Jesus sprach zu den Jüngern: Geht hin zu den verlorenen Schafen aus dem Hause Israel. Geht aber und predigt und sprecht: Das Himmelreich
ist nahe herbeigekommen.
Matthäus 10,6–7

Diese Verse stehen unter dem Titel der Aussendung der Zwölf. Zunächst geht es nicht um den Missionsauftrag. Es steht klar im Vers 5, dass sie nicht zu den Heiden und schon gar nicht in eine samaritanische Stadt gehen sollen (was aus heutiger Sicht irritiert). Sie werden nicht in die Welt ausgesandt, sondern zu den verlorenen Schafen. Wer sind diese und weshalb sind nur sie das Ziel? Ich meine, an erster Stelle muss uns klar sein, dass Jesus und die Zwölf sich unter römischer Besatzung und Herrschaft bewegten. Damit umzugehen gab es verschiedene Methoden: die Revolte, die später auch mit fatalen Folgen gewählt wurde; das Ducken und nur für sich Schauen; irgendwelchen Heilslehren und -predigern nacheifern oder die Apokalypse. Ich gehe als theologischer Laie davon aus, dass Jesus zunächst die eigene Ethnie ansprechen, inspirieren und mit Zuversicht ausstatten wollte. Wer die Ausbeutung und Unterdrückung durch die Römer aushalten musste, sollte freudig auf ein nahes Himmelreich hoffen und vertrauen. Bekanntlich warten wir immer noch darauf.
Der Nahe Osten braucht Friedensstifter, keine Kriegsgurgeln! Und am Reich Gottes in uns und um uns mitzubauen, sind wir nach meiner Überzeugung alle aufgerufen! Auf dass sein Reich komme und sein Wille geschehe auf Erden!

Von: Bernhard Egg