13. April

Meine Zeit steht in deinen Händen. Psalm 31,16

In der Zürcher Bibel heisst es: «In deiner Hand steht mein Geschick» und im hebräischen Urtext heisst es einfach:
«Meine Zeit in deiner Hand.»
Rainer Maria Rilke hat poetische Worte gefunden und das Fallen in Gottes Hand zum Thema gemacht:
Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.
Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.
Rilke verweist auf den Tod, genauso wie es die Losung auch tut.
Doch gemeint ist mehr: Meine Zeit, mein Geschick sind in Gottes Hand, durch unser ganzes Leben sind wir gehalten, ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht. Nicht nur erfolgreiches Leben ist gehalten, auch unser Scheitern ist es. Gott ist nicht allein die Bedingung zu gelingendem Leben, auch Missgeschick, Krankheit und Unglück sind in Gottes Hand. «… die gelebte Beziehung zu Gott macht die Kostbarkeit des Lebens aus». So formuliert es Gunda Schneider-Flume in ihrem lesenswerten Buch «Leben ist kostbar. Wider die Tyrannei des gelingenden Lebens».
Leben ist ein Geschenk, das an keine Bedingungen geknüpft ist. Das befreit uns zu einem aktiven Leben und zur Dankbarkeit.

Von: Kathrin Asper

12. April

Jesus kam, obwohl die Türen verschlossen waren, und er trat in ihre Mitte und sprach: Friede sei mit euch! Johannes 20,26

Die heutige Losung ist der Geschichte über den ungläubigen Thomas entnommen. Er war an Ostern nicht dabei, und erst acht Tage später erzählten ihm die anderen Jünger von der Auferstehung. Er will das nicht glauben und begehrt, die Wundmale zu sehen. Da kommt Jesus durch die verschlossenen Türen, man kann auch sagen durch die verschlossene Tür von Thomas’ Unglauben, der Beweise, Fakten braucht.
Wir lernen, dass Jesus auch die Zweifler annimmt; er sagt zu ihm: «Du glaubst, weil du mich gesehen hast.» Selig indes sind die, «die nicht mehr sehen und glauben».
Mit dem Glauben ist es so eine Sache: Menschen wollen Beweise, und wenn es keine gibt, verwerfen sie Gott.
Wir müssen uns jedoch immer daran erinnern, dass Glaube Gnade ist, Glaube ist ein Geschenk, das uns frei und ohne Bedingung gegeben wird. Wir können auch sagen: uns geschieht.
Daneben können wir jedoch christliche Werte leben, uns für Gerechtigkeit und Frieden einsetzen, Barmherzigkeit und Zuwendung üben, nicht lügen, nicht nachtragend sein …
Das können wir aufgrund von Einsicht, Willen und Disziplin anstreben und ausüben. Das ist die aktive Seite christlichen Lebens. Glaube geschieht, er kommt ohne Bedingung von dem Gott, der uns sucht.

Von: Kathrin Asper

11. April

Meine Schuld ist mir über den Kopf gewachsen;
sie wiegt zu schwer, ich kann sie nicht mehr tragen. Psalm 38,5

Warum tut es derart weh, wenn das Gewissen beisst? Was ist es, was Schuldiggewordene in die Verzweiflung treibt? Die Bilder der Losung zeigen eindrücklich, wie stark die Belastung empfunden wird: Wenn das Schuldgefühl immer höher steigt und ich immer tiefer sinke, gehe ich irgendwann ganz unter, und wenn die Schuld immer schwerer wiegt und mich immer mehr hinunterdrückt, zerbreche ich irgendwann daran. Auch die übrigen Verse des Psalms schildern, dass der Beter leidet, wie er krank und depressiv ist. Seine Nächsten verlassen ihn, Gottes Pfeile durchbohren ihn und er fürchtet sich vor dem Gericht. Was ihm über den Kopf gewachsen ist, droht ihn zu zerstören. Es gibt nur eine letzte Hoffnung: dass jemand noch höher steht und noch mehr Gewicht hat – ein Richter, der mehr zu sagen hat als der Ankläger.
Die Tradition hat diesen Busspsalm David in den Mund gelegt – dem König, dem Sänger und dem Krieger, der auch ein Sünder war. Dass er, der Erbärmliches getan hat, Erbarmen gefunden hat, soll denen, die ihm nachsprechen, ein Trost sein. Vielleicht muss man einen anderen Psalm lesen, um ihn zu spüren? Wie wär’s mit demjenigen, wo steht, dass auch wir, die nicht königlichen Geschlechts sind, am Ende mit Gnade und Barmherzigkeit gekrönt werden? (Psalm 103,4)

