Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich’s meine. Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege. Psalm 139,23–24
Im Religionsunterricht musste ich diesen Psalm lesen, ohne ihn zu verstehen. Die Worte machten mir Angst. Gott erforscht mich und sieht, was ich falsch mache. Heute halte ich mich an die Worte: «und erkenne, wie ich’s meine». Denn in diesen Worten fühle ich mich aufgehoben. Sie legen mir nahe, dass Gott, die Lebendige, bei mir ist und in meinem Herzen einen Raum einnimmt. In diesem Raum gibt es keine Strafe, sondern ein Aufgehobensein. Die Lebendige ist da und zeigt mir, wie mein Weg weitergeht. Ich spüre den Raum nicht immer. Ich weiss nicht immer, wie Gott es meint, wie sie meinen Weg sieht. Aber ich kann loslassen und mich darauf verlassen, dass Gott da ist, einfach so. Der Psalm sagt nichts darüber, wie ich mich verhalten muss. Er ist ein Gebet, ein Gebet, in dem auch die Feinde eine Rolle spielen. Gewiss, ich habe keine Feinde. Aber auch mein Weg ist mit Steinen belegt. Ich muss sie überwinden. Und gerade da ist die Bitte um das Geleit der Lebendigen eine Hilfe, ein Halt, der Vertrauen schenkt. Die Angst ist nicht weg, aber sie ist aufgehoben bei Gott, der Lebendigen, und wird so leichter. Und so kann ich auch darum bitten, dass der Raum der Lebendigen in meinem Herzen wahrnehmbar, spürbar ist.
Danke, Gott, dass du mit uns auf dem Weg bist.
Von: Madeleine Strub-Jaccoud