Kategorie: Texte

9. September

Es hat dem HERRN gefallen,
euch zu seinem Volk zu machen.
1. Samuel 12,22

Ein Wort, das Vertrauen weckt. Gott lässt sein Volk nicht im Stich, er steht zu seinem Entschluss. Ich darf darauf vertrauen, dass er nicht launisch handelt. Gott selbst hat ja Gefallen an dem, was er bewirkt.
Treue ist nicht selbstverständlich. Wenn ich erwarte, dass mir meine Freunde die Treue halten, muss auch ich meinen Beitrag dafür leisten. Aber wahre Freunde bleiben trotz Fehlern treu. Unachtsame Kommunikation kann eine Freundschaft bedrohen. Auf Reue folgt aber Vergebung. Freundschaft basiert auf Geben und Nehmen, und mit Freunden verbringen wir gerne Zeit.
Hier redet Samuel zum Volk, weil er ihm Gewissheit geben will, dass Gott treu ist. Gott steht mit seinem Volk in einer Beziehung. Wie in einer Freundschaft geht es auch in dieser Beziehung um Geben und Nehmen, um Reue und Vergebung. Wir Menschen erkennen oft erst in der Not, dass wir Gott brauchen. Und dann sind wir verunsichert und fragen: Habe ich Gott etwas gegeben? Habe ich seine Gaben mit Dankbarkeit angenommen und bin ich mit seiner Schöpfung verantwortlich umgegangen? Wenn ich plötzlich nach Gott frage und mir dann einfällt, dass ich kaum etwas gegeben habe, und ich dies bereue, darf ich mit Vergebung rechnen.
Ich darf mich darauf verlassen, dass Gott an der Beziehung zu uns festhält, denn Gott selbst hat Gefallen an ihr.

Von: Monika Britt

8. September

Die Frucht des Geistes ist Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Güte, Rechtschaffenheit, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung. Galater 5,22–23

Als ich begann, diesen Paulustext auf mich wirken zu lassen und mir Gedanken dazu zu machen, kam mir dieser Vers verblüffend vertraut vor. Dieser Reigen an menschenverbindenden Tugenden und Gemütszuständen weckte weiche, angenehme Gefühle in mir – mit Ausnahme vielleicht der «Selbstbeherrschung», die etwas altmodisch daherkommt. Und schon wollte ich etwas darüber schreiben, dass auch uns, die wir nicht so bibelfest sind und viele Jahrhunderte nach dem Verfassen der Testamente leben, das Göttliche und seine «geistigen Früchte» nahe erscheinen. Doch dann merkte ich zufällig, dass mir bereits letztes Jahr für einen anderen Tag genau dieser Text zugelost worden war. Das berührte mich und stellte eine ganz besondere innere Verbindung zu diesem Vers her. Und plötzlich beschäftigten mich die Unterschiede von einst und heute. Dabei wurde mir bewusst, wie die Bibel aus ihrer Zeit gelesen immer eine neue Aktualität gewinnt. Denn bei der Lektüre dieses Mal kommen mir diese Tugenden noch viel schützenswerter vor, weil sich die Welt inzwischen noch mehr ins Gegenteil verwandelt hat. Lasst uns daran arbeiten, dass wir die Paulusworte an die Galater sorgsam in uns immer wieder aufsagen und sie dort wirken lassen, wo wir zusehen müssen, wie sich die Menschheit in eine andere Richtung entwickelt.

Von: Esther Hürlimann

7. September

Jesus legte die Hände auf die verkrümmte Frau;
und sogleich richtete sie sich auf und pries Gott
. Lukas 13,13

Das Bild schmerzt. Eine Frau, bis zur Entstellung erdrückt und in sich zusammengesunken. Der aufrechte Gang, der den Menschen zum Gegenüber macht, gebrochen. Der Geist krank. Seit achtzehn Jahren schon ist die Frau Gefangene eines Leidens, erzählt uns Lukas in diesem Buch. Und doch ist sie in die Synagoge gekommen, um Jesus zu hören. Als Jesus die Frau sieht, ruft er sie zu sich, legt ihr die Hände auf, und sogleich wird sie von ihren Fesseln befreit. Sie richtet sich auf und preist Gott.
Zu schön, um wahr zu sein? Es handelt sich um ein Gleichnis. Lesen wir diesen Vers als ein Symbol dafür, dass der Schritt, sich ein Leiden einzugestehen und Hilfe anzunehmen, der Anfang sein kann, uns von den Fesseln einer grossen Sorge zu befreien. Gehen wir davon aus, dass die Frau schon lange mit sich gerungen hat und dem Besuch in der Synagoge ein innerer Prozess vorausgegangen ist. Sie hat von Jesus gehört und gedacht, dass er ihr helfen könnte. Nehmen wir diesen Vers als Ermutigung, nicht alles allein zu buckeln, weil es für manche Sorgen oder Bürden im Alltag Unterstützung gibt, um eine Last loszuwerden oder sich von einer Fessel zu befreien. Vielleicht ist es keine aufgelegte Hand, dafür aber ein Gespräch oder andere Formen der Berührung. Geben wir uns heute einen Ruck, um etwas, das schon länger auf uns lastet, loszuwerden. Und seien wir dankbar.

Von: Esther Hürlimann

6. September

Gott spricht: Ich will für Israel wie der Tau sein,
dass es blüht wie eine Lilie.
Hosea 14,6

Einfach nur wunderbar. Grossartige verheissungsvolle Worte. Herrlich: Bilder von Wachstum und Erneuerung. Gott wird für sein Volk da sein, um es zu erfrischen und ihm zu helfen, zu gedeihen und stark zu werden.
Der Tau ist ein Symbol für Erfrischung, Erneuerung und Leben. Tau spendet Feuchtigkeit und bringt die Pflanzen zum Blühen.
Die Lilie ist eine schöne und zarte Blume. Die Lilie symbolisiert Reinheit und Schönheit. Diese Verheissung deutet auf eine Zeit des Aufblühens und der Freude für Israel hin.
Alles in allem weht mir da heute viel Hoffnung entgegen. Hoffnung spielt in der Lebensbewältigung eine zentrale Rolle. Hoffnung spendet mir Trost und motiviert zur positiven Gestaltung des Alltags. Hoffnung ist mehr als nur eine positive Erwartung. Hoffnung ist eine innere Haltung, die uns antreibt, an eine bessere Zukunft zu glauben, auch wenn die Umstände gerade schwierig sind. Hoffnung verleiht uns Kraft, Mut und Ausdauer, um Herausforderungen zu meistern.
Hoffnung hilft mir, schwierige Situationen besser zu verstehen. Hoffnung ermutigt mich, positiv in die Zukunft zu schauen und aktiv an der Gestaltung meines Lebens mitzuwirken. Vielleicht suche ich heute in der Gärtnerei noch nach einer Lilie …

Von: Carsten Marx

5. September

Nimm ja nicht von meinem Munde
das Wort der Wahrheit.
Psalm 119,43

Heute am ökumenischen Tag der Schöpfung wurde ein Losungsvers aus Psalm 119 gezogen.
Das «Wort der Wahrheit» ist eng mit dem Konzept der Schöpfung und mit der Umwelt verbunden, besonders im christlichen Kontext. Es bezieht sich auf die göttliche Wahrheit, die in der Schöpfung, also der gesamten Welt, zum Ausdruck kommt. Die Bewahrung der Schöpfung ist daher auch eine Aufgabe, die sich aus diesem Verständnis ableitet.
In vielen christlichen Traditionen wird Gott als die Quelle der Wahrheit angesehen. Sein Wort, in der Bibel zu finden, ist die Grundlage für das Verständnis von Wahrheit und Moral. Die Schöpfung selbst wird als Ausdruck dieser göttlichen Wahrheit betrachtet. Alles also, was existiert, ist Folge des Wortes Gottes und somit Teil seiner Wahrheit. Die Umwelt, also die Natur und die Welt, in der wir leben, ist ein integraler Bestandteil der Schöpfung. Sie ist nicht von Gott getrennt, sondern ein Ausdruck seiner Schöpferkraft. Daraus ergibt sich eine Verantwortung des Menschen für die Bewahrung der Umwelt. Da die Umwelt ein Teil der Wahrheit Gottes ist, muss sie respektiert und geschützt werden. Dies nennen wir seit vielen Jahren die «Bewahrung der Schöpfung». Die Bibel erzählt von der Erschaffung der Welt durch Gott und betraut den Menschen mit der Aufgabe, die Erde zu bebauen und zu bewahren.

Von: Carsten Marx

4. September

Von Gott werde dir geholfen, und von
dem Allmächtigen seist du gesegnet.
1. Mose 49,25

Jakob, der Stammvater, segnet seine Söhne, jeden einzeln. Joseph bekommt diesen Segen mit auf seinen Weg. Er bekommt eine doppelte Zusage: Gott, die Lebendige, wird dir helfen. Und von Gott bist du gesegnet. Zusagen von Müttern und Vätern stärken den Rücken für den weiteren Weg. Diese Kraft kann uns niemand nehmen, auch wenn der Weg steinig ist. Wir können uns an Zusagen erinnern. Und wir sollen uns daran erinnern und an der Zusage festhalten. Denn sie stärkt den Glauben an das Leben. Den Segen Gottes erhalten wir als Geschenk. Er ist ein Gebet, das uns zeigt, dass die Gnade der Lebendigen mit uns ist. Der Segen lässt uns durchatmen, macht das Herz warm und öffnet die Augen für den weiteren Weg und die Menschen, die hier und weltweit mit uns unterwegs sind. Der Segen stärkt das Vertrauen und die Hoffnung auf ein Leben in Würde für alle Menschen.
Ich sage den Menschen, mit denen ich vertraut bin, gerne beim Abschied: «Bhüet di Gott.» Das ist mehr als ein Wunsch. Dieser Gruss ist tief verwurzelt in meinem Vertrauen auf die Lebendige und kommt von Herzen. Ich denke, Jakob hat es auch so oder ähnlich gemeint. Davon zeugt die weitere Geschichte von Joseph.
Gott, behüte uns auf unserem Weg.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

3. September

Ich will euch ein neues Herz und einen
neuen Geist in euch geben.
Hesekiel 36,26

Wenn ich das ganze Kapitel lese, schaudert es mich. Gott hat sein Volk in alle Nationen zerstreut. Es hat Mistgötzen gedient und ein grosses Blutvergiessen verursacht. Und jetzt will Gott das Volk wieder sammeln. Aber es geht ihm nicht um das Volk, sondern um seinen heiligen Namen.
Ich lasse das Bibelstudium und halte mich an die heutige Losung und nehme an, dass sie an uns gerichtet ist. Denn auch ich sehne mich nach einem neuen Geist. Es ist die Sehnsucht nach Vertrauen. Vertrauen in das Leben aller Menschen, Vertrauen in Gottes Handeln in unserer zerrütteten Welt, Vertrauen in die Kraft der Lebendigen. Vertrauen ist der Boden, auf dem Hoffnung wachsen kann.
Es geht mir aber nicht um mich, sondern ich bitte Gott, die Lebendige, für die Menschen, die jegliches Vertrauen und die Hoffnung verloren haben, Menschen, die flüchten müssen, immer wieder, Menschen, die Kriege erleiden müssen, für Kinder, die ohne Eltern aufwachsen. Sie brauchen den Gott des Lebens; ihnen, den zerstreuten Menschen, gilt in erster Linie seine Liebe. Und mir soll der neue Geist Kraft schenken, damit ich mein Vertrauen stärken kann, um für die Menschen, ihre Würde, ihr Leben einzustehen.
Schenke du uns Vertrauen und Hoffnung.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

2. September

Wer bin ich, Herr HERR, und was ist mein Haus,
dass du mich bis hierher gebracht hast?
2. Samuel 7,18

