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1. April

Der aber Samen gibt dem Sämann und Brot zur Speise, der wird auch euch Samen geben und ihn mehren und wachsen lassen die Früchte eurer Gerechtigkeit. 2. Korinther 9,10

Der Samen ist ein Geschenk Gottes, aber bis zum Brot sind harte Arbeit und viel Geduld gefragt. Es muss gerodet und gepflügt werden, gewässert und gejätet. Dann vergeht viel Zeit mit Keimen, Spriessen, Wachsen und Gedeihenlassen.
Der Samen der Liebe Gottes ist ein Geschenk, aber bis zu den Früchten sind harte Arbeit und Geduld gefragt. Es muss laut Paulus Gewohntes gerodet und Traditionelles umgepflügt werden, und dann vergeht auch in einer christlichen Gemeinschaft viel Zeit mit Keimen und Spriessen, Wachsen und Gedeihenlassen. Der ungeduldige Apostel schreibt nicht nur an die Korinther, sondern auch an sich selbst. Selten hat er gemütlich abgewartet. Er hat in den jungen Gemeinden immer etwas zu wässern, zu fördern, zu düngen, auch zu jäten und sogar gänzlich auszureissen: absurde Ideen, Konkurrenzkämpfe und manche Sonderwünsche.
Mit Gottvertrauen wird aus wenigen Samenkörnern viel Brot und sogar aus Wasser Wein, aber es sind harte Arbeit und Geduld gefragt. Martin Perscheid hat diese menschenmögliche Verwandlung gezeichnet: Zwei in Sandalen giessen am Rande der Wüste einen winzigen Weinstock. Sagt der eine zum andern: «Das dauert jetzt natürlich ein Weilchen.» Wenn von Früchten gar nichts zu sehen ist? Dann schaut am besten nach den Samen, die bei Gott stets vorrätig sind.

Von: Dörte Gebhard

Mittelteil März / April

Ostertexte, Heidi Berner

Die folgenden Texte sind lauter Versuche zu Ostern für den «Aargauer Kirchenboten» im Jahr 2006. Der letzte Text wurde damals publiziert, zusammen mit dem Bild. Dieser Text entstand aus meinen Erfahrungen als Sozialvorsteherin in unserer Kleinstadt und bezieht sich auf hoffnungslose Sozialfälle, bei denen ich versucht war, sie fallen zu lassen.

Auferstehung
Immer wieder
Aufstand der Liebe
gegen die Herrschaft des Hasses.
Immer wieder
Aufstand der Hoffnung
gegen die Herrschaft der Angst.
Immer wieder
Aufstand des Lebens
gegen die Herrschaft des Todes.

Naturgesetze
Aufhebung der Naturgesetze,
um uns zu überzeugen von der Einzigartigkeit
des Wanderpredigers aus Galiläa –
muss das sein?
Verrückte Steinblöcke,
um uns begreiflich zu machen die Allmacht
des Auferstandenen –
muss das sein?
Menschen in Aufruhr,
hoffend, zweifelnd, ihren Sinnen nicht trauend
ungläubig glaubend –
muss das sein?
Nein,
die Naturgesetze sind nicht aufgehoben,
damals wie heute sterben Menschen
einen qualvollen Tod
durch Natur- und Menschengewalt.
Und dennoch:
Wider alle Vernunft glauben
an die Kraft der Liebe und des Lebens –
das müsste sein.


Frauensache
Damals waren es Frauen,
die es wagten,
nahe zu bleiben,
als es zu Ende ging
mit ihm,
auf den sie gehofft hatten.
Damals waren es Frauen,
die es wagten,
hinzugehen zum Grab,
um ihn zu salben,
ihn,
dem sie vertraut hatten.
Als er nicht dort war,
verstanden sie bald:
Er ist nicht umzubringen,
der,
an den sie geglaubt hatten.

Zurück ins Leben
Wenn die Welt ins Wanken gerät
und kein Seismograph
die Erschütterung aufzeichnet.
Kein Ausschlag auf der Richterskala
und dennoch –
nichts ist mehr, wie es war.
Eine Erleuchtung, die Klarsicht bringt,
die Botschaft – von Engeln verkündet –
offensichtlich, für jene,
die genau hinschauen:
Wendet euch um –
zurück ins Leben!

Ostern
Sooft wir andere
endgültig fallen lassen,
tragen wir bei zu Tod und Kreuz.
Und wir selber
fallen mit.
Gott sei Dank
für die trotzige Kraft
in allem Lebendigen:
Durch Asphalt und Mauerritzen
keimt sie und spriesst sie,
verrückt Steine und Felsbrocken,
verwandelt tote Materie
in leuchtende Blüten.
Sooft wir an das Wunder
zu glauben wagen,
dass unser Fallen nie endgültig ist,
keimt neue Hoffnung
für alle.
Und die trotzige Kraft
tief in uns drinnen
verrückt Ängste und Vorurteile,
verwandelt Kreuz und Tod
in blühendes Leben.

Von: Heidi Berner

31. März

Alle deine Geschöpfe sollen dich preisen, HERR,
alle, die zu dir gehören, sollen dir danken!
Psalm 145,10

Der Psalm ist ein kunstvoll gestaltetes ABC des Gotteslobs. Jeder Vers beginnt mit einem Buchstaben des hebräischen Alphabets. Der Losungsvers mit dem Buchstaben J gibt dem Thema «Danken» eine grosse Spannweite. Auf der einen Seite sind alle Geschöpfe dazu aufgerufen, Gott zu danken. Auch die Menschen sind nur Geschöpfe, sie gehören zu den Werken, die Gott gemacht hat. «Er hat uns gemacht und nicht wir selbst.» (Psalm 100,3) So gesehen besteht zwischen Gott und Mensch ein maximaler Abstand. Auf der anderen Seite steht im Satz ein Wort, das von einer gegenseitigen Zugehörigkeit spricht. Es wird oft mit «Güte» oder «Gnade» (Vers 8) übersetzt. Es spricht von einer Solidarität, die dem anderen beisteht, auch wenn man nicht dazu verpflichtet wäre. Getreu ist Gott in allem, was er tut (Vers 17). Und «deine Getreuen» sind die Menschen, die zu Gott halten. Eine ähnliche Gegenseitigkeit gehört zum Wort «segnen», das auf Hebräisch in beide Richtungen verwendet wird (aber oft anders übersetzt ist). Gott sagt, dass es für die Menschen Segen gibt, er gibt ihnen Lebenskraft und Schutz. Und die Menschen sagen, dass es von Gott Segen gibt, und danken ihm dafür. «Danken sollen dir, HERR, alle deine Werke, und deine Getreuen sollen dich segnen.»

Von: Andreas Egli

30. März

Er ist der HERR, unser Gott,
er richtet in aller Welt.
Psalm 105,7

Danket dem HERRN, verkündigt sein Tun. Singet ihm, redet von allen seinen Wundern! Rühmet seinen Namen; Fraget nach dem HERRN und nach seiner Macht, suchet sein Antlitz allezeit! Gedenket seiner Wunderwerke, die er getan hat, seiner Zeichen und der Urteile seines Mundes. Mit all diesen Aufforderungen führt der Psalmist zum Höhepunkt: «Er ist der HERR … er richtet in aller Welt!»
Ein nicht unwidersprochenes Wort in einer weitgehend säkularen Gesellschaft, deren Denken nicht unbedingt die Ruhmestrommel für Gott rührt, sondern eher für den ökonomischen und wissenschaftlichen Fortschritt. Was hat der Geist des Menschen doch alles geschaffen! Welche Grösse, welcher Ruhm ist ihm beschert. Hat da noch Gottesruhm Platz? Vermutet da noch jemand Gottes Wirken in all dem Fortschritt? Im hier zitierten Vortext zur Losung findet sich ein kleiner Satzteil, der mir wichtig geworden ist: «suchet sein Antlitz allezeit!» Dahinter steckt für mich die Gewissheit des Psalmisten, dass in unserem Tun und auch in unserem Unterlassen überall sein Antlitz ist, weil wir Gottes Ebenbilder sind. Er ist der Herr aller Dinge und so auch die Richtschnur! Mit leicht modifiziertem Wort des Psalmisten, die Richtung für alle Welt. Im Psalm folgt dann die Geschichte Israels. Dies kann uns als Verweis dafür dienen, wie Gott in allen geschichtlichen Details, auch unserer Geschichte, verborgen handelt.

