Kategorie: Texte

14. März

Jesus sprach zur kanaanäischen Frau: Frau, dein Glaube ist gross. Dir geschehe, wie du willst! Matthäus 15,28

Wie gross muss mein Glaube sein, bis das geschieht, was ich will? Die Frau aus Kanaan beeindruckt mich. Sie lässt nicht locker, fordert Jesus heraus. Und sie ist schon mit wenig zufrieden. Ein kleiner Anteil seiner Macht, so gross wie die Brotkrümel, die vom Tisch fallen, würde ihr schon genügen, sagt sie. Dann, so gross ist ihr Glaube, wird ihre Tochter gesund. Da ist auch Jesus beeindruckt. Und er erfüllt ihren Wunsch. Dabei bittet er selbst später in Gethsemane «Nicht was ich will, sondern was du willst, geschehe.» Mein Wille versus Gottes Willen. Wie geht das zusammen?

Geht es um die Frage: Mein Wille versus Gottes Willen? Oder eher um die Frage: Mein Wille versus meinen Glauben? Jesus betet: «Mein Vater, wenn es möglich ist, so gehe dieser Kelch an mir vorüber.» Mich beeindrucken die vier kleinen Worte: «Wenn es möglich ist, …» Glauben, verstanden als Vertrauen, als Verbindung mit dem Grund, der mich hält, kann ich nur jetzt. Ich kann weder gestern noch morgen glauben. Ebenso kann ich nicht auf Vorrat atmen. Atmen kann ich nur jetzt. Glauben ebenso. Die Frau aus Kanaan entscheidet sich, jetzt zu glauben. Jesus in Gethsemane ebenso. Das ist für mich gross, im Sinne von beeindruckend.   

Von: Lars Syring / Chatrina Gaudenz

13. März

Wir wissen aber, dass das Gesetz gut ist, wenn es jemand recht gebraucht.
1. Timotheus 1,8

Mit der Ausbreitung des christlichen Glaubens über die jüdische Gemeinschaft hinaus wurde die Geltung der Tora auch nach dem Kommen Christi lebhaft diskutiert. Blieb sie weiter lebensbewahrendes Gesetz Gottes für sein Volk? War sie auch für Heidenchristen verbindlich? In welcher Beziehung stehen Gesetz und Evangelium, Sünde und Rechtfertigung allein aus Gnade?  

In der Reformation standen diese Fragen wieder auf der Traktandenliste. Luther stellte Gesetz und Evangelium einander gegenüber und betonte die Rechtfertigung des Sünders allein aus Gnade. Anders Zwingli. Er schrieb: «Das gsatzt ist dem gotshulder ein evangelium.» Damit war er näher an der pragmatischen Sicht des 1. Timotheusbriefs. Geltungsbereich und Praxis waren entscheidend. 

So kann die Diskussion auch heute Orientierung geben. Für Staat und Politik gilt: Wenn Gesetze erlassen werden, um ungerechte Strukturen zu sichern, unterdrücken sie. Wenn sie erlassen werden, um Gerechtigkeit zu schaffen und die Schöpfung zu bewahren, dann fördern sie das Leben. Darauf kommt es heute an.

Von: Barbara und Martin Robra

12. März

Paulus schreibt: So haben wir Herzenslust an euch und sind bereit, euch teilhaben zu lassen nicht allein am Evangelium Gottes, sondern auch an unserm Leben; denn wir haben euch lieb gewonnen. 1. Thessalonicher 2,8

– «Glaubst du an Gott?»
– «Warum fragst du?»
– «Weil nichts dafür spricht.»
– «Es spricht aber auch nichts dagegen.»

– «Liebst du mich?»
– «Ja – weil ich dich lieb gewonnen habe und das Leben mit dir teile!»

So liebt dich Gott!

