23. Februar

Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels!
Denn er hat sich seines Volkes angenommen
und ihm Erlösung verschafft.
Lukas 1,68

Wenn man es doch nur ganz sicher wüsste!
Ist diese Stimme da, die dir Grosses verheisst, wirklich Gottes? Ich schüttle den Kopf, es fällt mir schwer zu glauben.
«Liebe Reisende, Ihr Zug von Altona nach Zürich wird heute pünktlich ankommen!» Nach all den Verspätungen klingt es wie Hohn für mich. Das meint die Stimme doch nicht ernst? Bevor ich anfange, mich aufzuregen, halte ich den Mund. Und auch Zacharias hört auf zu reden. Von nun an schweigt er beharrlich in den Tag und blickt mit wachen Augen durch die Nacht. Und die Berge hinter Hannover wachsen und auch Elisabeths Bauch. Wie es versprochen war.
Ich kann’s trotzdem nicht glauben, fühle mich Thomas, dem alten Skeptiker, nahe. Und erreiche doch die Grenze, pünktlich in Basel, und auch Zacharias weiss nun sicher: Elisabeth ist schwanger. Möge es gut gehen! Jetzt bloss nicht in das Wunder eingreifen. Nichts sagen, nichts andeuten, nur werden lassen, ganz zart kommen lassen und: staunen! Und dann ist es so weit. Zacharias wird Vater und all die Emotionen platzen aus ihm heraus. Er lobt Gott in den Himmel, tanzt um sein Kind herum und weiss nun sicher: Alles, was Gott ihm gesagt hatte, wird eintreten. Niemand muss das verstehen. Es ist ein Wunder. Und so erreiche ich Zürich und die Stimme sagt: «Versprochen. Es wird ganz wunderbar!» Wenn man es doch nur vorher glauben würde!

Von: Jan Simowitsch

22. Februar

Die Elenden werden wieder Freude haben am HERRN, und die Ärmsten unter den Menschen werden fröhlich sein in dem Heiligen Israels. Jesaja 29,19

Hilfe für die Ärmsten und Obdachlosen in Wien: Jeden zweiten Mittwoch fährt meine Freundin Bigi mit einem Caritas-Bus zu vier Plätzen an Wiener Bahnhöfen. Ein Team Freiwilliger kocht zuvor einen grossen Topf duftender Suppe, den sie gemeinsam mit einer zweiten Frau austeilt. Ganz niederschwellig – jede und jeder ist willkommen gratis auf eine warme Mahlzeit und ein Stück Brot.
Viele, die kommen, kämpfen mit Alkohol, doch sie lachen miteinander, geniessen das Zusammensein. Manchmal spielt jemand Musik, und es wurde sogar schon getanzt. Natürlich gibt es auch Kritik, wenn die Suppe einmal nicht so schmeckt.
Einer, der schon öfter wegen kleiner Delikte im Gefängnis war, verkauft nun den «Augustin», eine Strassenzeitung, produziert von obdachlosen Menschen. Er hat dadurch ein kleines Einkommen und neuen Halt gefunden.
Einmal traf Bigi einen ehemaligen Busbesucher – er hat nun Arbeit und eine Wohnung. Er hat es geschafft!
Jesajas Worte bekommen hier ein Gesicht: Wo arme und obdachlose Menschen Würde, Mitgefühl und Wärme erfahren, beginnt Hoffnung zu keimen. Bisweilen blitzt an dunklen Orten pure Freude auf. Was für eine grosse Vision, die Jesaja hier hatte – und wie nah sie manchmal schon ist!

