Monat: Oktober 2024

21. Oktober

Das Volk, das ich mir bereitet habe,
soll meinen Ruhm verkündigen.
Jesaja 43,21

Der Prophet erinnert an den Auszug aus Ägypten, damals. Aber jetzt ist jetzt: Es geht um den Auszug aus dem babylonischen Exil. Und da, das ist die Botschaft, schafft Gott, die Lebendige, Neues: «Seht, ich schaffe Neues, schon spriesst es, erkennt ihr es nicht? Ja, durch die Wüste lege ich einen Weg und Flüsse durch die Einöde.» (Jesaja 43,19) Neues erkennen, sich auf den Weg begeben, Altes hinter sich lassen und aufbrechen: Dazu lädt der Prophet ein – auch uns! So, wie die Menschen damals sehr wahrscheinlich nicht genau gewusst haben, wie das Neue aussieht, worin es besteht, so wissen auch wir es nicht genau. Aber, und das ermutigt doch, wir können uns auf den Weg machen. Auf den Weg mit der Lebendigen, denn sie weiss, wie der Weg aussieht und worin das Neue besteht. Vertrauen bedeutet immer auch, zu gehen, aufzubrechen.
Und, so denke ich, gerade damit rühmen wir Gott, die Lebendige. Wir lassen uns auf sie ein und machen uns auf. Und erzählen sollen wir davon, unser Vertrauen teilen, unsere Hoffnung leben. Wir sind mit anderen Menschen rund um die eine bewohnte Erde unterwegs. Das zu wissen, stärkt und lässt uns eintauchen in die Welt der Menschen, denen es nicht so gut geht. Und Neues wagen, unterwegs sein mit Gottes Hilfe und dem Vertrauen auf Heilung.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

20. Oktober

Der HERR sprach zu Jeremia: Siehe, ich lege
meine Worte in deinen Mund.
Jeremia 1,9

Es gibt die Redewendung, dass man sich Worte zurechtlegt. Wer spricht oder schreibt, macht genau das: Sei es, um sich gegen Angriffe zu wehren oder andere von seiner Ansicht zu überzeugen oder Wahrheiten zu verkünden … Wer die Kunst der rechten Wortwahl beherrscht, wer rhetorisch geübt ist, hat es leichter im Leben.
Jeremia war definitiv kein Rhetoriker. Er war Prophet. Was in seinen Sätzen und in den Bildern aufblitzt, will nicht Poesie und nicht Plädoyer sein. Es ist Spruch eines anderen. Gott legte ihm seine Worte in den Mund. Was für ein tollkühner Anspruch! Es könnte ja jeder kommen und behaupten, seine Worte seien göttlichen Ursprungs. Es könnte ein rhetorischer Trick sein, um Anhänger zu gewinnen. Man könnte sich das so zurechtlegen, um Fangemeinden bei der Stange zu halten. Bei Jeremia war es nicht so. Er hatte keine Menge hinter sich geschart, die ihm applaudierte und ihn bewunderte. Im Gegenteil! Dass er sich erdreistete, das Wort Gottes in den Mund zu nehmen, und behauptete, es sei ihm in den Mund gelegt worden, nahm man ihm übel. Ist es ein Beweis dafür, dass er die Wahrheit sagte? So einfach ist es nicht. Im Nachhinein zu sagen, ich hätte ihm und nicht den Sinnfluencern geglaubt, die wesentlich weniger Anstössiges sagten, ist keine Kunst. Schauen wir denen, die den Mund voll nehmen, gut auf die Finger!

Von: Ralph Kunz

19. Oktober

Auch verlass mich nicht, Gott, im Alter, wenn ich grau werde, bis ich deine Macht verkündige Kindeskindern und deine Kraft allen, die noch kommen sollen. Psalm 71,18