Von: Ralph Kunz

10. April

Der HERR sprach zu Jakob: Siehe, ich bin mit dir
und will dich behüten, wo du hinziehst, und will dich wieder herbringen in dies Land. 1. Mose 28,15

Jakob hat ein Traumgesicht, in dem ihm Gott erscheint. Es ist ein merkwürdiges Bild, das in der jüdisch-christlichen Kultur grossen Eindruck hinterlassen hat. Jakob sieht die Verbindung zwischen Himmel und Erde. Es ist eine Leiter (oder eine Treppe), auf der Engel auf- und absteigen. Auf der obersten Stufe steht JHWH und verspricht Jakob seinen Beistand. Jakob wird zum Erben des Segens, den Gott Abraham gegeben hat. Das ist alles andere als selbstverständlich. Zwar ist Jakob Abrahams Enkel, aber eigentlich wäre der ältere Bruder Esau Träger der Verheissung und nicht er. Jakob ist also einer, der sich in der Reihe vorgedrängelt hat – und doch hält Gott zu ihm. Und was ist die Moral der Geschichte?
Die Antwort gibt Jakob, nachdem er aus seinem Traum erwacht ist. Er weiss, dass er seinen Bruder übers Ohr gehauen hat, aber er will dennoch die Versöhnung mit ihm. Jetzt verheisst ihm Gott die Heimkehr. Also legt er ein Gelübde ab: «Wenn du dein Versprechen erfüllst und ich in Frieden heimkehren kann, sollst du mein Gott sein.»
(Genesis 28,20 f.) Eigentlich ist das ziemlich dreist, oder?
Aber es passt zu Jakob, der vierzehn Jahre später an einer Furt mit Gott ringt, wieder seine Chance packt und Gott im Ohr liegt: «Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn.»

Von: Ralph Kunz

9. April

Sei nicht schnell mit deinem Munde und lass dein Herz nicht eilen, etwas zu reden vor Gott; denn Gott ist im Himmel und du auf Erden, darum lass deiner Worte wenig sein. Prediger 5,1

Die Kunst des Betens ist, das Hören zu erlernen; also weniger zu sagen «Schweige, Gott, dein Diener redet», als zu sagen «Rede, Gott, dein Diener hört». Es ist schwer, fürwahr.
Darum übe ich das Hören am lebenden Menschen und dazu habe ich eine lange Ausbildung gemacht, die im Wesentlichen darin besteht, das Zuhören zu lernen in Begleitung und Seelsorge. Denn das Herz eilt, es ist voller eigener Geschichten und eigenen Ergehens; so voll, dass man fast nicht glauben kann, dass andere auf andere Art hören, denken, fühlen und erleben.
Als es mir selbst einmal richtig schlecht ging, sagte der Psychiater, den ich aufsuchte, zu mir: «In Ihrer Haut möchte ich nicht stecken.» Noch selten hatte ich mich in meinem Leben so verstanden gefühlt. Hier sprach einer, nachdem er mir zugehört und mich verstanden hatte.
Ich hoffe, dass das Einüben der Stille und des Hörens auf Gott auch meinen Sinn schärft für die Themen, die mir zu Gehör gebracht werden von denen, die ich begleite.
Der Prediger jedenfalls ermutigt mich in dieser Hinsicht und es kommt vor, dass manchmal, beim gemeinsamen Verweilen vor Gott, der Himmel die Erde berührt.

