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22. Juli 2017

Wir wurden alle wie die Unreinen, und alle unsre Gerechtigkeit ist wie ein beflecktes Kleid. Jesaja 64,5

«Rein» und «unrein» waren zur Zeit Jesajas eigentlich kultisch definiert. Aber als der Prophet diese Worte sagte und aufschrieb, war vom Tempel nicht viel mehr übrig als ein paar Steinhaufen. Die Uminterpretation der kultischen in eine ethische Reinheit hat Geschichte gemacht. Sie ist ein kulturelles Erbe der prophetischen Predigt. Und sie ist in ihrer Aussage radikal. Wir alle wurden unrein. Nicht weil wir falsche Dinge essen, sondern weil wir uns schuldig gemacht haben. Hände waschen in Unschuld nützt rein gar nichts.

Die reformatorische Wendung «wir sind allemal Sünder» ist eine Resonanz dieser religiösen Revolution, «nobody is perfect» ihr platter Nachhall. Denn wer das heute so leichthin daherplappert – womöglich mit einem Glas Fendant in der Hand und einem schiefen Lächeln im Gesicht – will sich entschuldigen und die Verantwortung loswerden, ein gerechter Mensch vor Gott zu werden. Darum geht es doch! Und darum rufen alle Propheten inklusive Jesus von Nazareth alle zur Busse. Niemand kann sich entschuldigen. Mit einem «Sorry, ich bin auch nur ein Mensch» ist es nicht getan – und wenn wir meinen, wir schaffen es mit der hauseigenen Gerechtigkeit, landen wir auch auf der Nase. Die religiösen und politischen Saubermänner werden es nie begreifen. Kein Wunder, werden sie putzteufelswild, wenn ihnen die Propheten die Kappe waschen.

Von: Ralph Kunz

 

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