Autor: Carsten Marx

6. Juli

Der Übeltäter lasse von seinen Gedanken und bekehre
sich zum HERRN, denn bei ihm ist viel Vergebung.

Jesaja 55,7

Meinen Schlüssel suche ich in der Regel in der Hosentasche.
Meine Brille liegt meistens auf dem Schreibtisch. Meine
Hausschuhe sind oft im Wohnzimmer beim Sofa zu finden,
dort, wo sie am Abend kurz vor dem Einschlafen stehen
geblieben sind. Aber wo finde ich Gott?
Gott steht eben nicht einfach bei mir im Bücherregal. Das
wäre viel zu einfach.
Das Hauptproblem bei der Suche nach Gott ist, dass ich
ihn eigentlich gar nicht finden kann. Gott sprengt unsere
Wahrnehmung und existiert in einer anderen Dimension.
Gott legt Spuren für mich. Er stellt mir Wegbegleiter an die
Seite und lockt mich, zieht mich – mitten ins Leben hinein
und zu sich. Manchmal macht Gott das automatisch. Gott
lässt sich an seiner Wirkung erkennen. Gott wird für manche
zum Trost, zum Beispiel am Grab oder im Gebet. Kirchgemeinden,
Vereine und Einzelpersonen öffnen ihre Häuser
und Wohnzimmer, um Kaffee, Tee, Zeit, Energie und Wärme
zu teilen. Gott wird für manche in der Gemeinschaft spürbar.
Wie finde ich Gott? Menschen vor über 2500 Jahren
brauchten diese Frage genauso wie wir heute. Jesaja sagte
den Israeliten damals ins Gesicht: Die Suche nach Gott
lohnt sich. Macht euch auf den Weg. Bei Gott bist du, lieber
Mensch, die Nummer eins.

Von: Carsten Marx

5. Juli

Die Frau sprach: Kommt, seht einen Menschen,
der mir alles gesagt hat, was ich getan habe, ob er
nicht der Christus sei!
Johannes 4,29

Offenbar sind da der Frau am Jakobsbrunnen die Augen
geöffnet worden. Sie überlegt hin und her und stellt sich
die Frage: War das jetzt der Messias, dem ich begegnet bin?
Wow, da ist etwas passiert in dem Gespräch. Jesus sitzt am
Brunnen. Er spricht dich an. Er reicht dir die Hand.
Ich denke an eine Begebenheit anlässlich eines Geburtstagsbesuchs
bei einer 86-jährigen Dame. Ein Besuch, der
mir erneut Mut gemacht hat, bei dem zu bleiben, was unser
Kerngeschäft als Pfarrpersonen ist: Beten, Gott loben, und
das möglichst nicht im stillen Kämmerlein. Gemeinschaft
ermöglichen. Singen. Abendmahl feiern. Die Hand reichen.
Für die da sein, die es allein nicht mehr schaffen, in unserer
Gesellschaft klarzukommen: Kinder, Alte, Kranke, Gestrandete.
Auch ein Ohr für diejenigen zu haben, die nicht mit
allem einverstanden sind, was die Institution Kirche so
macht.
Was hat Jesus am Jakobsbrunnen gemacht? Er hat Durst
und hat die Frau um Wasser gebeten. Er hat diese Frau als
gleichwertig angesehen. Er hat die Frau respektiert und ihre
Meinung, ihre Bedürfnisse und Gefühle wertgeschätzt.
Ich freue mich heute ganz besonders auf viele unterschiedliche
Begegnungen.

Von: Carsten Marx

6. Mai

So hört nun, ihr, die ihr ferne seid,
was ich getan habe, und die ihr nahe seid,
erkennt meine Stärke!
Jesaja 33,13

