Kategorie: Texte

28. Juli

Der HERR ist mit mir, darum fürchte ich mich nicht;
was können mir Menschen tun?
Psalm 118,6

Aus diesem Vers spricht grosses Vertrauen, aber auch bittere
Enttäuschung. Zum Zusammenleben mit anderen Menschen
gehören Konflikte. Als Individuen sind wir meistens
überzeugt von unserer Meinung, betrachten unser persönliches
Anliegen als überaus wichtig und setzen unsere eigenen
Verletzungen und Entbehrungen in den Vordergrund. So
sind wir oft blind für die Anliegen und Verletzungen unserer
Mitmenschen. Gegenseitige Verletzungen sind die Folge.
Der/die in die Enge Getriebene hat durch das Schreien zu
Gott den weiten Raum erfahren (Vers 5). Also Erleichterung
und die Erkenntnis, dass Gott verlässlich ist. Ist Gott bei
mir, muss ich keine Angst haben vor den Reaktionen meiner
Mitmenschen. Sie treffen mich nicht. Selbstbezogenheit
und wechselhafte Launen lassen Konflikte entstehen und
vergehen. Wir wissen nie so recht, wann, wo und warum es
zu Streit kommt. Wir können uns also auch nicht zu 100 Prozent
auf einen Menschen verlassen.
Im stillen Gebet kommen wir in Kontakt mit unserem
inneren Kern und finden so heraus, was wir wirklich brauchen.
Das Zwiegespräch mit Gott hilft uns, Antworten zu
finden. Wenn ich mit dem Kern meiner selbst verbunden
bin, bin ich auch mit Gott verbunden. Dann kann mich kein
Mensch enttäuschen, sondern ich werde aus der Enge in die
Weite geführt. So werde ich offen für die Anliegen anderer.

Von: Monika Britt

27. Juli

Jesus spricht: Selig seid ihr Armen;
denn das Reich Gottes ist euer.
Lukas 6,20

Wir leben in einem Zustand der «Zuvielisation». Ich bin
nicht reich, aber ganz sicher auch nicht arm. Ich habe viele
Gegenstände, die ich nicht brauche.
Gleichzeitig müssen Milliarden Menschen starke Einschränkungen
ihres Lebens hinnehmen. Rund 700 Millionen
Menschen leiden sogar unter extremer Armut und Hunger.
Was fange ich mit dem Jesuswort an? Folgende Punkte will
ich für mich daraus ableiten:

  • Arme nicht verachten
  • Armut nicht idealisieren
  • Mich nicht von Armen abwenden, sondern ihnen auf
    Augenhöhe begegnen
  • Mich aktiv für die Veränderung der Verhältnisse einsetzen
  • Einfachheit üben
  • Dauerhaft oder zeitweise auf bestimmte Annehmlichkeiten
    verzichten
  • Mich über die vielen Dinge, Erfahrungen und Beziehungen
    bewusst freuen, die ich nicht mit Geld kaufen kann
  • Heute das Reich Gottes aufspüren

Von: Barbara Heyse-Schaefer

26. Juli

Siehe, wenn Gott zerbricht, so hilft kein Bauen; wenn
er jemand einschliesst, kann niemand aufmachen.

Hiob 12,14

Ich bin ein widerständiger Mensch. Ich traue mich zu widersprechen.
Ich nehme Dinge nicht einfach hin. Es ist mir mit
meiner Hartnäckigkeit gelungen, manches zu verändern.
Die Weisheit des Hiob ist das genaue Gegenteil allen Auflehnens.
Er rät, Dinge, die ich nicht ändern kann, zu akzeptieren,
und anzunehmen, was gerade ist.
Manche Dinge laufen eben anders, als ich sie mir vorstelle.
Es hat wenig Sinn, mit dem Kopf durch die Wand zu wollen.
Wer sich starrköpfig, kompromisslos und stur verhält,
mag das Recht oder zumindest gute Argumente auf seiner
oder ihrer Seite haben, aber diese Dickköpfigkeit belastet oft
Beziehungen und letztlich behindere ich mich dabei selbst.
Ich möchte lernen zu akzeptieren, dass ich etwas nicht
ändern kann, und darauf vertrauen, dass Gott einen Plan
hat, den ich aus meiner Perspektive (noch) nicht sehen kann.
Radikale Akzeptanz, wie es manchmal gelehrt wird, werde
ich wahrscheinlich nicht schaffen. Aber ich will meine Bereitschaft
erhöhen, unbeeinflussbare Ereignisse anzunehmen,
und lernen, eine offene Haltung gegenüber neuen Erfahrungen
und Möglichkeiten einzunehmen. Das spart viel Kraft
und ermöglicht mir, neue Wege zu beschreiten.

Von: Barbara Heyse-Schaefer

25. Juli

Gott sprach: Meinen Bogen habe ich gesetzt
in die Wolken; er soll das Zeichen sein des Bundes
zwischen mir und der Erde.
1. Mose 9,13

Probleme türmen sich auf,
überflutet bin ich von Aufgaben,
die ich nicht bewältigen kann,
bin im Zwiespalt, kann es
unmöglich allen recht machen.
Mir selber schon gar nicht.

