Schlagwort: Madeleine Strub-Jaccoud

Mittelteil Mai / Juni

Boldern – ein Ort der Begegnung und Inspiration
Die Verantwortlichen der Stiftung stellen sich vor


Madeleine Strub-Jaccoud, Präsidentin
Mit Boldern verbindet mich eine lange Geschichte. Seit 2014
versuche ich nun, diesen einmaligen Ort mit all seinen Chancen
in eine gute Zukunft zu führen. Boldern soll als Ort
der Begegnung, der Auseinandersetzung und der Hoffnung
weiterentwickelt werden. Mich fasziniert und motiviert die
Gratwanderung, gesellschaftspolitische, ethische, theologische
und ökologische Themen lebendig zu halten und
gleichzeitig Boldern so zu positionieren, dass die finanzielle
Basis gesichert ist. Dazu dienen in naher Zukunft die Mieteinnahmen
aus der Wohnüberbauung. Als Präsidentin des
Stiftungsrats und des Vorstands des Fördervereins trage ich
gerne die Verantwortung.


Urs Häfliger, Vizepräsident
Ich bin im Jahr 1959 im Zürcher Oberland geboren und aufgewachsen.
Seit 1985 wohne ich im Bezirk Meilen. Ich bin
seit über 30 Jahren verheiratet und habe einen erwachsenen
Sohn. Ich bin seit eh in der Finanz- und KMU-Branche tätig.
Seit meiner Jugend und bis heute engagiere ich mich in
diversen Vereinen und Institutionen (sozial, beruflich, gesellschaftlich,
kirchlich, sportlich). Für mich verpflichtet wirtschaftlicher Erfolg zu nachhaltigen
persönlichen Investitionen in unsere Gesellschaft. Das heisst,
das Wohl der Menschen steht für mich im Mittelpunkt. Dies
motiviert mich sehr, für Boldern aktiv tätig zu sein und das
heutige Boldern auch in eine erfolgreiche Zukunft zu begleiten.


Giampaolo Fabris, Quästor
Als nun pensionierter Banker bin ich im Stiftungsrat für
die Finanzen verantwortlich und vertrete den Stiftungsrat
auch im Verwaltungsrat des Hotels. Mit dieser Funktion als
«Hotelier» erfülle ich mir einen Kindheitstraum.
Es ist es mir auch ein Anliegen, dass Boldern mittels Seminarbetrieb
und Veranstaltungen weiterhin ein Ort der Begegnung
und der Diskussion über soziokulturelle Entwicklungen
bleibt. Die wichtigste Ressource dafür ist die Entwicklung
des Areals. Wenn wir dies auch finanziell geschickt machen,
bleibt Boldern ein geistiger Strahlpunkt.


Dominic Lüthi, Stiftungsratsmitglied
Ich bin Vater von zwei Kindern und Unternehmer. 2008
habe ich eine regionale Bierbrauerei mitbegründet, seit 2013
präsidiere ich das Unternehmerforum Zürichsee und schon
viele Jahre setze ich mich beruflich für Diversität in Verwaltungsräten
und Stiftungsräten ein. Boldern mit seiner Gastronomie und dem Seminarhotel
empfinde ich als einzigartigen Ort der Begegnung mit einer
immensen Geschichte. Weil mir das Aufblühen und der
Austausch von Menschen an diesem Ort am Herzen liegen,
engagiere ich mich seit 2015 als Vorstandsmitglied und jetzt
als Stiftungsrat für Boldern. Meine Hauptaufgaben sind die
Kommunikation, die sozialen Medien und die wirtschaftliche
Vernetzung von Boldern in der Region.


Annette Konrad, Stiftungsratsmitglied
Ich wohne in Herrliberg, bin verheiratet und Mutter zweier
erwachsener Kinder. Seit 2019 arbeite ich als Juristin in der
Führungsmannschaft von Boldern mit, um den Ort Boldern
mit seiner langen Geschichte für die Zukunft zu erhalten.
Ich setze mich dafür ein, dass Boldern als Ort an einmalig
schöner Aussichtslage durch ein gut funktionierendes Hotel
mit einladendem Restaurationsbetrieb und Infrastruktur für
sinnstiftende Veranstaltungen für ein vielseitiges Publikum
attraktiv wird, so dass alle Besuchenden sagen: «Der Weg
nach Boldern hat sich gelohnt.»


