Gideon sprach zu dem Engel des HERRN: Ist der HERR mit uns, warum ist uns dann das alles widerfahren? Richter 6,13

Von Gideon werden Szenen überliefert, in denen er als Haudegen,
als erfolgreicher Krieger, als mächtiger Held auftritt.
So spricht ihn der Engel an: «Der HERR ist mit dir, du mächtiger
Held.» (Vers 12) Aber der Abschnitt, in dem der Losungsvers
steht, zeichnet ein anderes Bild. Hier schreitet Gideon
nicht von Erfolg zu Erfolg, sondern von einem
Zweifel zum anderen. Er stellt Fragen, die für das Volk Israel in einer späteren
Epoche noch viel drängender werden sollten. «Der HERR ist mit uns.» Kann man dies noch sagen nach allem, was passiert ist? Auf welche Art wird es Hilfe und Rettung geben? Wie kann man sicher sein, wirklich das gehört zu haben, was Gott sagen will? Im Dialog erscheint Gideon nicht mehr als die grosse Ausnahmeerscheinung,
sondern als ein Mensch, der verunsichert ist. Ein Mensch wie wir. Die Texte wurden
in einer Zeit bearbeitet, als Israel keinen Staat und keinen
König mehr hatte – wie früher einmal zur Zeit der Richter.
Die Bearbeiter machten aus der Erfolgsgeschichte eine
Glaubensgeschichte. Sie deuteten an, wo sie in ihrer Verunsicherung
einen Halt finden konnten: im Hören auf die Worte der Bibel, die über Generationen weitererzählt wurden; und in der Ausrichtung auf Gott, die im Gottesdienst
und in den Gebeten geschieht.

Von: Andreas Egli