Heute ist Samstag, der letzte Tag der Woche. Und wir hören das Gebet eines Menschen, der am Mittwoch oder Donnerstag seines Lebens auf sein Alter vorausschaut. Er wünscht sich Enkelkinder und bittet darum, auch im Alter noch Grund zu haben, seinen Nachfahren die Macht und Kraft Gottes zu bezeugen. Denn so hat er Gott bis anhin erfahren. Ob es ihm selbst vergönnt war, wissen wir nicht. Aber für uns, die auf das eigene Alter vorausschauen, hat sich sein Gebet erfüllt. Gehören wir nicht zur Schar seiner Kindeskinder, die heute sein Zeugnis hören?
Ich selbst erlebe gerade den Donnerstag in meiner Biografie – so Gott will und ich lebe. Ich hoffe jedenfalls, es seien mir noch ein paar Tage vergönnt. Wünschen sich das nicht alle? Was mich berührt an diesem alten Gebet, ist der tiefere Lebenssinn, den es enthüllt – eine Tiefe, die mehr ist als Länge. Wie schön wäre es, das Zeitliche so zu segnen, wie es sich der Beter wünscht. Mit einem Dank auf den Lippen und einer Botschaft, die denen, die nachkommen, Zuversicht und Hoffnung schenkt. Ich denke an Hanna und an Simeon, an Sara und Abraham, an Maria und Josef. Ich denke an alle, die gegangen sind und die noch kommen sollen. Irgendwann hört alles auf – und bis dahin wünsche ich uns allen einen schönen Sonntag!

Von: Ralph Kunz

18. Oktober

Er war der Allerverachtetste und Unwerteste,
voller Schmerzen und Krankheit.
Jesaja 53,3

Superlative! Die vordersten Plätze für die Schnellsten, Schönsten, Besten, Klügsten, Reichsten, Berühmtesten sind heiss begehrt. Stars jeder Gattung werden gefeiert. Und beneidet.
Um den Titel des Allerverachtetsten gibt es kein Gerangel. «Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn für nichts geachtet.» (Vers 3b) Wer am Boden ist, bekommt oft obendrauf noch Verachtung zu spüren. Denn irgendwie ist er doch selber schuld, nicht wahr?
Das Lied vom «Leiden des Gottesknechts» (Jesaja 53) geht unter die Haut. Seit jeher haben Christen darin Jesus Christus
erkannt. Vers für Vers finden sich Bezüge zum Neuen Testament.
Was Jesus gelehrt hat, wie er gelebt hat und gestorben ist, steht in krassem Widerspruch zum Streben nach den vorteilhaftesten Plätzen. «Die Letzten werden die Ersten und die Ersten die Letzten sein» (Matthäus 20,16) bringt es auf den Punkt. Wie man sich täuschen kann, was zählt, wer gross ist und wer klein!
Im Gottesreich gilt eine grundlegende Umkehrung der Werte, die ebenso verstören wie trösten kann.

Von: Dorothee Degen-Zimmermann

17. Oktober

Der HERR, dein Gott, ist ein barmherziger Gott;
er wird dich nicht verlassen noch verderben.
5. Mose 4,31

Wer ist mit «dein» angesprochen? 5. Mose 4 steht unter
dem Titel «Ermahnung zum Gehorsam». Das Volk Israel wird in einem längeren Text zuerst desillusioniert. Es wird zerstreut werden, es wird «Göttern dienen, die das Werk von Menschenhänden sind» usw. Wird es aber in der Not von ganzem Herzen und von ganzer Seele nach Gott fragen,
ihn suchen und finden (!), dann gilt die Zusage unseres Losungswortes.
Wie wäre es, wenn wir von «unserem» Gott sprechen würden, so, wie wir ihn auch im Vaterunser anrufen? Was ist unser Gottesbild? Stellen wir uns einen Ermahner vor, der uns auf die Finger schaut, wie wir uns auf Erden verhalten? Oder eine barmherzige Kraft, die uns stärkt und nicht verlässt, auch nicht in der Not? Gott ist die Liebe, haben wir in der Sonntagsschule gesungen. Schauen wir in die Welt hinaus, sehen wir viel Hass, Zerstörung, Unversöhnlichkeit und Katastrophen. Nur die (Nächsten-)Liebe kann das überwinden. Das war nach meiner Überzeugung der Antrieb von Jesus Christus und sein Gottvertrauen. Wo zwei oder drei in seinem Namen beisammen sind, da ist er (da ist die Liebe, möchte ich ergänzen) mitten unter ihnen. Empfangen wir Liebe und schenken wir Liebe weiter, sind wir nicht verlassen!
Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Von: Bernhard Egg

