Paulus sprach: Ich bin umhergegangen und habe eure Heiligtümer angesehen und fand einen Altar, auf dem stand geschrieben: Dem unbekannten Gott. Nun verkündige ich euch, was ihr unwissend verehrt. Apostelgeschichte 17,23
Ich mag die Geschichte von Paulus in Athen sehr. Genauso wie er schlendere ich gerne durch Städte und gucke, was in mir Resonanz auslöst. Die Athener wollten sich offenbar absichern (oder besonders offen sein) und haben sogar für
«den unbekannten Gott» einen Altar gebaut. Mich würden die Rituale sehr interessieren, die es rund um diesen Gott gab. Paulus knüpft in seiner Predigt an die damals aktuelle Phi-losophie an und sagt: «In Gott leben, weben und sind wir.» Das ist für mich immer noch die beste Aussage, die ich über Gott machen kann. Wie siehst du das, Chatrina?
«In ihm leben, weben und sind wir» (Apostelgeschichte 17,28) trifft den Nagel auf den Kopf, finde ich. Als Bild kommt mir die spätmittelalterliche Webkunst «La Dame à la Licorne» in den Sinn. Sie ist im Musée de Cluny ausgestellt. Eine weitere Stadt zum Entdecken … Vor einem auffällig roten Hintergrund tummeln sich auf sechs Wandteppichen Pflanzen, Tiere und zentral die Dame, ein Löwe und ein Einhorn. Rainer Maria Rilke hat sie in einem Essay beschrieben. An einer Stelle lese ich: «Aber es kommt noch ein Fest, niemand ist geladen dazu. Erwartung spielt dabei keine Rolle. Es ist alles da. Alles für immer.»
Von: Lars Syring und Chatrina Gaudenz