Unrecht Gut hilft nicht; aber Gerechtigkeit errettet vom Tode. Sprüche 10,2
«Unrecht erworbene Schätze nützen nichts, Gerechtigkeit aber rettet vor dem Tod», lautet dieser Spruch Salomos in der uns verständlicheren Version der aktuellen Zürcher Bibel. Ein Vers, den wir sofort unterschreiben, klingt er doch wie ein Plädoyer für Nachhaltigkeit oder Fairtrade: Gestohlene oder ertrogene Besitztümer haben keinen dauerhaften Nutzen. Der sorgsame und gerechte Umgang mit unseren irdischen Ressourcen oder der Erwerb von fair hergestellten Produkten liegt der Mehrheit von uns am Herzen. Umso frustrierender ist es, dass diese 3000 Jahre alte Weisheit die Menschen nicht dazu gebracht hat, sich daran zu halten, sondern die Weltgeschichte und der globale Handel voller Ausbeutung und Ungerechtigkeit sind. So stehen auch wir täglich vor dem Dilemma: Was bringt es, wenn ich statt Fast-Fashion fair hergestellte Kleider trage? Wieso soll ich meinen Esstisch im Brockenhaus holen, wenn es so viele billige Möbelhäuser gibt? Wir sind ständig mit ethischen Entscheidungen konfrontiert, die sich um die Frage nach der Gerechtigkeit drehen. Dass all die Generationen vor uns sich nur begrenzt daran gehalten haben, soll kein Freipass für uns Nachkommen sein, so weiterzumachen. Und doch finde ich es eine der wichtigsten Aufgaben in unserem Alltag uns für ein gerechtes Leben zu engagieren. Das heisst, verantwortungsbewusst zu handeln, auch wenn niemand hinsieht.
Von: Esther Hürlimann