Von: Heiner Schubert

8. April

Bedrückt nicht die Witwen, Waisen, Fremdlinge
und Armen! Sacharja 7,10

Es geht auch heute beim Bibelwort weiter mit den Fremdlingen. Bedrückt sie nicht mit noch mehr Auflagen, Forderungen, Formularen, Anpassungswünschen etc., gebt ihnen einfach, was sie zum Überleben brauchen – nicht mehr und nicht weniger. Wenn ich die Geschichten lese, wie Geflüchtete auf offener See hin und her geschoben werden, bis sie untergehen, oder wie Europa sein Grenzregime immer weiter verschärft, dann sehe ich nichts von «gebt ihnen das, was sie zum Überleben brauchen» – vielmehr sehe ich ein «nehmt ihnen noch das Letzte, sonst kommen die immer wieder!»
Ja, unsere Welt ist verdammt ungerecht, einige wenige besitzen Milliarden und andere keinen Dollar pro Tag. Es ist zum Heulen. Und dann sind da noch jene, die andere Länder «übernehmen» wollen … Für mich ist diese Welt erst im Göttlichen angekommen, wenn alle frei sind, wenn Liebe strömt und wenn die Hoffnung wächst.
Ja, ein frommer Wunsch, mögen Sie sagen, aber ich brauche diese drei Visionen, um die Liebe zum Leben nicht zu verlieren. In jedem Menschen kann uns Jesus begegnen! Nehmen Sie diese Aussage einmal mit, wenn Sie abends unterwegs sind und Sie am Bahnhof von einem «Fremdling» angesprochen werden. Möge Gott Sie führen und leiten!

Von: Markus Bürki

7. April

Der HERR schafft Recht den Waisen und Witwen und hat Fremdlinge lieb, dass er ihnen Speise und Kleider gibt. Darum sollt ihr auch die Fremdlinge lieben. 5. Mose 10,18–1

Fremdlinge – ein lustiges Wort. Mir kommen da viel eher Wörter wie Ausländer, Flüchtlinge oder «die Anderen» in den Sinn. Unsere Gesellschaft kämpft sich aktuell sehr ab an der Höhe der Mauer, die um das eigene Land gestellt werden soll, oder an der Frage, wie viel Geld in was gebuttert werden soll.
Fremdlinge stören, sie bringen die falsche Kultur, das falsche Verständnis, die falsche Religion und die falsche Arbeitsmoral – die dürfen schon kommen, aber sie müssen sich halt auch ein wenig anpassen, und wenn sie das nicht machen, dann sollen sie heimgehen. Hören Sie auch solche Stimmen und Voten, liebe Lesende? Oder gehören Sie zu denen, die solches manchmal denken oder gar sagen?
Grenzen verletzen. Die Grenzen im Kopf und die um ein Land herum. – Gott setzt keine Grenzen, er (oder sie) gibt Speise und Kleider, und das sollen wir auch tun.
Öffnen Sie Ihre Wohnung für einen Fremdling? Oder Ihr Herz für einen Obdachlosen, der einen Kaffee und eine herzliche Umarmung braucht?
Und öffnen Sie Ihr Herz für diesen Jesus, der keine Mauern gebaut, sondern diese alle sprengen wollte. Jesus ist auf die Erde gekommen und die Institution Kirche hat geantwortet – leider oft herzlos.

