5. Juli

Abram glaubte dem HERRN, und das rechnete er ihm zur Gerechtigkeit. 1. Mose 15,6

Wie kann Vertrauen wachsen? Darum geht es im komplizierten Dialog, der sich zwischen Abram (Abraham) und Gott abspielt. Bei Abram herrscht am Anfang ein Misstrauen gegenüber der Zusage, dass Gott ihm einen Nachkommen geben wird. Bei Gott besteht ein Unverständnis darüber, dass Abram die Zusage nicht annimmt. Abram macht einen wichtigen Schritt, indem er seine Zweifel in Worte fasst. Er rechnet mit ganz kleinen Zahlen: Ein Sohn oder kein Sohn, das ist für ihn die Frage. Wenn er keinen Sohn bekommt, wird sein Erbe in fremde Hände kommen. Gott lässt sich auf den Zweifel ein und versucht, etwas in Bewegung zu bringen. Er lädt Abram ein, seine Augen für eine neue Perspektive zu öffnen. Bei den Sternen ist eine sehr grosse Zahl zu sehen, die nach oben offen ist. Könnte dies mit Abrams Nachkommen – und mit dem späteren Volk Israel – nicht auch möglich sein? Im gegenseitigen Verhältnis geschieht eine Annäherung. Am Ende des Gesprächs passt es zusammen, wie jeder über den anderen denkt. Man könnte den Losungsvers wie folgt umschreiben. Glaube bedeutet, dass Abram denkt: «Jetzt kann ich mich auf Gott verlassen.» Gerechtigkeit bedeutet, dass Gott denkt: «Jetzt ist Abram ins rechte Verhältnis mit mir gekommen.» Später wird erzählt, dass Abram zwei Söhne hatte, von denen zwei Völker abstammten.

Von Andreas Egli

«Die Liebe Christi bewegt, versöhnt und eint die Welt

Auf dem Weg zur 11. Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen vom 31. August bis 8. September 2022 in Karlsruhe, Deutschland

1948 wurde der Ökumenische Rat der Kirchen in Amsterdam gegründet. Er brachte viele protestantische und eine Reihe orthodoxer Kirchen zusammen, die in der Zwischenkriegszeit an einer Friedensordnung für Europa gearbeitet hatten. Mittlerweile sind 352 Mitgliedskirchen in diesen Prozess eingebunden. Vom 31. August bis zum 8.  September 2022 wird  der  Ökumenische  Rat  (ÖRK)  in  Karlsruhe  zu seiner 11. Vollversammlung zusammenkommen – zum ersten Mal in Deutschland. Vollversammlungen bieten den Kirchen in der Gemeinschaft des ÖRK Gelegenheit, sich gegenseitig zu sichtbarer Einheit aufzurufen. «Dies zum Wohl der Welt, die Gott so sehr liebt; zum Wohl der Schöpfung, die Gott als gut bezeichnet; und als Antwort auf Christi Gebet «auf dass sie vollkommen eins seien» (Johannes 17,23).

Der Kontext, in dem wir zusammenkommen

Die 11. Vollversammlung wird in Karlsruhe, Deutschland, stattfinden, in einem reichen Land, das aber, wie so viele andere, derzeit stark mit den Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf das persönliche, wirtschaftliche und spirituelle Wohlergehen der Menschen zu kämpfen hat. Welche Auswirkungen darüber hinaus der kriegerische Konflikt zwischen Russland und der Ukraine auf das Leben der Kirchen haben wird, ist derzeit noch nicht abzusehen.

Die Pandemie hat sowohl die Verwundbarkeit der Menschheit insgesamt als auch die grosse Ungerechtigkeit und die tiefen Spaltungen sichtbar gemacht. Der Welt wurde die hässliche Realität von Privileg und Unterdrückung, von wirtschaftlicher und sozialer Ungerechtigkeit und von Ungerechtigkeiten aufgrund der ethnischen Zugehörigkeit vor Augen geführt. Im Schatten dieser Entwicklungen und Erfahrungen werden die Kirchen auf den Ruf Gottes antworten und zusammenkommen, um ein Licht der Hoffnung hochzuhalten und die Liebe Gottes, der Heiligen Dreifaltigkeit, zu feiern, die in Jesus Christus vollständig offenbart wurde: Er bewegt die Menschen zu Versöhnung und Einheit. Wir werden einander fragen: Wie kann sich eine Kirche, die die Liebe Christi verkündet, in der heutigen Zeit am besten organisieren, die Stimme erheben und handeln? Gleichzeitig wird die Vollversammlung auch Gelegenheit bieten, uns für die nächsten Schritte auf unserem gemeinsamen Weg inspirieren zu lassen.

