Es ist halt so, dass unsere Pläne
längst nicht immer aufgehen.
Ist das Gottes Wille? Ist es Zufall?
Wer weiss das schon.
Es ist Glaubenssache.
Wir tun – so oder so – gut daran,
uns nicht allzu sehr festzulegen,
sondern offen für Überraschendes
und Unvorhersehbares
in die Zukunft zu blicken.
Wer weiss schon, welche Wunder
uns erwarten, gerade dann,
wenn wir sie nicht erwarten!
Es gilt – so oder so – die Kurzfassung
des Jakobusverses:
So Gott will und wir leben.

Von: Heidi Berner

26. Januar

Gott ändert Zeit und Stunde;
er setzt Könige ab und setzt Könige ein.
Daniel 2,21

Mein Leben – mein Königreich.
Gross ist es nicht, und es ist
umgeben von anderen Reichen,
die an meines grenzen.
Bin ich souverän in meinem Reich?
Gehe ich respektvoll um
mit meinem Leben, das ich mir
nicht selber gegeben habe?
Längst nicht immer!
Wie oft traue ich mich nicht,
mich durchzusetzen,
halte mich zurück,
wenn es darum ginge,
auf den Tisch zu hauen.
Vernachlässige mein Reich,
erweise mich seiner nicht würdig.
Gelänge es uns doch,
unser Leben, unsere Rollen
auf diese Art zu verstehen!
Und zu respektieren,
was die anderen
mit ihrem Leben machen –
die Welt würde reicher.

Von: Heidi Berner

Mittelteil November / Dezember

Die Stiftung Boldern unter neuer Führung

Seit Ende April 2024 führen Bernhard Egg und Urs Häfliger
die Stiftung als Nachfolger von Madeleine Strub-Jaccoud im
Co-Präsidium. Im Folgenden berichten sie über ihre Erfahrungen
im Amt.

Schriftlich geführtes Interview mit Heidi Berner (HB):
HB: Seit anderthalb Jahren führt ihr beide die Stiftung Boldern
im Co-Präsidium. Hat sich diese Organisationsform
bewährt?

BE: Meines Erachtens verläuft die Zusammenarbeit prima.
Wir ergänzen uns sehr gut. Jeder bringt seinen Erfahrungshintergrund
und sein Beziehungsnetz ein.
UH: Wir beide bringen viel Lebens- und Führungserfahrung
mit, und unsere verschiedenen Kernkompetenzen dienen
der Stiftung. Das Co-Präsidium hat sich meines Erachtens
sehr bewährt.


HB: Boldern hat eine lange und wechselvolle Geschichte. Seit
wann seid ihr dabei?

UH: Beruflich und gesellschaftlich bin ich seit zwanzig Jahren
in Männedorf aktiv. Dabei hatte ich immer wieder von
Boldern gehört. Vor bald neun Jahren wurde ich in den Vorstand
des Trägervereins Boldern gewählt (als Quästor), später
als Geschäftsleiter ad interim für drei Jahre und danach
als Vizepräsident des Trägervereins. In dieser Zeit gründeten
wir die Stiftung und erhielten die Steuerbefreiung für die
Stiftung und den Förderverein.
BE: Meine ersten Besuche auf Boldern fanden statt, als ich
noch ein junger Kirchenpfleger war. Danach hatte ich keine
enge Verbindung. Die nächsten Berührungspunkte ergaben
sich mit der Wahl in den Kirchenrat der Reformierten Landeskirche.
In dieser Funktion begleitete ich die Gründung
der Stiftung Boldern und wurde nach dem Rücktritt aus dem
Kirchenrat in den Stiftungsrat gewählt.

HB: Aus einem Leuchtturm der Erwachsenenbildung und der
Spiritualität sind ein Tagungsort, ein Hotel und ein Wohnquartier
samt Spielplatz und Weiher entstanden. Wo finden
wir den Spirit von Boldern heute?

UH: Der Leuchtturm Boldern ist weiterhin gut und wunderschön
sichtbar ob Männedorf. Heute ist aus dem «Boldern
von einst» ein «Boldern für alle» geworden – so fand
die 1.-August-Feier 2025 der Gemeinde Männedorf auf Boldern
statt. Das wunderbar gewachsene Fundament von über
siebzig Jahren Boldern ist unser Fundament für eine erfolgreiche
Zukunft im Sinn von Boldern.
BE: Wir müssen offen und ehrlich festhalten: Das «alte»
Boldern ist Geschichte. Aber zum Glück und dank sehr viel
Engagement der Gründungsmitglieder konnte das Areal in
eine Stiftung überführt werden. Und Boldern ist und bleibt
ein Kraftort. Ein Ausdruck davon ist neben den erwähnten
gestalterischen Massnahmen – Weiher und Spielplatz – die
Veranstaltungsreihe «Boldern inspiriert».


HB: Welchen Stellenwert haben die Bolderntexte für euch
beide?

BE: Ich bin seit gut einem Jahr Mitautor, und das macht mir
viel Freude. Ich lese die Texte nicht konsequent jeden Tag,
aber ich lese sie, und sie sprechen mir oft aus dem Herzen.
Einzelne berühren mich naturgemäss weniger.
UH: Die Bolderntexte sind ein interessantes Standbein von
Boldern – insbesondere in der Kommunikation, der Beziehungspflege
und der Gesellschaft. Ich würde mir wünschen,
dass noch vermehrt weitere Zielgruppen für die Bolderntexte
gewonnen werden könnten – zum Beispiel Jugendliche
und Familien. Ich selbst lese von Zeit zu Zeit belebende Texte
darin und danke allen Autorinnen und Autoren für ihr tolles
Engagement.


Von: Heidi Berner

27. November

Als Petrus den starken Wind sah, erschrak er
und begann zu sinken und schrie: Herr, rette mich!
Jesus aber streckte sogleich die Hand aus und
ergriff ihn. Matthäus 14,30–31

Als ich vor einigen Jahren
vor der Entscheidung stand,
ein schwieriges Amt zu übernehmen,
versagten meine Beine ab und zu.
Ich knickte ein, sackte ab.
Das irritierte und ängstigte mich sehr.
Ich beriet mich mit vertrauten Menschen.
Sie ermutigten mich, es zu wagen.
Zudem entdeckte ich in der Wühlkiste
unserer Buchhandlung ein Bändchen
mit Segensworten und Psalmen.
Dort war ein Satz in einem Text
mit dem Titel «Gefährtenschaft» –
wie für mich formuliert:
«Er segne eure Aufbrüche, euern Mut,
eure Bereitschaft zum Risiko.»
Schliesslich traute ich mir die Aufgabe zu.
Und plötzlich konnte ich wieder
mit sicherem Schritt auftreten.
Dank der Unterstützung meiner Gefährten,
die mich weiterhin begleiteten.
Und dank der Wühlkiste …

Von: Heidi Berner