Dein Reich ist ein ewiges Reich, und deine
Herrschaft währet für und für. Psalm 145,13
Als versierter Zeitungsleser und historisch interessierter Theologe weiss ich: Kein irdisches Reich währt ewig. Weder die Perser noch die Römer schafften es. Aber auch die Russen und die Amerikaner werden einst vergehen. Was die Schweiz angeht, meine ich, es gebe sie noch ein Weilchen. Aber auch sie wird verschwinden. Fazit: Es gibt Herrschaften, deren Untergang ich ersehne, und Herrschaften, deren Fortgang ich erhoffe. Was hingegen ein ewiges Reich ist, weiss ich nicht –
zumindest nicht aus Anschauung oder aus der Zeitungslektüre. Und doch rede ich davon, wenn auch in einer ganz bestimmten Form. Mindestens einmal am Tag, manchmal auch mehrmals. «Dein Reich komme.» Es ist das wichtigste Gebet, das ich kenne. Was im Unservater als Bitte reklamiert wird, wird im Psalm als Lob proklamiert. Ich höre, wenn ich die Losung lese, «denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit, Amen».
Das ist doch tröstlich! Nur, wie kann etwas ewig sein, das im Kommen begriffen ist? Wie kann ich um etwas bitten, das ich im Lob schon verherrliche? Ich weiss es nicht. Ich weiss nur, dass wir uns, was die Halbwertszeit unserer Reiche angeht, chronisch verschätzen.
Maranatha!
(Maranatha: Komm Herr, komme bald!)
Von: Ralph Kunz