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24. Juli

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus,
der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes,
der uns tröstet in aller unserer Bedrängnis, damit
wir auch trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind,
mit dem Trost, mit dem wir selber getröstet werden
von Gott.
2. Korinther 1,3–4

Trost hilft uns zu leben,
weiterzuleben,
wenn wir traurig sind.

Trost ist göttlich,
ist aus Liebe geboren
und aus dem Ja zum Leben.
Getröstete können
selber trösten.
Es gibt so etwas
wie eine lange Kette,
ja sogar ein Gewebe
des Trostes.
Wohl uns,
wenn wir ein Teilchen
in diesem Gewebe
sein dürfen.

Ich bin überzeugt,
dieses Gewebe hält
die Welt zusammen.

Von: Heidi Berner

23. Juli

HERR, ich habe Freude an deinen Zeugnissen;
sie sind meine Ratgeber.
Psalm 119,24

Wir leben in einer Kultur, die uns die Suche nach Ratgebern
einfach macht. Ich frage Google und schon hagelt es Ratschläge.
Ein Heer von Ratgebern wartet auf mein Notsignal
und berät mich gratis und franko (oder für ein paar Franken)
und sagt mir rund um die Uhr blitzschnell digital und
wahnsinnig agil, was ich tun muss, damit es mir gut geht.
Was will man noch mehr? Vielleicht einen Ratgeber, wie
man mit Ratgebern umgeht! Auf welchen soll man hören?
Möglicherweise lösen wir mit KI (= Künstliche Intelligenz)
auch dieses Problem …
Der Mensch, der uns heute die Losung schenkt, hatte noch
keinen PC (= Personal Computer), aber dennoch Anschluss
an ein Netz. Er spricht sogar mit seinem PG (= Personal
God)! Offensichtlich sind er und PG online! Manchmal ist
die Verbindung instabil. Dann klagt er. Aber in diesem
Moment gibt er seinem PG ein Smiley. «Ich habe Freude an
deinen Zeugnissen.» Was meint er wohl damit?
Ich denke, er spricht von Mitteilungen des PG, die für ihn
mehr sind als Ratschläge, um sein privates Leben in Ordnung
zu bringen – es sind Anweisungen eines Gegenübers, das
sich für das blühende Zusammenleben aller Menschen ausspricht.
Mein kostenloser Rat für Sie heute: Verlassen Sie sich
auf die GI (= Göttliche Intelligenz), die unserem Psalmisten
so viel Freude macht.

Von: Ralph Kunz

22. Juli

Jesus betet für seine Jünger: Ich bitte für sie.
Nicht für die Welt bitte ich, sondern für die, die du
mir gegeben hast, denn sie sind dein.
Johannes 17,9

«Frage nicht, was dein Land für dich tun kann – frage, was du
für dein Land tun kannst.» So lautet einer der berühmtesten
Sätze John F. Kennedys. Es ist ein beliebtes Zitat in politischen
Reden. Schliesslich tönt es gut – und bekommt doch
einen falschen Klang, wenn das Land ein Unrechtsstaat ist.
Was heisst es, eine Jüngerin oder ein Jünger Jesu zu sein? Es
ist etwas anderes als einem Land dienen und geht doch um
einen Dienst. Es bedeutet, ihm nachzufolgen, das zu tun, was
er sagt, nicht für eine Territorialmacht, die ihre Interessen
verteidigt, sondern für ein Regiment, das gerecht ist!
Tönt gut und klingt richtig. In der Rede Jesu bekommt
Nachfolge aber noch einen anderen Klang. Er fragt nicht, was
seine Freunde für ihn tun können – er tut etwas für sie. Jesus
betet für sie. Ständig, ohne Unterlass ist er in der Fürbitte
für alle, die mit ihm und nach ihm in die Reichgottesarbeit
involviert sind. Also beten auch wir mit ihm und nach ihm
in seinem Namen für die Menschen, die uns anvertraut sind,
Mitmenschen, denen wir begegnen, Montagsmenschen, die
uns heute über den Weg laufen. Wer ist es? Finden wir es
heraus. Fragen wir nicht, was sie für uns tun können – fragen
wir, was wir für sie tun können. Wenn es alle so halten, wird
das Land blühen.

