Ich, der HERR, habe dich gerufen in Gerechtigkeit
und halte dich bei der Hand. Jesaja 42,6
In der Bibel wird die Beziehung zwischen Gott und seinem Volk wiederholt mit einer Liebesbeziehung verglichen, die durch einen Bund gesichert sein sollte. Fest und sicher war sie indessen nicht. Sie wurde im Gegenteil immer und immer wieder infrage gestellt von Seiten des Volks. Das führte schliesslich zur tiefsten Krise: der Eroberung und Zerstörung des letzten Rests von Israel und zur Vertreibung ins Exil.
Nun aber darf der unbekannte Prophet, den wir behelfsmässig den «Zweiten Jesaja» nennen, das Ende dieser Entfremdung und den Beginn einer Art neuer Romanze ankündigen: Gott wird sein Volk wieder in sein Haus führen. Es wird einen Neuanfang geben, der ähnlich befreiend sein wird wie damals der Auszug aus Ägypten.
In der Beziehung zwischen zwei Menschen, so meinen die entsprechenden Fachleute, sei es wichtig, das, was die beiden einander versprochen haben, nach einer Krise erneut zur Sprache zu bringen. So macht es auch der Ewige mit seinem Volk: Wie eine Liebende ihren Geliebten, nimmt Gott sein Volk bei der Hand. Gott hat «in Gerechtigkeit» gerufen: nicht abrechnend, sondern auf eine Weise, die wieder zurechtbringt, was verschoben und verrückt worden war, damit sie zusammen Hand in Hand auf das zugehen können, was kommt.
Von: Benedict Schubert