Daniel Walser, Stiftungsratsmitglied
Ich bin seit 2001 verheiratet und habe einen Sohn. Seit
2020 bin ich im heutigen Stiftungsrat. Als Baukommissionspräsident
bin ich verantwortlich für die Wohnüberbauung,
welche 60 Wohnungen umfasst. Boldern als Ort mit gesellschaftlichen
und sozialen Themen inspiriert und fasziniert
mich. Verantwortungsvoll zur Entwicklung beizutragen, um
so einen Mehrwert für künftige Generationen zu schaffen,
erfüllt mich mit Stolz.


Dominique Meier, Geschäftsleiterin
Seit mehr als drei Jahren darf ich Teil des Boldern-Teams sein
und jeden Tag aufs Neue die Vielfalt Bolderns erleben.
Mit der Planung und Umsetzung der Wohnüberbauung,
der Weiterentwicklung von «Boldern inspiriert» und
der Gründung der Stiftung wird ein neues Kapitel in der
Geschichte Bolderns aufgeschlagen. Es freut mich sehr, dass
ich Teil dieses Kapitels sein darf und die Geschichte Bolderns
aktiv in der Rolle der Geschäftsleiterin mitgestalten kann.

22. April

HERR, lehre mich doch, dass es ein Ende mit mir haben
muss und mein Leben ein Ziel hat und ich davon muss.
Psalm 39,5

So what? «Der Tod, radikal normal» war der Titel einer
bewegenden und befreienden Ausstellung diesen Sommer
im Kulturzentrum Vögele. Wenn das Sterben und der Tod
nahe kommen als das, was zum Leben gehört, dann dürfen
und sollen wir uns mit unserem Leben auseinandersetzen
und es so einrichten, dass es eben auch zu Ende gehen kann
und darf. Das ist mir nahegekommen. Aber mir ging es gut,
ich war nicht krank. Der Dichter des heutigen Psalmwortes
ist offenbar in einer anderen Verfassung. Es geht ihm sehr
schlecht und er bittet Gott, dieser Situation ein Ende zu
bereiten, allerdings nicht ohne auch darum zu bitten, das
Ziel des Lebens zu erfahren. Was war sein Ziel? Was ist mein
Ziel? Es gibt kleine und grosse Ziele, es gibt die Fragen, ob
ich sie erreiche oder eben nicht.
Alles nicht so wichtig, meine ich, denn das Leben ist ein
Weg, den ich gehe, auch spontan und hoffentlich mit vielen
Überraschungen, die die Ziele immer wieder verändern. Und
auf diesem Weg denke ich, dass einmal die Stunde kommt,
in der alle Ziele erreicht sind und mein Leben hier ein Ende
hat. Wir sind in der Zeit nach Ostern und haben uns daran
erinnert, dass der Tod nicht das Letzte ist, sondern eben das
Leben. Uns daran auszurichten, ermutigt, stärkt und tut gut.
So what?

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

21. April

Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten. 2. Mose 20,16

Unweigerlich fühle ich mich versetzt in die dritte Klasse, wo
uns in der Christenlehre die Zehn Gebote eingehämmert
wurden als moralischer Wegweiser. Zwar ist nach all den
vielen Jahren die Angst vor dem strafenden Gott längst dem
Glauben an Gott, den Befreier, die Lebendige, die Ermutigerin,
gewichen. Und so lese ich den heutigen Text als Teil der
Worte, die von Gott an das Volk gerichtet waren, um die
Menschen damals daran zu erinnern, dass die Lebendige
mitgeht, aber auch Aufgaben bereit hat für sie. Den ganzen
Dekalog lese ich nicht mehr als moralischen Anspruch,
sondern als Aufgabe, meine Beziehungen zu Gott und den
Menschen und der ganzen Schöpfung solidarisch zu leben.
Denn, so lerne ich, jedes der Gebote ist auf die Menschen
ausgerichtet, darauf, gut mit ihnen zusammenzuleben. Die
Zürcher Bibel übersetzt die heutige Losung: «Du sollst nicht
als falscher Zeuge aussagen wider deinen Nächsten.» Der
oder die Nächste rückt ins Zentrum und nicht meine allfälligen
Vorteile einer Falschaussage. Ein hoher Anspruch für
Menschen, die ihm gerecht werden sollen. Es ist nicht ein
moralischer Anspruch, sondern Teil der Identität der Menschen,
die mit der Lebendigen unterwegs sind. Und diese
Identität kommt von Gott, der den Dekalog direkt zu den
Menschen gesprochen hat. Und Identität hilft, stark zu sein.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

