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1. August

Jesus predigte das Evangelium Gottes und sprach:
Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist
nahe herbeigekommen. Tut Busse und glaubt an
das Evangelium!
Markus 1,14–15

Tut Busse und glaubt an das Evangelium. Tut Busse. Das
heisst: Kehrt um. Kehrt um und glaubt. Kehre um und
glaube. Wage den Schritt. Den ersten Schritt.
Wer umkehren will, muss umdenken können. Und als Folge
davon und darüber hinaus: auch anders tun. Und das so
anders, dass es sichtbar wird.
Sie alle tragen Schrittzähler am Handgelenk. Damit man es
sieht. Dass sie es tun. Das, wovon sie denken, es tue ihnen
gut. Und tatsächlich: Wir sehen es. Dass sie alle zu denen
gehören, die umdenken können. Und als Folge davon mehr
Schritte machen. Mindestens 10 000 täglich.
So anders tun, dass es sichtbar wird. Wäre das doch schön.
Wenn das Gut-Tun auch anderen zugutekäme. Schritte auf
den andern zu. Kleine Schritte, die sich nicht zählen lassen.
Tut Busse. Kehrt um und glaubt. Vor allem: Glaubt. Vielleicht
ist der erste Schritt zur Umkehr, mir einzugestehen, dass ich
es nicht kann. Weil ich mit mir zu beschäftigt bin. Damit ich
es kann, umkehren und glauben, brauche ich Hilfe. Die Hilfe
von Gott. Schritt für Schritt. Mindestens 10 000 Mal.

Von: Ruth Näf Bernhard

Mittelteil Juli / August

Projekt Wohnüberbauung «tilia» – Spatenstich

Was vor über vier Jahren noch weit entfernte Zukunftsmusik
war, wird nach viel Planung und grossem Einsatz vieler Beteiligter
umgesetzt. Am 25. Mai 2024 fand der Spatenstich des
Wohnbauprojekts «tilia» auf Boldern statt. Der Stiftungsrat
setzte den ersten Stein, nun muss der Bagger ran. Innerhalb
der nächsten zwei Jahre entstehen auf der rund 15 000 Quadratmeter
grossen Landparzelle unterhalb des Seminarhotels
Boldern 60 Wohnungen. Das Projekt soll nicht nur mit See und
Bergsicht überzeugen, sondern auch mit den Begegnungszonen
in den beiden Wohngassen und der attraktiven
und naturnahen Umgebung. Bei den Wohnungen handelt
es sich grösstenteils um 2½- und 3½-Zimmer-Wohnungen,
es sind aber auch 4½- und 5½-Zimmer-Wohnungen geplant.
Der gemeinnützigen Stiftung Boldern war es im ganzen
Prozess der Planung wichtig, die Nachbarschaft mit einzubeziehen,
dies ist dem Stiftungsrat gelungen, denn es gab
keine Einsprachen. So kann der Bau plangemäss starten.
Der Erstbezug ist im Verlauf der zweiten Jahreshälfte 2026
geplant. Mit den Mietzinseinnahmen möchte die Stiftung
die Finanzen absichern und den Stiftungszweck erfüllen:
Die Stiftung fördert die Begegnung von Menschen, die sich
für eine solidarische Gesellschaft und nachhaltige Lebensräume
einsetzen. Sie initiiert die Auseinandersetzung mit
gesellschaftspolitischen, theologischen, ökologischen und kulturellen
Themen sowie weiteren Themenkreisen und kann
so zukunftsorientierte Projekte anstossen, insbesondere im
sozialen Bereich.


Das Wort «tilia» kommt aus dem Lateinischen und bedeutet
Linde. Die Linde ist seit jeher das Wahrzeichen von Boldern
und findet sich auch im Logo der Stiftung und des Hotels
Boldern. Der Baum repräsentiert die starken Wurzeln von Boldern
und spendet mit seinem Blätterdach Schutz, unter dem
sich Menschen begegnen, sich mit gesellschaftsrelevanten
Themen auseinandersetzen und ihre Hoffnungen teilen sollen.