Die weltweite Pandemie hat sehr viele Menschen das Leben gekostet und den Lebensstil, den viele für «normal» gehalten hatten, ernsthaft in Frage gestellt. Angesichts von Leid und Tod haben wir unsere Abhängigkeit voneinander wiederendeckt, die Grenzen des Individualismus, die Probleme der Globalisierung, die die Ausbreitung des Virus so einfach und schnell möglich gemacht hat, die Verantwortung, die wir füreinander und auch die Angst, die wir umeinander haben.

Gleichzeitig führen Kriege und Armut weiterhin zu sehr viel Elend, Leid und Tod. Die Klimaveränderungen, die viele Menschen über Jahrzehnte kaum beachtet haben, lösen heute ein neues Mass an Angst aus und bringen für die ärmsten Menschen auf der Welt schon jetzt Katastrophen und grosse Bedrohungen. Politik verändert sich schnell, sowohl in reichen als auch in armen Gemeinwesen, und die Demokratie selbst scheint für einige überstrapaziert und oftmals ein leeres Versprechen zu sein. Die Räume für multilaterale Zusammenarbeit und Prozesse für kollektive Entscheidungen auf globaler Ebene schrumpfen rasant und werden mitunter vergessen, wenn wir mit tiefgreifenden Krisen konfrontiert sind.

Auf dem Weg zu einer eschatologischen Gemeinschaft

All jene, die die Liebe Christi, die in uns wirkt, praktisch leben wollen, sind aufgerufen, als eschatologische Gemeinschaft, als Zeichen für das kommende Reich zu leben, und die Liebe sichtbar zu machen, die unsere Herzen selbst in den trostlosesten Zeiten mit Freude erfüllt.

Die Vollversammlung wird Gelegenheit geben, Kraft zu sammeln für unseren gemeinsamen Pilgerweg in der Welt  und ihrer heutigen Realität: Gelegenheit, uns auszutauschen, einander Mut zuzusprechen, und die Liebe zu feiern, die uns durch die Kraft des Heiligen Geistes bewegt, heilt und bevollmächtigt.

Für Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der Schweiz

Kontakt Evangelische Kirche Schweiz:

Damian Kessi, karlsruhe@evref.ch

Anmeldung Zürich: thomas.gehrig@reformiert-zuerich.ch

Statement des ÖRK zum Krieg in der Ukraine

Der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) hat seit dem ersten Tag des Krieges in der Ukraine und auch schon in den Monaten davor ernsthaft für den Frieden in diesem Konflikt und überall auf der Welt gearbeitet und gebetet. Er hat Präsident Putin nachdrücklich aufgefordert, «den Krieg zu beenden und den Frieden in der Ukraine wiederherzustellen». Der Ökumenische Rat der Kirchen hat den am 24. Februar 2022 von Seiner Seligkeit dem Metropoliten von Onufrij und der gesamten Ukraine (Moskauer Patriarchat) veröffentlichten Aufruf bekräftigt und unterstützt. Der geschäftsführende ÖRK-Generalsekretär Priester Prof. Dr. Ioan Sauca hat einen offenen Brief an den Patriarchen Kyrill, den Vorsteher der Russisch-orthodoxen Kirche, gesandt und ihn aufgefordert, zu vermitteln und einen Beitrag zur Beendigung dieses Krieges zu leisten. Pater Sauca geht davon aus, dass anlässlich der Beratungen des ÖRK-Zentralausschusses im Juni der Krieg eines der brisanten Themen sein wird, die zur Debatte stehen.

4. Juli

Meine Hand hat alles gemacht, was da ist,  spricht der HERR. Ich sehe aber auf den Elenden und auf den, der zerbrochenen Geistes ist und der  erzittert vor meinem Wort.                Jesaja 66,2

Wohin richtet Gott seine Aufmerksamkeit? Nach dem babylonischen Exil wurde in Jerusalem wieder ein neuer Tempel gebaut. Differenziert denkt der Text über die Bedeutung des Heiligtums nach. Ist es der Ort, an dem Gott wohnt? Nein, er hat ja die ganze Schöpfung geschaffen und ist in ihr gegenwärtig. Könnte ein prachtvoll gebautes Gotteshaus wenigstens dazu dienen, dass Gott seine Blicke in besonderer Weise auf diesen Ort richtet? Eigentlich auch nicht. Denn Gottes Aufmerksamkeit gilt den Menschen. Und zwar besonders denjenigen, die verletzlich und bedürftig sind: arm, deprimiert, besorgt. Der Tempel soll ein Ort sein, an dem sie willkommen sind. Sie dürfen kommen, so, wie sie sind. «So spricht der HERR: Der Himmel ist der Thron, auf dem ich sitze. Und die Erde ist der Schemel, auf dem meine Füsse ruhen. Was ist das für ein Haus, das ihr mir bauen wollt? Was ist das für ein Ort, an dem ich wohnen soll? Alle diese Dinge hat meine Hand gemacht, und so sind alle diese Dinge geworden. Spruch des HERRN. Und auf diesen Menschen werde ich hinblicken: auf den, der arm ist; auf den, der deprimiert ist; auf den, der besorgt ist über mein Wort.»

Von Andreas Egli

3. Juli

Kommt her, höret zu alle, die ihr Gott fürchtet; ich will erzählen, was er an mir getan hat.       Psalm 66,16

Und was hat er getan? Es ist der Gott, «der mein Gebet nicht abgewiesen und seine Gnade mir nicht entzogen hat». So lautet der Schlussvers des Psalms, der ein einziges Lob auf den Allerhöchsten ist. Der Psalmist wird nicht müde aufzufordern: «Jauchzet, singt, sprecht, kommt und seht, preist, kommt, hört.»

Nun machen wir aber die Erfahrung, dass unsere Gebete meist nicht erhört wurden und alles erdenklich Schlimme sich trotz Gebeten ereignet. Nun, Gott lässt sich auf unser enges und krämerisches Wenn–Dann nicht ein.

Die Gebete halten mich indes in der Beziehung zu Gott. Mit ihnen öffnen wir uns und lassen uns auf Gott ein, auf ihn, der sich von allem Anfang an und noch vor unserer Geburt auf uns einliess.

Ausserdem braucht die Beziehung zu Gott Zeit. Nach langer Zeit, nach Jahren, erfahren wir bisweilen, dass unsere Gebete uns an einen Ort führten, den wir nicht voraussehen kon ten, dass sie uns Einverständnis und Akzeptanz schenkten, also zu etwas ganz anderem als zu dem, was wir mit unseren Gebeten herbeizuzwingen versucht haben.

Das hat auch mit Gnade zu tun, Gott hat sich nicht entzogen, er ist in Beziehung geblieben.

Von Kathrin Asper

2. Juli

Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äussersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten.         Psalm 139,9–10

Dieser Psalm ist wunderschön, ein poetisches Bild reiht sich ans andere. Gott ist mit mir – immer. Er ist allwissend, nicht in dem Sinne, dass er die Zahl der Sterne weiss, sondern in Bezug auf mich, «ob ich sitze oder stehe».

Ebenso ist er immer gegenwärtig, auch in Bezug auf mich – und das schon immer, vom Mutterleib an, er kennt meinen Lebensweg und meine Zukunft. Seine schützende Hand ist über mir, unter mir und um mich. Das ist kein Gott, über den sich philosophieren lässt, etwa als Urgrund des Seins oder als ewiges Wesen. Das ist ein Gott, der direkt, unmittelbar zu mir in Beziehung steht in jeder Hinsicht, wie die Luft, die ich atme.

Welche Zuversicht drückt sich hier aus! Die Zuversicht Davids, der diesen Psalm betet. Gott wird hier in wunderbarer Weise allgegenwärtig und fassbar, und es ist nicht nötig, sich über sein Wesen den Kopf zu zerbrechen. Zwingli sagte einmal: Was Gott an und für sich ist, wissen wir so wenig als ein Käfer weiss, was ein Mensch ist.

Das Rätseln über das An-und-für-sich-Sein Gottes wird in diesen Psalmworten hinfällig. Gott ist in Beziehung zu mir und das ist nachvollziehbar, fassbar und eine wunderbare Wirklichkeit, die mich umgibt und durchflutet.

