Kategorie: Texte

4. April

Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele.
Psalm 23,2–3

Gott gibt Leben und will Leben behüten – das ist die Kürzestfassung des berühmten Psalms 23. Er sieht mein «finsteres Tal», aber er bewahrt mich und gibt Nahrung und Ruhe. Und er lässt Recht zukommen im Streitfall (er salbt und füllt den Becher). Zu ihm, zu ihr kann ich in jeder Hinsicht und unter buchstäblich allen Umständen Vertrauen haben

Das ist, was meine Seele nährt! Was sie braucht, um ruhig zu sein, um sich aufbauen zu können, aufzuladen mit Hoffnung, mit Zuversicht, mit Glauben an eine Zukunft im Frieden – Osterwünsche, Weihnachtswünsche, Sehnsüchte von Millionen! Das Vertrauen in Gott macht die Seele munter («quickig»). Sie wird lebendig, lebensfroh, lebensmutig. So bestimmt sie das Ergehen des Körpers mit. Das Leben wird leichter, sich auftürmende Hindernisse verlieren einen Teil ihres Angstpotentials. Und mein «Ton», mit dem ich mit anderen kommuniziere, wird anders, freundlicher, nachsichtiger, liebevoller, aber auch gewinnender, zutrauensförderlich. Die Erquickung meiner Seele ist die Folge der erlebten Führung durch Gott. Voraussetzung ist, dass ich dieser Führung vertraue, dass ich ihr Kraft und Orientierung zutraue, dass ich mich auf sie einlasse und dass ich ihr mich hoffnungsvoll anschmiege.
Von Hans Strub

3. April

Der Engel Gottes rief Hagar vom Himmel her und sprach zu ihr: Was ist dir, Hagar? Fürchte dich nicht; denn Gott hat gehört die Stimme des Knaben dort, wo er liegt. Steh auf, nimm den Knaben und führe ihn an deiner Hand; denn ich will ihn zum grossen Volk machen.
1. Mose 21, 17–18

Hagar ist die Zweitfrau von Abraham, die Nebenfrau, ja, eigentlich die Unterfrau. Sara, seine Erstfrau, hat sie ihm «gegeben», damit er endlich den so ersehnten Erben erhält. Als dann auf wundersame Weise Sara selber schwanger wird, sind plötzlich zwei Nachkommen da. Da ist eine zu viel! Hagar wird in die Wüste vertrieben, der Kindsvater schweigt dazu …
Die mitgegebenen Lebensmittel sind rasch aufgezehrt, der sichere Tod durch Verdursten naht. Da schaltet sich Gottes Stimme ein, vernommen als Engelsruf. Hagar wird gerettet, vor ihr zeigt sich ein Brunnen, aus dem sie und ihr kleiner Sohn Ismael trinken können. Gott will ihr Leben, nicht ihren Tod!
Gott setzt dieser Familientragödie ein unerwartetes Ende: Er verstösst Hagar nicht. Vor Gott ist sie keine «Unterfrau», sondern eine Frau mit den gleichen Mutterrechten wie die viel ältere Sara. Er will, dass sie leben kann. Mehr noch: Er macht auch sie zu einer Stammesmutter; ihrem Sohn wird ein Volk verheissen. Gott hat andere Massstäbe, er schenkt und schützt Leben, er unterscheidet nicht nach Herkunft und Stellung! Das fordert auch heute heraus, uns hier, meine Haltung, mein Handeln!

Von Hans Strub

2. April

Gott liess das Volk einen Umweg machen,
den Weg durch die Wüste zum Schilfmeer.
2. Mose 13,18

Gott lässt uns manchmal einen Umweg machen. Durch eine Wüste. Damit es anders weitergeht.
Wenn mein Mann auf einer Wanderung sagt: «Wir könnten doch hier eine Abkürzung nehmen», sage ich: «Nur das bitte nicht!» Die Erfahrung hat uns nämlich gelehrt, dass wir mit sämtlichen Abkürzungen oft länger und gefährlicher unterwegs waren, als wir es ohne sie gewesen wären. Daher ist es für uns ein geflügeltes Wort: Abkürzung? Nein, bitte nicht!
Wege brauchen ihre Zeit. Manchmal länger, als uns lieb ist. Wo die Wege zu kurz sind für unser Leben, da lässt uns Gott einen Umweg machen. Wir haben nicht damit gerechnet. Das haben wir nicht eingeplant. Jedenfalls nicht in diesem Moment. Später vielleicht. Umwege liegen immer quer, uns steil im Weg. Niemand hat es sich gewünscht. Man weiss ja nicht, wie lange es dauert. Und trotzdem ist es ein Geschenk. Weil sonst die Zeit nicht reichen würde, zu lernen, was zu lernen ist. Umwege werden uns zugemutet. Und geschenkt. Doch das verstehen wir erst Jahre später. Manchmal. Viele, viele Jahre später. Wenn wir dann beim Schilfmeer sind.