Von: Ralph Kunz

21. Juli

Siehe auf den Bergen die Füsse eines guten Boten,
der da Frieden verkündigt!
Nahum 2,1

Die Fremdherrschaft wird abgeschüttelt, Befreiung wird
angekündigt. Und im selben Vers ist wieder von Aufrüstung
die Rede. Und doch ist hier der Bote. Zwar ist er auf den
Bergen, sein Weg ist verborgen. Aber er ist da. Es kommt
mir vor, als komme er, oder auch sie, auf leisen Sohlen über
die Berge zu den Menschen. Wie gross ist meine Sehnsucht
nach einem Boten, jemandem, der oder die Frieden ankündigt
heute und für die ganze Welt! Soll ich resignieren? Soll
ich mich einfach zurückziehen, fatalistisch abwarten? Soll ich
meine Sehnsucht mit anderen Sehnsüchtigen teilen? Jede
und jeder muss den eigenen Weg suchen und finden. Aber
eines wird mir beim Lesen des heutigen Textes klar: Die
Boten sind da, irgendwo, vielleicht auf den Bergen, vielleicht
bereits unter den Menschen. Und diese Boten sind für mich
Gesandte, Gesandte vom Gott des Lebens. Ich will nicht
stecken bleiben in der Sehnsucht, will nicht resignieren, will
mich nicht zurückziehen. Ich will Vertrauen haben in Gott,
die Lebendige, und will daran festhalten, dass Friede und
Gerechtigkeit möglich sind. Und ich will mein Herz öffnen
für den Boten oder die Botin, will Ausschau halten nach
Frieden, will, wie die Menschen damals, dass die
Fremdherrschaft vorbeigeht.
Gott des Lebens, schenke du der Welt Boten des Friedens.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

20. Juli

Du musst innewerden und erfahren, was es für Jammer und
Herzeleid bringt, den HERRN, deinen Gott, zu verlassen und
mich nicht zu fürchten. Jeremia 2,19

Die Zürcher Bibel übersetzt: «Böse und bitter ist es, dass
du den HERRN, deinen Gott, verlassen hast.» Es schmeckt
bitter. Das wollen wir doch nicht. Diese Worte sind an das
Volk Israel gerichtet. Das war damals. Und heute? Und wie
ist es mit mir und dem Erfahren, dass wir gottverlassen sind?
Es geht nicht an ,zu urteilen oder zu bewerten. Also schreibe
ich einfach von mir. Kann ich in all dem Leid auf unserem
Planeten mit Gott, der Lebendigen, rechnen? Auch mein
Vertrauen ist oft erschüttert. Das schmeckt bitter. Und das
soll ich erfahren? Eigentlich lieber nicht.
Und doch führt kein Weg daran vorbei. Nur: Wie kann
ich die Bitterkeit hinter mich bringen? Dafür gibt es keine
Rezepte. Aber die Lebendige lässt mich nicht fallen. Sie ist
da und sie hilft, das Vertrauen wieder aufzubauen. Das ist
für mich ein Geheimnis des Glaubens: die Gegenwart Gottes
auch in der Bitterkeit, der Verzweiflung, im Schreien.
Ich glaube nicht, dass die Zeit die Wunden der momentanen
Krisen heilt. Aber ich glaube, dass den Menschen Kraft
geschenkt wird, um den Weg des Lebens, der Gerechtigkeit
und des Friedens weiterzugehen.
Dazu schenke du uns Vertrauen, Glauben, Nähe

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

19. Juli

Siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen,
dass man der vorigen nicht mehr gedenken wird.
Jesaja 65,17

Gibt es Neues ohne Altes?
Als kleines, anstrengend-altkluges Kind habe ich meinen Eltern verkündet,
möglichst oft umziehen zu wollen. Natürlich habe ich mir dazu einen grossen Möbelwagen vorgestellt, in dem alles, was mir lieb und wichtig war, Platz
habenwürde. Auch verlangte ich, den Sonntagnachmittagsspaziergang durch Strassen zu unternehmen, in denen ich noch nie gewesen war. Das war in
meiner kleinen Heimatstadt dann bald einmal zu viel verlangt. Ich war nicht
nur gespannt auf alles Neue, sondern richtig neu-gierig.
Niemals wäre mir dabei aber in den Sinn gekommen, mich von meinen Erinnerungsschätzen zu trennen. Ich hatte Lieblingsbücher, alle abgerissenen Eintrittskarten wurden sorgfältig in ein Heft geklebt, stinkende Muscheln vom Ostseeurlaub durften keinesfalls weggeworfen werden, sondern wurden in
einem eigenen Museum ausgestellt. Dafür musste zeitweilig die Modelleisenbahn meines Bruders weichen. Umgezogen bin ich dann tatsächlich sehr, sehr oft
und anfänglich mitsehrwenigGepäck.Neues gab eszuhauf, nicht nur unbekannte Gegenden, sondern ein neues Gesellschaftssystem obendrein.
In Gottes ganz neue Welt reise ich dereinst ohne jeglichen Ballast. Aber auch ohne einen Gedanken an das Gewesene? So neu ist sogar mir noch zu neu.

Von: Dörte Gebhard

18. Juli

Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch. 1. Petrus 5,7

Wir haben nicht nur Sorgen – wir machen uns noch extra
Sorgen! Sie sind berechtigt, gross, manchmal sehr bedrohlicher
Art. Sorgen können uns plagen, quälen, in Angst versetzen, grösser
werden und sich auf tausend Weisen äussern: auf den Magen
schlagen, den Schlaf rauben und die Hoffnung vertreiben. Sorgen
werden uns auch von anderen bereitet.
Natürlich können wir Sorgen vorübergehend verdrängen,
beiseiteschieben, aus dem Bewusstsein verbannen. Aber
meist nehmen wir sie uns zu Herzen, grübeln wir, brüten
wir, bissich dieGedanken imKreise drehen,malen uns dieses
oder jenes Katastrophenszenario aus, zerbrechen uns den
Kopf oder zermartern uns sogar das Hirn.
Weniger geläufig, aber empfehlenswerter ist das Sorgenwerfen.
Man entfernt Sorgen damit nachhaltiger; vielleicht gehen sie
sogar zu Bruch und können nicht länger schaden.
Man bringt beim Werfen mehr Distanzzwischen die Sorgen
und sich selbst, als wenn man nur versucht, sie kurz zu vergessen.
Ausserdem geht es nicht nur um den Weitwurf, sondern um den
Zielweitwurf. Präzis bei Gott sollen die Sorgen
landen, nicht anderen im Weg. Vor allem aber geht es um
grossen Schwung, vielleicht vor lauter Wut, nicht nur um
das allseits gelobte, aber doch ohnmächtige «Loslassen» –
da fielen die Sorgen einem bloss selbst auf die Füsse. Aber
woher die Kraft für so einen grossen Wurf nehmen, wenn
nicht stehlen? Diese Kraft schenkt Gott; er sorgt sich um uns.

Von: Dörte Gebhard

17. Juli

Das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schliessen will
nach dieser Zeit, spricht der HERR:
Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben,
und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein.

Jeremia 31,33

Ja, der Bund mit Israel. Israel ist das erwählte Volk, zuerst gilt
der Bund Israel und dann allen anderen. Was aber nicht meinen
darf, dass Israel nun alles machen darf, was es will, weil es
ja das auserwählte Volk Gottes ist. Ich möchte vielmehr auf
das Herz eingehen, in welches das Gesetz von Gott
geschrieben werden soll. Ein wunderbares Bild, so finde ich!
Gottschreibt sein Gesetz in die Herzen und nicht in die Köpfe
seines Volkes. Gott möchte also ganz nahe bei seinem Volk
sein und seine Liebe zu ihm direkt in ihre Herzen schreiben
oder fliessen lassen. Wer kann da widerstehen? Und dann
will Gott einfach Gott sein. Gott geht ganz nahe ran, legt
sich so richtig ins Zeug, um bei seinem Volk zu sein. Gott
will eine gute, bindende, verbindliche Beziehung auf
Augenhöhe mit seinem Volk, von Herz zu Herz. Auch hier:
Wer von Ihnen möchte das nicht? Mit der Partnerin,
dem Partner, der Familie, der Gruppe, dem Clan,
der Kirchgemeinde…einfach im Herzen spüren, dass es
der andere oder die anderen einfach nur gut mit einem
meinen? Ein wunderschönes Gefühl.
Wenn die Herzen im Einklang schlagen, ist dann der Bund
nochwichtig? Oderist der Bund nur ein Puzzlestück auf dem
Weg zum Herzen und zu Gott?