Von: Barbara Heyse-Schaefer

21. Februar

Gedenkt nicht an das Frühere und achtet nicht auf das Vorige! Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr’s denn nicht? Jesaja 43,18–19

Beim Pflügen nicht zurückzuschauen – das ist Jesu und Jesajas gemeinsame Einladung. Gott ruft uns aus alten Gewohnheiten, Mustern und Erinnerungen, die uns festhalten. Wir sollen den Blick nach vorn richten und wahrnehmen, wo das Neue schon wächst, oft unscheinbar.
Glauben wir daran, dass wir uns wirklich verändern können? Frei werden von Süchten, von eingefahrenem Denken und Handeln? Unser Gehirn liebt das Bekannte – es spart Energie, indem es beim Alten bleibt. Darum braucht Erneuerung Bewusstheit: Momente, in denen wir anhalten, loslassen und Raum schaffen für Neues. Fasten kann so ein Übungsweg sein – ein zeitlich begrenzter Verzicht, der uns spüren lässt, dass Veränderung möglich ist.
Fehler gehören dazu. Sie sind nicht das Ende, sondern der Anfang von Wachstum. Wer Vertrauen hat, dass Gott Neues schafft, kann mutig ausprobieren, lernen, umkehren.
Das Neue wächst nicht aus uns, sondern aus Gottes schöpferischer Kraft. Unsere Aufgabe ist, es zu erkennen – dort, wo es klein beginnt: in einem neuen Gedanken, einer anderen Haltung, einem ersten Schritt. «Freunde, dass der Mandelzweig wieder blüht und treibt – ist das nicht ein Fingerzeig.» Die Hoffnung blüht – mitten im Winter.

Von: Barbara Heyse-Schaefer

20. Februar

Gott gebe euch viel Barmherzigkeit und Frieden
und Liebe!
Judas 2

Welch Balsam für die geschundene Seele. Barmherzigkeit. Frieden und Liebe. Damit liesse sich gut leben. – Wenn der Brief von Judas an dieser Stelle enden würde. Aber das sind quasi nur die einschmeichelnden warmen Worte am Anfang des Briefes. Danach wechselt die Sprache. Es geht um Ermahnung. Um den Kampf um den (richtigen) Glauben. Denn da sind Irrlehrer unterwegs. Doch bleiben wir für den Moment am Anfang. Spür mal nach. An wen denkst du, wenn du diese Worte leise vor dich hinsprichst? Barmherzigkeit. Frieden. Liebe.


Ich denke an Karl R. Popper. Er hat 1959 einen Aufsatz geschrieben. Der Westen, so Popper, glaube nicht an eine einzige Idee, sondern an viele. Das sei seine Stärke. Vor allem glaube er an Frieden und Freiheit. Des Weiteren verfolge er drei Ziele: den Kampf gegen Armut, die Sicherstellung der Chancengleichheit und die Möglichkeit von Wohlfahrt. Es bleibt die Frage der Macht. Wer soll herrschen? Popper behauptet hier die grösste Stärke des Westens: die Erkenntnis, dass politische Einrichtungen so zu gestalten sind, dass selbst unfähige Machthaber keinen grossen Schaden anrichten können. Sein Wort in Gottes Ohr!

Von: Lars Syring / Chatrina Gaudenz

19. Februar

Lobet, ihr Völker, unseren Gott, lasst seinen Ruhm
weit erschallen, der unsere Seelen am Leben erhält und lässt unsere Füsse nicht gleiten
. Psalm 66,8–9

Im vergangenen Oktober hatten wir ein Seminar unter dem Motto «Seid Menschen», wobei es um Erinnerung und die daraus erwachsende Ermutigung zum Handeln ging. Dazu passt dieser Psalm 66 in seiner ganzen Länge. Es ist ein Dankes- und Loblied des Volks Israel nach Rettung aus vielen Gefahren, sei es beim Durchzug durch das plötzlich trockene Meer bei der Flucht aus Ägypten, sei es vor Feuer und Überschwemmung, sei es aus Krieg. Daraus wird ein Loblied für diese wunderbare Macht «Gott», die unsere Seelen am Leben erhält und unsere Füsse nicht gleiten lässt. Wenn die Füsse nicht gleiten, dann rutscht man nicht aus, sondern kann aufrecht weitergehen.
Aufrecht weitergehen, das brauchen wir heute in diesen innen- wie aussenpolitisch unruhigen Zeiten. Es hilft uns nicht, nach Vogel-Strauss-Manier den Kopf in den Sand zu stecken; nein, lasst uns weiter wach die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen wahrnehmen und uns für gegenseitiges Zuhören, Verstehen, Handeln, für die manchmal sicher etwas anstrengende Demokratie einsetzen – wir gehen nicht allein, Gott hilft uns, ja er schiebt uns, und damit können wir auch bei wenig sichtbaren Erfolgen ohne Angst weitergehen. Ich glaube fest daran!