Wohnbauprojekt «tilia» – Eingang.

Wohnbauprojekt «tilia» – Frontansicht.

Wohnbauprojekt «tilia» – Gasse.

Wohnbauprojekt «tilia» – Seitenansicht.

Von: Bernhard Egg und Urs Häfliger, Co-Präsidenten der Stiftung und
Dominique Meier, Geschäftsführerin der Stiftung

31. Juli

Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für
uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.
Römer 5,8

Wenn ich die Frage, welches Buch ich mit auf die einsame
Insel mitnehmen würde, mit «die Bibel» beantworte, stosse
ich in der Regel auf Unverständnis: Wie kannst du die darin
vertretene Moral denn gut finden?! Wie kannst du dich mit
einer religiösen Doktrin identifizieren, in deren Namen so
viel Leid angerichtet wurde?! Die Bibel hat in meinem mehrheitlich
säkularen Umfeld kein gutes Image, was ich mit Blick
auf die nicht sehr ruhmhafte Kirchengeschichte nachvollziehen
kann. Und auch die Aktualität lässt uns erschaudern,
wenn wir sehen, wozu Fanatiker aller Religionen fähig sind.
So sehr ich das Unbehagen allem Religiösen gegenüber
verstehe, so sehr bin ich eine Verfechterin im Aushalten
meiner eigenen Ambivalenz gegenüber der Bibel und ihren
Botschaften. In diesem Spannungsfeld lese ich den Vers aus
dem Paulusbrief an die Römer. Logisch, niemand mag sich
heute noch als «Sünder» verstehen. Doch statt mich davon
abstossen zu lassen, wälze ich dieses befremdliche Wort in
mir und stelle mir Paulus vor, der von der Bedingungslosigkeit
der göttlichen Liebe redet. Trotz unserer Fehlbarkeit
haben wir Anspruch auf Wertschätzung. Trotz unserem
Unvermögen stehen uns Türen offen. Trotz unserem ramponierten
Selbstwertgefühl dürfen wir auf Verständnis, Zuwendung,
ja Liebe hoffen. Obwohl uns gerade diese gewaltige
Botschaft nicht einfach auf dem Serviertablett geboten wird:
Dafür mag ich die Bibel.

Von: Esther Hürlimann

30. Juli

Ich will in der Wüste Wasser und in der Einöde Ströme
geben, zu tränken mein Volk, meine Auserwählten.

Jesaja 43,20

Als feuchtigkeitsgewohnte Wasserschlossbewohner können
wir uns nicht vorstellen, was es bedeutet, wenn es in der Wüste
regnet. Über Nacht werden Wadis grün und lieblich, erfreuen
und erfrischen Mensch und Tier. Weil das Wasser Leben spendet,
wird es in der Bibel zum Bild für alles, was erfrischt und
reinigt und belebt. Jesus vergleicht begeisterte Menschen mit
Quellen, aus denen Wasser sprudelt. Bei der Taufe steht das
Wasser für eine Neuwerdung, einen Neubeginn.
Wir werden in dieser Zeit Zeuginnen von alten Männern,
die nichts Erfrischendes an sich haben. Anstatt aufzubauen
und zu versöhnen, zerstören und verwüsten sie. Ich wünsche
mir nichts sehnlicher, als dass auch in ihre verwüsteten
Seelen das von Gott verheissene Wasser strömt und sie
verwandelt.
Aber ich will nicht nur auf die alten Männer zeigen. Ich
möchte mich selbst diesem frischen Wasser öffnen.
Wenn es nur so einfach wäre. Etwas früher bei Jesaja
schimpft Gott seine Anbefohlenen «löcherige Zisternen,
die das Wasser nicht halten». Leider ist mir auch dieses Bild
vertraut, dass ich das Gute vergesse, das ich erfahren habe;
dass die Ideen ausbleiben und die anstehenden Probleme
übermächtig zu werden drohen. Damit aus den verzagten
Herzen das Wasser sprudelt, von dem Jesus spricht, braucht
es ein Wunder, so wie Regen in der Wüste.