Von: Markus Bürki

6. April

Er behütete sein Volk wie seinen Augapfel. 5. Mose 32,10

Das Lied des Mose im Kapitel 32 hat die Form eines Gedichts mit starken Bildern. Dies zeigt sich auch im Losungsvers. In der Geschichte zwischen Gott und seinem Volk gibt es schwierige Phasen. Aber die Zeit der ersten Liebe ist nicht vergessen, und Gottes Treue gilt noch immer. Der Vers erzählt von der ursprünglichen Begegnung. Gott fand sein Volk in der Wüste und gab ihm seinen Schutz. «Er umgab es schützend, kümmerte sich um es.» Und dann heisst es wörtlich: «Er bewachte es wie das Männchen in seinem Auge.» Mit diesem Ausdruck ist die Pupille gemeint. In alter Zeit wusste man: Wenn zwei Menschen einander tief in die Augen schauen, können sie in der schwarzen Pupille des anderen ihr kleines Spiegelbild sehen – ein Männchen (Hebräisch) oder ein Püppchen (Griechisch, Latein). Der Ausdruck steht dafür, dass der Mensch ein Beziehungswesen ist. Er will das Gegenüber sehen und von ihm gesehen werden. Martin Luther fand für seine Übersetzung die Wendung, die sprichwörtlich geworden ist: behüten wie seinen Augapfel. So kostbar und so verletzlich ist das Auge, dass man besonders gut darauf aufpasst. Genau so wertvoll sind die Menschen für Gott. Wenn wir uns als Christen darüber freuen, sollten wir nicht vergessen: Was Gott wie seinen Augapfel behütet, ist in erster Linie sein Volk Israel – auch im Jahr 2026. Denn die biblischen Verheissungen gingen zuerst an das Volk Israel, wo auch die christliche Kirche ihren Anfang nahm.

Von: Andreas Egli

5. April

Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. Psalm 23,5

Für das Vertrauen auf Gott wählt der Psalm starke Bilder. Im ersten Teil vergleicht er Gott mit einem Hirten, der seine Herde auf ihrer Wanderung begleitet. Dies wird in der hebräischen Bibel über das ganze Volk Israel gesagt. Neu ist im Psalm, dass der Beter es auf sich als Einzelperson bezieht: «Der Herr ist mein Hirte.» Im zweiten Teil des Psalms erscheint ein anderer Vergleich. Gott ist wie ein guter Gastgeber, bei dem man sich an einen reich gedeckten Tisch setzen kann. Nicht nur mit einem grosszügigen Essen wird der Gast verwöhnt, sondern auch mit einer Wellness-Behandlung – es gibt wohlriechendes Öl für das Gesicht – und reichlich Getränken. Die Abfolge im Psalm spricht von einer Erfahrung, die viele Menschen machen: Es gibt eine Zeit des Unterwegsseins, die schwer ist, weil der Weg durch ein dunkles Tal führt. Aber es gibt auch wieder eine Zeit des Ankommens. Jetzt kann man aufatmen, jetzt werden die wichtigen Bedürfnisse gestillt. Jetzt ist der Einzelne nicht mehr allein, sondern er gehört zu einer frohen Tischgemeinschaft. Dieser Gedanke passt zu Ostern. Die Jünger erkennen den auferstandenen Christus, als sie mit ihm zusammen am Tisch sitzen. Und sie treffen sich wieder zum gemeinsamen Essen, um an ihn zu denken.

Von: Andreas Egli

4. April

Wie lieblich sind deine Wohnungen, HERR Zebaoth! Psalm 84,2

Der Psalm spricht die Heiligtümer an. Dort wohnt Gott. Es wird nicht ganz klar, ob die Menschen in den Raum treten dürfen oder ob sie nur in die Vorhöfe zugelassen sind. So weiss ich nicht, wo genau Gottes Wohnung ist. Aber das scheint mir auch nicht so wichtig. Viel wichtiger ist es, dass ich versuche, auf die Stimme Gottes, der Lebendigen, zu hören. Und das kann ich ohne Heiligtümer, nicht aber ohne Menschen, mit denen ich mich austauschen kann. In meinem Verständnis braucht Gott weder Kirchen noch Kapellen, sondern Menschen, die mit offenen Augen und Herzen festhalten an der Liebe, die uns von der Lebendigen zuteilwird. Und dabei geht es auch darum, immer wieder neu daran zu denken, dass Gott auf der Seite der Armen, der Leidenden, der Unterdrückten steht. Ihnen gilt die Liebe der Lebendigen in erster Linie. Um dies immer wieder neu zu bedenken, brauche ich Menschen, die mit mir unterwegs sind in der Vision, dass Gerechtigkeit und Frieden möglich sind. Das Zusammensein mit Menschen, die diese Vision teilen, ist ein Raum, den ich als Heiligtum erlebe. Denn es entsteht neue Kraft und neue Hoffnung.
Darum: Gesegnete Ostern mit einem Lachen und dem Glauben an das Leben.

Stärke und erneuere du unsere Hoffnung.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud