Gott tut grosse Dinge, die nicht zu erforschen, und Wunder, die nicht zu zählen sind. Hiob 9,10
Zugesagt ist uns Menschen, dass wir «nach Gottes Ebenbild
» geschaffen sind. Woran liegt es, dass manche – auch
mir selbst passiert das manchmal – daraus Allmachtsfantasien
ableiten? Dann denken sie beispielsweise, sie müssten
einen Durch- und Überblick haben, wie nur Gott ihn hat.
Dies wiederum führt zu einer hohen inneren Empörung,
wenn ihnen etwas geschieht, das sie nicht verstehen, nicht
einordnen, nicht – wie eine Freundin das so schön formuliert
hat – «versorgen» können, also nicht so im Inneren ablegen,
dass sie nicht ständig darüber stolpern.
Hiob ist der Inbegriff eines Menschen, den sinnloses Leid
überfällt. Seine Freunde halten das nicht aus und versuchen,
dem, was Hiob widerfahren ist, sofort einen Sinn zuzuschreiben.
Sie suchen nach Gründen und behaupten auch, welche
gefunden zu haben, weshalb das, was kam, so kommen
musste. Das verbinden sie mit Rezepten, wie Hiob nun aktiv
damit umzugehen habe.
Hiobs beispielhafte Grösse besteht darin, dass er das
Widersinnige dessen, was er durchmacht, aushält. Er sucht
keinen Grund, sondern hält schlicht, aber nicht einfach,
denn einfach wird das nicht gewesen sein, am Vertrauen
fest, dass Gott sieht und weiss, was für uns undurchschaubar
und unerklärlich ist.
Von: Benedict Schubert