Es wurde ein Mann hereingetragen, der war gelähmt von Mutterleibe an; den setzte man täglich vor das Tor des Tempels, das da heisst das Schöne, damit er um
Almosen bettelte bei denen, die in den Tempel gingen. Apostelgeschichte 3,2
Wenn ich in eine Kirche gehe, dann möchte ich zum Beispiel:
still sein, die Atmosphäre des Ortes auf mich wirken lassen, in
mich gehen, vielleicht auch mit anderen Gottesdienst feiern
oder singen. Aber ich möchte nicht einen Gelähmten oder
einen Bettler vor der Kirche sehen, der mir seine hohle Hand
hinhält. Denn mit dieser Geste hält er mir einen Haufen unangenehmer
Fragen hin: Warum kannst du ruhig in die Kirche
gehen und ein bisschen meditieren, während ich mir hier das
Nötigste erbetteln muss? Warum kannst du gehen, während
ich zum Sitzen verdammt bin? Warum bist du gesund und ich
nicht? Warum bin ich von dir abhängig und du nicht von mir?
– Oft genug habe ich mich schon abgewendet und bin weitergegangen.
Oder ich habe mein Gewissen mit einem Almosen
beruhigt. – Petrus und Johannes begegnen diesem Gelähmten
anders: Petrus schaut ihn an und sagt, er solle im Namen Jesu
Christi aufstehen. Der Mann steht auf, geht mit ihnen in den
Tempel, springt umher und lobt Gott. Der grosse Gegensatz
zwischen einem Menschen, der in totaler Abhängigkeit lebt,
und einem, der plötzlich zur Bewegung, zum eigenen Tun
ermächtigt wird, ist eindrücklich. Der Name Jesu hat hier die
festgesetzten Plätze verschoben und Neues eröffnet.
Von: Katharina Metzger