Mich sollst du fürchten und dich zurechtweisen lassen.
Zefanja 3,7
«Fürchte dich nicht!» Der Satz steht mehrfach in der Bibel
und wird auch gerne zitiert. Es ist das Engelswort, das uns
nicht die Angst nehmen kann, aber uns bewegen und verhindern
will, dass wir in unserer Furcht erstarren. Wie die
Hirtinnen und Hirten auf dem Feld sollen wir unsere Skepsis
überwinden und uns aufmachen, um das Wunder, das mitten
in der Welt aufbrechende Himmelreich, das Licht, das
im Dunkeln leuchtet, zu suchen.
Der Prophet spricht ganz anders. Er spricht in eine Welt hinein,
in der die Mächtigen keine Scham kennen, und entwirft
ein Bedrohungsszenario. Gott werde als Zeuge der Anklage
auftreten und «die Fülle seines glühenden Zorns» über der
Welt ausgiessen, von seiner Eifersucht wird «die ganze Welt
gefressen» (Zefanja 3,8).
Dass Städte verheert und Strassen in Trümmer gelegt werden,
wie es der Prophet beschreibt, ist Realität. Auch dass
Regime ihre Macht selbst legitimieren, ohne Scham und
Ehrfurcht vor dem Leben ihre Ordnung zementieren, ist
bittere Wirklichkeit. Dagegen lehnt sich der Prophet auf.
Und so schwingt in seinem Aufruf zur Furcht das «Fürchte
dich nicht!» mit, das der Bibel als roter Faden eingewoben
ist: Gott stützt nicht die Ordnung, die unterdrückt. Seine
Botschaft des Lebens lehrt die Unterdrücker das Fürchten.
Von: Felix Reich