Von Kathrin Asper

1. Juli

Wende dich, HERR, und errette meine Seele, hilf mir um deiner Güte willen! Psalm 6,5

Die Gastkolumne hat Lukas Amstutz verfasst. Er ist Leiter des mennonitischen Bildungszentrums Bienenberg ob Liestal und Co-Präsident der Konferenz der Mennoniten in der  Schweiz.

Es gibt diese erschütternden Momente im Leben, in denen selbst säkularisierte Menschen sagen: «Jetzt hilft nur noch beten.» In Psalm 6 ist es wohl eine lange und schwere Krankheit, die den Beter zu Gott flehen lässt. Sein welkendes Leben stellt ihm quälende Fragen, die unbeantwortet bleiben (Vers 4). Angesichts seiner langen Leidenszeit ist es nicht selbstverständlich, dass sich dieser Mensch noch an Gott wendet. In seinem Gebet ringt er mit einer ihm vertrauten Gottesvorstellung. Wenn alles, was geschieht, irgendwie mit Gott zusammenhängt, dann kann er sich sein Elend nicht anders als mit einer Strafe Gottes erklären (Vers 2). Hinter der Krankheit verbirgt sich damit die Angst vor einem zornigen und lieblosen Gott.

Was ein solches Gottesbild anrichten kann, erzählt die Hiobsgeschichte. Obwohl Hiob beispielhaft als frommer und gerechter Mensch geschildert wird, vermuten seine Freunde doch eine Sünde, die das unfassbare Leid Hiobs erklärt und rechtfertigt. Freunde werden damit zu Feinden.

Solche Erfahrungen kennt auch der Beter von Psalm 6. Da gibt es Menschen, die ihm als Todkrankem ihre  Solidarität und Hilfe verweigern. Die Not lässt sie kalt, und vielleicht versuchen sie die Situation sogar zu ihren Gunsten auszunutzen. Die Bitte, dass diese Feinde «beschämt» werden, ist verständlich (Vers 11). Dennoch wurde dieser letzte Vers immer wieder als «unchristlich» taxiert und aus Lesungen gestrichen. Damit werden jedoch Menschen, die sich als ohnmächtig und bedrängt erleben, ihrer Stimme beraubt. Gerade ihre Hoffnung lebt davon, dass zumindest Gott nicht mit dem Bösen kooperiert, sondern Gerechtigkeit herstellen wird. Wer diesen Schrei zu Gott verbietet, hat sich daher wohl bereits selbstzufrieden mit den unheilvollen Zuständen in dieser Welt abgefunden.

Bemerkenswert finde ich, dass dieser Psalm nicht um die Vernichtung der Feinde, sondern um ihre Umkehr bittet. Ihr Fehlverhalten soll aufgedeckt werden, damit sie sich bestürzt von ihrem Tun abwenden und zu den gerechten Ordnungen Gottes zurückkehren. Der Beter kann nicht – und will vielleicht auch nicht – selbst zurückschlagen, sondern erwartet Gottes zurechtbringendes Richten.

Dieser eindrückliche Psalm bezeugt ein leidenschaftliches Festhalten an Gott, obwohl alles gegen Gott spricht. Im Ringen mit Gott gewinnt hier ein Mensch das Vertrauen in Gottes Güte zurück. Da weicht der Gedanke an einen masslos zornigen Gott dem Glauben, dass sich Gott zu allen Zeiten an die Seite derer stellt, die von Unrecht und Not geknechtet und gedemütigt werden.

Von Lukas Amstutz

30. Juni

Der HERR ist meine Stärke und mein Lobgesang und ist mein Heil.        2. Mose 15,2

Mose stimmt den Lobgesang des Siegers an. Gott hat die Israeliten in die Freiheit geführt und die Übermacht der Ägypter zerschlagen. «Ross und Reiter hat er ins Meer geschleudert.» Die besten Kämpfer hatten gegen Gott keinen Stich und wurden im Schilfmeer versenkt. «Der Herr ist ein Krieger.»

Soweit der Exodus. In Wahrheit kommen die Kleinen fast immer unter die Räder. Die militärische Stärke gewinnt. Und selbst wenn sie implodiert, tut sie es nur um den Preis von Tod und Zerstörung. Frauen, Kinder, Männer flüchten. Die Angreifer, die ihnen nachjagen, damit sich «an ihnen sättige ihre Gier», versinken nicht im Meer «wie Blei».

