Schlagwort: Sigrun Welke-Holtmann

28. Januar

Passt euch nicht den Massstäben dieser Welt an.
Römer 12,2

Manchmal sagt Paulus es so deutlich und präzise, besser
kann man es gar nicht ausdrücken. Und manchmal sind diese
Sätze heute noch genauso aktuell wie damals. «Schwimmt
nicht mit dem Strom.» (BigS)
Einfach aussteigen aus dem Irrglauben, dass alles immer
noch wachsen muss und auch wird. Höher, grösser, mehr.
Immer alles noch singulärer und einzigartiger. Dass jede/r
ein Anrecht auf alles hat und dieses Recht auch gnadenlos
durchsetzt. Rücksichtslos auf Kosten von anderen Menschen,
von Tieren und der Natur sowieso.
Oder wenn man sich einsetzt, dann soll es auf jeden Fall
medial gross herauskommen – dann soll es auch jede/r wissen,
dann wird der Kopf an einen alten Meister geklebt, ohne
Rücksicht auf Verluste. Auch die Aktionen dagegen folgen
dem altbekannten Schema: höher, grösser, mehr.
Die Massstäbe der Welt mit den Massstäben der Welt
bekämpfen? Gewalt mit Gewalt? Vermessenheit mit Vermessenheit?
Dummheit mit Dummheit?
Ich glaube, das hat noch nie funktioniert.
Doch wie kann es dann gehen?
«Schwimmt nicht mit dem Strom, sondern macht euch
von den Strukturen dieser Zeit frei, indem ihr euer Denken
erneuert. Dann wird euch deutlich, was Gott will: das Gute,
das, was Gott Freude macht, das Vollkommene.»

Von: Sigrun Welke-Holtmann

27. Januar

Der Gerechte ist wie ein Baum, gepflanzt an den
Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit,
und seine Blätter verwelken nicht.
Psalm 1,3

Welch ein Auftakt, der erste Psalm, Eröffnung im wahren
Sinne des Wortes. Er eröffnet eine anthropologische Weite:
«Glücklich sind die Frau, der Mann, die nicht nach den
Machenschaften der Mächtigen gehen, nicht auf dem Weg
der Gottlosen stehen.» (Psalm 1,1 nach BigS)
Aber nicht nur, was der Glückliche nicht macht, wird
beschrieben, sondern auch ganz positiv, wo ihre Lust Erfüllung
findet: an der Weisung Gottes. Und der Beter /die Beterin
hat auch ein Bild für diese Menschen vor Augen. Das Bild
eines Baums, kräftig und grün, im Saft stehend und Frucht
bringend zu seiner Zeit.
Ein starkes Bild: der mit dem Wasserbach verbundene
Baum, der seine Wurzeln alle Zeit an der Quelle hat. Und
wenn man genau hinhört, hört man vielleicht auch das Murmeln
der Weisung Tag und Nacht.
Welch ein Auftakt, und das Lied, das erklingt, ruft Resonanz
in mir hervor und Fragen beginnen zu klingen:
Wo stehe ich?
Was nährt meine Wurzeln?
Was erfüllt mich?
Welche Früchte füllen sich durch mich?
Und –
bin ich glücklich?

Von: Sigrun Welke-Holtmann

28. Januar

Sei nur stille zu Gott, meine Seele;
denn er ist meine Hoffnung.           Psalm 62,6

Warten, einfach nur warten. Ganz still, ohne jeden Aktivismus – können Sie das eigentlich noch? Mir fällt es zunehmend schwer. Einfach auf eine Sache konzentriert sein, darauf warten und nicht alles andere noch in der Zwischenzeit bearbeiten. Schnell noch ein paar Mails beantworten in der Zwischenzeit, weil ich ja so wichtig bin. Schnell noch eine Neuigkeit im Internet lesen in der Zwischenzeit, damit ich informiert bin und meine Meinung zu allem äussern kann. Schnell noch in Kontakt treten, um die Zwischenzeit auch richtig zu nutzen, nicht einfach so verstreichen zu lassen. Und manchmal vergesse ich über dem ganzen Aktionismus, worauf ich eigentlich gewartet habe. Na ja, dann kann es auch nicht so wichtig gewesen sein.

«Sei nur stille zu Gott, meine Seele, denn er ist meine Hoffnung.» Es ist eine Grundsatzerklärung, die der/die Beter*in des Psalms hier formuliert. Hilfe kommt allein von Gott. Da ist nichts dran zu rütteln und auch nichts zu beschleunigen. Das kann man auch nicht herbeireden oder online bestellen. Stille Zuwendung und geduldiges Warten – Harren – ist angesagt, aber ohne Worte. Und das ist kein Vorwand zur Selbstoptimierung durch Achtsamkeit und Meditation – Schweigen, um danach besser reden zu können, sondern es ist eine Lebenseinstellung:

Es ist ein Warten auf Gott. Advent Ende Januar. Ich könnte es mal versuchen.

Von Sigrun Welke-Holtmann

27. Januar

Jesus Christus gestern und heute
und derselbe auch in Ewigkeit.       

Hebräer 13,8

Ewigkeit – was ist heute denn noch auf Ewigkeit hin angelegt? Nichts! Denn alles, was heute ist, ist morgen schon wieder überholt, also von gestern. Morgen gibt es Neues, Besseres, Schnelleres und Grösseres.
Wir sind auf Wachstum angelegt und in Wachstum steckt Veränderung.
Nichts bleibt, wie es war!
Und eigentlich wird alles schneller. Das Wachstum und die Veränderung. Sie reissen mit, ob man will oder nicht. Gestern und Morgen haben manchmal schon keine Verbindung mehr. Das Morgen hat das Gestern längst abgehängt.
Wie eine Bremse kommen da die abschliessenden Mahnungen des Hebräerbriefes daher. «Bleibt fest in der brüderlichen Liebe.» (13,1) Vergesst nicht, gastfrei, züchtig und freigiebig zu sein!
Es gibt einen roten Faden, eine Verbindung unter euch und zwischen euch und Gott. Eine Verbindung auch durch die Zeit hindurch!
Ein Rufen gegen den Wind der Veränderung?
Ein Anschreiben gegen das Abhängen?
Vielleicht.
Vielleicht aber auch die einzige Möglichkeit, zu bleiben – in Zeit und Ewigkeit,
in Verbindung mit Gott und mit sich selbst.

Von Sigrun Welke-Holtmann