Von: Markus Bürki

16. Juli

Jesus sprach zu den Jüngern: O ihr Toren, zu trägen Herzens,
all dem zu glauben, was die Propheten geredet haben! Musste
nicht der Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen?
Lukas 24,25–26

Der Auferstandene geht mit zwei Jüngern zusammen nach
Emmaus, er gesellt sich an ihre Seite und hört quasi zu, wie
sie über diesen Jesus reden. Aber sie erkennen Jesus nicht,
nicht einmal, als er den beiden nochmals alles aufzeigt,
angefangen bei Mose… Sie erkennen ihn nicht! Erst als er
dann spätabends mit ihnen zusammen das Brot bricht,
erkennen sie ihn.
Würden wir heute Jesus erkennen? Wenn da plötzlich einer
steht und spricht und handelt wie Jesus… Würden Sie ihn
erkennen? Ist er schon da und wir erkennen ihn nicht? Wer
könnte es sein? Nein, Trump ist es nicht, auch wenn viele in
Amerika das behaupten und daran glauben.
Wie wird es dann sein, wenn Jesus, wie er selber gesprochen
hat, wiederkommt? Werden wir ihn erkennen oder ihn erneut
verurteilen und an ein Kreuz schlagen lassen? Mir wird ganz
anders beim Gedanken, dass Jesus dereinst wiederkommt und
wir ihn nicht erkennen.
Oder kommt er gar nicht zurück? Immerhin warten wir
seit über zweitausend Jahren – lohnt sich dieses Warten
überhaupt? Vor einigen Tagen istmein Stiefvater verstorben.
Derletzte Besuch bei ihm war hart, dieses Abschiednehmen
fürimmer, kein Zurück, kein «noch einmal». Odersehenwir
uns dereinst wieder? Ich kann es nicht wissen, sorry.

Von: Markus Bürki

15. Juli

Als Jesus aus dem Boot stieg, sah er die vielen Menschen, und sie taten ihm leid,
denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben.
Markus 6,34

Für Menschen in der Umwelt der Bibel muss das Bild einer
Schafherde ohne Hirten ein Graus gewesen sein. Die Schafherde
war die Lebensversicherung und ohne Hirten war sie gefährdet.
Schafe könnten verlorengehen, sich verletzen, gerissen, gestohlen
oder geschlachtet werden. Welches Bild der Gegenwart kommt dem
damaligen nahe? Jesus steigt aus dem Boot und trifft auf viele
Menschen, und sie tun ihm leid, denn sie sind wie solche, denen
ihre elektronischen Geräte abhanden gekommen sind.
Das ist toll aktualisiert, Chatrina! Und eine fatale Zwickmühle.
Wir glauben ja gerade, dass uns die elektronischen Geräte bei
der Orientierung helfen. Wenn ich durch fremde Gegenden gehe
und mich mit der Route führen lasse, vereinfacht das viel.
Das stimmt. Aber auf der anderen Seite macht mich das
Überangebot an Information auch gerade orientierungslos. Ich
verliere mich im Internet.
Und ständig lese ich Sätze wie: «Mach dies, dann …» Andere
Menschen bieten sich mir als Hirten an. Wollen vorderhand nur
mein Bestes. Aber eigentlich geht es nur um meine Klicks und ihre
Reichweite. Ein Geschäftsmodell.
Und die Frage für mich: Welchem Hirten trotte ich hinterher?

Von: Chatrina Gaudenz / Lars Syring