Autor: Markus Bürki

17. November

Der Herr des Friedens gebe euch Frieden  allezeit und auf alle Weise.                                 2. Thessalonicher 3,16

Es fällt mir nicht leicht, über Frieden zu schreiben. Frieden allezeit für alle! Schön zu lesen, aber kann ich noch daran glauben? Der Gott der Bibel ist nun auch nicht gerade immer friedlich unterwegs. So erteilt er doch an mehr als hundert Stellen ausdrücklich den Befehl, Menschen zu töten. (Siehe Seite 299 im Buch: «Das Tagebuch der Menschheit» von Carel van Schaik und Kai Michel)

Alles alter Käse von gestern? Gott hat sich ja durch Jesus mit der Menschheit versöhnt und durch den neuen Bund des Blutes Christi gilt das erste Testament nicht mehr? Ich weiss, ich wage mich als Nicht-Theologe in heikle Fahrwasser und doch, es lohnt sich, das einmal genauer anzuschauen. Ist Gott auch fehlerhaft wie wir Menschen? Oder warum lässt er sich so oft erzürnen und antwortet mit Tod und Verderben? Kann Gott es auch nicht besser als wir Menschen? Finden Sie solche Gedanken eine Zumutung? Ihre Reaktionen helfen mir beim Weiterdenken!

So sehr ich mir für diese Welt auch Frieden wünsche. Ich hadere mit Gott, klage an und verzweifle immer mal wieder. Warum? Warum nur? Wozu und wie lange noch?

Eine mögliche Antwort kann sein, dass wir die Nachfolgerinnen sind und das Friedenswerk Christi zu Ende bringen können.   

Amen!

Von Markus Bürki

16. November

Gib acht, dass das Licht in dir nicht Finsternis  ist. Lukas 11,35

Ohne Licht kein Leben. Ohne Leben keine Liebe.

Jesus ist für die Christenmenschen der Überbringer des Lichtes für unsere Welt. Im Johannesevangelium sagt er das sogar selber in der Reihe der «ich-bin-Worte».

«Ich bin das Licht der Welt.» Das muss damals als ziemli-he Provokation dahergekommen sein, war doch Jesus nicht der einzige Wanderprediger in der damaligen Zeit – erzählt wurde also wohl ziemlich viel. Trotzdem haben seine Worte bis heute Bestand und werden weiter überliefert, erzählt und geglaubt. Ist er wirklich der geglaubte Christus? Vieles spricht dafür und doch kann ich es nicht beweisen.

Im Hebräischen steht «das Licht schauen» auch als Synonym für «leben». Licht schauen bedeutet leben. Was bedeutet dann Christus schauen? Das volle Leben!

Als Christenmenschen sind wir «Kinder des Lichtes» und legen uns die «Waffen des Lichtes» an, so Paulus.

Wir besitzen also die volle Macht, Licht zu verbreiten und so die Welt aus ihrem Dornröschenschlaf zu wecken.

Wenn wir nun noch davon ausgehen, dass jeder Mensch ein Abbild der Herrlichkeit Gottes ist und so das Licht in sich trägt … Ja dann sollten wir wahrlich achtgeben, dass dieses Licht in uns nicht erlischt oder finster wird. Das wäre eine Schande, wie mein Opa zu sagen pflegte.

Amen!

Von Markus Bürki

17. September

Gerechtigkeit und Rechte sind deines Thrones Stütze, Gnade und Treue treten vor dein Angesicht. Psalm 89,15

Der Psalm 89 ist eine Achterbahnfahrt der Emotionen. Zuerst wird gelobt, dann getadelt und dann wieder gehofft und gepriesen. Geht es Ihnen nicht auch so mit der Liebe Gottes? Eben noch geglaubt, etwas gefunden und gespürt zu haben, dann schon wieder verloren und vergessen?
Zweifeln gehört bekanntlich zum Glauben dazu. Psalm 89 sowie viele andere Psalmen tragen uns dieses Suchen und Zweifeln immer wieder in unsere Herzen. Wo bist du, HERR? Warum spüre ich dich nicht, jetzt, wo ich dich doch so sehr brauche? Vielleicht weil wir Kopfmenschen sind und ständig denken, anstatt einmal zu fühlen? Vielleicht weil wir in unserer Gesellschaft gelernt haben, produktiv und effizient zu sein, und dabei vergessen, einfach bewusst ein- und auszuatmen, um so die heilige ruach zu spüren und erleben zu dürfen?
Ständig tausend Gedanken an dies und das – dafür keinen Gedanken für Gott? Manchmal schon, oder?

Bleiben wir Gott treu, damit er uns gnädig ist? Horchen wir auf den leisen Wind Gottes im Alltag? Sind wir gerecht und gut in allem, was wir tun?
Brennt unser Herz für die Liebe Gottes weiter, auch wenn die Flamme zwischenzeitlich zu verlöschen droht?
Amen!

Von Markus Bürki

16. September

So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen, erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist. Epheser 2,19–20

Die Mauer ist weg, das Haus Gottes ist offen für alle. Beschnittene und Unbeschnittene sind nun Geschwister in Jesus Christus. Alle Völker bekommen Zugang zum Heil, da wir zu dem einen Leib von Christus gehören. Er ist herabgestiegen zu uns, damit wir alle hinaufsteigen können und als neue Menschen in Gottes Familie leben dürfen.
Alle für immer!
Paulus ist beim Verfassen des Epheserbriefes bereits im Gefängnis. Er dient Jesus und der Guten Nachricht, das sehen die Römer (noch!) nicht gerne. Es lohnt sich, den Brief an die Epheser zu lesen. Auf wenigen Seiten wird ausgebreitet, was es nun braucht, um als Christ, als Christin in die Welt zu gehen und das neue Leben weiterzutragen. Es ist die Rede von einem Leben im Licht, von Wahrheit und Gerechtigkeit und Frieden auf Erden für alle Menschen. Wir sollen wach sein und für alle beten. Unser ganzes Leben soll von der Liebe bestimmt sein. So, wie Christus uns geliebt hat, so sollen wir auch lieben. Unsere Partner und Partnerinnen, unsere Kinder, unsere Eltern, unsere Grosseltern, unsere Nachbarinnen, unsere Arbeitgeber, unsere Mitmenschen, unseren Gott, der die Liebe ist und der sich in Liebe für uns hingegeben hat. Amen!

Von Markus Bürki

17. Juli

HERR, behüte meinen Mund und bewahre meine Lippen!                                                                 Psalm 141,3

Gestern habe ich Ihnen von einer «neuen Denksphäre» berichtet. Die Welt und wir Menschen brauchen eine gänzlich neue Art des Denkens und Handelns. Weg mit Macht und Gier, her mit Liebe, Aufrichtigkeit und Glauben.

Vielleicht sogar weg mit Religion im altbekannten Sinne? Beim Konzept «Gott 9.0» von Marion und Werner Küstenmacher geht es um das Durchlaufen von neun Stufen. Die Stufen haben je eigene Farben und verdeutlichen die letzten 100 000 Jahre der Menschheit. Es geht um Gottesbilder, Krisen und Chancen auf dem Weg in die Zukunft – ich präzisiere gerne: auf dem Weg zurück ins Paradies. Eine multireligiöse und multispirituelle Geistkraft, welche alles Bisherige vereint? Kann das ein Weg sein?

Der Psalm 141 trägt die Überschrift «Bitte um Bewahrung». Wir brauchen in der Tat eine Bewahrung unserer Existenz! Wenn der HERR meinen Mund behütet und ich meine Lippen, so haben wir im Zusammenspiel bereits viel Frieden gestiftet. Der Mund ist oft Ausgangspunkt von Unheil; bleibt er einmal mehr zu, können die Lippen einmal mehr schweigen.

HERR, behüte und bewahre uns samt unseren Mündern und Lippen.

Lesen Sie die Bibel doch einmal mit der «multispirituellen Lesebrille», es lohnt sich! Amen!

Von Markus Bürki

16. Juli

HERR, wenn ich mitten in der Angst wandle, so erquickest du mich.                                            Psalm 138,7

Sommerferien. Baden. Sonne. Bier. Gemütlich. Oder noch immer Bomben, Leid, Beklemmung, Tod und Flucht?