Gott kann uns nah und fern sein. Wir können Gottes Hilfe
und seine Nähe in Situationen eigener Schwäche und Hilflosigkeit
spüren. Es kann auch Phasen geben, in denen wir
von Gottes Führung und Liebe überhaupt nichts merken.
Dann scheint sich Gott zu verbergen und ganz fern zu sein.
Leider ist das allzu oft die Realität, in der viele Menschen vor
sich hinleben. Sie fühlen sich von Gott alleingelassen, nach
dem Motto: Ich bin Gott egal, also ist mir Gott auch egal.
Nähe gibt Menschen Kraft. Nähe gibt Sicherheit und das
Gefühl, nicht allein zu sein.
Nahe kommt uns Gott überall, wo sein Wort laut wird und
Menschen ihre Erfahrungen mit ihm teilen: im Gottesdienst,
in der Hausandacht, im Bibelkreis, beim Hausbesuch, im Religionsunterricht,
in der geistlichen Abendmusik. Nähe ist ein
Weg, um Liebe zu zeigen und Liebe zu erleben.
Wir sind Gott lieb und wichtig. Er möchte uns immer wieder
nahekommen. Wir sollen seine Stärke erkennen.
1938 hat Jochen Klepper gedichtet: «Er ist mir täglich nahe
und spricht mich selbst gerecht. Was ich von ihm empfahe,
gibt sonst kein Herr dem Knecht. Wie wohl hat’s hier der
Sklave, der Herr hält sich bereit, dass er ihn aus dem Schlafe,
zu seinem Dienst geleit.» Vielleicht schauen wir heute in
unser Gesangbuch und stimmen uns auf die Nähe Gottes ein.

Von: Carsten Marx

5. Mai

Der HERR verstösst nicht ewig; sondern er betrübt wohl
und erbarmt sich wieder nach seiner grossen Güte.

Klagelieder 3,31–32

Vier Monate und ein paar Tage ist das Kalenderjahr 2025
schon wieder alt. Gerade in den ersten Tagen eines neuen
Monats halte ich gerne Rückschau: Was war alles im Vormonat
los? Wann war der Kalender besonders dicht gefüllt bei
mir? Oft denke ich mir im Rückblick auf den Vormonat: Gib
dem, was dir wichtig ist, Termine und nicht den Terminen
die Wichtigkeit. Wenn alles so einfach wäre!
Auch Jeremia hält Rückschau. Allerdings ist das kein
Monats- oder Jahresrückblick. Es ist ein Rückblick auf die
jüngste Geschichte seines Volkes Israel mit Gott. Jeremia
erkennt dabei, dass Gott auch verstossen kann. Wie Israel in
die babylonische Gefangenschaft, weil es Gottes jahrzehntelange
Warnungen in den Wind geschlagen hatte. Gott
kann auch betrüben oder Menschen Lasten auferlegen. Jeremia
weiss aber: Der HERR verstösst nicht ewig, sondern er
erbarmt sich wieder nach seiner grossen Güte. Gott hat
Weitblick! Gott kennt immer einen Weg für uns Menschen.
Gott lässt uns nicht fallen. Der Glaube an den Gott, der Menschen
Schwierigkeiten zumutet, ihnen aber auch in diesen
Schwierigkeiten hilft, dieser Glaube trägt an guten und an
schweren Tagen. Gott hat unzählige Menschen getragen
und er trägt auch in der Zukunft unzählige Menschen. Das
glaube ich.

Von: Carsten Marx

6. März

Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang
ist mein Name herrlich unter den Völkern, spricht der HERR Zebaoth.
Maleachi 1,11

Herrlich ist dieses Losungswort in den ersten Tagen des Monats März. Ich denke da an einen kühlen und ruhigen Sommermorgen. Die sich langsam ankündigende Hitze des Tages, die Glut des Nachmittags und schliesslich den Sonnenuntergang mit dem Rot des schönen Wetters für den nächsten Tag.
Von morgens bis abends, vom Orient bis zum Okzident, kurz: Immer und überall ist Gott für uns da. Das verspricht er uns. Gott zeigt sich als Adresse und Begleiter durch den Tag und durchs Leben.
Für mich ist das eine tröstende Kraft und ein Ausdruck der Hoffnung. Wenn ich in einen neuen Tag starte, darf ich felsenfest darauf bauen, dass Gott an meiner Seite ist und mit mir durch den Tag gehen wird. Gott ist nie zu schwach für meine Situation. Das heisst nicht, dass ich nie entmutigt oder enttäuscht sein werde. Aber es bedeutet, dass Gott in jeder Lage bei mir ist und mir neue Kraft schenken kann und wird, sofern ich ihm vertraue und auf ihn hoffe.
Deshalb ist es egal, was gestern war, was schiefgelaufen ist, was mich enttäuscht oder erschöpft hat. Spätestens am nächsten Morgen kann ich mit Gottes Kraft neu starten und ihm vertrauen.
Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang.