Gott lässt uns manchmal einen Umweg machen. Einen Weg durch die Wüste. Damit es anders weitergeht. Damit es mit uns weitergeht.

Von Ruth Näf Bernhard

1. April

Herr, tue meine Lippen auf, dass mein Mund deinen Ruhm verkündige.
Psalm 51,17

Ein neuer Tag. Ein neuer Morgen. Neues darf werden. Hier und heute.
Mit Gottes Hilfe.

Du. Tue meine Lippen auf, dass mein Mund deinen Ruhm verkündige.

Du. Tue meine Ohren auf, dass ich die Nöte und Schreie vernehme. Und auch das Lachen und Jauchzen höre.

Du. Tue meine Augen auf, dass ich das Elend und Unheil erkenne. Und auch das Schöne und Gute sehe.

Du. Tue meine Nase auf, dass ich rechtzeitig Unrecht wittere. Und auch den Duft der Versöhnung rieche.

Du. Tue meine Hände auf, dass ich zupacken kann am richtigen Ort. Und auch das empfangen, was mir zufällt.

Du. Tue mein Herz auf, ich bitte dich, dass genug Platz ist für die Freude. Für alles Helle. Hier und heute.

Du. Lass es mich lassen. Dass du es tust. Dass du mich auftust. Wenn ich es nicht kann. Wo ich es nicht kann.

Gott, lass mich dich tun. Amen.

Von Ruth Näf Bernhard

31. März

Ihr wart wie ein Brandscheit, das aus dem Feuer gerissen wird;
dennoch seid ihr nicht umgekehrt zu mir, spricht der HERR.
Amos 4,11

«Denn siehe, der die Berge formt und die Winde schafft, der seine Gedanken den Sterblichen offenbart; der die Morgenröte macht und die Finsternis; der über die Höhen der Erde schreitet, der HERR, der HERR der Heerscharen ist sein Name», heisst es in Vers 13.
Gott führt die Grösse seiner Schöpfung vor Augen, Berge und Wind, und alles was unter seinen Füssen liegt; Gott gewährt seinen Geschöpfen Einblick in seine geheimen Gedanken. Gott verdirbt und Gott rettet das brennende Brandscheit aus dem Feuer. Und trotz alledem bekehrt sich das Volk nicht zu Gott. Aus jedem Vers spricht die Trauer über das treulose Volk und die Sehnsucht nach Versöhnung und Liebe. Diese Liebe kann auch Gott nicht einfach herbeizwingen oder in die Herzen hineinzaubern. Liebe ist eine geheimnisvolle Verbindung, die langsam wächst, allen Träumen von der «Liebe auf den ersten Blick» zum Trotz. Sie muss im Alltag erprobt und immer wieder neu versucht werden. Sie muss der je anderen Person ihr Anderssein zugestehen und trotzdem ein Mass an Übereinstimmung finden, die das Zusammensein erstrebenswert macht. All das ist ein arbeitsreicher Prozess: Auch Gott muss sich darum mühen und immer wieder das Brandscheit aus dem Feuer holen. Und die Liebe noch einmal versuchen!

Von Reinhild Traitler

30. März

Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünde nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.
1. Korinther 5,19

Das Wort von der Versöhnung sagt sich schwer
Sein Resonanzraum
Ist vollgestopft mit alten Möbeln
Staub hat sich angesammelt
und Milben sind fett geworden
Vom Leben langer Zeiten

Das Wort von der Versöhnung
Das grosse, stolze Wort
Ist klein geworden
Es sagt sich in jede Ritze hinein
Klebt sich an die Mauern und bleibt dort
Angeleimt
Im Dunkel der Träume und Wirrnisse:
Es wirkt nicht mehr.

Das Wort von der Versöhnung braucht
Eine Versöhnung mit sich selbst
Hoffnung auf einen neuen Anfang
Zärtliche Hände
und
Einen Kuss der Liebe!

Von Reinhild Traitler

29. März

Wir können es ja nicht lassen, von dem zu reden, was wir gesehen
und gehört haben.  Apostelgeschichte 4,20

Wie hätte ich reagiert, wenn ich damals zugehört hätte, als jene zwei Männer, Petrus und Johannes hiessen sie, vor der Jerusalemer Ratsversammlung über ihre Beziehung zu einem gewissen Jesus berichteten? Er sei es, der sie Wunder vollbringen lasse. Wie er es schon selbst getan habe vor seinem gewaltsamen Tod. Aber jetzt sei er auferstanden und wirke weiter, auch durch sie, die Angeklagten.

Hätte ich mich von ihnen überzeugen lassen? Ich bezweifle es. Heute jedenfalls kommen mir schnell die üblichen Etiketten in den Sinn: Verrückte! Verführte und Verführer! Und es stellt sich mir eine ganz neue Frage: Was unterscheidet die Geschichte von jenem «Auferstandenen» von den unglaublichen Theorien von heute? Nun gut, zum Beispiel die Tatsache, dass sie selber in die Geschichte eingegangen ist, ja sie gestaltet hat – manchmal auch wenig «jesusgemäss». Was aber macht den Unterschied zwischen Jesus von Nazaret und Bill Gates oder George Soros, die geheimer Pläne und schändlicher Taten  bezichtigt werden?

