Jesus ergriff das Kind bei der Hand und sprach zu ihm: Talita kum! – das heisst übersetzt: Mädchen, ich sage dir, steh auf! Und sogleich stand das Mädchen auf und
ging umher. Markus 5,41–42
Die Wundertaten von Jesus muten aus heutiger Sicht irritierend an. Zu glauben, dass mit nur ein paar Worten Kranke gesund, Tote lebendig und Aussätzige integriert werden, fällt uns schwer. «Talita kum» erscheint uns in diesem Vers wie ein Hokuspokus, das die Tochter des Jairus von den Toten erweckt. Etwas Unmögliches, das es so im echten Leben nicht geben kann. Doch ging es den Evangelisten nicht darum, Jesus als magischen Wunderheiler mit übermenschlichen Kräften darzustellen. Es ging nicht um Jesus selbst, sondern um die Not des Menschen und das Vertrauen auf Gott. Bereits im Judentum spielen Wundergeschichten eine vergleichbare Rolle – wie etwa die Teilung des Schilfmeers oder die Versorgung in der Wüste bei der Befreiung der Israeliten aus der Sklaverei. Die Wunder in der Bibel signalisieren: Die Welt, wie sie ist – voller Leid, Unrecht und Tod –, bleibt nicht so. Wundersames Geschehen weist auf eine von Gott erneuerte, gerechte Welt hin. Insofern ist der biblische Wunderglaube das Fundament für einen Glauben an eine bessere Welt. So können wir das «Talita kum!» als Botschaft lesen, das Lebendige über das Leblose zu stellen; der Hoffnung mehr Platz einzuräumen als der Verzweiflung; eine positive Lebenseinstellung zu bewahren, statt zu resignieren. Das möchte ich heute tun.
Von: Esther Hürlimann