Von: Carsten Marx

5. März

Der Sünde Sold ist der Tod; die Gabe Gottes aber ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserm Herrn. Römer 6,23

Es ist, wie es ist, oder es geht eben nicht mehr anders. Unlängst hatte ich technische Probleme mit meinem Handy. Ich selbst konnte das Problem nicht lösen. Der Verkäufer im Mobilfunkgeschäft leider auch erst nach ein paar Tagen. Er meinte zu mir: Es ging leider nicht anders; das müssen Sie doch verstehen.
Von unveränderbaren Tatsachen handelt auch der Vers des heutigen Lehrtextes. Die Botschaft lautet: Sünde führt zum Tod, denn Gott toleriert keine Sünde. Ob mir das gefällt oder nicht, spielt dabei keine Rolle.
Zum Glück ist das nicht alles. Zur Wahrheit gehört auch, dass Gott in Jesus Christus mir etwas schenken will. Er bietet mir das ewige Leben an. Ich muss mich dafür nicht anstrengen. Es ist, wie es ist, eine freiwillige Gabe. Wenn das so ist, dann folgt darauf, dass ich mich den Fakten stelle. Ich akzeptiere, dass mein Leben aus Gottes Sicht sündhaft ist. Es gibt aber noch den zweiten Teil im Vers: «Die Gabe Gottes aber ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserem Herrn.»
Geschenke wollen empfangen und ausgepackt werden. Im Fall von Jesus muss ich hinterfragen: Bin ich bereit, Gottes Geschenk anzunehmen? Lasse ich mich darauf ein, dass er mein Sündenproblem bereits gelöst hat? Vielleicht finde ich heute schon erste Antworten.

Von: Carsten Marx

6. Januar

Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele. Psalm 23,2–3

Es gibt Bilder, Lieder, Worte und Texte, die begleiten uns ein ganzes Leben. Psalm 23 ist für mich so ein Text. Bei den Worten werde ich an meine Kindheit erinnert. Schon meine Grossmutter betete mit mir diesen Psalm. Ich sehe sie vor mit, ihr Gesangbuch in Händen. Auf dem Buchdeckel stand «Der Herr ist mein Hirte». Sie hielt diese Worte förmlich fest und bewahrte sie.
In meiner Konfirmandenzeit musste ich diese Verse auswendig lernen. Damals dachte ich fast überhaupt nicht darüber nach. Altmodische Worte. Gar nicht meine Sprache. Irgendwie abgegriffen. Ich dachte zunächst: «Das merkst du dir nie!» Doch irgendwo hatte ich diese alten Worte abgespeichert. Als ich im Urlaub eine Schafherde sah, waren die Worte wieder präsent, und ich erinnerte mich an meine Konfirmandenzeit.
Im Psalm 23 steckt das pralle Leben. Der Psalm spricht von Festen, Feiern, grünen Auen, Tälern, frischem Wasser. Und am Ende des Lebens nimmt Gott uns an in seinem Haus. Was für ein Vertrauen, in das ich fallen darf! Das ermutigt mich. Denn unser Leben verläuft nicht immer geradlinig und ist kein Wunschkonzert. Wir brauchen da oft einen Hirten, der uns Orientierung gibt, jemanden, der uns hilft, am Montagmorgen motiviert und beschützt in die Woche zu blicken.

Von: Carsten Marx

5. Januar

Der HERR ist gütig und eine Feste zur Zeit der Not
und kennt, die auf ihn trauen.
Nahum 1,7

Nahum, von dem unser heutiges Losungswort geschrieben wurde, kannte die Güte Gottes und er wusste wohl, dass Gott alles kann, nur nicht die enttäuschen, die ihm vertrauen. Nahum – sein Name bedeutet «Trost» oder «Mitgefühl» – und seine Botschaft waren für das Volk Israel sicherlich ein Trost. Trost ist eine Kraft zur Zeit der Not. Ich darf mich in das Vertrauen Gottes fallen lassen. Warum? Es geht hier um Werte, die in unserer Welt oft vergessen zu sein scheinen; ich meine Werte wie Liebe, Güte und Barmherzigkeit, die ein gutes Zusammenleben und Miteinander in der Gesellschaft ausmachen. Dazu gehören auch die Vergebung, das Verzeihen und Vertrauen. All das kann ich mit Geld nicht erwerben. Diese Werte werden mir geschenkt! Die Quelle für diese Geschenke ist mein Glaube an Gott und sein Wort. Wenn wir leben, was wir glauben, dann erleben wir, was wir glauben.
In früheren Jungscharzeiten der 1980er-Jahre lernte ich zu einem Spiritual den Text von Herbert Mausch kennen: «Immer auf Gott zu vertrauen, immer auf Gott zu vertrauen, immer auf Gott zu vertrauen, das ist der beste Weg.» Mit diesem Vertrauen fasse ich Mut, dann bleibt das Sinnlose nicht sinnlos, auch nicht mit den ersten Schritten im neuen Jahr.

