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29. Mai 2017

Lasst uns freimütig hinzutreten zu dem Thron der Gnade, auf dass wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden und so Hilfe erfahren zur rechten Zeit. Hebräer 4,16

«Barmherzigkeit», «Gnade», «Hilfe» – Ich möchte mehr wissen über die Entwicklung und Wirkung solcher Begriffe. Nicht die etymologische Erklärung interessiert mich, sondern wie sich aus vielen einzelnen Taten und Erfahrungen Begriffe herausbilden, die allgemein verstanden und weiter benutzt werden, die sich verbreiten und in anderen Sprachen ebenfalls heranwachsen. Begriffe wie Barmherzigkeit, erst recht wie Gnade, die einmal hoch im Kurs sind und dann wieder bedeutungslos werden, altmodisch, nur noch als Spezialausdrücke in eingeweihten Kreisen verwendbar. Andere Wörter wie ­«Hilfe» jedoch bleiben selbstverständlich und im allgemeinen Gebrauch.
Es interessiert mich aber auch, was solche Wörter an Gefühlen auslösen. Beide, Barmherzigkeit und Gnade, wirken in einer Beziehung von oben nach unten, vom potenten Geber zum bedürftigen Empfänger. Das war zu andern Zeiten unbestritten und wahrscheinlich von den meisten auf beiden Seiten durchaus akzeptiert – Notleidende mussten froh sein, wenn jene, die mehr hatten, gnädig waren, Barmherzigkeit übten. Heute jedoch, wo das Gesetz ein Recht auf Unterstützung garantiert, strahlen diese Begriffe ein herablassendes «Güüli» aus. Hängt etwa sogar die gegenwärtige Autoritätskrise Gottes damit zusammen? Und müssten wir uns da nicht bewusst machen, dass auch das Umgekehrte dazugehört. Dass für Christen gilt: Gottes Gnade ist in den Schwachen mächtig.

Von: Käthi Koenig

 

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