Von: Barbara und Martin Robra

11. März

Als Jakob von seinem Schlaf aufwachte, fürchtete er sich und sprach: Wie heilig ist diese Stätte! Hier ist nichts anderes als Gottes Haus, und hier ist die Pforte des Himmels.
1. Mose 28,16.17

Der Himmel ist offen und Jakob sieht hinein: Da sind, wie zu erwarten ist, himmlische Wesen, Engel, die über eine Treppe hinauf- und hinabsteigen, und da ist Gott. Aber was nicht zu erwarten war: Gott sitzt offensichtlich nicht oben auf einem Thron, sondern steht gleich am Anfang der Treppe, unten. Gleich bei Jakob, gewissermassen auf Augenhöhe. Gott lässt ihn nicht hochsteigen, sondern steht bei ihm und spricht zu ihm. Und was er sagt, ist überwältigend! Jakobs Nachkommen werden sich ausbreiten, von Gott begleitet und behütet. Als er aufwacht, ist ihm bewusst, dass heute und hier etwas Grosses geschehen ist: Er hat Zukunft gesehen. Und diese Zukunft ist unwahrscheinlich schön und gut. Wir können erahnen, was das für diesen Mann bedeutet hat, der seinerzeit fliehen musste und der nun als Flüchtling wieder zurückkehrt. In seinem «Gepäck» hat er einzig diesen Traum, der ihn gleichermassen ängstigt wie stark macht. Damit diese Hoffnungserfahrung für alle Zeiten erinnert wird, benennt er den Ort um – er war bisher einer Gottheit «El» geweiht, jetzt dem Gott «Elohim» (Beth-El). Die Geschichte, die hier erzählt wird, ist eine Menschheitsgeschichte. Das bedeutet, dass Gott jederzeit und überall nahe erfahren werden kann. Auch und besonders hier und heute.

Von: Hans Strub

10. März

Ich will mich freuen über mein Volk. Man soll in ihm nicht mehr hören die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens. Jesaja 65,19

«Vielmehr frohlockt und jubelt endlos über das, was ich schaffe!» Das ruft der Prophet denen zu, die auf Gott vertrauen, denn Gott wird in unmittelbarer Zukunft einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen. Neue Voraussetzungen für das Volk, ein Leben in Gottesnähe zu führen und zu gestalten. Dann wird sich auch Gott freuen über das, was nun geschieht: kein Weinen und Klagen mehr, keine Kindersterblichkeit, dafür Langlebigkeit für alle, man wird Häuser bauen, Weinberge pflanzen, ernten, und es wird keine Angst mehr geben… (Verse 20–24) So wird es denen ergehen, die auf Gott bauen – im Unterschied zu denen, die sich anderweitig orientieren. Wer auf der Seite Gottes lebt, dem/der wird eine ganz konkrete Hoffnung zuteilwerden. Die sogenannte dritte Gottesrede am Ende der Jesajaschrift entstand in einer höchst unruhigen Zeit, in der Zeit nach der grossen Verwüstung, die über das damalige Israel/Palästina gekommen war. Widerstrebende Kräfte waren wirksam und wollten sehr unterschiedliche Wiederaufrichtungskonzepte ausführen. Damals müssen diese Heilsworte für viele eine wichtige Orientierung gewesen sein, eine grosse Zusage, ein starker Halt. Das bringen diese alten, aber dennoch zeitübergreifenden Sätze auch für heute: Sie sagen uns Zukunft zu inmitten von Angst, Leid und Zerrissenheit.  

Von: Hans Strub

9. März

Paulus schreibt: Weil wir uns auf den Herrn verlassen, dürfen wir zuversichtlich und vertrauensvoll vor Gott treten. Darum bitte ich euch: Lasst euch nicht irremachen durch das, was ich leiden muss. Epheser 3,1213

Im Messias Jesus, heisst es in der genaueren Übersetzung der Zürcher Bibel, «haben wir Freiheit und Zugang zu Gott». Diesen Zugang zu Gott ermöglicht der Messias, indem er die Hindernisse in den überirdischen Sphären durchbricht. Dem modernen Menschen sind die als «Mächte und Gewalten» (Vers 10) bezeichneten kosmischen Obstakel – Hindernisse – vielleicht fremd geworden; dass es aber überpersönliche Kräfte gibt, «biologische, soziale, politische und geistige Wirklichkeiten, Gesetze, Gesetzmässigkeiten, Anlagen, Traditionen usw.» (Petr Pokorny), leuchtet ein. Ihnen können wir in «Freiheit» gegenübertreten, wie freie Bürger in antiken griechischen Städten – deren Recht auf freie Meinungsäusserung meint das entsprechende Wort im Urtext.

