Der HERR hat uns gemacht und nicht wir selbst zu seinem Volk und zu Schafen seiner Weide. Psalm 100,3

«Sie sind wie Schafe», sagt man von Menschen und Menschengruppen, die sich leicht führen und verführen lassen. Wir aufgeklärten Menschen sind ständig um Autonomie und Selbstbestimmung bemüht. Wie ein Schaf zu sein, scheint mir zunächst nicht erstrebenswert.

Aber vielleicht geht es hier um etwas ganz anderes: um Vertrauen, um die Erfahrung, nicht allein unterwegs zu sein, und um die Erkenntnis, dass wahre Stärke auch im bewussten Einlassen auf Gemeinschaft liegen kann. Ja, ich bin sogar überzeugt davon, dass die Zukunft des Christentums in christlichen Kollektiven liegt, die ein gemeinschaftliches Wachstum ermöglichen, füreinander verantwortlich zu sein, aufeinander Acht zu geben. Mich selbst hat mein Weg zur Iona Community gebracht, wo wir einander ein Stück Rechenschaft über unser Leben geben.

In einer solchen Gemeinschaft braucht es die Bereitschaft, zeitweise Verantwortung zu übernehmen und vom Schaf zur Hirtin oder zum Hirten zu werden, eine Art «Hirtengesinnung».

Vielleicht fühle ich mich dem Bild des Hirten auch deshalb besonders verbunden, weil wohl einer meiner Vorfahren Schäfer gewesen sein muss. Vor allem aber erinnert es mich daran, dass Christsein immer beides bedeutet: geführt wer-den und Verantwortung für andere übernehmen.

Von: Barbara Heyse-Schaefer