Jetzt, wie ich diese Zeilen schreibe, rechne ich persönlich mit dem Schlimmsten. Der Angriffskrieg auf die Ukraine hat die Welt in Kürze drastisch auf den Kopf gestellt. Und es ist noch lange nicht vorbei. Gerade heute habe ich mit einem Mitbewohner unserer Genossenschaft ein tiefgreifendes Gespräch geführt über den Krieg in der Ukraine und die Welt in ihrem aktuellen Zustand. Er meinte, dass die Welt und ihre Menschen eine neue Art der «Denksphäre» brauchen. Weiter mit Macht und Geld bringt uns nicht weiter.

Diese Zeile dient zum Nachdenken und  Innehalten!

Ich frage mich: Wie erquickt unser HERR die Witwe in der Ukraine? Was tröstet die Mutter, welche ihren Sohn im Krieg verloren hat? Wer packt beim Wiederaufbau an? Wo ist der HERR, wenn die Mine explodiert und dem Bauern das Bein abtrennt?

Mein Gott! Warum hast du uns verlassen? Wo bist du? Genau in dieser krassen Schwachheit ist der HERR, weil er das am Kreuz auch erlebt hat. Ja, ich weiss das und kenne die Worte und die Theologie dazu. Aber ich zweifle gerade wieder einmal stark und wandle in der Angst. Und ich hoffe und bete. Amen!

Von Markus Bürki

17. Mai

Christus ist gekommen und hat im Evangelium Frieden verkündigt euch, die ihr fern wart, und Frieden denen, die nahe waren.                Epheser 2,17

Christus bringt allen Frieden, heisst das für mich. Ich frage mich immer wieder, was eigentlich mit den Ungetauften ist. Sind die nah oder fern? Theologisch habe ich das für mich noch nicht ausgebreitet. In meinem Herzen aber schon oft bewegt. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Gott nur die Getauften zu sich lässt. Christus verkündet Frieden den Nahen und den Fernen. Punkt.

Christus Jesus wollte keine Kirche gründen, er wollte auch keine neue Religion auftischen, nein, er wollte das Judentum reformieren! Aller Kreatur wollte er Frieden und mehr Einfachheit bringen. In seinen drei Jahren Wirkungszeit war es unmöglich, an alle zu gelangen. Wohl auch darum hat er seine Worte so bildhaft und weise gewählt, damit wir auch heute noch davon reden und seine Arbeit weiterführen.

Und wann ist die Arbeit von Christus Jesus abgeschlossen? Wenn es keine Kriege mehr gibt, wenn jeder genug und niemand zu viel hat, wenn Herkunft und Sozialisierung keine Rolle mehr spielen, wenn die Menschen als Gemeinschaft der Zukunft entgegengehen und wenn wir wieder nahe bei der Unendlichen sind und mit ihr im Austausch. Weil Leben und Sterben mehr ist als ein Anfang und ein Ende. Leben und Sterben soll in Frieden geschehen und im Frieden bleiben.

Christus bringt mit dem Evangelium diesen Frieden. Amen!

Von Markus Bürki

16. Mai

Als die drei Freunde Hiobs all das Unglück hörten, das über ihn gekommen war, kamen sie und sassen mit ihm auf der Erde sieben Tage und sieben Nächte und red ten nichts mit ihm; denn sie sahen, dass der Schmerz sehr gross war.  Hiob 2,11.13

Die Freunde Hiobs sind einfach da. Mit ihm und seinem Schmerz. Sieben Tage und sieben Nächte und sie sagen nichts, nein, sie sind bei ihm. Sie texten ihn nicht zu mit Ratschlägen, sondern versuchen erst einmal, Leid zu lindern, indem sie präsent sind. Meine Kinder nehme ich oft einfach in den Arm und warte, bis sie sich beruhigt haben. Erst dann kann ich auf das Geschehene reagieren und etwas ansprechen. Meistens dauert das nicht sieben Tage und Nächte, kann sich aber als fast so lange anfühlen.