In diese Freiheit führt die Fastenzeit, in der wir stehen. Beim Zugang zu Gott – vermittelt durch den gekreuzigten Messias – ist «Leiden» kein Indiz für die Absenz des Ewigen. Im Gegenteil: Im Kreuz ist Heil oder, wie Leonard Cohen sagt: «There’s a crack in everything, that’s how the light gets in.» («In allen Dingen gibt es einen Bruch; auf diese Weise dringt das Licht ein.»)

In diese Einsicht führt die Passionszeit, in der wir stehen.

Von: Andreas Fischer

8. März

Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen. Römer 11,29

«Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?» lautete Luthers Frage. Es ging dem Augustinermönch um sein Seelenheil. Indessen fragt man sich: Welches fühlende, mitfühlende Menschenkind kann im Anblick des drohenden globalen Kollapses ernstlich besorgt sein um seine persönliche «Rechtfertigung» vor Gott?

In diesem Zusammenhang mag die Beobachtung des deutschen Neutestamentlers Ernst Käsemann (1906–1998) von Bedeutung sein, dass es bei der «Rechtfertigungslehre» des Apostels Paulus genuin gar nicht ums Seelenheil ging. Sondern ums Ganze, das Ziel des Kosmos, das Ende der Erde.

Entsprechend gilt unser heutiger Vers nicht einer skrupulösen Seele, sondern den Juden und Heiden, der Menschheit, allen Wesen der Welt (vgl. die Fortsetzung Verse 30–36 und den ganzen Zusammenhang in Römer 9–11).

«Nicht gereuen» steht im griechischen Urtext betont am Anfang. Darauf liegt alles Gewicht. Es ist eine erstaunliche Aussage; in der Bibel steht auch anderes, zum Beispiel: «Da reute es den EWIGEN, dass er den Menschen gemacht hatte.» (1. Mose 6,6) Doch Paulus, dessen «Rechtfertigungslehre» eben «geschichtliche Tiefe und kosmische Weite» (Käsemann) hat, glaubt, dass alles, dass das All – bedingungslos, so, wie es ist – in Gott geborgen ist und schliesslich heimgerufen wird ins göttliche Licht.

Von: Andreas Fischer

7. März

Der Herr hat Zion mit Recht und Gerechtigkeit erfüllt. Und du wirst sichere Zeiten haben: Reichtum an Heil, Weisheit und Klugheit. Jesaja 33,5–6

Prognosen für die Zukunft haben die Eigenart, dass sie oft nicht eintreffen. Allerdings gilt auch, je schwammiger die Prognose formuliert wird, umso besser kann man ihr Eintreffen behaupten. Ob Zion/Israel zur Zeit des Psalmisten mit Recht und Gerechtigkeit erfüllt war, kann ich nicht beurteilen. Für die folgenden 2500 Jahre lässt sich allerdings festhalten: mal so – mal so!

Schauen wir in die Gegenwart, dann sehen wir kaum «Weisheit und Klugheit», sondern Tod und Zerstörung.

Na toll – und was jetzt?