Mit diesen Worten reagiert der König David auf die Verheissung durch den Propheten Nathan, der seinem Haus eine grosse Zukunft ankündigt. Darin drückt sich der staunende Dank für den Verlauf des Lebens aus, für eine gute Situation und vor allem für eine lichtvolle Perspektive.
Können wir aber solche Worte nachsprechen, wenn der Weg schwierig war, die Lage nicht gut ist, die Perspektive düster, wenn das Hier und Jetzt die göttliche Führung nicht so ungebrochen erscheinen lässt? Berühmt-berüchtigt ist ja der Gefängnisgottesdienst in Carl Zuckmayers «Hauptmann von Köpenick», wo die Gefangenen singen müssen: «Bis hierher hat mich Gott gebracht.» Diese bissige Ironie zeigt, wie absurd es sein kann, Führung und Fügung zu verallgemeinern, sie zum Prinzip zu machen. Völlig unbrauchbar ist dieses Prinzip, wenn es Menschen trösten soll, denen es nicht gut geht. Solcher «Trost» macht alles noch schlimmer, macht Gott zum Feind. Vielleicht aber kann es dann und wann gelingen, im Blick auf das eigene Leben Führung zu erkennen, für die hellen wie für die dunklen Wegstrecken. Das kann man niemandem verordnen, auch nicht sich selbst. Doch wenn es gelingt, die eigene Lebenssituation als Ergebnis von Gottes Führung zu verstehen, sich in einem göttlichen Willen geborgen zu fühlen, ist dies ein Geschenk, eine geistliche Lebensqualität, die nicht zu erzwingen, nur zu empfangen ist.

Von: Andreas Marti

1. September

Haltet dem HERRN, eurem Gott, die Treue,
so wie ihr es bisher getan habt.
Josua 23,8

Kinder sind empfänglich für einen Glauben an Gott. Doch dieser Glaube übersteht die rationale Entwicklung zum Jugendalter häufig nicht. Erwachsene mögen an Gott glauben, doch ihr Glaube übersteht schlimme Erfahrungen häufig nicht. Die Treue zu halten, ist schwierig, wenn nicht nachhaltige Gottesvorstellungen vermittelt worden sind.
Die Treue wird in Frage gestellt durch die Kollision von wissenschaftlichem Weltbild und biblischer Vorstellung eines Schöpfergottes, dies auch dann, wenn man die Schöpfungsberichte nicht wörtlich nimmt.
Die Treue wird in Frage gestellt durch die Kollision der Vorstellung vom «lieben Gott» mit der gar nicht so lieben Realität, in der persönlichen Lebensgeschichte und in Unrecht, Hunger und Krieg auf der Welt.
Ich höre häufig in Predigten Aufrufe zum Glauben, Aufrufe, Gott die Treue zu halten. Diese Aufrufe gehen ins Leere, wenn keine Hilfe zum Umgang mit den genannten Kollisionen kommt. Die einfachsten Fragen sind bekanntlich die schwierigsten: Gibt es Gott? Ist Gott gut? Ist Gott allmächtig? Es ist eine unerlässliche Aufgabe für die Kirche, für die Predigerinnen und Prediger, für die Unterrichtenden und ebenso für alle Christinnen und Christen, sich auf schwierige Gespräche über Glauben und Nichtglauben einzulassen und die geforderte Treue überhaupt möglich zu machen.

Von: Andreas Marti

31. August

Durch Christus Jesus haben wir Freimut und Zugang in aller Zuversicht durch den Glauben an ihn. Epheser 3,12

Zuversicht trotz allem ist das, was ich mir vom Glauben erhoffe. Eine getroste Hoffnung, die mir auf geheimnisvolle Weise immer wieder zur Erfahrung wird und mich an ein Lied denken lässt, das mich seit früher Kindheit begleitet: «Vom Aafang bis zum Änd» von Paul Burkhard.
«Nie mee fürcht ich mich, dänn ich han ja dich, Jesus Chrischtus Herr.»
Ich habe das Lied oft gesungen. An Spitalbetten und Gräbern, mit einem schreienden Kind auf dem Arm, das keinen Schlaf findet, manchmal auch in dunklen Grossstadtgassen. Natürlich fürchtete ich mich dennoch. Aber die schlichten Zeilen und die vertraute Melodie lockerten den Würgegriff der Angst.
Psalmen und Gebete, Bibelverse und lieb gewonnene Erzählungen, manchmal auch nur eine in der Stille der Kirche angezündete Kerze sind mir Türen, die mich in die Getrostheit des Glaubens hineinführen können. Manchmal vermag ich jedoch nur hindurchzuschauen. Freilich sehe ich auch in diesen Momenten durch den Türspalt jenes Licht, das sich «Zuversicht durch den Glauben» nennt: die Gewissheit, dass andere Menschen Worte für das Gebet finden, wenn mir nur noch das Schweigen bleibt, und jemand ein Licht anzündet, wenn sich mein Blick verdunkelt.

Von: Felix Reich