Sehen und erkennen, wenn der Schmerz gross ist, und dann angemessen handeln, das ist nicht immer einfach. Sich in andere einfühlen, quasi mit ihren Augen das Erlebte noch einmal durchleben, das braucht viel Übung und Empathie. Einen Menschen, der einfach da ist und dabeisitzt, das wünschen wir uns doch alle. Für mich ist Jesus so einer. Auch wenn ich gerade total am Absinken und beinahe am Ertrinken bin, Jesus ist da, sitzt neben mir und harrt mit mir aus. Und wer ist die zweite Person die da sitzt? Gott? Oder der Heilige Geist? Oder der Lieblingsmensch? Unglück bricht immer wieder über uns herein. Zu wissen, dass jemand dabeisitzt, ist schön und trägt mich jeweils weiter. Amen!

Von Markus Bürki

17. März

Jesus spricht: Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.
Matthäus 11,29

Es ist in der heutigen Zeit total in Ordnung, wenn ein Mensch sich für die keltischen Bräuche interessiert, die Winter- oder Sommerwende feiert, in die Kinesiologie geht, bei einer Meditation in die Versenkung findet, in der Natur einen magischen Moment erlebt, die Liebe spürt, ein Amulett als Trost oder Schutz bei sich trägt und immer wieder von irgendetwas einfach berührt ist. Alles geht, so wie auch in sexuellen Konstellationen heute (zum Glück) vieles in Ordnung ist und seit kurzem sogar die Ehe für alle möglich ist. Von Haar- oder Nagelfarben und Gesichtstattoos brauchen wir auch kaum noch zu sprechen.

Aber wehe, einer sagt von sich, er sei Christ und folge Jesus nach oder sie glaube an den Heiligen Geist und an Gott, der die Liebe ist.Oder dass die Bibel das spannendste Buch der Welt ist und das Nachdenken und -forschen über und mit Gott und Jesus eine tiefe Befriedigung und eine tägliche Erfüllung bringt?
Das gilt oft als rückständig und überholt, denn wir sind ja aufgeklärt und säkularisiert, und wenn schon, dann Buddhismus und nicht Christen-dumm. Kennen Sie das?
Ich kenne das, und es macht mich traurig und wütend. Jesus hat vieles, was wir von ihm lernen können, und seine Ruhe ist einzigartig für unsere Seelen. Seien Sie mutig. Amen!

Von Markus Bürki

16. März

Der Gott des Friedens schaffe in uns, was ihm gefällt, durch Jesus Christus, welchem sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit!                                           
Hebräer 13,20.21

Wenn es wieder einmal schnell gehen muss, weil sich die knappen Zeitfenster des Alltags immer tiefer zu verstecken drohen, dann kann die biblische Ewigkeit helfen. Von Ewigkeit zu Ewigkeit und noch viel länger soll Christus geehrt werden. In der Metalchurch, welche ich regelmässig besuche, endet der Pfarrer jeweils auch mit Worten, die von dieser Ewigkeit handeln.

Können wir uns einfach ganz Gott anvertrauen, der Friede und Liebe ist, und uns einfach seinem Licht und seinem Lebensfluss überlassen? Ja, wir könnten … Es fühlt sich für mich aber immer wieder schwierig an. Zu stark und zu tief sind die eingeübten sozialen und gesellschaftlichen Normen. Zu hoch der Preis, den ich womöglich zu zahlen habe, wenn ich mich einfach Gottes Ruach hingebe.

Und dann würde mich dieser Friedensfürst zu einem formen, den ich noch gar nicht kenne oder der mir sogar Angst macht? Gott  schafft durch Jesus Christus das  in uns, was ihm gefällt. Geben wir uns dem ganz hin, geht es schneller, warten wir ab, dauert es eben länger. Ist Widerstand also zwecklos? Ich weiss es nicht, spüre aber, dass sich durch meine eigene Geschichte sehr schön zeigt, dass Gott unendlich viel Zeit hat. Bei mir hat er eben eine Pause von zehn Jahren eingelegt, und jetzt ist er wieder am mich Bearbeiten. Oder war ich einfach weg?
Amen!

Von Markus Bürki