Zum Beispiel das: Der christliche Glaube sieht in Jesus eine Lichtgestalt. Heutige Verschwörungstheoretiker jedoch verteufeln jene Persönlichkeiten, um die sich ihre Gedanken drehen. Vieles, was über Jesus überliefert wurde, ist sicher nicht Tatsache, aber seine ganze Botschaft ist durchdrungen von einem Geist der Liebe. Sie sät nicht Hass, sondern sucht Verständigung, Versöhnung, Frieden.  

Von Käthi Koenig

28. März

Vor dem HERRN her kam ein grosser und gewaltiger Sturmwind, der Berge zerriss und Felsen zerbrach, in dem Sturmwind aber war der HERR nicht. Und nach dem Sturmwind kam ein Erdbeben, in dem Erdbeben aber war der HERR nicht. Und nach dem Erdbeben kam ein Feuer, in dem Feuer aber war der HERR nicht. Nach dem Feuer aber kam das Flüstern eines sanften Windhauchs.
1. Könige 19,11–12

sanfter Windhauch (Zürcher Bibel)

sanftes Sausen (Luther 2017)leises Wehen (Bibel in gerechter Sprache)

sanftes, feines Flüstern (Basis Bibel)

leiser Hauch (Gute Nachricht)

leises Säuseln (Hoffnung für alle)

Hättest du Gott so erkannt?

27. März

Jesus spricht: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.
Matthäus 25,40

Welchen Massstab lege ich an? Wenn ich richte über den Anderen, die Andere, wenn ich mir ein Urteil bilde über mein Gegenüber. Natürlich nicht leichtfertig und weit weg von einem simplen Vorurteil, sondern aufgrund einer genauen Analyse der Situation, des Kontextes und unter Berücksichtigung von objektiven Kriterien und zur Verfügung stehenden Fakten.  Wenn ich sage: Du bist schuld an der Situation, dass alles so aus dem Ruder gelaufen ist! Dass die Beziehung nicht mehr so toll ist wie früher! Dass der Job mir keinen Spass mehr macht! Immer machst du alles falsch! Was empfinde ich eigentlich als gerecht und was als ungerecht und woran mache ich das fest? Und vielleicht noch dringender die Frage: Nach welchem Massstab möchte ich gerichtet werden?
Na ja, eigentlich gar nicht!, fährt es mir durch den Kopf. Warum sollte ich denn gerichtet werden? Und wer sollte dies machen? Wer kennt mich denn so gut, dass er oder sie sich ein Urteil erlauben könnte? Ich kenne mich manchmal ja selbst nicht.

Vom Weltgericht schreibt Matthäus und versucht, Gottes Massstab in Worte zu fassen. Und dieser Massstab verstört, irritiert diejenigen, die drüberspringen, genauso wie die, die darunter durchfallen. Denn Gottes Massstab ist anders.
Und das ist meine Hoffnung.

Von Sigrun Welke-Holtmann

26. März

Der HERR wird seinen Engel vor dir her senden.
1.   Mose 24,7

Ein Engel soll dem Knecht Abrahams helfen, die richtige Frau für Isaak zu finden. Ganz schön dreist, denke ich, einen Engel für Liebesdinge zu bemühen. Dabei war die Liebe bei der Partnerwahl in damaliger Zeit gar nicht im Vordergrund, sondern wirtschaftliche Überlegungen oder, wie hier, der Wunsch Abrahams, eine Frau von ähnlicher Herkunft für seinen Sohn zu finden.

Wir halten ja nicht mehr so viel von arrangierten Ehen, wie sie in manchen Teilen der Welt durchaus noch üblich sind. Lieber verlassen wir uns auf den Algorithmus von Parship oder anderen Dating-Plattformen.

Wer aber kommt auf die Idee einen Engel zu beauftragen? Mir erzählte unlängst eine Frau, dass sie nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes in eine tiefe Depression verfiel. In einem Museum vor van Goghs «Sternennacht» stehend, empfand sie seit langem wieder so etwas wie ein Glücksgefühl. Einige Zeit später bemühte sich ein Mann um sie. Als sie bei ihm zuhause, in seinem Schlafzimmer eine Reproduktion von van Goghs «Sternennacht» entdeckte, wusste sie ganz tief drinnen, sie war wieder zurück in der Liebe und im Leben.

Vielleicht hat doch Gott seinen Engel gesandt, den Weg für das Lebensglück dieser Frau zu bereiten – durch eine dunkle Zeit hindurch, hin zu einer leuchtenden Sternennacht! .

Von Barbara Heyse-Schaefer