Von: Carsten Marx

16. Dezember

Sei mir ein starker Hort, dahin ich immer fliehen kann,
der du zugesagt hast, mir zu helfen.
Psalm 71,3

Da sehnt sich jemand nach Sicherheit und Geborgenheit bei
Gott, und Gott bietet uns Freundschaft an. Auch wenn wir
durch schwere Zeiten gehen, er geht mit uns. Er ist für uns
da, wie ein guter Freund, eine gute Freundin.
Es ist gut, eine Freundin oder einen Freund zu haben. Da
weiss ich: Die kennt mich, der mag mich. Bei einer Freundin,
einem Freund kann ich mich auch einmal ausweinen. In
einer Freundschaft kann man ehrlich sein; man muss nicht
so tun als ob. Man kann so sein, wie man ist, auch mal ärgerlich,
oder traurig, oder einfach nur müde. Eine Freundin/ein
Freund hört zu, ist einfach da. Manchmal kommt da auch
Zuspruch zurück.
Gott bietet uns Freundschaft an. Wenn wir Freundschaft
mit Gott leben wollen, dann brauchen wir Zeit dafür und
einen Ort, wo wir mit Gott reden können, wo wir uns aussprechen
können, um Rat bitten; wo wir geschützt sind und
unser Herz öffnen können.
Wir brauchen eine feste Verabredung mit Gott, sonst verlieren
wir ihn aus den Augen. Der Gottesdienst am Sonntag
ist so eine Verabredung mit Gott: Wir nehmen uns Zeit
für Gott. Wir kommen zusammen. Wir singen gemeinsam
Lieder, beten, hören Gottes Wort und erleben etwas von
der Güte Gottes. Wenn wir uns Zeit nehmen für Gott, dann
ist Gott da, auch ausserhalb von Kirchenmauern. Wo ist Ihr
Treffpunkt mit Gott heute?

Von: Carsten Marx

15. Dezember

Verlasst euch nicht auf Lügenworte, wenn sie sagen:
Hier ist des HERRN Tempel, hier ist des HERRN Tempel,
hier ist des HERRN Tempel! Sondern bessert euer Leben
und euer Tun.
Jeremia 7,4–5

In harten, klaren Worten klagt der Prophet Jeremia im Namen
Gottes das Volk an. Die heutige Losung stammt aus einer
Gerichtsrede, sie wird vorgetragen im Tor, am Eingang des
Tempels von Jerusalem. Die Gerichtsrede richtet sich gegen
die Taten der Menschen, sie richtet sich aber auch gegen
den Jerusalemer Tempel, also gegen das religiöse Zentrum
und die herrschende Religiosität der Menschen. Mit solchen
Reden ist Jeremia in viele Fettnäpfchen getreten. Er hat sich
damit keine Freunde gemacht. Sein Schicksal endet auch
tragisch. Er wird in den Kerker gesperrt und später nach
Ägypten verschleppt. Dann verlieren sich die Spuren.
Was will uns Jeremia sagen? Er will uns sagen: Gott liebt
Kritik. Man kann Gott ruhig die Meinung sagen.
Liebe Menschen, tut das immer wieder offen und ehrlich,
auch im Gebet. Gott kann mit Kritik umgehen. Gott liebt
ebenso das Recht. Das Recht dient dem Schutz der Schwachen
und den Menschen, die sich nicht selbst helfen können.
Und Gott liebt Erbarmen. Auch Jesus hat immer wieder
vom Erbarmen und von der Barmherzigkeit gepredigt. Ohne
Erbarmen, Barmherzigkeit und Nächstenliebe wären wir in
unserer Gesellschaft verloren. Wir haben klare Aufträge
erhalten!

Von: Carsten Marx