Autor: Madeleine Strub-Jaccoud

22. August

Bist du es nicht, HERR, unser Gott, auf den wir hoffen?          Jeremia 14,22

Über das Land ist eine Dürre hereingebrochen, es ist eine Katastrophe. Unserem Vers geht ein Schuldbekenntnis voraus, als Angebot an Gott. Darauf die Antwort: «Gibt es unter den Nichtsen der Völker solche, die regnen lassen? Oder  ist es der Himmel, der regnen lässt? Bist nicht du es, HERR, unser Gott, und hoffen wir nicht auf dich?» (Jeremia 14,22, Zürcher Bibel) Ja, Gott, wir hoffen auf dich. Und doch sind wir angesichts des grässlichen Krieges in der Ukraine auch dabei zu fragen: «Lässt du, Gott, diesen Krieg zu? Schaffst du nicht ein Ende?» Die Fragen aus dem Text sind so auch unsere Fragen. Und wir wissen keine Antworten, so wie auch im Text keine Antwort zu finden ist. Und doch: «Bist nicht du es, HERR, unser Gott, der regnen lässt?»

Und so fragen wir heute: «Bist nicht du es, Gott, die Lebendige, die Frieden schenkt?» Wir hören nicht auf zu hoffen, wir bleiben dran und hoffen weiter, Tag für Tag, auf Frieden in der Welt. Wir hoffen, dass Gott ihn schenkt, und wir hoffen, dass die Menschen zur Vernunft kommen. Aber Antworten auf die Fragen nach Gottes Handeln oder Hinweise gibt es im Moment keine. Nur etwas gibt es: Die Lebendige lässt uns nicht allein, auch nicht mit unseren Fragen. Also fragen wir weiter und hoffen wir weiter, das ist jetzt genau unsere Aufgabe.

Schenke uns die Kraft, Hoffende zu  bleiben.

Von Madeleine Strub-Jaccoud

21. August

Haltet mich nicht auf, denn der HERR hat Gnade zu meiner Reise gegeben.      1. Mose 24,56

Gewiss, Gott hat die Reise seines Dieners gelingen lassen, denn er kehrt mit Rebekka zu Abraham und seinem Sohn Isaak zurück. Rebekka wird Isaaks Frau werden. Rebekkas Familie wollte sie noch zehn Tage bei sich behalten. Da bittet der Diener darum, nicht aufgehalten zu werden. Er ist so glücklich, dass er das Ziel seiner Reise zur Zufriedenheit Abrahams erreichen konnte, und will nichts anbrennen lassen.

Nicht aufgehalten werden, zielstrebig sein, wer möchte das nicht! In unserer berührenden Geschichte wird die Zielstrebigkeit deutlich mit der Gnade der Lebendigen begründet. Der Diener hatte es Abraham so versprochen und seine Reise auch gut geplant.

Unsere Zielstrebigkeit ist oft mit Zielen verknüpft, die mit den Vorgesetzten vereinbart sind. Wir bekommen dafür sogar schriftlich Anerkennung – oder eben nicht. Bei der Lebendigen ist das nicht anders. Aber da ist noch etwas: Gott hat die Reise gelingen lassen. Der Diener war nicht allein, die Lebendige war mit ihm. Bei unseren Zielvorgaben und deren Auswertung sind wir es, die Ziele setzen oder gesetzt bekommen. Und wir sind dankbar, wenn wir sie erreichen, auch etwas stolz, durchaus, auch wir wollen nicht aufgehalten werden. Und wie oft atmen wir durch, wenn es gelingt. Ob wir auch daran denken, dass die Lebendige unsere Reisen gelingen lässt?

Von Madeleine Strub-Jaccoud

21. Juli

Du wirst an deine Wege denken und dich schämen, wenn ich dir alles vergeben werde, was du getan hast, spricht Gott der HERR.                      Hesekiel 16,61.63

Gott hat mit dem Volk Israel einen Bund geschlossen: Nie mehr soll eine Sintflut über das Land kommen. Dieser Bund ist ewig und wurde gebrochen. Gott aber erinnert sich an den Bund und wird einen ewigen Bund in Kraft setzen (Vers 60). Dann wird sich das Volk Gedanken machen über seinen Weg und wird sich schämen.

