Ich will Frieden geben an dieser Stätte, spricht der HERR Zebaoth. Haggai 2,9
Das Buch des Propheten Haggai entstand bald nach der Rückkehr eines Teils der jüdischen Bevölkerung aus dem babylonischen Exil Ende des 6. Jahrhunderts v. Chr. Das Land Juda war damals eine persische Provinz ohne politische Selbständigkeit und litt unter Missernten. Der Prophet Haggai deutete dies als Folge davon, dass das Volk versäumt hatte, den Tempel wiederaufzubauen. Und so hat das ganze kurze Buch ein einziges Ziel, nämlich diesen Wiederaufbau, der dem Volk Frieden verspricht – «an diesem Ort», also im Tempel. Und hoffentlich auch darum herum im ganzen Land. Das ist aber mein Zusatz …
Während ich schreibe, haben die USA und der Iran wenigstens ein Rahmenabkommen geschlossen, das die Kampfhandlungen zum Ende bringt. Ist das schon Frieden? Frieden ist ja nicht nur das Ende eines Kriegs, sondern bedeutet Auf-bau auf allen Ebenen: der politischen, rechtlichen, zivilgesellschaftlichen, wirtschaftlichen und zwischenmenschlichen. Vertrauen muss auf allen Seiten wieder wachsen, auch innerhalb der jeweiligen Gesellschaft. Ob das gelingt? Es ist auf jeden Fall eine grosse Herausforderung für alle.
Möge Gott die Köpfe und Seelen und den Willen aller Beteiligten inspirieren und leiten.
Ich sehe so viele Probleme und möchte doch daran glauben!
Von: Elisabeth Raiser-von Weizsäcker