In dunklen Zeiten ist das Licht häufig nicht zu sehen, weil es umstellt und verdeckt ist. Dann brauchen wir Menschen, die uns daran erinnern, dass das Licht zwar gerade nicht zu sehen ist, aber dass es immer noch da ist und wieder hervorgeholt werden muss. Krieg und Zerstörung werden von Menschen verantwortet und können auch nur durch menschliche Entscheidungen beendet werden. Hier kommen nun wir Glaubenden ins Spiel. Wir wissen um das Licht, das mit der Liebes- und Versöhnungsbotschaft Jesu in die Welt gekommen ist. Das ist unser Beitrag: immer wieder den Frieden einzufordern und die Liebe exemplarisch zu leben. Vielleicht erleben wir dann noch Heil, Weisheit und Klugheit.

Von: Rolf Bielefeld

6. März

Der Herr behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele. Psalm 121,7

Hier sind wir bei einem der «Kassenschlager» biblischer Verse – immer gerne genommen bei Taufen, Konfirmationen oder Trauungen. Ist das nun wertsteigernd oder wertmindernd? Es ist weder das eine noch das andere, sondern es zeigt nur, dass hier bei vielen Menschen eine Saite zum Klingen gebracht wird, die sonst nicht schwingt.

Immer auf der richtigen, der guten Seite zu sein, ist ein Wunsch der meisten von uns. Dies natürlich gekoppelt mit der Zusage, nicht belastet zu werden.

Ist dieser Wunsch nun zu kritisieren? Ich denke – nein!

Wenn wir als Glaubende der Predigt und dem Leben Jesu folgen, ist unser Kompass klar ausgerichtet auf alles, was dem Leben, der Schöpfung dient. Weder ich noch du können alle Fehlentwicklungen in dieser Welt korrigieren. Wir können aber, im Rahmen individueller Möglichkeiten, kleine Teile in einem der vielen herausfordernden Bereiche angehen. Viele von uns sind auf diesem Weg, der anstrengend ist, oft mit Enttäuschungen einhergeht, aber auch viel Energie und Beziehung freisetzt.

Unser Psalm ist immer noch ein «Kassenschlager», aber er gewinnt für uns eine neue Qualität. Er ist nicht mehr der tolle Spruch auf der tollen Karte, sondern der Gruss und die Ermunterung von Glaubenden an Glaubende. Denn aus der Gewissheit heraus, dass Gott uns bewahren will vor schlechten Dingen und uns bis in die Tiefen unserer Existenz begleitet, leben und handeln wir.     

Von: Rolf Bielefeld

5. März

Wer weiss, ob Gott nicht umkehrt und es ihn reut und er sich abwendet von seinem grimmigen Zorn, dass wir nicht verderben. Jona 3,9

Gott bereut einen Entschluss, den er noch nicht ausgeführt hat. Er überlegt sich die Sache nochmals, verzichtet auf die angedrohte Strafe und gibt dem Leben eine neue Chance. Das Volk Israel kann dank Gottes Güte einen neuen Anfang machen, dies ist ein Herzstück des biblischen Glaubens. Die kleine Schrift über den Propheten Jona beschäftigt sich mit einer neuen Frage. Bekommt auch ein anderes Volk, ja sogar ein feindliches Volk diese Chance? Jona hat den Auftrag, in die Stadt Ninive zu reisen. Die Hauptstadt des assyrischen Reiches war der Inbegriff einer feindlichen Grossstadt. Dort verkündet Jona: «Noch vierzig Tage, dann wird Ninive durch eine Katastrophe zerstört.» (Jona 3,4) Die Bewohner der Stadt nehmen sich die Botschaft zu Herzen. Der König ruft alle auf, eine Fastenzeit einzuhalten und sich von den schlechten Wegen abzuwenden. Ausgerechnet der König von Ninive sagt im Losungsvers: «Wer weiss? Vielleicht wird Gott umkehren, und er bereut seinen Entschluss.» So kommt es. Gott lässt die Stadt Ninive am Leben. Keine Freude daran hat Jona, der immer noch auf die Katastrophe wartet. Die Schrift endet mit einer Frage, die Gott an Jona richtet: Darf ich nicht Mitleid haben mit den Menschen und Tieren in dieser Stadt?

Von: Andreas Egli