Autor: Carsten Marx

6. Mai

Sie werden weinend kommen, aber ich will sie trösten
und leiten. Ich will sie zu Wasserbächen führen auf
ebenem Wege, auf dem sie nicht straucheln; denn ich
bin Israels Vater. Jeremia 31,9

Heute bekommen wir ein Versprechen geschenkt. Dieses
Versprechen spricht von einer Reise, die oft von Trauer, Zerrissenheit
oder Erschöpfung begleitet ist. Wer weint, wer sich
verloren fühlt, ist nicht ausserhalb von Gottes Blickfeld – im
Gegenteil, genau dort tritt er nah. Gott versprach dem Volk
Israel nicht nur Trost in der akuten Not, sondern auch eine
sichere Führung auf einem ebenen Weg. Das Bild der Wasserbäche
klingt nach Erfrischung, Nachdruck, Klarheit: Wasser
spült Sorgen fort, benetzt trockene Herzen und schenkt
neues Leben. Und das Bild des ebenen Weges lässt uns hören:
Gott will Verlieren und Stolpern verhindern, er möchte uns
behutsam voranführen, ohne Fallstricke.
Gott erinnert uns daran, dass Nähe und Zuwendung seine
Grundhaltung sind. Tränen sind kein Zeichen von Versagen,
sondern von Menschsein. In jedem Weinen liegt die Einladung,
Vertrauen neu zu wählen: nicht in die eigene Stärke,
sondern in Gottes Treue. Gott sieht dich, tröstet dich in
deiner Trauer und führt dich behutsam weiter. Auch wenn
der Weg uneben scheint, ist seine Gegenwart eine Quelle der
Ruhe, aus der du neue Kraft schöpfen kannst.

Von: Carsten Marx

5. Mai

Der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir
Frieden. 4. Mose 6,26

Ganz bekannte Worte sind das für mich: Segensworte.
Der Herr hebt sein Angesicht über dich – das bedeutet: Er
schaut dich liebevoll an, mit Aufmerksamkeit und Güte. In
einer Welt voller Hektik, Informationsflut und Zweifel erinnert
uns dieser Blick daran, dass wir nicht allein sind. Gott
sieht dich mit Barmherzigkeit, nicht mit Strenge; er kennt
deine Sorgen, deine Fehler und deine Sehnsüchte – und
trotzdem gilt dir seine Gnade.
Friede, der über Verstehen hinausgeht. Gott will Frieden
schenken, der nicht von äusseren Umständen abhängt. Der
himmlische Friede, den Gott schenkt, erfüllt das Herz auch
dann, wenn Stürme toben. Es ist ein innerer Zustand der
Gelassenheit, getragen von Gottes Gegenwart. Du kannst
ruhig atmen, weil du in der Nähe deines Schöpfers sicher bist.
Der Segen erinnert uns daran, dass Gottes Angesicht über
uns leuchtet, auch wenn unsere Wege dunkel erscheinen.
Möge der Friede, den er gibt, in deine Beziehungen, deine
Arbeit und deine Stille einkehren. Mögest du wissen, dass
du geliebt bist und getragen wirst, heute und an allen Tagen.

Von: Carsten Marx

6. März

Der Gerechte erkennt die Sache der Armen. Sprüche 29,7

Der Spruch aus den Sprüchen Salomos ist kurz, aber sehr tief. Er sagt nicht: Der Gerechte hilft den Armen, sondern zuerst: Er erkennt ihre Sache. Das ist ein wichtiger Unterschied. Denn echte Gerechtigkeit beginnt nicht mit Handeln, sondern mit Hinsehen und Verstehen.
«Erkennen» bedeutet mehr als nur wahrnehmen, dass es Armut gibt. Es heisst, sich berühren zu lassen, zuzuhören, nachzufragen und ernst zu nehmen, was andere bewegt. Der Gerechte verschliesst nicht die Augen vor Not, Ungerechtigkeit oder Ausgrenzung. Er sieht den Menschen hinter der Situation.
Die Bibel macht deutlich: Gott selbst steht auf der Seite der Armen, Schwachen und Übersehenen. Das betrifft nicht nur grosse soziale Fragen, sondern auch unseren Alltag: Wer wird in meiner Schule, in meiner Gemeinde, in meinem Umfeld übersehen? Wer braucht Ermutigung, Zeit oder ein offenes Ohr? Diese Haltung fordert uns heraus.
Wegsehen ist oft bequemer als hinsehen. Gerechtigkeit zeigt sich in Aufmerksamkeit und Mitgefühl. Wo wir lernen zu erkennen, wächst auch die Bereitschaft zu handeln.