Von: Heiner Schubert

29. Juli

Der HERR, unser Gott, neige unser Herz zu ihm,
dass wir wandeln in allen seinen Wegen.
1. Könige 8,58

Salomo betet bei der Einweihung des Tempels. Wohl dem
Volk, dessen Staatschef nicht nur sich selbst als Referenzgrösse
kennt. Salomo weiss, dass nicht alles in seiner Hand
liegt. Er kennt die Verantwortung vor Gott. Und er weiss,
dass er diese nur wahrnehmen kann, wenn Gott irgendwie
mithilft. In einem langen Gebet folgt er der Spur, die ihm
die Tora legt. Und er vertraut darauf, dass Gott sein (Salomos)
Herz zu sich neigt. Das Herz ist das Organ, das für die
Menschen der Bibel die Verbindung zu Gott pflegt. Salomo
möchte Gott näherkommen. In eine engere Verbindung mit
ihm treten, damit sein Schritt sicherer wird.


Gebete sind immer ein Eingeständnis unserer Begrenztheit.
Wir spüren, dass wir nicht alles unter Kontrolle und im Griff
haben, und legen das, was nicht in unserer Macht ist, in Gottes
Hand. Wir greifen über den Horizont der eigenen Existenz
hinaus, richten uns aus auf ein Gegenüber, das grösser ist
als wir selbst. Ich vermisse diesen uralten Reflex in unserer
selbstverliebten Gegenwart. Sich einen Moment Zeit nehmen,
das Gespräch mit dem Innersten suchen, das, was da
inwendig auftaucht, hervorholen und es Gott anvertrauen:
Das tut gut, und mancher Schritt, der zunächst undenkbar
schien, wird möglich.

Von: Lars Syring und Chatrina Gaudenz

28. Juli

Der HERR ist mit mir, darum fürchte ich mich nicht;
was können mir Menschen tun?
Psalm 118,6

Aus diesem Vers spricht grosses Vertrauen, aber auch bittere
Enttäuschung. Zum Zusammenleben mit anderen Menschen
gehören Konflikte. Als Individuen sind wir meistens
überzeugt von unserer Meinung, betrachten unser persönliches
Anliegen als überaus wichtig und setzen unsere eigenen
Verletzungen und Entbehrungen in den Vordergrund. So
sind wir oft blind für die Anliegen und Verletzungen unserer
Mitmenschen. Gegenseitige Verletzungen sind die Folge.
Der/die in die Enge Getriebene hat durch das Schreien zu
Gott den weiten Raum erfahren (Vers 5). Also Erleichterung
und die Erkenntnis, dass Gott verlässlich ist. Ist Gott bei
mir, muss ich keine Angst haben vor den Reaktionen meiner
Mitmenschen. Sie treffen mich nicht. Selbstbezogenheit
und wechselhafte Launen lassen Konflikte entstehen und
vergehen. Wir wissen nie so recht, wann, wo und warum es
zu Streit kommt. Wir können uns also auch nicht zu 100 Prozent
auf einen Menschen verlassen.
Im stillen Gebet kommen wir in Kontakt mit unserem
inneren Kern und finden so heraus, was wir wirklich brauchen.
Das Zwiegespräch mit Gott hilft uns, Antworten zu
finden. Wenn ich mit dem Kern meiner selbst verbunden
bin, bin ich auch mit Gott verbunden. Dann kann mich kein
Mensch enttäuschen, sondern ich werde aus der Enge in die
Weite geführt. So werde ich offen für die Anliegen anderer.

