Jakob zog seinen Weg. Und es begegneten ihm
die Engel Gottes. 1. Mose 32,2
Wenn ich diese beiden knappen Sätze lese, erwarte ich, dass
was Wunder jetzt gleich geschehen wird, wenn Jakob Engel
sieht. Aber gar nichts geschieht, sondern Jakob zieht seinen
Weg weiter, um sich endlich mit Esau auszusöhnen.
Dass Jakob von der Begegnung mit Engeln unbeeindruckt
bleibt, kann ich fast nicht glauben. Ich kann es mir nur so
erklären, dass die bevorstehende Begegnung mit dem Kraftprotz
Esau ihm ganz schön Angst macht.
Bekanntlich führt Angst zu Tunnelblick. Aus solchen
Bedrängnissen kann nur eine Person mit Engelsqualitäten
mich herausholen und helfen, dass meine Sicht wieder weit
wird und die Angst entflieht.
Dazu ist Jakob noch nicht bereit. Seine Angst vor dem Bruder
ist so gross, dass selbst mehrere Engel sie nicht vertreiben
können. Darum schleicht ihm einer von ihnen hinterher und
ringt mit ihm in der folgenden Nacht und lehrt ihn, seine
Angst zu überwinden. Die ist zwar am nächsten Tag nicht
einfach weg, aber Jakob kann dem Bruder entgegentreten.
Der denkt nicht daran, alte Geschichten aufzuwärmen, sondern
schliesst seinen kleinen Bruder in die Arme.
Von: Heiner Schubert