Einen anderen Klang erhält der Vers, wenn er, von der Wucht der Erzählung losgelöst, verinnerlicht wird. Menschen sind darauf angewiesen, dass ihre Stärke nicht allein aus ihnen selbst kommt, sondern aus der Zuwendung ihrer Mitmenschen, von der Liebe Gottes. Die Hoffnung, dass heil wird, was zerbrochen ist, und am Ende die Gier doch nicht siegt, Gott sich an die Seite der Opfer stellt und sie seine Kraft spüren lässt. Allerdings ist es nicht die Kraft eines Kriegsgottes, es ist die Kraft des Friedensgottes. Jene Kraft, die «ihre Vollendung am Ort der Schwachheit» findet (2. Kor 12,9).

29. Juni

Ich habe euch Leben und Tod, Segen und Fluch vorgelegt, dass du das  Leben erwählst.           5. Mose 30,19

Gott zwingt die Menschen nicht zu ihrem Glück. Er lässt ihnen die freie Wahl zwischen Segen und Fluch. Die Wahl zwischen einem Leben nach Gottes Gesetzen der Liebe und einer Existenz, die in der Ausgrenzung und im Egoismus ihren falschen Segen findet. Gott schenkt dem Menschen die Freiheit, sich von Gott zu abzuwenden.

Aber egal ist es Gott offensichtlich nicht, wie sich der Mensch entscheidet. Er relativiert die Wahlfreiheit sogleich zum Paradox. Der Ratschlag Gottes liest sich wie ein Befehl:

«… dass du das Leben erwählst». Der Weg in die Gottesferne wird nur aufgezeigt, um ihn als Irrweg zu entlarven. Gott will die Menschen ins Leben führen und nicht in den Tod, in die Freiheit und nicht in die Knechtschaft, hin zu seiner segensreichen Liebe und nicht in den verfluchten Hass.

Den deutlich beschrifteten Wegweiser stellt Gott an die Kreuzung, weil er weiss, wie schwer den Menschen die Wahl oft fällt. Sich im Kleinen für die Liebe statt für den Neid und im Grossen für den Frieden statt für den Krieg zu entscheiden, ist anstrengend. Und so klingt die Bitte im Unservater wie ein menschliches Echo auf die göttliche Wahlempfehlung aus dem Alten Testament: «Und führe uns nicht Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.»

Von Felix Reich

28. Juni

Der HERR steht mir zu Rechten, so wanke ich nicht.           Psalm 16,8

Die kleine Hand schiebt sich verstohlen in die grosse. Nun sind die beiden verbunden, untrennbar, so scheint es mir, als ich dem Duo entgegenkomme. Die Kleine schaut etwas ängstlich auf meinen Hund, der an der Leine neben mir geht und eher nach Katzen als nach kleinen Mädchen Ausschau hält. Aber man kann ja nie wissen. Doch mit ihrem Vater an der Hand, ja, da kann ihr nichts passieren, da ist sie sich sicher. Und so bleibt sie in sicherem Abstand stehen und ihr Vater mit ihr und sie schaut meinen Hund an. Jetzt eher erwartungsvoll.

«Wie heisst dein Hund?», fragt sie, ohne den Vater loszulassen.

«Maxi», sage ich. «Und du?»

«Maria.»

«Magst du ihn streicheln?», frage ich, weil Maxi ein absoluter Familienhund ist und ich mich auf ihre Kinderfreundlichkeit verlassen kann. Maria zögert noch und blickt zu ihrem Vater rauf. Der lächelt ihr zu: «Versuch es doch!», macht er ihr Mut. Die eine kleine Hand drückt fest die grosse, die andere nähert sich langsam meinem Hund. Vorsichtig gleitet sie ein einziges Mal durch das weiche Fell und Maxi schnuppert kurz und will dann weiter.

Die kleine Hand lockert sich beim Weitergehen und doch bleibt sie weiter in der grossen liegen. Weil es so guttut und Sicherheit gibt in den verschiedensten Lagen des Lebens.

Von Sigrun Welke-Holtmann

27. Juni

Prüft, was dem Herrn gefällt.                          Epheser 5,10

Die Frucht des Lichts ist

Güte, Wahrheit, Gerechtigkeit.

Ich befürchte, bei uns

ist es längst zappenduster.

Die eigene Gefälligkeit ist

das Mass der Dinge, der Zeit,

der Gerechtigkeit.

Das Licht hat seine Kinder verloren.

«Wach auf, der du schläfst, steh auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten.»

Hoffentlich!

Von Sigrun Welke-Holtmann