Siehe, Gott der HERR hilft mir; wer will mich verdammen?
Jesaja 50,9
Eingestreut in das Buch Jesaja gibt es eine Reihe von vier
rätselhaften Liedern (42, 1–4; 49, 1–6; 50, 4–9; 52,13–53,12).
Menschen, die das Alte Testament erforschten, nannten sie
«Gottesknechtslieder». Im ersten Lied wird die Gestalt vorgestellt,
in den beiden folgenden spricht sie selbst; im vierten
hören wir, wie über sie berichtet wird.
Früh schon sahen Christusgläubige in dieser Gestalt Jesus
vorgezeichnet. Tatsächlich erinnert viel an sein Leben. Wie
er die aufrichtete, die am Boden lagen, wie er mit Menschen
umging; aber auch wie Jesus Widerstand erfuhr und schliesslich
grundlos gequält und hingerichtet wurde.
Der Vers von heute erinnert uns daran, dass zu allen Zeiten
Leute, die ihrer Glaubensberufung folgten, mit Widerstand
zu rechnen hatten.
Ich selbst bin in der sehr glücklichen Lage, keine körperliche
Gewalt erleben zu müssen; ich habe auch nicht den Eindruck,
dass mir aus meinem Glauben Nachteile erwüchsen.
Mir begegnet höchstens Unwissen, Gleichgültigkeit oder
gepflegte Herablassung, wenn ich mich als Pfarrer zu erkennen
gebe. Der Vers aus Jesaja sagt uns zu, dass nichts uns
zerstören kann, weil wir zu Gott gehören.
Von: Heiner Schubert