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13. März

Ihr seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk, ein Volk zum Eigentum, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat aus der Finsternis in sein wunderbares Licht. 1. Petrus 2,9

Angesprochen sind hier zuerst Gemeinden in Kleinasien; Menschen, die Christus nachfolgen, sich haben taufen lassen –
und die deshalb bedrängt und verfolgt werden. Ein riesiger Kontrast zu ihrer Alltagserfahrung! Aber der 1. Petrusbrief ist nichts für Sarkasmen oder Zyniker. Die Verfasser wissen um die Not und das Leiden der Geschwister im Glauben. Und sie tragen mit, stärken und unterstützen die Bedrängten, indem sie sie geistlich-seelisch aufrichten: «Ihr seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk …».
Das heisst nicht einfach: «Kopf hoch! Wird schon …» Die Bedrängten werden als die angeredet, die sie sind: Gottes Kinder, auserwählt, königlich, in Gottes Licht gestellt, zu Christus gehörend. Diese Realität hat eine Kraft, die auch in der Schwachheit mächtig ist (vgl. 2. Korinther 12,9). Sie widersteht dem Bösen, sie befähigt zur Verantwortung und zur Bereitschaft, Rechenschaft abzulegen über die Hoffnung, die unser Leben trägt und ausrichtet (Vers 3,15).
Ich denke an die Kontraste unserer Zeit und versuche, die Anrede auf mich zu beziehen: Gotteskind, auserwählt, königlich, in Gottes Licht gestellt, zu Christus gehörend – fühlt sich gut an! Ich lächle und stehe aufrecht.

Von: Annegret Brauch

12. März

Zur selben Zeit und in jenen Tagen wird man die Missetat Israels suchen, spricht der HERR, aber es wird keine da sein, und die Sünden Judas, aber es wird keine gefunden werden; denn ich will sie vergeben. Jeremia 50,20

Bei Hannah Arendt findet sich in ihrem philosophischen Hauptwerk, «Vita activa oder Vom tätigen Leben», ein erhellendes Kapitel über «Die Unwiderruflichkeit des Getanen und die Macht zu verzeihen». Darin entfaltet sie, was beim Vergeben und Verzeihen genau geschieht: Ausschlaggebend ist vielmehr, dass in der Verzeihung zwar eine Schuld vergeben wird, diese Schuld aber sozusagen nicht im Mittelpunkt der Handlung steht; in ihrem Mittelpunkt steht der Schuldige selbst, um dessentwillen der Verzeihende vergibt.
Nicht das getane Unrecht wird vergeben, sondern denen, die es begangen haben. Was geschehen ist, ist geschehen und kann nicht rückgängig gemacht werden. Aber der Schatten des Vergangenen soll nicht die Zukunft verdunkeln. Es ist ein Akt der Befreiung, der einen Neuanfang ermöglicht.
Für die Deportierten im babylonischen Exil ist das der Hoffnungsanker: Gott hält seinem Volk die Treue; um seiner (des Volkes) selbst willen, vergibt der Ewige. Das Volk wird eine Zukunft haben, weil Gott es will, weil die Ewige sich an ihr Volk bindet. – Und wir dürfen in dieser Hoffnung mitbeten: «Unsere Hilfe steht im Namen Gottes, der Himmel und Erde gemacht hat, der Treue hält ewiglich und nicht preisgibt das Werk seiner Hände.»

Von: Annegret Brauch

11. März

Brüder und Schwestern, bemüht euch umso eifriger, eure Berufung und Erwählung festzumachen. Denn wenn ihr dies tut, werdet ihr niemals straucheln, und so wird euch reichlich gewährt werden der Eingang in das ewige Reich unseres Herrn und Heilands Jesus Christus. 2. Petrus 1,10–11

