Autor: Barbara und Martin Robra

15. April

Vor dem HERRN her kam ein grosser und gewaltiger Sturmwind, der Berge zerriss und Felsen zerbrach,
in dem Sturmwind aber war der HERR nicht. Und nach dem Sturmwind kam ein Erdbeben, in dem Erdbeben aber war der HERR nicht. Und nach dem Erdbeben kam ein Feuer, in dem Feuer aber war der HERR nicht. Nach dem Feuer aber kam das Flüstern eines sanften Windhauchs. 1. Könige 19,11–12

Elia begegnet Gott am Berg Horeb. Dort hatte er nach dem Blutbad an den Baalspropheten vor dem Zorn Isebels Zuflucht gesucht. Gottes Kommen wird durch eine Reihe von Naturereignissen angekündigt. Jedoch je näher Gott kommt, steigert sich nicht die Macht und Gewalt der Ereignisse. Im Gegenteil: Nach gewaltigem Sturmwind, Erdbeben und Feuer beginnt Gott erst beim «Flüstern eines sanften Windhauchs» mit Elia zu sprechen.
Dass Gott sich in der Stille finden lässt und zu sprechen beginnt, ist eine Erfahrung christlicher Mystiker wie Hildegard von Bingen oder Meister Eckhart. Auch du kannst die Stille in dir selbst hören. Sie öffnet einen meditativen Weg zum Gebet, den du jederzeit beschreiten kannst. Was du brauchst, ist Zeit für dich selbst, um ganz ruhig zu werden, dem Nichts Raum zu geben in dir und darin Gottes Nähe und Zuspruch zu spüren.

Von: Barbara und Martin Robra

14. April

David sprach zum HERRN: Ich habe schwer gesündigt, dass ich das getan habe. Und nun, HERR, nimm weg die Schuld deines Knechts. 2. Samuel 24,10

Ob in der Thora, den Schriften der Propheten, den Geschichtsbüchern oder Psalmen – in der ganzen hebräischen Bibel geht es immer wieder um das falsche Vertrauen der Mächtigen in ihre Schwerter und Streitwagen an Stelle der Hilfe des lebendigen Gottes. Immer wieder entsteht dadurch Unheil. Hier lässt David die wehrfähigen Männer zählen, zahlt aber nicht das dafür vorgeschriebene Kopfgeld. Dadurch riskiert er das Leben von wahrscheinlich 70 000 Männern, die als Strafe Gottes an der Pest erkranken. Grausig.
Zehn Tage nach Ostern wird der Kontrast zwischen der Welt dieses Textes und der Botschaft vom Neuanfang und Sieg des Lebens über Sünde und Tod in Kreuzigung und Auferstehung Jesu nur umso deutlicher. «Christus ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden», grüssen sich vor allem orthodoxe Christinnen und Christen in der Osterzeit. So ermutigen sie sich gegenseitig. In den Rufen nach Waffen und Armeen wächst die Angst. Im Licht der Osternacht leuchtet Hoffnung auf.
Herr, vergib uns unsere Schuld, gib uns deinen Frieden und das Leben, das du uns in Christus schenkst.

Von: Barbara und Martin Robra

15. Februar

Seid untereinander freundlich und herzlich
und vergebt einer dem andern, wie auch Gott
euch vergeben hat in Christus.
Epheser 4,32

Paulus spricht im Epheserbrief von drei Dimensionen, die zu einer gelingenden Gemeinschaft gehören.
Die erste Dimension ist eine zwischenmenschliche Haltung: Seid untereinander freundlich – einander zugewandt, respektvoll, vertrauensvoll, gütig.
Die zweite ist zutiefst körperlich: Seid herzlich! Das betrifft die Mitte des Lebens, das Herz als Sitz aller Gefühle, lebendig pulsierend, Liebe verströmend, zugleich verletzbar und zerbrechlich.
Die Angst vor Verletzbarkeit und Vergänglichkeit steht oft bedingungsloser Liebe im Weg.
Die dritte ist eine spirituelle Aufforderung: Vergebt einander! Und das ist wirklich und wahrhaftig nur möglich, weil Gott uns vergeben hat in Christus.
Damit eröffnet sich eine Dimension in unserer Wirklichkeit, die zuvor verborgen, ja nicht einmal denkbar war. Eine revolutionär neue Qualität der Gemeinschaft schenkt Gott der Welt in Christus. Das Drama des Kreuzestodes wird die Basis gelebter Liebe in gegenseitiger Vergebung.