Von: Elisabeth Raiser-von Weizsäcker

18. Februar

HERR, lass mir deine Gnade widerfahren,
deine Hilfe nach deinem Wort.
Psalm 119,41

Gnade – so ein schönes, tröstliches Wort! Ich fühle mich gleich darin geborgen, es ist wie ein Mantel, der mich wärmt und schützt. Und das ist zugleich die Hilfe, die mich stärkt.
Wenn ich jedoch andere Übersetzungen der Bibel anschaue, so steht hier statt Gnade Freundlichkeit (Bibel in gerechter Sprache) oder Huld (Einheitsübersetzung). Das liegt wohl daran, dass das Wort Gnade in unserer heutigen Welt eine andere Bedeutung hat, als im Urtext gemeint ist: Ausdrücke wie «Gnade vor Recht ergehen lassen» machen das deutlich: Hier ist Gnade ein Zugeständnis, das jemandem gewährt wird, der Unrecht getan hat, also ein Gnadenakt oder eine Begnadigung. Das ist ein ganz anderer Ton als das Gefühl von Geborgenheit, das ich beim Wort Gnade spontan empfinde.
Die Sprache ist ein Wunder – sie kann Gefühle in uns wecken, und man weiss oft nicht recht, wie. So bitte ich Gott mit dem Psalmisten um seine Gnade und bin immer dankbar, wenn am Ende einer Predigt der Zuspruch kommt: Die Gnade Gottes, die höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen in Jesus Christus – Amen.

Von: Elisabeth Raiser-von Weizsäcker

17. Februar

Was verborgen ist, ist des HERRN, unseres Gottes;
was aber offenbart ist, das gilt uns und unsern Kindern ewiglich.
5. Mose 29,28

In der grossen Rede des alten Mose vor dem Überschreiten des Jordans in das verheissene neue Land wird das zentrale Thema nochmals in grosser Deutlichkeit vertieft: Gott hat mit euch, seinem Volk, einen Bund geschlossen – und ihr habt ihn immer wieder gebrochen! Dieser Bund ist durch die ganze Geschichte hindurch klar und unmissverständlich erkennbar, und er gilt bis in alle Ewigkeit! Alles, was dem Volk Israel widerfahren ist, an Gutem wie an Schwerem, hat Gott gemacht. Weil er sein Volk nicht nur aus der Knechtschaft in Ägypten herausgeholt hat, sondern weil er ihm eine neue Zukunft in einem neuen Land in Aussicht stellt und es nun vor dem Beginn dieser Zukunft steht. Gott hat alles so gewollt, aber nun muss das Volk seinen Teil leisten und einsehen, dass es diesem seinem Gott verpflichtet ist.
Ich bin heute Teil dieses Volkes, und ich lese den Text als Anfrage an mich heute: Lebe ich in diesem Bund mit Gott, oder nehme ich ihn ernst bloss «in Auszügen», also mit Vorbehalten und Zurückhaltung an all den Stellen, wo er mich in meiner Eigenständigkeit in Frage stellt? Wo ich eigentlich lieber meine eigenen Ziele, die ich mir gesteckt habe, verfolge und nicht so sehr auf «seine» Stimme hören möchte? Dann trifft es mich, wenn ich lese, dass Gottes Stimme für alle Zeiten und Orte gilt …

Von: Hans Strub

16. Februar

Siehe, ich will meinen Engel senden,
der vor mir her den Weg bereiten soll.
Maleachi 3,1