Vor ein paar Monaten bin ich gestrauchelt und habe seither einen Schmerz im rechten Knie. Er macht sich beim Knien bemerkbar. Der Lehrtext macht einen Vorschlag zur Prophylaxe, der sozusagen beim Knien ansetzt. Christenmenschen sollen hineinknien, damit sie nicht straucheln. «Bemüht euch», sagt der Autor, «eure Berufung und Erwählung festzumachen.» Es ist der Sound der Pastoralbriefe. Glaube wird als eine Lebensform im eigentlichen Sinn des Wortes verstanden. Damit der Glaube das Leben formen kann, muss man ihn leben, und wer in Topform ist, übt sich im Knien, um nicht zu stolpern.
Ich kenne Evangelische, die bei solchen Mahnungen auf dem falschen Fuss erwischt werden. Sie denken, es sei gesetzlich. Aber eigentlich betonen sie nur stärker, was schon Paulus sagt. Er spricht dann und wann vom Rennen und Ringen im Glauben. Am Anfang des 2. Petrusbriefs hört es sich auch so an – wie eine Aufforderung zum Training: «So wendet allen Fleiss daran und erweist in eurem Glauben Tugend und in der Tugend Erkenntnis.»
Ist das gesetzlich? Ich denke: lieber ein wenig Prophylaxe als Physiotherapie in der Reha!

Von: Ralph Kunz

10. März

Ich liege und schlafe ganz mit Frieden; denn allein du, HERR, hilfst mir, dass ich sicher wohne. Psalm 4,9

Als ich klein war, sang meine Mutter am Bett ein Abendlied, das zum Mitsingen einlud. Die Strophe ist in der ersten Person Singular – ziemlich raffiniert! Es lullt das singende Kind ein. «Ich ghööre es Glöggli, es lüütet so hell. Im Bett tuen ich bätte und schlaafe dänn ii, de lieb Gott im Himmel wird au bi mir sii.»
Eigentlich ist es ein Psälmlein, das mich meine Mama lehrte. Gott wird als Immanuel, als Dritter, der «auch bei mir ist», an- und aufgerufen. Das «auch» gefällt mir! Es ist kindgemäss. Schliesslich sitzt die Vorsängerin auf dem Bettrand. Zu ihr kann ich jederzeit gehen, sie kann ich immer rufen. Sie ist jetzt bei mir – warm, weich und stark. Und Gott wird auch bei mir sein in der Nacht. So lässt es sich schlafen.
Der Psalm ist kein Wiegenlied. Der Vorsänger liegt und schläft ruhig, weil er sich darauf verlässt, dass allein Gott ihm hilft. Niemand singt ihn in den Schlaf. Er ist auch kein Kind mehr. Es singt David, der Kämpfer, König und Vorsänger, und er singt allein. Er singt in der ersten Person Singular. Aber wir sind zum Mitsingen eingeladen – wir alle, die wir schlaflose Nächte haben, weil der Friede nicht einkehren will. Wenn uns die Ängste plagen und wir uns fragen, wie sicher wir wohnen. Und dann beten wir vielleicht Davids Psalm, bis uns die Augen zufallen.

Von: Ralph Kunz

9. März

Es freue sich das Herz derer,
die den HERRN suchen!
Psalm 105,3

Ein Psalm des Lobes. Darin werden die Wohltaten aufgezählt, die Gott den Israeliten im Lauf ihrer Geschichte geschenkt hat. Am Anfang steht die Aufforderung, Gott zu suchen. Mit der Erinnerung an die Ereignisse auf dem Weg mit Gott wächst die Freude im Herzen. Die geschichtlichen Ereignisse dienen als Modell für die Gegenwart. Sie gehören zum kollektiven Gedächtnis eines ganzen Volkes und tragen zu dessen Identitätsstiftung bei.
Es ist gut, Gott zu suchen und zu loben. Loben wir aber auch einander. Dazu müssen wir erkennen, was Menschen um uns herum Gutes und Schönes tun. Wir denken vielleicht, das sei alles selbstverständlich und nichts Besonderes. Und doch blühen wir alle auf, wenn uns jemand ein echtes, ernst gemeintes Lob ausspricht.
Loben ist danken für das Schöne und Gute. Wenn ich jemanden lobe, sehe ich, dass dieses Schöne und Gute nicht selbstverständlich ist. Ich sehe, dass sich ein Mensch Mühe gibt. Sei es, dass er bei sich selbst seine natürliche Schönheit zur Geltung bringt, sei es, dass jemand etwas Schönes hergestellt hat oder einem Mitmenschen hilft.
Durch Loben freut sich das Herz des Gelobten und des Lobenden. Wenn wir einander loben, loben wir auch Gott und erinnern uns an seinen Weg mit uns. Der Wunsch, sein Wort im Alltag umzusetzen, nimmt so Gestalt an.