Von: Barbara und Martin Robra

14. Februar

So hatte nun die Gemeinde Frieden in ganz Judäa und Galiläa und Samarien und baute sich auf und lebte in der Furcht des Herrn und mehrte sich unter dem Beistand des Heiligen Geistes. Apostelgeschichte 9,31

Mit der Bekehrung des Saulus zum Paulus vor Damaskus kommt die erste Christenverfolgung in den mehrheitlich von Juden bewohnten Provinzen Palästinas an ihr Ende. Christliche Gemeinden in diesem Gebiet können nun in Frieden leben und Paulus kann mit der Verkündigung des Evangeliums unter den Völkern beginnen.
Frieden in Judäa, Samarien und Galiläa – wer heute die Namen dieser römischen Provinzen benutzt, denkt an das Land zwischen Jordan und Mittelmeer als von Israeli besiedeltes oder annektiertes Gebiet. Davon träumen die jüdischen Siedler – aber zum Frieden in der Region tragen sie so nicht bei.
Lasst uns trotzdem nicht aufhören, auf Frieden zu hoffen – überall und ganz besonders auch für Israel und Palästina. Und lasst uns Frieden schaffen ohne Waffen – aber mit der Furcht des Herrn und dem Beistand des Heiligen Geistes. Das gab den ersten Christinnen und Christen und ihren Gemeinden Kraft und Mut, Salz der Erde und Licht der Welt zu sein. Zuerst und zuletzt aber ist und bleibt der Frieden, den Gott gibt!

Von: Barbara und Martin Robra

15. Dezember

Gott hat auch seinen eigenen Sohn nicht verschont,
sondern hat ihn für uns alle dahingegeben – wie sollte
er uns mit ihm nicht alles schenken? Römer 8,32

Alle Jahre wieder bereiten wir den Weihnachtsgottesdienst
mit den Kindern des Dorfes vor. Einmal fragte ich: «Warum
feiern wir eigentlich Weihnachten?» Überrascht blickten
mich die Kinder an, und ohne lange nachzudenken, meinten
sie übereinstimmend: «Weil wir Geschenke bekommen!»
Kein Wort von der Geburt des Gottessohnes. Trotzdem
freute ich mich. So ganz falsch ist die Antwort ja nicht – sie
ist sogar goldrichtig. Ist nicht die Geburt Jesu das grösste
Geschenk für die ganze Menschheit? Dieses grosse Geschenk
der Geburt Jesu und mehr: das ganze Leben Christi, sein Tod
am Kreuz und seine Auferstehung, das ewige Leben – all das
ist Gottes Geschenk für uns.
Das ganze Leben Christi für unser aller Leben, für das Leben
der gesamten Schöpfung – Felsen, Wasser, Pflanzen, Tiere
und Menschen. Einer für alle.
Einer für alle – alle für einen. Das ist seit fast zweihundert
Jahren ein traditioneller Wahlspruch der Schweiz. In grossen
Naturkatastrophen führte dieses Motto zu tatkräftiger Solidarität.
Bezeugt in der damaligen Presse und in zahlreichen
politischen Dokumenten wird der Wahlspruch in der Gründung
des Bundesstaates bekräftigt.

Von: Barbara und Martin Robra

14. Dezember

Wenn ich rufe zu dir, HERR, mein Fels,
so schweige mir nicht. Psalm 28,1

«Felsen reden – sie vollenden unsere Gebete.» Das haben
wir von Stan McKay gelernt. Stan gehört zur Fisher River
Cree Nation in Kanada. Er war nicht nur Moderator der
United Church of Canada, sondern auch der Kommission
des Ökumenischen Rates der Kirchen für Gerechtigkeit, Frieden
und Schöpfung. Stan erzählte die alte Überlieferung
der Cree: «Nachdem die Felsen geschaffen wurden, fragte
sie Schöpfergott, was sie für die Schöpfung tun wollten. Die
Felsen antworteten, sie werden für die Menschen beten.»
Die Cree sind überzeugt: Felsen treten für die Menschen ein.
Auch in der Bibel sind Felsen lebendige Wesen der Schöpfung.
Als das Gottesvolk in der Wüste lagerte und um Mirjam
trauerte, als es weder Nahrung noch Wasser gab, als
Durst und Verzweiflung schier unerträglich waren, sprach
Gott zu Mose: «Rede mit den Felsen! Sie werden euch Wasser
geben.»
Felsen reden – aber wir hören ihre Botschaft nicht. Wir
leben zu flüchtig und zu schnell. Felsen haben viel mehr Zeit,
Millionen und Milliarden von Jahren. Mit Felsen reden, mit
Pflanzen reden, mit Tieren reden, mit Menschen reden – das
ist fortwährende Kommunikation mit Gott. Die Gemeinschaft
des Lebens ist eine Gebetsgemeinschaft. Sie wird
unsere Gebete zu Gott vollenden. Sie zeugt von Respekt, sie
stiftet Vertrauen und schenkt Liebe.