Von: Gert Rüppell

29. März

Der HERR ist in seinem heiligen Tempel.
Es sei stille vor ihm alle Welt!
Habakuk 2,20

Sei stille, eine Aufforderung, die uns immer wieder eine sinnvolle Aufforderung sein sollte, gerade in Zeiten des Tumults, des Getöses und der Wichtigtuerei.
Sei stille, Welt, vor diesem Gott, der in seinem heiligen Tempel ist! Gott ist präsent in seinem Tempel, seinem Heiligtum, als das wir die Welt begreifen können. Sie, die durch Gott Existenz erfahren hat und weiterhin erfährt, ist durch Lärm, menschliches Wichtigtun bedroht. Dies scheint mir der Text sagen zu wollen. Deshalb: Sei stille, halte ein, nimm wahr.
Hinter uns liegt eine Zeit der grossen Worte von Menschen, die sich durch lautes Reden gross machen möchten. Ihnen stellt sich der Losungstext in den Weg. Sie und die tönende Welt fordert der Text auf zu meditativer Stille, zur Fokussierung auf das Wesentliche.
Auch der Losungsausleger muss sich sagen lassen: «Sei stille vor ihm, fokussiere dich auf seinen heiligen Raum, die Welt, seine Schöpfung.»

Von: Gert Rüppell

28. März

Jesus sprach zu den Jüngern: Geht hin zu den verlorenen Schafen aus dem Hause Israel. Geht aber und predigt und sprecht: Das Himmelreich
ist nahe herbeigekommen.
Matthäus 10,6–7

Diese Verse stehen unter dem Titel der Aussendung der Zwölf. Zunächst geht es nicht um den Missionsauftrag. Es steht klar im Vers 5, dass sie nicht zu den Heiden und schon gar nicht in eine samaritanische Stadt gehen sollen (was aus heutiger Sicht irritiert). Sie werden nicht in die Welt ausgesandt, sondern zu den verlorenen Schafen. Wer sind diese und weshalb sind nur sie das Ziel? Ich meine, an erster Stelle muss uns klar sein, dass Jesus und die Zwölf sich unter römischer Besatzung und Herrschaft bewegten. Damit umzugehen gab es verschiedene Methoden: die Revolte, die später auch mit fatalen Folgen gewählt wurde; das Ducken und nur für sich Schauen; irgendwelchen Heilslehren und -predigern nacheifern oder die Apokalypse. Ich gehe als theologischer Laie davon aus, dass Jesus zunächst die eigene Ethnie ansprechen, inspirieren und mit Zuversicht ausstatten wollte. Wer die Ausbeutung und Unterdrückung durch die Römer aushalten musste, sollte freudig auf ein nahes Himmelreich hoffen und vertrauen. Bekanntlich warten wir immer noch darauf.
Der Nahe Osten braucht Friedensstifter, keine Kriegsgurgeln! Und am Reich Gottes in uns und um uns mitzubauen, sind wir nach meiner Überzeugung alle aufgerufen! Auf dass sein Reich komme und sein Wille geschehe auf Erden!

Von: Bernhard Egg

27. März

Lobet Gott in den Versammlungen. Psalm 68,27

Ich war – weiss Gott –
an vielen Versammlungen:
in Politik, Vereinen, Kirche.
Gott lobte ich nie.
Jedenfalls nicht explizit.
Und implizit?
Gott loben bedeutet doch
im Grunde, Ja zu sagen
zum Leben, zum Guten, das war,
das ist und kommen könnte,
zu allem, was dem Leben dient –
in Politik, Vereinen, Kirche.
Im Wissen, dass – weiss Gott –
vieles gar nicht gut ist in der Welt.
Und doch nicht nur das Negative
an den Pranger stellen,
Schuldige suchen, Probleme
bewirtschaften und aus ihnen
Kapital schlagen.
Für das, was dem Leben dient,
Worte finden und Mehrheiten,
ist so gesehen – weiss Gott –
so etwas wie ein Gotteslob.
«Wir schaffen das!»
ist auch so eines.

Von: Heidi Berner

26. März

Jesus spricht: Kommt her zu mir, alle,
die ihr mühselig und beladen seid; ich will
euch erquicken.
Matthäus 11,28

Mühselig und beladen.
Geflügelte Worte, die mir
immer mal wieder einfallen,
wenn ich Menschen begegne,
denen man es ansieht,
das Mühselige, denen es
ins Gesicht geschrieben ist,
das Belastende.
«Unter jedem Dach ein Ach»,
konstatierte eine Freundin,
als wir uns erzählten, was uns
gerade belastete. Es ist gut,
zu erkennen, dass wir alle
unsere Lasten zu tragen haben.
Und es ist tröstlich, zu vertrauen,
dass es Orte gibt und Menschen,
wo wir «abladen» können
und auftanken, Kräfte sammeln.
«Unter jedem Joch ein Doch!»
Doch, wir dürfen klagen.
Doch, wir sagen trotz allem Ja,
Ja zum Leben, Ja zum Mühsamen
und zum Belastenden.
Weil wir nicht alleine sind.

Von: Heidi Berner

25. März

Noah war ein frommer Mann und ohne Tadel
zu seinen Zeiten; er wandelte mit Gott.
1. Mose 6,9

Manchmal bezeichne ich mich gerne selbst als «fromm». Mir ist klar, dass das etwas befremdlich wirken kann, aber es lässt eher aufhorchen, als wenn ich mich «religiös» oder «spirituell» nennen würde. «Fromm» – damit ordne ich mich unverschämt in die christliche Tradition ein und bekenne mich zur Kirche.
Legt mir die Losung nahe, mir darin Noah zum Vorbild zu nehmen? Wie Noah will ich mit Gott wandeln. Gott hält in Bewegung, ruft zum Aufbruch, bewahrt uns davor, uns festzufahren in Positionen und festzulegen auf Standpunkte. Was zu Noahs Zeiten war und galt, muss zu unseren Zeiten nicht gleich sein und gelten. Manches, was er für gut und richtig, für wahr und fromm hielt, ist zum Glück überholt. Wie Noah will ich indessen aufmerksam auf die Zeichen und Weisungen Gottes für unsere Zeiten achten.
Will und kann ich zu diesen unseren Zeiten tadellos leben? Ja, wenn damit gemeint ist, dass ich nicht rücksichtslos sein will, nicht meine Interessen über alles stellen, sondern dass ich respektvoll, offen, bescheiden und in der Bereitschaft, meine Grenzen und Fehler anzuerkennen, Liebe üben will.
Kein Interesse habe ich übrigens daran, mich mit ein paar wenigen in einen Kasten einzuschliessen und den Rest der Welt untergehen zu lassen. Das erwartet Gott zum Glück auch nicht mehr von uns.

Von: Benedict Schubert

24. März

Es ist der HERR; er tue, was ihm wohlgefällt. 1. Samuel 3,18

In der Nacht hört Samuel die Stimme Gottes. Gott muss drei Mal rufen, bis Samuel begreift: Gott ruft mich. Der erste Auftrag des Ewigen für Samuel ist eine Zumutung: Er soll Eli, dem alten Propheten, ankündigen, dass Gott sein Haus für immer richten werde. Und das heisst: Sie werden alles verlieren, auch das Leben. Kein Wunder, hat Samuel Angst, seinem Ziehvater und Lehrmeister dieses Gotteswort auszurichten. Erst auf Drängen Elis rapportiert er die nächtliche Weisung des Ewigen – und unsere Losung ist das Wort, mit dem Eli darauf antwortet. Eli akzeptiert den Schuldspruch, nimmt, was geschehen soll, als gerechte Strafe auf sich.
Dass Gott uns strafen will, im ärgsten Fall sogar ums Leben bringen, können und wollen wir uns nicht vorstellen. Wir halten uns an das Prophetenwort des Jesaja, dass unsere Strafe auf ihm liegt. Mit den Evangelisten verlassen wir uns darauf, dass Er Jesus Christus ist. Und mit Paulus glauben wir, dass in ihm Gott radikal und vorbehaltlos für uns ist.
In der dritten Bitte des Unservaters – «Dein Wille geschehe!» – vernehmen wir aber dennoch ein Echo auf das Wort Elis. Und wir versuchen, die Bitte auch dann mitzusprechen, wenn Gott uns etwas zumutet, das uns sinnlos vorkommt, das wir nicht verdient haben, das uns leiden lässt. Wir weigern uns zu glauben, dass die Finsternis stärker sei als das Licht.

Von: Benedict Schubert