Auch wir wollen dem HERRN dienen; denn er ist unser Gott. Josua 24,18
Als ich diese Losung las, fragte ich mich spontan: Sehe ich Gott als unseren HERRN? Nein, das tue ich eigentlich nicht, aber auch nicht als die Lebendige, wie es in manchen Bolderntexten heisst. Wie sehe ich denn Gott? Als eine zentrale Kraft, als ein Du, das ich ansprechen kann, allerdings mit tausend Facetten, die ich nicht einordnen kann.
Ist es ein immer gütiger, barmherziger Gott? Nein, das kann ich auch nicht sagen. Deshalb halte ich fest an der Zeile «und führe mich nicht in Versuchung» im Vaterunser. Als Papst Franziskus dies vor ein paar Jahren änderte und Folgendes an die Stelle setzte: «Lass uns nicht in Versuchung geraten», so fand ich diese Änderung zwar schön und durchaus eines Gebets würdig. Indes – die traditionelle Formulierung passt mir besser: Sie macht uns zu freien Menschen, die eine Wahl haben.
Gott ist für mich ein Geheimnis, ein Mysterium geblieben. Allerdings immerhin eines, das ich ansprechen kann und das ich mir barmherzig und liebend vorstellen kann und das auch tue, trotz aller anderen Facetten, die da auch sind. Wir sollen uns kein Bild von Gott machen. Und so ist mein obiges Bild eines, das schon manch andere Bilder abgelöst hat. Wir machen uns Bilder, sollen dabei aber auch wissen, dass sie Gottes Geheimnis niemals entschlüsseln. – Ist das auch eine Art, Gott zu dienen?
Von: Kathrin Asper