16. Oktober

Besser ein Gericht Kraut mit Liebe
als ein gemästeter Ochse mit Hass.
Sprüche 15,17

Dieser heutige Losungsvers war mir bis dato nicht wirklich bekannt. Das Buch der Sprüche hält immer wieder Überraschungen für mich parat. Ich denke nach.
Ich erinnere mich an so manche Mahlzeit, da wurde das beste Essen aufgetischt, aber die Atmosphäre am Tisch war komplett angespannt. Zwei von denen, die bei mir am Tisch sassen, waren einander spinnefeind; ja, das konnte man einfach sehen. Irgendwie schmeckte das Essen dann gar nicht richtig, auch wenn es noch so edel war. Das Essen schmeckt nicht, wenn die Atmosphäre vergiftet ist. Da kann es um ein Kerzenlichtdinner gehen oder um eine Hochzeitstafel.
Im Bibeltext geht es aber auch um das Kraut. Ein ganz einfaches, unscheinbares Essen. Sauerkraut mit Würstchen, ganz banal im Stammwirtshaus als Mittagsmenü – herrlich! Oft sitze ich dort zum Mittagessen in vertrauter Runde mit meiner Familie bei Sauerkraut mit Würstchen. Essen in gelöster Atmosphäre.
Was nehmen wir heute mit in den Tag? Alles Äussere fällt schnell ab, wenn es innen nicht stimmt. Das gilt auch für vieles andere, was heutzutage ungemein wertgeschätzt wird. Alles im Leben ist Beziehung. Und für eine gute Beziehung braucht es Liebe, Dankbarkeit und Freude.

Von: Carsten Marx

15. Oktober

Er aber, unser Herr, Jesus Christus, und Gott, unser Vater, der uns liebt und uns durch seine Gnade ewigen Trost und gute Hoffnung gibt, ermutige eure Herzen und stärke euch zu jedem guten Werk und Wort. 2. Thessalonicher 2,16–17

Da sitzt Yvonne mit ihren neun Jahren. Vor einigen Monaten ist ihre Mutter plötzlich gestorben. Ihre Familie muss jetzt damit fertigwerden. Yvonne, die einjährige Schwester Mareike und ihr Papa, der jetzt berufsunfähig ist. Was bedeutet in dieser Situation Trost? Wie kann man hier trösten? Trost ist eine Hilfe, die sich niemand selbst geben kann. Doch genau diese Hilfe von aussen macht es so schwer. Sich einzugestehen: Ich bin bedürftig und ich verzichte darauf, nach Trostersatzmitteln zu greifen. Trösten ist eine hohe Kunst. Beim Trostspenden braucht es viel Fingerspitzengefühl. Diejenigen, die Trost spenden, wollen oft zu schnell helfen oder wissen oft zu schnell, was einem anderen fehlt. Trost bedeutet auch: Ich muss die gegenwärtige Situation des anderen aushalten und ertragen.
Paulus sagt in unserem heutigen Lehrtext, trösten sei eine Gotteskunst. Er nimmt auf, was wir mit Trost meinen und erleben, und gibt uns damit einen Begriff, mit dem wir Gottes Wirklichkeit für uns auf den Punkt bringen können: Gottes Trost ist österlich. Gottes Trost hat eine Eigendynamik. Gottes Trost lässt auferstehen und ermutigt uns Menschen. Trost braucht nicht nur Umarmung, sondern viel Zeit. Das schenkt mir Mut und Hoffnung!

