Schlagwort: Sigrun Welke-Holtmann

28. Januar

Sei nur stille zu Gott, meine Seele;
denn er ist meine Hoffnung.           Psalm 62,6

Warten, einfach nur warten. Ganz still, ohne jeden Aktivismus – können Sie das eigentlich noch? Mir fällt es zunehmend schwer. Einfach auf eine Sache konzentriert sein, darauf warten und nicht alles andere noch in der Zwischenzeit bearbeiten. Schnell noch ein paar Mails beantworten in der Zwischenzeit, weil ich ja so wichtig bin. Schnell noch eine Neuigkeit im Internet lesen in der Zwischenzeit, damit ich informiert bin und meine Meinung zu allem äussern kann. Schnell noch in Kontakt treten, um die Zwischenzeit auch richtig zu nutzen, nicht einfach so verstreichen zu lassen. Und manchmal vergesse ich über dem ganzen Aktionismus, worauf ich eigentlich gewartet habe. Na ja, dann kann es auch nicht so wichtig gewesen sein.

«Sei nur stille zu Gott, meine Seele, denn er ist meine Hoffnung.» Es ist eine Grundsatzerklärung, die der/die Beter*in des Psalms hier formuliert. Hilfe kommt allein von Gott. Da ist nichts dran zu rütteln und auch nichts zu beschleunigen. Das kann man auch nicht herbeireden oder online bestellen. Stille Zuwendung und geduldiges Warten – Harren – ist angesagt, aber ohne Worte. Und das ist kein Vorwand zur Selbstoptimierung durch Achtsamkeit und Meditation – Schweigen, um danach besser reden zu können, sondern es ist eine Lebenseinstellung:

Es ist ein Warten auf Gott. Advent Ende Januar. Ich könnte es mal versuchen.

Von Sigrun Welke-Holtmann

27. Januar

Jesus Christus gestern und heute
und derselbe auch in Ewigkeit.       

Hebräer 13,8

Ewigkeit – was ist heute denn noch auf Ewigkeit hin angelegt? Nichts! Denn alles, was heute ist, ist morgen schon wieder überholt, also von gestern. Morgen gibt es Neues, Besseres, Schnelleres und Grösseres.
Wir sind auf Wachstum angelegt und in Wachstum steckt Veränderung.
Nichts bleibt, wie es war!
Und eigentlich wird alles schneller. Das Wachstum und die Veränderung. Sie reissen mit, ob man will oder nicht. Gestern und Morgen haben manchmal schon keine Verbindung mehr. Das Morgen hat das Gestern längst abgehängt.
Wie eine Bremse kommen da die abschliessenden Mahnungen des Hebräerbriefes daher. «Bleibt fest in der brüderlichen Liebe.» (13,1) Vergesst nicht, gastfrei, züchtig und freigiebig zu sein!
Es gibt einen roten Faden, eine Verbindung unter euch und zwischen euch und Gott. Eine Verbindung auch durch die Zeit hindurch!
Ein Rufen gegen den Wind der Veränderung?
Ein Anschreiben gegen das Abhängen?
Vielleicht.
Vielleicht aber auch die einzige Möglichkeit, zu bleiben – in Zeit und Ewigkeit,
in Verbindung mit Gott und mit sich selbst.

Von Sigrun Welke-Holtmann