Gott spricht: Ich will nicht immerdar hadern und nicht ewiglich zürnen. Jesaja 57,16
Letztendlich bleibt die Gnade. Die Rückkehr des Volkes Israel aus dem babylonischen Exil, die im Buch Tritojesaja (Kapitel 56–66) thematisiert wird, verläuft nüchtern.
Keine überschwänglichen Heilszusagen mehr. Aber die Gewissheit: Es gibt ein Morgen.
Der Gott Israels stellt klar, zu wem er steht: zu denen
«zerschlagenen und demütigen Geistes» (Vers 15). Ihnen vor allem gilt die Zusage.
Gott erinnert sich an seine eigene Schöpfung (Vers 16b).
Er will den Menschen nicht zerstören, den er geschaffen hat.
«Ihre Wege habe ich gesehen, aber ich will sie heilen und sie leiten und ihnen wieder Trost geben.» (Vers 18)
Er schaut auch weiter genau hin (vgl. Jesaja 58), aber er ist bereit zur Heilung, zum Weg bereitenden, Frieden stiftenden Schalom.
Ein wenig will es mir scheinen, als oszilliere der Text zwischen den Polen, die Ingeborg Bachmann so benannte:
«Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar»* und
«dass noch tausend und ein Morgen wird von der alten Schönheit jungen Gnaden».**
* Dankesrede Hörspielpreis der Kriegsblinden, 1959
** Gedicht «Freies Geleit», 1957
Von: Johanna Zeuner