Von: Monika Britt

8. März

Simon Petrus sprach zu Jesus: Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Johannes 6,68

«Wohin sollen wir gehen?» Welch eine simple Frage eigentlich, die aber oft gar nicht so einfach zu beantworten ist. Kennen wir nicht die endlosen Diskussionen, die bei der Ferienplanung aufkommen? Oder wo wir unseren Wochenendeinkauf oder Sonntagsspaziergang machen sollen? Das Angebot an möglichen Destinationen für alltägliche Erledigungen ist so riesig geworden, dass unser Tag manchmal einem Parcours voller Entscheidungen gleicht. Dazu kommen die noch viel gravierenderen Wohin-Fragen, wie jene nach dem passenden neuen Wohnort, wenn das Haus nach dem Auszug der Kinder zu gross geworden ist. Oder wenn uns ein Schicksalsschlag zu einer neuen Orientierung im Leben zwingt. Wie gerne hätten wir dann wie Petrus einen Freund, auf dessen Ratschlag Verlass ist. Das ist wohl auch das, was wir meistens tun: Wir fragen bei folgenschweren Entscheidungen einen Vertrauten, der sich auskennt. Der uns mit seinen Fragen dorthin führt, wohin es uns tatsächlich zieht. Der uns vielleicht auch aufzeigt, dass wir in unseren Entscheidungen nicht nur das Naheliegende betrachten, sondern über uns hinausdenken sollten. Dorthin, wo sich für uns Unbekanntes verbirgt. Dorthin, wo es Mut und Vertrauen braucht. Dorthin, wo wir unsere eigenen Grenzen ausweiten. Auf dass wir heute in unseren Entscheidungen etwas Neues wagen!

Von: Esther Hürlimann

7. März

Wo viel Worte sind, da geht’s ohne Sünde nicht ab; wer aber seine Lippen im Zaum hält, ist klug. Sprüche 10,19

Wir kennen diese biblischen Worte in der etwas kompakteren Version «Reden ist Silber, Schweigen ist Gold», deren Urheberschaft nicht gesichert ist. Ein möglicher Autor ist der heilige Benedikt, der mit seinen Regeln das Zusammenleben der Mönche und Nonnen regelte und Hilfestellungen für das geistliche Leben formulierte. Zwar ist «Lippen im Zaum halten» nicht ganz dasselbe wie «Schweigen». Unabhängig davon stellt sich die Frage: Was soll besser daran sein, wenn wir weniger reden, statt unseren Worten einfach freien Lauf zu lassen? Benedikt dachte an die Stille, die der Gottsuche oder auch dem inneren Frieden im Schweigen mehr freien Raum lässt. Vermutlich aber dachte er auch an das Vermeiden von Konflikten, die mit Worten ausgetragen werden. Wir heutigen Menschen aber sind zum Glück mit der Devise aufgewachsen, dass es oft besser ist, die Dinge aus- oder anzusprechen, als sie in uns hineinzufressen. Trotzdem sehnen wir uns nach Momenten des Schweigens. Unsere vernetzte Welt sorgt dafür, dass wir ungefragt und ständig mit den Meinungen anderer konfrontiert werden. Daher sind wir mehr denn je gefordert, uns die Zeiten des Schweigens wie auch des Redens bewusst einzuteilen. Denn wir brauchen beides: Momente, in denen wir still sind und nach innen horchen, und Momente, in denen wir uns ausdrücken und im Reden mit anderen Menschen verbinden. Schätzen wir uns dann klug, wenn uns heute diese Balance gelingt.