Die Zürcher Bibel übersetzt die Losung so: «Seht, ich sende meinen Boten, und er wird den Weg freiräumen vor mir.» Den Weg freiräumen von Steinen, von Angst und Sorge. Und der Weg soll in den Tempel führen. Und, so meine Überzeugung, führt der Weg auch wieder aus dem Tempel hinaus in den Alltag der Menschen. Gott ist mit den Menschen auf ihrem Weg, sie sind nicht allein, wir sind nicht allein. Er schickt den Boten, um unseren Blick auf ihn zu lenken, denn Gott will bei den Menschen sein. Die Steine bleiben auf dem Weg, aber sie sind überwindbar, so die Hoffnung. Wege können lang sein, sie brauchen Kraft und Atem, brauchen Ausdauer. Die Boten, die Gott schickt, sind unsichtbar und doch da. Sie begegnen uns in den Menschen, die mit uns gehen. Sie begegnen uns, wenn wir unser Vertrauen in das Leben stärken können. Sie begegnen uns in den Blumen am Wegrand oder in der Sonne, die uns wärmt. Es ist nicht einfach, die Boten wahrzunehmen. Und es ist nicht einfach, auf dem steinigen Weg das Vertrauen zu stärken. Da hilft es, wenn wir den Weg trotzdem gehen und nicht lange stille stehen. Gott ist da und räumt den Weg frei, darauf können und sollen wir hoffen.

Danke, dass du mit uns auf dem Weg bist.

Von: Hans Strub

15. Februar

Seid untereinander freundlich und herzlich
und vergebt einer dem andern, wie auch Gott
euch vergeben hat in Christus.
Epheser 4,32

Paulus spricht im Epheserbrief von drei Dimensionen, die zu einer gelingenden Gemeinschaft gehören.
Die erste Dimension ist eine zwischenmenschliche Haltung: Seid untereinander freundlich – einander zugewandt, respektvoll, vertrauensvoll, gütig.
Die zweite ist zutiefst körperlich: Seid herzlich! Das betrifft die Mitte des Lebens, das Herz als Sitz aller Gefühle, lebendig pulsierend, Liebe verströmend, zugleich verletzbar und zerbrechlich.
Die Angst vor Verletzbarkeit und Vergänglichkeit steht oft bedingungsloser Liebe im Weg.
Die dritte ist eine spirituelle Aufforderung: Vergebt einander! Und das ist wirklich und wahrhaftig nur möglich, weil Gott uns vergeben hat in Christus.
Damit eröffnet sich eine Dimension in unserer Wirklichkeit, die zuvor verborgen, ja nicht einmal denkbar war. Eine revolutionär neue Qualität der Gemeinschaft schenkt Gott der Welt in Christus. Das Drama des Kreuzestodes wird die Basis gelebter Liebe in gegenseitiger Vergebung.

Von: Barbara und Martin Robra

14. Februar

So hatte nun die Gemeinde Frieden in ganz Judäa und Galiläa und Samarien und baute sich auf und lebte in der Furcht des Herrn und mehrte sich unter dem Beistand des Heiligen Geistes. Apostelgeschichte 9,31

Mit der Bekehrung des Saulus zum Paulus vor Damaskus kommt die erste Christenverfolgung in den mehrheitlich von Juden bewohnten Provinzen Palästinas an ihr Ende. Christliche Gemeinden in diesem Gebiet können nun in Frieden leben und Paulus kann mit der Verkündigung des Evangeliums unter den Völkern beginnen.
Frieden in Judäa, Samarien und Galiläa – wer heute die Namen dieser römischen Provinzen benutzt, denkt an das Land zwischen Jordan und Mittelmeer als von Israeli besiedeltes oder annektiertes Gebiet. Davon träumen die jüdischen Siedler – aber zum Frieden in der Region tragen sie so nicht bei.
Lasst uns trotzdem nicht aufhören, auf Frieden zu hoffen – überall und ganz besonders auch für Israel und Palästina. Und lasst uns Frieden schaffen ohne Waffen – aber mit der Furcht des Herrn und dem Beistand des Heiligen Geistes. Das gab den ersten Christinnen und Christen und ihren Gemeinden Kraft und Mut, Salz der Erde und Licht der Welt zu sein. Zuerst und zuletzt aber ist und bleibt der Frieden, den Gott gibt!

Von: Barbara und Martin Robra