Es sind zwei Dinge, die mich in unserem Text ansprechen: Die Lebendige lässt dem Volk sagen, es werde über seinen Weg nachdenken. In sich gehen, nachdenken, entdecken, was schiefgelaufen ist. Ist das nicht ein Nachdenken, das weiterhilft, das ermutigt, aus Fehlern zu lernen? Ich habe  es nicht so mit der Scham, viel mehr mit dem Nachdenken. Das Zweite: Gott lässt nicht nach. Er setzt sein Vertrauen in das Volk und wird einen ewigen Bund in Kraft setzen. Auf die Lebendige ist Verlass, ohne Wenn und Aber. Auch die Töchter und Schwestern sind in diesen Bund eingeschlossen. Das heisst nichts weniger, als dass der Bund für alle gilt. Lange haben wir in der ökumenischen Bewegung vom Bund für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung gesprochen. Wenn ich über den Weg seit den achtziger Jahren nachdenke, dann wurde es leise um diesen Bund, nicht aber um die Themen. Der ewige Bund Gottes hat Bestand.

Dafür danken wird dir – gerade heute!

Von Madeleine Strub-Jaccoud

20. Juli

Du bist mein Schutz und mein Schild; ich hoffe auf dein Wort.                                        Psalm 119,114

In so vielen Situationen des Lebens hoffen wir auf ein Wort. Wenn etwas schiefläuft, hoffen wir auf einen Zuspruch: «Es kommt schon gut.» Wenn wir etwas ausprobieren, hoffen wir, dass jemand sagt: «Nur weiter so, ist o.k.» Beim heutigen Text aus dem längsten Psalm der Bibel wird nicht ganz klar, auf welches Wort der Schreiber hofft. Ich meine, es geht darum, dass Übeltäter von ihm weichen sollen (Vers 115) und dass er Gottes Weisung liebhat (Vers 113). Hoffen auf das Wort der Lebendigen, hoffen auf ein Zeichen, auf einen Wegweiser, so könnte ich den Vers verstehen. Denn es steht fest, dass Gott Schutz und Schild ist.

Wer weiss, vielleicht ging es dem Schreiber des Verses ähnlich wie uns heute: In den Wirren des Krieges hoffen wir auf ein Wort der Ermutigung und der Kraft für die leidenden Menschen. Es muss in dieser Situation nicht ein Wort sein. Es kann Zuwendung und ganz konkrete Hilfe sein. Und ich hoffe für mich auf viele Zeichen, die mein Vertrauen in das Bei-unsSein Gottes stärken, die Vertrauen in das Leben wiederherstellen, wenn alles wankt. Selber erlebe ich die Lebendige weniger als Schutz und Schild, eher als zuverlässige Begleiterin, die mich an der Hand nimmt, wenn ich sie brauche, die mir Kraft schenkt und mein Herz öffnet für die Menschen.

Danke, dass dein Wort stärkt.

Von Madeleine Strub-Jaccoud

22. Juni

Behalte meine Worte, so wirst du leben, und hüte meine Weisung wie deinen Augapfel. Sprüche 7,2

Leben will die Lebendige schenken. Ohne Einschränkungen oder Bedingungen, wenn wir Gottes Worte behalten. Heute will ich die Zusage von Frieden fest in meinem Herzen und in meinem Kopf verankern. Die Lebendige sagt Frieden zu.

«Selig die Friedfertigen», so sagt uns die Bergpredigt von Jesus. Ich will versuchen, die Friedenszusage «wie meinen Augapfel» zu behüten. Gleichzeitig habe ich gerade während des Kriegs in der Ukraine auch Angst, ich bin gelähmt, muss etwas tun, damit mich die Friedenszusage hält. Ich bin überzeugt, dass diese Zusage trägt und Licht schenkt im Dunkel. Ich muss aber auch etwas dafür tun, muss die Lähmung und die Zweifel aushalten, muss mich austauschen und mich zusammentun mit Menschen, die auch daran festhalten. Denn es geht um das Leben von unschuldigen Menschen, es geht nicht um mein Leben. Für ihr Leben kann ich beten, schreien, um Beistand für sie bitten. Nur etwas sollte ich nicht tun: mich fragen, ob es etwas hilft, denn ich kann die Worte der Lebendigen behalten in allem Dunkel.

Gott, wir bitten dich um Frieden und um Kraft für uns und alle Menschen.

Von Madeleine Strub-Jaccoud

21. Juni

Aus dem Munde der jungen Kinder und  Säuglinge hast du eine Macht zugerichtet.                          Psalm 8,3

Die Zürcher Bibel übersetzt ein wenig anders: «… hast du ein Bollwerk errichtet deiner Widersacher wegen, um ein Ende zu bereiten dem Feind und dem Rachgierigen.» Es wird nicht klar, welche Rolle Kinder und Säuglinge spielen in diesem Kampf gegen die Widersacher. Ob sie in ihrer Schwachheit auf Gottes Schöpfung hinweisen?

Die folgenden Verse sind ein einziges Lob auf diese Schöpfung. Und gerade um unserer Kinder und Grosskinder willen lohnt es sich, durchzuatmen und einzustimmen in dieses Lob. Denn es führt dazu, dass wir die Schöpfung wahrnehmen, uns bewusst werden, was sie uns bedeutet. Und daraus folgt für mich, dass wir uns für ihre Erhaltung einsetzen.

Eine meiner Enkelinnen arbeitet beim Klimastreik mit. Ihr zuzuhören ist eine wahre Freude, und ihr zuzuschauen, mit welcher Konsequenz sie sich für die Bewahrung der Schöpfung einsetzt, erfüllt mich mit Dankbarkeit. Also doch Kinder und Säuglinge? Ja, denn viele von ihnen haben Angst und wollen sich als «Bollwerk» für das Klima und alle Umweltanliegen einsetzen. An uns Älteren ist es, sie dabei zu unterstützen, auf sie zu hören, mit ihnen zu reden, damit wir sie verstehen.

Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?    Psalm  8,5

Von Madeleine Strub-Jaccoud

21. Mai

Wer Geld liebt, wird davon niemals satt, und wer Reichtum liebt, wird keinen Nutzen davon haben. Prediger 5,9

Ja, klar, so ist es doch, bin ich versucht zu denken. Der Prediger ist da aber doch differenzierter: Er denkt über den Reichtum nach und über das, was glücklich macht. Für ihn ist die völlige Armut ein Übel. Aber Reichtum ist nicht mit Glück gleichzusetzen, denn Reichtum macht nicht satt, und Reichtum kann wieder verloren gehen. In Vers 11 heisst es: «Süss ist der Schlaf des Arbeiters, ob er viel oder wenig zu essen hat. Doch die Sättigung des Reichen lässt ihn nicht schlafen.» Für den Prediger kann es sein, dass der Reichtum wieder verloren geht oder Sorgen bereitet. Die tägliche Arbeit aber bringt einen gesunden, ruhigen Schlaf.

Ist es wirklich so einfach? Wie steht es heute? Die Armut steigt, die Schere öffnet sich. An vielen Orten im globalen Süden müssen Kinder arbeiten. Frauen schuften sich ab, damit die Familie zu essen hat. Und bei uns ist die Lohngleichheit von Frauen und Männern noch längst nicht überall erreicht. Von Reichtum kann für die grosse Mehrheit der Menschen keine Rede sein. Wie wäre es, wenn das Teilen von Reichtum zur Gewohnheit würde? Denn, so sagt unser Text: «Wer den Reichtum liebt, wird keinen Nutzen haben.»

Schenke du Gerechtigkeit auf dieser Welt.

Von Madeleine Strub-Jaccoud

20. Mai

Meine Schuld ist mir über den Kopf  gewachsen; sie wiegt zu schwer, ich kann sie nicht mehr tragen. Psalm 38,5

Ein Schwerkranker legt ein allgemeines Schuldbekenntnis ab und bringt all seine Leiden vor Gott. Er kann nur noch aufschreien, denn Gottes Pfeile haben ihn getroffen (Vers 3).