Von: Esther Hürlimann

6. März

Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang
ist mein Name herrlich unter den Völkern, spricht der HERR Zebaoth.
Maleachi 1,11

Herrlich ist dieses Losungswort in den ersten Tagen des Monats März. Ich denke da an einen kühlen und ruhigen Sommermorgen. Die sich langsam ankündigende Hitze des Tages, die Glut des Nachmittags und schliesslich den Sonnenuntergang mit dem Rot des schönen Wetters für den nächsten Tag.
Von morgens bis abends, vom Orient bis zum Okzident, kurz: Immer und überall ist Gott für uns da. Das verspricht er uns. Gott zeigt sich als Adresse und Begleiter durch den Tag und durchs Leben.
Für mich ist das eine tröstende Kraft und ein Ausdruck der Hoffnung. Wenn ich in einen neuen Tag starte, darf ich felsenfest darauf bauen, dass Gott an meiner Seite ist und mit mir durch den Tag gehen wird. Gott ist nie zu schwach für meine Situation. Das heisst nicht, dass ich nie entmutigt oder enttäuscht sein werde. Aber es bedeutet, dass Gott in jeder Lage bei mir ist und mir neue Kraft schenken kann und wird, sofern ich ihm vertraue und auf ihn hoffe.
Deshalb ist es egal, was gestern war, was schiefgelaufen ist, was mich enttäuscht oder erschöpft hat. Spätestens am nächsten Morgen kann ich mit Gottes Kraft neu starten und ihm vertrauen.
Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang.

Von: Carsten Marx

5. März

Der Sünde Sold ist der Tod; die Gabe Gottes aber ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserm Herrn. Römer 6,23

Es ist, wie es ist, oder es geht eben nicht mehr anders. Unlängst hatte ich technische Probleme mit meinem Handy. Ich selbst konnte das Problem nicht lösen. Der Verkäufer im Mobilfunkgeschäft leider auch erst nach ein paar Tagen. Er meinte zu mir: Es ging leider nicht anders; das müssen Sie doch verstehen.
Von unveränderbaren Tatsachen handelt auch der Vers des heutigen Lehrtextes. Die Botschaft lautet: Sünde führt zum Tod, denn Gott toleriert keine Sünde. Ob mir das gefällt oder nicht, spielt dabei keine Rolle.
Zum Glück ist das nicht alles. Zur Wahrheit gehört auch, dass Gott in Jesus Christus mir etwas schenken will. Er bietet mir das ewige Leben an. Ich muss mich dafür nicht anstrengen. Es ist, wie es ist, eine freiwillige Gabe. Wenn das so ist, dann folgt darauf, dass ich mich den Fakten stelle. Ich akzeptiere, dass mein Leben aus Gottes Sicht sündhaft ist. Es gibt aber noch den zweiten Teil im Vers: «Die Gabe Gottes aber ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserem Herrn.»
Geschenke wollen empfangen und ausgepackt werden. Im Fall von Jesus muss ich hinterfragen: Bin ich bereit, Gottes Geschenk anzunehmen? Lasse ich mich darauf ein, dass er mein Sündenproblem bereits gelöst hat? Vielleicht finde ich heute schon erste Antworten.

Von: Carsten Marx

4. März

Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion!
Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen,
spricht der HERR.
Sacharja 2,14

Die Losung trifft mich am Anfang des neuen Jahres in aller Freude über das Neue, mit all den Ungewissheiten und mit der tiefen Sehnsucht nach Frieden auf der ganzen Welt. Der Seher Sacharja spricht von der Sicherheit, die es in Jerusalem für Mensch und Tier geben wird. Denn Gott, die Lebendige, wird dort wohnen. Heute denke ich, dass sie bei allen Menschen wohnt, auch dort, wo sie nicht erkannt wird. So wird meine verhaltene Freude zu einer Kraft. Ich kann Vertrauen schöpfen und gleichzeitig die Hoffnung auf Veränderung zum Besseren spüren. Diese Hoffnung trägt und lädt gleichzeitig dazu ein, sich selber einzusetzen für diese Veränderungen. Zwar sind wir alle auch mit Ohnmachtsgefühlen konfrontiert, heute so wie damals, als der Seher seine Worte sprach. Das gehört offenbar zum Leben. Der Gott des Lebens wird auch in der Ohnmacht bei den Menschen sein. Und die Lebendige wird, so hoffe ich, gerade heute und morgen diese Ohnmacht wahrnehmen und die Menschen und die ganze Schöpfung teilhaben lassen an ihrem Kommen, um immer wieder neu bei den Menschen zu sein mit ihrer Liebe.
Danke, Gott, dass du Freude schenkst, Kraft und Mut. Bleibe bei uns.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud