Schafft Recht und Gerechtigkeit und errettet den Beraubten von des Frevlers Hand und bedrängt nicht die Fremdlinge, Waisen und Witwen und tut niemand Gewalt an. Jeremia 22,3
Die Kapitel 22 und 23, die der Prophet Jeremia vor zweieinhalbtausend Jahren im Namen Gottes gesprochen hat, haben auch heute eine geradezu atemberaubende Aktualität! Es sind Verhaltensthesen an Mächtige, hier an das Königshaus Judäa. Sie konkretisieren gewissermassen jene visionären und so hoffnungsgeladenen Psalmworte von gestern: Wenn sich Gerechtigkeit und Friede wirklich küssen, dann müsst ihr euch mit aller Kraft einsetzen für das Recht der Schwachen und Bedrängten unter euch! Wenn ihr das tut, dann werdet ihr eine goldene Zukunft haben (Vers 4). Wenn nicht, dann werdet ihr meinen Zorn in aller Heftigkeit erfahren (Vers 5). Oder später: Wehe dem, der sein Haus nicht auf Gerechtigkeit baut und seine Obergemächer nicht auf Recht … (Verse 13 ff.) Aber gegen Ende der langen Prophetenrede tönt es nochmals anders: Da lasse ich für David einen gerechten Spross auftreten, und dieser wird als König herrschen und einsichtig handeln und Recht und Gerechtigkeit üben im Land (23,5 f.).
Im Ganzen sind es zehn solcher Worte an jene, die Macht haben. Und dadurch auch die Möglichkeit, ihnen nachzuleben. Was im Grossen gilt, hat auch im Kleinen Gültigkeit: Gerecht zu sein und recht zu handeln, ist der Boden für jede Form von Gemeinschaft.
Von: Hans Strub