Es ist der zweite Tag des Krieges in der Ukraine, wie ich diesen Beitrag schreibe. Nicht Pfeile, sondern Granaten und Bomben treffen die Menschen. Es trifft sie keine Schuld und dennoch, so vermute ich, fühlen sie sich von Gott verlassen und können nur noch schreien. Beten wir für und mit ihnen:

«Verlass mich nicht, HERR, mein Gott, sei nicht fern von mir. Eile zu meiner Hilfe, HERR, meine Rettung.» (Psalm 38,22.23) Es ist mir bewusst, dass es eigentlich nicht geht, einen biblischen Text so einfach auf heute anzuwenden. Für einmal sei es mir erlaubt, denn hilflos und ohnmächtig bin ich, wenn die schrecklichen Nachrichten eintreffen. Und genau da spricht mich der Psalm an: alles vor Gott, die Lebendige, legen und sie bitten, die Menschen nicht zu verlassen. Ich sehe es als Aufgabe an, gegen den Krieg anzubeten und zu der Lebendigen zu schreien, darauf vertrauend, dass sie unser Gebet hört. Es ist nicht einfach, daran festzuhalten, dass Gott auch in dieser Katastrophe Hilfe bietet. Dieses Vertrauen mit den Menschen zu teilen, ist unsere Aufgabe!

Sei du bei den Menschen in der Ukraine und höre auf unser Gebet.

Von Madeleine Strub-Jaccoud

22. April

Mach dich auf und handle. Und der HERR möge mit dir sein.             
1. Chronik 22,16

David bereitet den Bau des Tempels vor, und gleichzeitig setzt er seinen Sohn Salomo als seinen Nachfolger ein. Gott soll ein Haus bekommen. Und mit der Ernennung Salomos zum Nachfolger soll nach all den Kriegen und dem Blutvergiessen Ruhe einkehren. Die Menschen, auch die Fremden, sind in den Bau des Tempels einbezogen, gestalten mit. Es entsteht ein Haus für Gott, das, so verstehe ich das Kapitel, alle Menschen einbezieht. Und es soll Ruhe einkehren.

Unweigerlich steigen Bilder in mir auf, die die Zerstörung Syriens zeigen. Wer schaut, dass dort Ruhe einkehrt? Wer baut ein Haus für Gott, welches den Menschen Ruhe bringt? Wer ist aufgerufen, zu handeln? Ich weiss, solche Parallelen zwischen einem Text aus der Bibel und heutigen Situationen sind problematisch. Und doch erlaube ich mir nachzufragen, was die heutigen Häuser Gottes, die Kirchen, tun, damit Ruhe und Friede einkehrt. Genügen wir uns nicht vielmehr selbst und haben Angst, kleiner zu werden? Wo wir doch handeln könnten, um am Frieden mitzuwirken. Es stimmt: Die Hilfswerke tun viel. Aber wir delegieren ihnen auch viel. Ich wünsche mir, dass unsere Gotteshäuser Orte des Handelns werden, Orte, wo wir über Gerechtigkeit und Frieden nachdenken und uns zusammen mit andern aufmachen, um Visionen des Friedens in Taten umzuwandeln, ganz so, wie der Tempel gebaut wurde.
Von Madeleine Strub-Jaccoud

21. April

Hasst das Böse und uns liebt das Gute. Richtet das Recht auf im Tor,
vielleicht wird der HERR, der Gott Zebaoth, gnädig sein.

Amos 5,15

Der Prophet stimmt eine Totenklage an über das Haus Israel. Jerusalem ist zerstört und wird nicht wieder auferstehen, so die Worte des Propheten. Es gibt nur ein Mittel, um am Leben zu bleiben, nämlich Gott, die Lebendige, zu suchen. Der Grund der Zerstörung wird in Vers 11 erwähnt: «Darum, weil ihr dem Hilflosen Pachtzins auferlegt und Abgaben vom Getreide von ihm nehmt.» Ungerechtigkeit herrscht, und darum wird Jerusalem zerstört. Ein neuerlicher Aufruf des Propheten verheisst vielleicht Gnade: Gutes zu tun und nichts Böses, Gerechtigkeit walten zu lassen anstelle von Ausbeutung.
Es ist keine Frage, was gut und was böse ist in unserem Text. Amos nennt das Böse beim Namen: Ungerechtigkeit gegen die Armen. Und damit sind wir mitten in der Frage nach weltweiter Gerechtigkeit. Zwar schauen wir nicht auf Trümmer, aber au  Tausende Menschen auf der Flucht. Ihnen verweigern wir Asyl. Viele dieser Menschen fliehen aus Unrechtsystemen, aus Armut und vor Gewalt.

Liebt das Gute, sagt der Prophet. Mir sagt er: Setze dich ein für flüchtende Menschen und für eine weltweite Gerechtigkeit.

Schenke du Kraft, Zukunft und Hoffnung.
Von Madeleine Strub-Jaccoud