Von: Barbara und Martin Robra

15. Oktober

Ihr sollt in Freuden ausziehen und im Frieden
geleitet werden.
Jesaja 55,12

You shall go out with joy … Weltweit wird dieses Lied nach dem Text des Propheten Jesaja mit der Melodie Stuart Dauermanns gesungen:
Mit Freuden ziehst du aus, und Frieden leitet dich,
Und es ziehn voran mit Jauchzen Berge und Hügel –
Freude jubelt laut, und es klatschen im Feld die Bäume
in die Hand.
Die Kapellentür öffnet sich. Singend und klatschend ziehen die Studentinnen und Studenten in den Garten des ökumenischen Instituts Château de Bossey mit seinem weiten Blick auf Genfersee, Alpenkette und die Bäume der Allee, die vom See heraufführt – für alle ein Moment der Lebensfreude und des Glücks, den sie nie vergessen werden. Für wie viele Studentinnen und Studenten ist Bossey zu einem Ort des Lebens und geteilter Hoffnung geworden! – So, wie für andere Boldern und seine Linde.
Wir brauchen diese Orte, an denen wir Gottes Geistkraft begegnen und neuen Mut fassen können, Orte, die uns im wahrsten Sinne des Wortes inspirieren, Orte des Friedens in Zeiten von Krieg und Verzweiflung.
Danke für alle, die sie bewahren und ihnen mit ihrer Freude und Kreativität immer wieder Leben einhauchen!

Von: Barbara und Martin Robra

14. Oktober

Du hast meine Seele vom Tode errettet, mein Auge
von den Tränen, meinen Fuss vom Gleiten.
Psalm 116,8

Ausgleiten und stürzen am Berg kann das Leben kosten. Alle, die sich auf schmale Klettersteige im Fels wagen, wissen das genau. Sie achten deshalb sorgfältig auf jeden Tritt und sichern sich wechselseitig mit einem Seil. Gott sei Dank, wenn der drohende Sturz von der Seilschaft aufgefangen wird!
Gefangen in Trauer, Depression oder Schmerz, kann nichts die Flut der Tränen trocknen. Wo alles zusammenbricht, bleibt keine Lebensfreude und oft auch keine Hoffnung. Doch Gott wird abwischen alle Tränen, verspricht Johannes von Patmos in seiner Offenbarung.
In der grössten Gefahr, in endloser Verzweiflung und tiefer Traurigkeit gilt glaubende Gewissheit: Gott rettet meine Seele vor dem Tod. Meine Seele, mein Leben, mein ganzes Ich wird nicht ausgelöscht und zunichtegemacht. Auch wenn die ganze Welt vergeht, lebt meine Seele in Ewigkeit. Die Macht des Todes ist gebrochen. Nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes.
Darauf kannst du vertrauen! Amen, Amen, das ist wahr!

Von: Barbara und Martin Robra

15. August

Ich will dich loben mein Leben lang und meine Hände in deinem Namen aufheben. Psalm 63,5

Sie warf die Arme vor Freude in die Luft und rief laut: «Ich hab’s geschafft! Ich habe es nicht geglaubt: Ich bin geritten!»
Ein lang gehegter Traum ist für die Zwanzigjährige Wirklichkeit geworden. Ihr Anderssein, körperliche und psychische Beeinträchtigungen, schienen unüberwindbare Hindernisse: Übergewicht, Muskelschwäche, Höhenangst.
Aber sie gab nicht auf. Der Weg war lang und mühsam. Und dann war es endlich so weit: Sie sass auf dem Pferd und konnte eine Runde reiten. Konzentriert und versunken in den Moment gleichermassen genoss sie die wiegende Bewegung auf dem Pferderücken.
Dieser Moment wurde zur wunderbaren, unvergesslichen Ewigkeit. Immer wieder rief sie: «Ich habe es nicht geglaubt!» Sie warf die Arme in die Luft. Dann umarmte sie das Pferd, dann uns alle, die wir dabei waren und geholfen hatten.
Und wir wurden von ihrer unbändigen Freude angesteckt und lobten Gott.

Von: Barbara und Martin Robra

14. August

Der HERR sprach: Ich habe vergeben, wie du es erbeten hast. 4. Mose 14,20

Wunder gibt es immer wieder … und Vergebung ist ein Wunder. Vergebung passiert, wenn sie erbeten wird – bei Gott und unter Menschen. Und wenn nicht sofort, dann vielleicht später – wir dürfen beten und hoffen.
«Mit Sorgen und mit Grämen und mit selbsteigner Pein lässt Gott sich gar nichts nehmen, es muss erbeten sein», dichtete
Paul Gerhardt 1653.
Fast alle Religionen kennen Vergebung als Voraussetzung eines friedlichen, solidarischen Miteinanders in einer Gemeinschaft. Aber Vergebung ist nicht nur ein religiöses, spirituelles Phänomen. Philosophie, Psychologie, Medizin, Soziologie und Politik … wann immer Leben gefährdet, Miteinanderleben verwehrt und keine gemeinsame Zukunft möglich scheint – kann es doch einen Neuanfang geben durch wahrhaftige Vergebung. Die Gruppe der «Elders» mit Nelson Mandela und Desmond Tutu bezeugen das mit ihrem Leben und Handeln: Vergebung ist Voraussetzung für einen Neuanfang, für Menschlichkeit und Freiheit – und deshalb das Ende von Hass und Gewalt.
Vergib uns unsre Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern! Das dürfen wir beten und hoffen.

Von: Barbara und Martin Robra