21. März

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von
allem, was aus dem Mund des HERRN geht. 5. Mose 8,3

Nicht schon wieder, wir wissen es doch! Oder doch nicht
ganz? Denn in den beiden Versen vorher ist eindrücklich
vom Weg des Volkes hin zum gelobten Land die Rede und
davon, wie wunderbar dieses Land sein wird. Auf dem Weg
des Volkes hat Gott, die Lebendige, die Menschen angesprochen,
hat sie geführt und geleitet. In unserem Vers wird
auch vor Augen geführt, dass Gott die Menschen demütig
machte, um herauszufinden, ob sie die Gebote der Lebendigen
einhalten. Wie der Weg des Volkes wirklich ausgesehen
hat, erfahren wir aus den fünf Büchern Mose.
Aber wie ist es mit meinem Weg? Wie höre ich darauf, was
die Lebendige mir sagen will? Kann ich ihre Stimme überhaupt
hören? Auf dem Weg brauche ich hie und da einen
Halt, muss gut durchatmen, auch, um stille zu werden. Das
Volk hat sich jeweils wieder auf den Weg gemacht, ist aufgebrochen,
hat sich bewegt. Das tue ich auch. Und vielleicht
ist es das, was demütig macht: dankbar sein für den Weg
und ihn vertrauensvoll weitergehen. Denn so wie damals ist
es auch heute: Die Lebendige geht den Weg mit mir über
Höhen und Tiefen und immer wieder an den Ort, wo ich
mich an sie wenden kann. Also: nicht schon wieder.
Stärke du unser Vertrauen in dich und in den Weg unseres
Lebens.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

20. März

Kommt nun, lasst uns wandeln im Licht des HERRN!
Jesaja 2,5

«Kommt nun», es sind die beiden Wörter, die mich bewegen.
Sie könnten auch von einer Mutter oder einem Vater
zu ihren Kindern gesagt sein. Kommt nun, lasst uns gehen,
gehen soll das Volk, gehen auf die Verheissung hin, dass die
Völker gesammelt werden, dass Schwerter zu Pflugscharen
werden und Speere zu Winzermessern. Die Verheissung des
Propheten steht nicht einfach im Raum. Sie ist eine Motivation,
denn der Weg ist nicht dunkel, er ist beleuchtet durch
das Licht, das von der Lebendigen, von Gott kommt. Ist der
Hinweis auf dieses Licht auch meine Motivation, zu gehen,
nicht stehen zu bleiben? Es ist nicht einfach, in unserer zerrissenen
Welt zu gehen, sich einzulassen auf die Verheissung
des Lichts. Aber wie ist es, dieses Licht, was ist es, das mich
einlädt zu gehen, und wohin soll der Weg führen? Es ist
das Licht der Tora, das Licht der Worte der Lebendigen, die
damals wie heute Menschen sammeln und zum Gehen auffordern.
Gerade heute sind wir gefragt, festzuhalten daran,
dass dieses Licht, die Verheissung, durch alle Ohnmacht und
alle Zweifel hindurchführt. Und gehen können wir auf dem
Weg des Friedens und der Gerechtigkeit, indem wir beten,
einstehen, uns in unseren Herzen solidarisieren mit den Leidenden.
Gehen können wir auch, wenn wir um Kraft bitten,
uns zu engagieren.
Gott des Lebens, schenke uns deine Kraft.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

22. Februar

Singt dem HERRN, rühmet den HERRN, der des Armen
Leben aus den Händen der Boshaften errettet!