Von: Carsten Marx

14. Oktober

Alles, was Odem hat, lobe den HERRN! Halleluja! Psalm 150,6

Als einen kosmologischen Paukenschlag könnte man diese Schlusszeile des gesamten Psalters bezeichnen. In den vorausgegangenen Abschnitten erscheinen, als Symbole für die göttliche Seinsweise, eine Vielzahl von Instrumenten. Bach hätte seine Freude daran gehabt. Dieses göttliche Symphonieorchester steht für die Grösse und die Vielfalt göttlicher Wirkmacht. Es ist zugleich Aussage über die verschiedenartige Klangkraft nicht nur der gesamten Schöpfung, sondern auch der vielfältigen Anbetungsformen und Namen, mit denen die Menschheit sich je dieser Wirkmacht genähert hat.
Da sind die Gänseblume und der Mohn, die Amsel und
der Kakadu, der Wal und die Schnecke, der Afrikaner, die Asiatin, der Europäer und die «Muheras negras» (Afrobrasilianerinnen). Der Rabbi und der buddhistische Lehrer, die Pfarrerin und die weise indigene Frau. Sie alle formen in der ihnen je eigenen Weise das grosse Halleluja, den grossen
Lobgesang, das Symphonieorchester Gott zu Ehren. Zusammen mit den Gläubigen in weltweiter Gemeinschaft gilt: Lobet die göttliche Wirkmacht, die sich in allem, wirklich in allem Ausdruck verschafft. Die Gewissheit, dass wir in unseren Gottesdiensten und Gebeten Teil dieser universalen Lobesgemeinschaft sind, stärkt mich und ich hoffe, Sie auch!

Von: Gert Rüppell

13. Oktober

Josef sprach zu seinen Brüdern: Ihr gedachtet es
böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut
zu machen.
1. Mose 50,20

Wieder ist der Losungstext, der aus der uns allen bekannten Josephsgeschichte stammt, ohne seinen Kontext nicht auszulegen. Geht es doch um eine Situation, die uns bekannt ist. Wie viele Familien kennen das! Nach dem Tod eines Angehörigen kommen alte Probleme, altes Misstrauen wieder an den Tag. Wird Joseph nach dem Tod des Vaters Jakob bei seiner Haltung bleiben, oder wird er nun seine Macht ausspielen, sich rächen? Die Brüder, wie oft auch wir, glauben nicht an die Kraft, Echtheit einmal vollzogener Versöhnung! Es bleibt Skepsis. War Josephs Vergebung echt? Letztlich wirft die Frage ja einen Schatten auf das eigene Verständnis davon, ob wir der uns zugesprochenen Vergebung, Gnade, im zwischenmenschlichen, aber auch im göttlichen Raum vertrauen. Und vergib uns unsere Schuld. Glauben wir an die Erfüllung dieser sonntäglich an Gott gerichteten Bitte? Glauben wir im zwischenmenschlichen Bereich daran, dass uns Unrecht, das wir begangen haben, vergeben wird, ein Neuanfang möglich ist? Wollen wir Vergebung annehmen?
In Zeiten, in denen Hass und Unfrieden vieles in unseren Gesellschaften bestimmt, ist die Bejahung von Versöhnung umso zentraler. In diesem Sinn: Gott gedenkt auch heute, es mit uns gut zu machen. Schenken wir diesem Gott unseren Glauben, unser Vertrauen.

Von: Gert Rüppell

12. Oktober

Das ist’s, was der HERR gesagt hat: Ich erzeige mich heilig an denen, die mir nahe sind, und vor allem Volk erweise ich mich herrlich. 3. Mose 10,3

Dieser Gottesspruch steht in einer ziemlich sonderbaren Geschichte aus der Wüstenzeit des Volkes Israel: Die Söhne Aarons haben ein von Gott nicht gebotenes Rauchopfer dargebracht. Gut gemeint, aber offensichtlich danebengegangen. Gottes Kommentar ist deutlich: Heiligkeit kann nicht durch Menschenwillen gemacht werden. Sie ist – als Gegenwart von Gottes Macht und Herrlichkeit – nur auf seinen Entscheid hin, nur in der Übereinstimmung des menschlichen Handelns mit seinem Willen möglich.
Der Kontext mag befremdlich sein. Aber wir können vermuten, was die Argumentation des Erzählers war, als er Ausspruch und Erzählung zusammenfügte. Es geht bei Gottes Heiligkeit nicht um unbegreifliche, mirakulöse Erscheinungen aus einer Überwelt. Wir können sie verstehen als das Miteinander von Gottes Gegenwart und gleichzeitig seiner
Unerreichbarkeit. Darum ist sie da, wo Menschen «heilig» sind in dem Sinne, dass sie in Verbindung mit diesem zugleich gegenwärtigen und unerreichbaren Gott stehen und sich von seinem Willen leiten lassen. So machen sie seine Heiligkeit und Herrlichkeit vor den Menschen, «vor allem Volk» sichtbar und wirksam.

Von: Andreas Marti