Gott, deine Güte ist besser als Leben. Psalm 63,4
Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen, muss ich meiner Irritation darüber Ausdruck geben, dass eine Krankenkasse alle mit dem Zug in Basel einfahrenden Reisenden mit der patzigen Behauptung empfängt: «Weil Gesundheit alles ist.» Ich frage meinen seit Jahren chronisch schwerkranken, aber dennoch immer wieder heiter gestimmten Bruder nicht, wie er diesen Satz liest. Ich bitte auch die des Lebens satte alte Frau nicht, mit mir über diesen Satz zu sprechen, die sterbensmüde daliegt und vertrauensvoll darauf wartet, heimgehen zu dürfen. Ich will den Werbespruch auch nicht kommentiert haben von der Ärztin, die in einem Kranken-haus in einem Kriegs- oder Seuchengebiet ausharrt, weil sie sich von Gott selbst dorthin gerufen weiss.
Nach dem Johannesevangelium kommt es darauf an, dass wir unterscheiden lernen zwischen «Leben» und «ewigem Leben». Ewiges Leben ist das, was aus Gottes Güte seine Orientierung und seine Kraft gewinnt. Wer dieses Leben hat und führt, kann es, wenn es denn wirklich darauf ankommt, auch lassen. Darin würde sie, würde er Jesus folgen. Und mit ihm wissen, dass nicht einmal der Tod diesem ewigen Leben etwas anhaben kann, weil wir sterbend endgültig im Raum der Güte Gottes gut ankommen und dort aufgehoben bleiben.
Von: Benedict Schubert