Jeremia 20,13

Der Prophet steckt fest. Er hat genug, will nicht mehr
anschreien gegen die Ungerechtigkeit. Denn das ist seine
Aufgabe. Und da hinein denkt er an Gott, die Lebendige. Er
singt ein neues Lied, denn er ist sich sicher, dass sie auf der
Seite der Armen steht. Das soll wieder einmal gesagt sein. So
ein Zwischenlob ist befreiend, auch wenn es nachher wieder
schwierig wird. Es hilft, den Blick auf das Leben zu werfen.
Für Jeremia geht der Kampf weiter. Er setzt sich weiter ein für
die Gerechtigkeit. Und er muss immer wieder mit Rückschlägen
kämpfen. Ich nehme an, er hadert nicht nur mit seinem
Auftrag, sondern auch mit der Lebendigen, die den Auftrag
erteilt. Aber er weiss auch, dass die Kraft von ihr kommt.
Festhalten am Auftrag, immer wieder neu beharrlich sein,
das macht die Geschichte des Propheten aus. Es gibt sie auch
heute, die Menschen, die beharrlich ihr Leben einsetzen
für andere. Manche werden nicht wahrgenommen, andere
sehen und hören wir. Und wir sind für beide dankbar, dass
sie immer wieder die Kraft haben, für die heutigen Armen
da zu sein. Dafür können auch wir Gott rühmen. Und wir
können selber beharrlich einstehen für die Menschen, die
unter Hunger, Krieg und Ausbeutung leiden.
Schenke uns deine Kraft, damit auch wir beharrlich sind.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

21. Februar

David sprach zum HERRN: Ich habe schwer gesündigt,
dass ich das getan habe. Und nun, HERR, nimm weg die
Schuld deines Knechts.
2. Samuel 24,10

Die heutige Losung stammt aus einer komplexen Geschichte.
Letztlich wird nicht ganz klar, worin die Sünde Davids
besteht. Es könnte die Manipulation einer Zählung des Volkes
sein. David ist sich seiner Schuld bewusst. Gott bestraft
ihn, gibt ihm aber auch eine Chance. Geht es uns allen nicht
manchmal auch so? Wir machen einen Fehler, erkennen
ihn und bekommen eine neue Chance. Das ist tröstlich. Die
Chancen zu nutzen, ist eine Aufgabe, die nie aufhört. Ob wir
allerdings in der Lage sind, die Chancen zu erkennen, bleibe
dahingestellt. Und sind wir uns unserer Fehler bewusst?
Können wir dazu stehen? Oder flüchten wir uns in Abwehr
und Rechtfertigung? Es ist befreiend, einzusehen, dass etwas
falschgelaufen ist, und dafür geradezustehen. Aber wir leben
in einer Kultur, in der Fehler nicht sein dürfen. Wir müssen
perfekt sein in der Wahrnehmung unserer Gesellschaft. Und
so können wir beides nicht voll wahrnehmen, die Fehler
nicht und die zweiten Chancen nicht. Gott, die Lebendige,
sieht es anders. Wir können Lernende sein und aus einer
schwierigen Situation herauskommen, wenn wir auch die
Fehler wahrnehmen.
Schenke du uns die Gnade der zweiten Chance und die Kraft,
auch die Fehler anzuschauen.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

21. Januar

Ich bin nackt von meiner Mutter Leibe gekommen,
nackt werde ich wieder dahinfahren.
Hiob 1,21

Verschiedene Katastrophen haben Hiob alles genommen:
seine Kinder, die Rinder, Schafe und Esel sind gestorben, alles
wurde gewaltsam weggefegt.
Der heutige Text kann nicht ohne den folgenden Vers
gelesen werden: «Der Herr hat es gegeben, der Herr hat
es genommen, der Name des Herrn sei gepriesen.» Es ist
letztlich für mich nicht verständlich, woher Hiob die Glaubenskraft
nimmt. Aber er hat sie. Unweigerlich denke ich an
die Tausenden von Menschen in der Ukraine, in Syrien und
überall, wo der Krieg, die ungerechten Strukturen der Wirtschaft
oder der Klimawandel den Menschen alles wegnehmen.
Woher nehmen sie die Kraft, um Leben zu gestalten?
Was hilft ihnen? Wer hilft ihnen? Es ist für mich schwierig,
einfach all den Schrecken in Gottes Hand zu wissen. Und
ebenso gut weiss ich, dass wir alle nicht resignieren und uns
einfach auf unser Leben zurückziehen dürfen. So verbindet
mich heute doch die Hoffnung auf Gott mit Hiob. In aller
Ohnmacht sind wir verbunden mit den leidenden Menschen.
Auch wenn wir ihr Leid nicht nachvollziehen können,
unsere Solidarität soll ihnen gewiss sein.
Schenke du uns die Kraft, jetzt an das Leben zu glauben,
zusammen mit allen, die Leiden ausgesetzt sind.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