Von: Carsten Marx

5. März

Meine Hand hat die Erde gegründet, und meine Rechte hat den Himmel ausgespannt.
Ich rufe, und alles steht da. Jesaja 48,13

Manchmal fühlt sich unser Leben chaotisch an. Dinge geraten aus den Fugen, Pläne zerbrechen, und wir fragen uns, wer eigentlich noch den Überblick hat. In genau solche Situationen spricht Gott durch den Propheten Jesaja diese Worte unserer heutigen Tageslosung.
Dieser Vers richtet unseren Blick weg von unserer eigenen Begrenztheit hin zur Grösse Gottes. Er ist nicht nur der Schöpfer von Himmel und Erde, sondern auch der, der durch sein Wort Ordnung schafft. Was für uns unüberschaubar erscheint, steht vor Gott klar und fest. Ein einziger Ruf von ihm – und alles ist da, an seinem Platz. Das ist tröstlich und herausfordernd zugleich. Tröstlich, weil wir wissen dürfen: Unser Leben ist nicht dem Zufall überlassen. Herausfordernd, weil dieser grosse Gott auch unser Vertrauen möchte. Glauben heisst, sich diesem Schöpfer anzuvertrauen – selbst dann, wenn wir den Sinn der Dinge noch nicht erkennen.
Jesaja erinnert uns daran: Der Gott, der die Weite des Himmels geschaffen hat, kennt auch dein Herz. Der Gott, der die Erde gegründet hat, gibt auch deinem Leben Halt. Wenn er ruft, geschieht etwas. Sein Wort hat Kraft – damals wie heute.

Von: Carsten Marx

6. Januar

Du herrschest über das ungestüme Meer, du stillest seine Wellen, wenn sie sich erheben. Psalm 89,10

Dieses Bild aus Psalm 89 braucht nur wenige Worte, um eine tiefe Wahrheit zu tragen: Gott ist grösser als das grösste Chaos, das uns treffen kann. Die Welt hat Wellen, die zu laut klatschen – Sorgen, Krankheit, Trennung, politische Unruhe –, doch inmitten des aufschäumenden Wassers bleibt seine Gegenwart bestehen. Der Vers erinnert daran, dass Ordnung möglich ist, auch wenn der Sturm tobt. Nicht weil der Sturm sich schnell legt, sondern weil der Herr über ihm steht und uns an die Hand nimmt.
Als Jungscharkind lernte ich das 1960 von Martin Gotthard Schneider getextete und komponierte Lied kennen. In Strophe 5 heisst es: «Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt, fährt durch das Meer der Zeit. Das Ziel, das ihm die Richtung weist, heisst Gottes Ewigkeit. Und wenn uns Einsamkeit bedroht, wenn Angst uns überfällt: Viel Freunde sind mit unterwegs auf gleichen Kurs gestellt. Das gibt uns wieder neuen Mut, wir sind nicht mehr allein. So läuft das Schiff nach langer Fahrt in Gottes Hafen ein!»
Das Bild des Sturms soll uns zeigen: Die Suche nach dem richtigen Kurs fällt oft schwer, weil vieles durcheinandergerät. Im Hören auf Gott und in der Stille wird ein richtiger Weg erkennbar.

