Gideon sprach: Ich will nicht Herrscher über euch sein, sondern der HERR soll Herrscher über euch sein. Richter 8,23

Es geht um ein Wort Gideons, eines jener sagenhaften Richter Israels, die vor allem militärisch zum Rechten schauten und Vorgänger der Könige waren. Das Richterbuch ist eine Sammlung ihrer abenteuerlichen Geschichten: Es gibt viele Schlachten und Helden mit wunderbaren Kräften, aber auch einige ethischen Entgleisungen, die heute als Kriegsverbrechen gelten. Wenn eines Tages ein bibeltreuer Filmer auf die Idee kommen sollte, aus dem Stoff eine Serie für Netflix zu machen, müsste die Triggerwarnung «Gewalt, verstörende Bilder» kommen. Das gilt auch für die Szene, bevor sich Gideon als gottesfürchtiger und demütiger Richter erweist. Er hat gerade zwei Provinzkönige erschlagen, eine Burg zerstört, die Stadtbewohner getötet und ein paar Älteste aus-peitschen lassen. Jetzt wollen die Israeliten ihn zum König küren, weil er sich als ihr Sicherheitschef bewährt hat. Was machen wir mit solchen Storys? Wir lesen sie und kämpfen gegen eine kreuzfalsche Deutung. Kein Mensch darf tun, was Gideon getan hat – weder im Namen Gottes noch im Namen Israels, weder als sogenannter Siedler im Westjordanland noch als Mitglied der Terrororganisation Hamas, weder als Soldat und erst recht nicht als israelischer Richter. Wenn die Bibeltreuen darauf bestehen, dass Gottes Herrschaft der Massstab unseres Handelns sein soll, sollen sie um Himmels willen ein paar Seiten weiterblättern.

Von: Ralph Kunz