20. Januar

Wenn du deinem Nächsten etwas verkaufst oder ihm
etwas abkaufst, soll keiner seinen Bruder übervorteilen.
3. Mose 25,14

Ist doch so einfach und klar, das machen wir. Die heutige
Losung ist aber eingebettet in einen Kontext: Es sind im
ganzen Kapitel Anweisungen zu lesen, die den Menschen
zu Gerechtigkeit verhelfen sollen. Da ist das siebte Jahr
beschrieben, in welchem das Land während eines Sabbatjahres
ruhen soll. Es darf nicht gesät werden. Und im Jubeljahr,
dem fünfzigsten Jahr, sollen alle befreit werden und sollen
alle wieder zu ihrem Besitz kommen. Auch in diesem Jahr soll
nicht gesät werden. Nur was das Feld hergibt, soll gegessen
werden. Und eben: Niemand soll übervorteilt werden. Es
sind Anweisungen Gottes an die Menschen, die gerecht miteinander
und mit der Schöpfung umgehen sollen. Wir können
sie beiseiteschieben als eine Utopie. Oder wir können
uns sehnen nach einem weltweiten Sabbatjahr. Das tut gut,
auch wenn wir wissen, dass es unmöglich ist. Wir können
versinken im Traum einer gerechten Welt. Oder wir können
ganz einfach versuchen, unseren Beitrag zur Gerechtigkeit zu
leisten. Das ist heute möglich und soll uns nicht überfordern.
Aber der Traum darf nicht ausgeträumt sein. Denn gerade
heute braucht es Menschen, die davon überzeugt sind, dass
Gerechtigkeit und Frieden möglich sind. Diese Überzeugung
ist Teil meines Glaubens und meines Gebets.
Schenke du uns die Kraft, an der Gerechtigkeit zu bauen.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

21. Januar

HERR, du bist doch unser Vater!
Wir sind Ton, du bist unser Töpfer,
und wir alle sind deiner Hände Werk.   

Jesaja 64,7

Der Tempel ist zerstört, die Israeliten klagen, sehen aber doch einen Ausweg, die Beziehung zu Gott wieder ganz herzustellen: «Du bist doch unser Vater.» Dieses Wissen schenkt Kraft und stärkt das Vertrauen. Das Bild des Töpfers veranschaulicht dies. Aber wollen wir denn eine weiche Masse sein, die Gott formt? Wollen wir nicht eher frei sein und unser Leben autonom gestalten? Ich bin dankbar für dieses Bild, denn es zeigt mir, dass nicht alles in meinem Leben von selber formbar ist. Da sind die Erfahrungen im Zusammenleben mit den Menschen, da ist mein Zugang zum Leben, da ist das, was einfach ohne mein Dazutun geschieht.
Im Leben der Israeliten gibt es diejenigen, die Gott dienen, und solche, die sich als Feinde Gottes positionieren. Der Prophet sagt uns, dass Gott selber entscheidet. Aber ich bin überzeugt, dass Gott nicht einfach entscheidet, wen er formt. Er gibt uns Chancen, und zwar viele! Und er verzeiht und formt weiter. Und so bin ich nicht nur eine Masse des Töpfers, sondern eine von Gott geliebte Frau mit Fehlern und mit vielen Chancen. Das Hoffen auf Chancen stärkt, stärkt auch für das Handeln in dieser Welt, die so oft leidet am Mangel an Vertrauen in Gottes Mit-uns-Sein.

Danke für alle Chancen und danke für deine  Vergebung.

Von Madeleine Strub-Jaccoud