Schnell, schnell noch einkaufen …
Als ich das Geschäft verlasse,
schüttet es in Strömen.
Ich warte eine Weile «am Schärme».
Warte, bis der Regen nachlässt.
Sogar die Sonne scheint wieder,
blendet mich.

Als ich heimzu radle,
ist ein wunderschöner
Regenbogen aufgespannt, riesig,
fast ein Halbkreis.

Überwältigend ist er –
ein Zeichen am Himmel:
Alles wird gut.

Von: Heidi Berner

24. Juli

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus,
der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes,
der uns tröstet in aller unserer Bedrängnis, damit
wir auch trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind,
mit dem Trost, mit dem wir selber getröstet werden
von Gott.
2. Korinther 1,3–4

Trost hilft uns zu leben,
weiterzuleben,
wenn wir traurig sind.

Trost ist göttlich,
ist aus Liebe geboren
und aus dem Ja zum Leben.
Getröstete können
selber trösten.
Es gibt so etwas
wie eine lange Kette,
ja sogar ein Gewebe
des Trostes.
Wohl uns,
wenn wir ein Teilchen
in diesem Gewebe
sein dürfen.

Ich bin überzeugt,
dieses Gewebe hält
die Welt zusammen.

Von: Heidi Berner

23. Juli

HERR, ich habe Freude an deinen Zeugnissen;
sie sind meine Ratgeber.
Psalm 119,24

Wir leben in einer Kultur, die uns die Suche nach Ratgebern
einfach macht. Ich frage Google und schon hagelt es Ratschläge.
Ein Heer von Ratgebern wartet auf mein Notsignal
und berät mich gratis und franko (oder für ein paar Franken)
und sagt mir rund um die Uhr blitzschnell digital und
wahnsinnig agil, was ich tun muss, damit es mir gut geht.
Was will man noch mehr? Vielleicht einen Ratgeber, wie
man mit Ratgebern umgeht! Auf welchen soll man hören?
Möglicherweise lösen wir mit KI (= Künstliche Intelligenz)
auch dieses Problem …
Der Mensch, der uns heute die Losung schenkt, hatte noch
keinen PC (= Personal Computer), aber dennoch Anschluss
an ein Netz. Er spricht sogar mit seinem PG (= Personal
God)! Offensichtlich sind er und PG online! Manchmal ist
die Verbindung instabil. Dann klagt er. Aber in diesem
Moment gibt er seinem PG ein Smiley. «Ich habe Freude an
deinen Zeugnissen.» Was meint er wohl damit?
Ich denke, er spricht von Mitteilungen des PG, die für ihn
mehr sind als Ratschläge, um sein privates Leben in Ordnung
zu bringen – es sind Anweisungen eines Gegenübers, das
sich für das blühende Zusammenleben aller Menschen ausspricht.
Mein kostenloser Rat für Sie heute: Verlassen Sie sich
auf die GI (= Göttliche Intelligenz), die unserem Psalmisten
so viel Freude macht.

Von: Ralph Kunz

22. Juli

Jesus betet für seine Jünger: Ich bitte für sie.
Nicht für die Welt bitte ich, sondern für die, die du
mir gegeben hast, denn sie sind dein.
Johannes 17,9

«Frage nicht, was dein Land für dich tun kann – frage, was du
für dein Land tun kannst.» So lautet einer der berühmtesten
Sätze John F. Kennedys. Es ist ein beliebtes Zitat in politischen
Reden. Schliesslich tönt es gut – und bekommt doch
einen falschen Klang, wenn das Land ein Unrechtsstaat ist.
Was heisst es, eine Jüngerin oder ein Jünger Jesu zu sein? Es
ist etwas anderes als einem Land dienen und geht doch um
einen Dienst. Es bedeutet, ihm nachzufolgen, das zu tun, was
er sagt, nicht für eine Territorialmacht, die ihre Interessen
verteidigt, sondern für ein Regiment, das gerecht ist!
Tönt gut und klingt richtig. In der Rede Jesu bekommt
Nachfolge aber noch einen anderen Klang. Er fragt nicht, was
seine Freunde für ihn tun können – er tut etwas für sie. Jesus
betet für sie. Ständig, ohne Unterlass ist er in der Fürbitte
für alle, die mit ihm und nach ihm in die Reichgottesarbeit
involviert sind. Also beten auch wir mit ihm und nach ihm
in seinem Namen für die Menschen, die uns anvertraut sind,
Mitmenschen, denen wir begegnen, Montagsmenschen, die
uns heute über den Weg laufen. Wer ist es? Finden wir es
heraus. Fragen wir nicht, was sie für uns tun können – fragen
wir, was wir für sie tun können. Wenn es alle so halten, wird
das Land blühen.

