Die Frau entgegnete: Ja, Herr! Aber die Hunde fressen doch die Krümel, die vom Tisch ihrer Herren herunterfallen. Darauf antwortete Jesus: Frau, dein
Glaube ist gross! Was du willst, soll dir geschehen! Matthäus 15,27–28
Jesus wandert im Grenzgebiet zwischen seiner Heimat Galiläa und der ausländischen Stadt Tyros. Eine Frau von dort bittet ihn mit lauten Rufen um Hilfe. Ihre Tochter sei krank und leide unter schweren Anfällen. Jesus geht nicht auf sie ein. Als die Jünger ihn drängen, sagt er, sein Auftrag gelte nur für die «verlorenen Schafe» von Israel. Die Frau lässt nicht locker, aber Jesus bleibt abweisend: «Es ist nicht recht, den Kindern das Brot wegzunehmen und es den Hunden zu geben.» In der Bibel kann das Wort «Hund» einen abschätzigen Ton haben. Mit dem Mut der Verzweiflung wagt die Frau im Losungsvers einen dritten Anlauf. Sie akzeptiert, dass es eine Reihenfolge gibt: Herren – Kinder – Hunde. Doch sie dreht das Bild um. Die Hunde sitzen zwar unter dem Tisch, aber sie gehören auch zur Familie. Sie dürfen wenigstens die Brosamen erhalten, die vom Essen der Kinder übrig blei-ben. Jesus lässt sich von der Entschlossenheit dieser Mutter beeindrucken. Sie setzt ein grosses Vertrauen auf ihn, und ihre Tochter bekommt Hilfe. Die Erzählung zeigt: Im Grenzgebiet gibt es nicht nur Schwarz und Weiss. Man muss auch die feinen Abstufungen sehen.
Von: Andreas Egli