Von: Monika Britt

27. Juli

Jesus spricht: Selig seid ihr Armen;
denn das Reich Gottes ist euer.
Lukas 6,20

Wir leben in einem Zustand der «Zuvielisation». Ich bin
nicht reich, aber ganz sicher auch nicht arm. Ich habe viele
Gegenstände, die ich nicht brauche.
Gleichzeitig müssen Milliarden Menschen starke Einschränkungen
ihres Lebens hinnehmen. Rund 700 Millionen
Menschen leiden sogar unter extremer Armut und Hunger.
Was fange ich mit dem Jesuswort an? Folgende Punkte will
ich für mich daraus ableiten:

  • Arme nicht verachten
  • Armut nicht idealisieren
  • Mich nicht von Armen abwenden, sondern ihnen auf
    Augenhöhe begegnen
  • Mich aktiv für die Veränderung der Verhältnisse einsetzen
  • Einfachheit üben
  • Dauerhaft oder zeitweise auf bestimmte Annehmlichkeiten
    verzichten
  • Mich über die vielen Dinge, Erfahrungen und Beziehungen
    bewusst freuen, die ich nicht mit Geld kaufen kann
  • Heute das Reich Gottes aufspüren

Von: Barbara Heyse-Schaefer

26. Juli

Siehe, wenn Gott zerbricht, so hilft kein Bauen; wenn
er jemand einschliesst, kann niemand aufmachen.

Hiob 12,14

Ich bin ein widerständiger Mensch. Ich traue mich zu widersprechen.
Ich nehme Dinge nicht einfach hin. Es ist mir mit
meiner Hartnäckigkeit gelungen, manches zu verändern.
Die Weisheit des Hiob ist das genaue Gegenteil allen Auflehnens.
Er rät, Dinge, die ich nicht ändern kann, zu akzeptieren,
und anzunehmen, was gerade ist.
Manche Dinge laufen eben anders, als ich sie mir vorstelle.
Es hat wenig Sinn, mit dem Kopf durch die Wand zu wollen.
Wer sich starrköpfig, kompromisslos und stur verhält,
mag das Recht oder zumindest gute Argumente auf seiner
oder ihrer Seite haben, aber diese Dickköpfigkeit belastet oft
Beziehungen und letztlich behindere ich mich dabei selbst.
Ich möchte lernen zu akzeptieren, dass ich etwas nicht
ändern kann, und darauf vertrauen, dass Gott einen Plan
hat, den ich aus meiner Perspektive (noch) nicht sehen kann.
Radikale Akzeptanz, wie es manchmal gelehrt wird, werde
ich wahrscheinlich nicht schaffen. Aber ich will meine Bereitschaft
erhöhen, unbeeinflussbare Ereignisse anzunehmen,
und lernen, eine offene Haltung gegenüber neuen Erfahrungen
und Möglichkeiten einzunehmen. Das spart viel Kraft
und ermöglicht mir, neue Wege zu beschreiten.

Von: Barbara Heyse-Schaefer

25. Juli

Gott sprach: Meinen Bogen habe ich gesetzt
in die Wolken; er soll das Zeichen sein des Bundes
zwischen mir und der Erde.
1. Mose 9,13

Probleme türmen sich auf,
überflutet bin ich von Aufgaben,
die ich nicht bewältigen kann,
bin im Zwiespalt, kann es
unmöglich allen recht machen.
Mir selber schon gar nicht.

Schnell, schnell noch einkaufen …
Als ich das Geschäft verlasse,
schüttet es in Strömen.
Ich warte eine Weile «am Schärme».
Warte, bis der Regen nachlässt.
Sogar die Sonne scheint wieder,
blendet mich.

Als ich heimzu radle,
ist ein wunderschöner
Regenbogen aufgespannt, riesig,
fast ein Halbkreis.

Überwältigend ist er –
ein Zeichen am Himmel:
Alles wird gut.

Von: Heidi Berner

24. Juli

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus,
der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes,
der uns tröstet in aller unserer Bedrängnis, damit
wir auch trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind,
mit dem Trost, mit dem wir selber getröstet werden
von Gott.
2. Korinther 1,3–4

Trost hilft uns zu leben,
weiterzuleben,
wenn wir traurig sind.

Trost ist göttlich,
ist aus Liebe geboren
und aus dem Ja zum Leben.
Getröstete können
selber trösten.
Es gibt so etwas
wie eine lange Kette,
ja sogar ein Gewebe
des Trostes.
Wohl uns,
wenn wir ein Teilchen
in diesem Gewebe
sein dürfen.

Ich bin überzeugt,
dieses Gewebe hält
die Welt zusammen.

Von: Heidi Berner