Von: Ralph Kunz

21. Juli

Siehe auf den Bergen die Füsse eines guten Boten,
der da Frieden verkündigt!
Nahum 2,1

Die Fremdherrschaft wird abgeschüttelt, Befreiung wird
angekündigt. Und im selben Vers ist wieder von Aufrüstung
die Rede. Und doch ist hier der Bote. Zwar ist er auf den
Bergen, sein Weg ist verborgen. Aber er ist da. Es kommt
mir vor, als komme er, oder auch sie, auf leisen Sohlen über
die Berge zu den Menschen. Wie gross ist meine Sehnsucht
nach einem Boten, jemandem, der oder die Frieden ankündigt
heute und für die ganze Welt! Soll ich resignieren? Soll
ich mich einfach zurückziehen, fatalistisch abwarten? Soll ich
meine Sehnsucht mit anderen Sehnsüchtigen teilen? Jede
und jeder muss den eigenen Weg suchen und finden. Aber
eines wird mir beim Lesen des heutigen Textes klar: Die
Boten sind da, irgendwo, vielleicht auf den Bergen, vielleicht
bereits unter den Menschen. Und diese Boten sind für mich
Gesandte, Gesandte vom Gott des Lebens. Ich will nicht
stecken bleiben in der Sehnsucht, will nicht resignieren, will
mich nicht zurückziehen. Ich will Vertrauen haben in Gott,
die Lebendige, und will daran festhalten, dass Friede und
Gerechtigkeit möglich sind. Und ich will mein Herz öffnen
für den Boten oder die Botin, will Ausschau halten nach
Frieden, will, wie die Menschen damals, dass die
Fremdherrschaft vorbeigeht.
Gott des Lebens, schenke du der Welt Boten des Friedens.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

20. Juli

Du musst innewerden und erfahren, was es für Jammer und
Herzeleid bringt, den HERRN, deinen Gott, zu verlassen und
mich nicht zu fürchten. Jeremia 2,19

Die Zürcher Bibel übersetzt: «Böse und bitter ist es, dass
du den HERRN, deinen Gott, verlassen hast.» Es schmeckt
bitter. Das wollen wir doch nicht. Diese Worte sind an das
Volk Israel gerichtet. Das war damals. Und heute? Und wie
ist es mit mir und dem Erfahren, dass wir gottverlassen sind?
Es geht nicht an ,zu urteilen oder zu bewerten. Also schreibe
ich einfach von mir. Kann ich in all dem Leid auf unserem
Planeten mit Gott, der Lebendigen, rechnen? Auch mein
Vertrauen ist oft erschüttert. Das schmeckt bitter. Und das
soll ich erfahren? Eigentlich lieber nicht.
Und doch führt kein Weg daran vorbei. Nur: Wie kann
ich die Bitterkeit hinter mich bringen? Dafür gibt es keine
Rezepte. Aber die Lebendige lässt mich nicht fallen. Sie ist
da und sie hilft, das Vertrauen wieder aufzubauen. Das ist
für mich ein Geheimnis des Glaubens: die Gegenwart Gottes
auch in der Bitterkeit, der Verzweiflung, im Schreien.
Ich glaube nicht, dass die Zeit die Wunden der momentanen
Krisen heilt. Aber ich glaube, dass den Menschen Kraft
geschenkt wird, um den Weg des Lebens, der Gerechtigkeit
und des Friedens weiterzugehen.
Dazu schenke du uns Vertrauen, Glauben, Nähe

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

19. Juli

Siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen,
dass man der vorigen nicht mehr gedenken wird.
Jesaja 65,17

Gibt es Neues ohne Altes?
Als kleines, anstrengend-altkluges Kind habe ich meinen Eltern verkündet,
möglichst oft umziehen zu wollen. Natürlich habe ich mir dazu einen grossen Möbelwagen vorgestellt, in dem alles, was mir lieb und wichtig war, Platz
habenwürde. Auch verlangte ich, den Sonntagnachmittagsspaziergang durch Strassen zu unternehmen, in denen ich noch nie gewesen war. Das war in
meiner kleinen Heimatstadt dann bald einmal zu viel verlangt. Ich war nicht
nur gespannt auf alles Neue, sondern richtig neu-gierig.
Niemals wäre mir dabei aber in den Sinn gekommen, mich von meinen Erinnerungsschätzen zu trennen. Ich hatte Lieblingsbücher, alle abgerissenen Eintrittskarten wurden sorgfältig in ein Heft geklebt, stinkende Muscheln vom Ostseeurlaub durften keinesfalls weggeworfen werden, sondern wurden in
einem eigenen Museum ausgestellt. Dafür musste zeitweilig die Modelleisenbahn meines Bruders weichen. Umgezogen bin ich dann tatsächlich sehr, sehr oft
und anfänglich mitsehrwenigGepäck.Neues gab eszuhauf, nicht nur unbekannte Gegenden, sondern ein neues Gesellschaftssystem obendrein.
In Gottes ganz neue Welt reise ich dereinst ohne jeglichen Ballast. Aber auch ohne einen Gedanken an das Gewesene? So neu ist sogar mir noch zu neu.

Von: Dörte Gebhard