Von: Carsten Marx

5. Januar

Der HERR ist seines Volkes Stärke. Psalm 28,8

David spricht in Psalm 28 nicht nur von sich selbst. Er weitet den Blick auf das ganze Volk Gottes aus. Gott ist nicht nur sein persönlicher Halt, sondern die gemeinsame Stärke aller, die ihm vertrauen.
Stärke meint hier nicht rohe Kraft oder militärische Macht, sondern innere Festigkeit und Standhaftigkeit. Wenn David also sagt: «Der HERR ist meines Volkes Stärke», dann meint er: «Gott ist die Kraftquelle, die uns durchträgt, wenn wir selbst nicht mehr können.»
Wir leben in einer Zeit, in der vieles wankt – Sicherheiten, Gewohnheiten, manchmal auch das Vertrauen in uns selbst oder in andere Menschen. Da klingt dieses alte Bekenntnis wie eine Einladung: «Der HERR ist deines Volkes Stärke.»
Gottes Volk – das sind wir alle, die auf seinen Namen vertrauen. Und seine Stärke zeigt sich oft gerade da, wo wir schwach werden. Er schenkt Mut, wo Angst herrscht. Er schenkt Trost, wo Tränen fliessen. Er schenkt Hoffnung, wo menschlich gesehen nichts mehr zu hoffen ist.
Diese Zusage gilt uns heute: Wir sind stark, weil Gott mitten unter uns wohnt als unsere Stärke, unsere Zuflucht und unsere Rettung.

Von: Carsten Marx

6. November

Um meines Namens willen halte ich meinen Zorn
zurück, und um meines Ruhmes willen bezähme ich
mich zu deinen Gunsten, dass ich dich nicht ausrotte.
Jesaja 48,9

Wer stark ist, kann den Zorn spüren. Wer weise ist, hält inne.
Macht schützt, wenn gelernt wird, sie zu zügeln.
Stärke soll dem Guten dienen, nicht der Vernichtung. Ruhm
soll nicht zum Eigenlob, sondern zum Dienst an anderen
werden.
Ich muss meine Kraft erkennen können. Ich muss mir klar
werden, wie ich meine Kraft einsetzen kann. Möge ich mit
meiner Kraft immer wieder Spuren der Gnade hinterlassen
können.
Gott, hilf mir, meinen Zorn zu zügeln und meinen Stolz zu
zähmen. Schenke mir Demut, damit mein Handeln Leben
aufbaut und nicht zerstört.
Gott, führe mich zu Wegen der Versöhnung, der Gerechtigkeit
und des Schutzes der Schwachen. Leite mich, damit Ruhm
zu einer Dienstgemeinschaft wird.

Möge der, der uns stärkt, uns helfen, mit Barmherzigkeit zu
handeln und aus dem Zorn Heil zu schaffen. Amen.

Von: Carsten Marx

5. November

Lasst uns unsere Wege prüfen und erforschen, und lasst
uns zurückkehren zum HERRN. Klagelieder 3,40

Heute werde ich aufgerufen, ehrlich und genau hinzuschauen:
auf meine Wege, meine Entscheidungen und meine
Motive. In Not- und Krisenzeiten sagt mir der Vers: Umkehr
ist kein Zufall, sondern eine bewusste Wendung zu Gott.
Wenn ich innehalte und prüfe, erkenne ich, wie Gott auch
in schweren Zeiten treu sein will.
Die Prüfung unserer Wege kann unangenehm sein. Vielleicht
entdecke ich da bei mir selbst: Oh, da habe mich verrannt.
Da sitzen alte Muster fest, sodass gar nichts Neues
wachsen kann. Vielleicht habe ich mich auch so vergaloppiert,
dass ich Gott nicht mehr wahrnehme?
Ich gönne mir heute eine Zeit der Stille. Ich lade Gott ein,
meine Wege zu prüfen. Ich notiere mir drei Bereiche, in
denen Umkehr nötig ist, und wähle konkrete Veränderungen
für heute. Stopp! Warum nur für heute? Ich muss das öfter
tun. Und: Ich suche mir Versöhnung und einen notwendigen
Schritt der Liebe in einer Beziehung. Wenn ich jemanden
verletzt habe, bitte ich ihn um Verzeihung.
Herr, prüfe meine Wege heute und erforsche mein Herz. Zeige
mir, wo ich mich von dir entfernen wollte, und hilf mir, den
Weg der Rückkehr zu dir zu gehen. Stärke mich, damit mein
Wandel und meine Veränderung sichtbar werden. Amen.

Von: Carsten Marx

6. September

Gott spricht: Ich will für Israel wie der Tau sein,
dass es blüht wie eine Lilie.
Hosea 14,6

Einfach nur wunderbar. Grossartige verheissungsvolle Worte. Herrlich: Bilder von Wachstum und Erneuerung. Gott wird für sein Volk da sein, um es zu erfrischen und ihm zu helfen, zu gedeihen und stark zu werden.
Der Tau ist ein Symbol für Erfrischung, Erneuerung und Leben. Tau spendet Feuchtigkeit und bringt die Pflanzen zum Blühen.
Die Lilie ist eine schöne und zarte Blume. Die Lilie symbolisiert Reinheit und Schönheit. Diese Verheissung deutet auf eine Zeit des Aufblühens und der Freude für Israel hin.
Alles in allem weht mir da heute viel Hoffnung entgegen. Hoffnung spielt in der Lebensbewältigung eine zentrale Rolle. Hoffnung spendet mir Trost und motiviert zur positiven Gestaltung des Alltags. Hoffnung ist mehr als nur eine positive Erwartung. Hoffnung ist eine innere Haltung, die uns antreibt, an eine bessere Zukunft zu glauben, auch wenn die Umstände gerade schwierig sind. Hoffnung verleiht uns Kraft, Mut und Ausdauer, um Herausforderungen zu meistern.
Hoffnung hilft mir, schwierige Situationen besser zu verstehen. Hoffnung ermutigt mich, positiv in die Zukunft zu schauen und aktiv an der Gestaltung meines Lebens mitzuwirken. Vielleicht suche ich heute in der Gärtnerei noch nach einer Lilie …

Von: Carsten Marx

5. September

Nimm ja nicht von meinem Munde
das Wort der Wahrheit.
Psalm 119,43

Heute am ökumenischen Tag der Schöpfung wurde ein Losungsvers aus Psalm 119 gezogen.
Das «Wort der Wahrheit» ist eng mit dem Konzept der Schöpfung und mit der Umwelt verbunden, besonders im christlichen Kontext. Es bezieht sich auf die göttliche Wahrheit, die in der Schöpfung, also der gesamten Welt, zum Ausdruck kommt. Die Bewahrung der Schöpfung ist daher auch eine Aufgabe, die sich aus diesem Verständnis ableitet.
In vielen christlichen Traditionen wird Gott als die Quelle der Wahrheit angesehen. Sein Wort, in der Bibel zu finden, ist die Grundlage für das Verständnis von Wahrheit und Moral. Die Schöpfung selbst wird als Ausdruck dieser göttlichen Wahrheit betrachtet. Alles also, was existiert, ist Folge des Wortes Gottes und somit Teil seiner Wahrheit. Die Umwelt, also die Natur und die Welt, in der wir leben, ist ein integraler Bestandteil der Schöpfung. Sie ist nicht von Gott getrennt, sondern ein Ausdruck seiner Schöpferkraft. Daraus ergibt sich eine Verantwortung des Menschen für die Bewahrung der Umwelt. Da die Umwelt ein Teil der Wahrheit Gottes ist, muss sie respektiert und geschützt werden. Dies nennen wir seit vielen Jahren die «Bewahrung der Schöpfung». Die Bibel erzählt von der Erschaffung der Welt durch Gott und betraut den Menschen mit der Aufgabe, die Erde zu bebauen und zu bewahren.

Von: Carsten Marx