Führe mich aus dem Kerker, dass ich preise deinen Namen. Psalm 142,8
Ein Mensch sitzt in einer Gefängniszelle und weiss nicht weiter. Weltweit und seit ältesten Zeiten erleben ungezählte Menschen ein solches Schicksal; viele wissen nicht einmal, weshalb sie plötzlich isoliert und von allen Kontakten mit der lebendigen Welt brutal abgeschnitten sind. Viele zwei-feln an sich selbst, verzweifeln ob ihrer Einsamkeit, schreien, weinen, werden stumm. Oder beten, bitten, formulieren ihre Not, ihre Angst, ihre Hoffnungslosigkeit. Wie der Psalmist hier, der seine Worte dem in einer Höhle eingeschlossenen und vom Kontakt mit seinen Leuten abgeschnittenen David, dem späteren König des Volkes, in den Mund legt. Dieser David fühlt sich völlig verlassen, ausgeschlossen aus jeglicher Gemeinschaft von Lebenden, sich selbst und seinen Feinden ausgeliefert. Die letzte Zuflucht für ihn ist Gott: «Vernimm mein Flehen, rette mich vor meinen Verfolgern, führe mich aus diesem Kerker hinaus!» (Verse 7–8) So offen und ehrlich sagt oder ruft einer, dem bewusst ist, dass er sich selbst nicht mehr helfen kann – nur noch Gott kann es. Wir kennen viele überlieferte Gebete von eingesperrten Menschen aus Vergangenheit und Gegenwart – sie tönen sehr ähnlich wie diese Psalmworte. Und wir wissen, dass manchen eine gute Zukunft verwehrt blieb. Aber wir können hoffen, dass rufen, schreien und beten Leben bewahren kann …
Von: Hans Strub