Gelobet sei der Name Gottes von Ewigkeit zu Ewigkeit, denn ihm gehören Weisheit und Stärke! Daniel 2,20
Zunächst erscheint die Losung wie ein Text, den es zu Hunderten in der Tora, den Propheten und den Geschichtsbüchern gibt und dem wir frohgemut am heutigen Morgen zustimmen können. Dann aber, wenn wir ein wenig in den Zusammenhang schauen, wird dies ein spannender Text. Denn dem Herrscher aller Herrscher, Nebukadnezar, gelingt es nicht, ein «Gesicht» zu deuten, das er in der Nacht gesehen hat. Eine Vision vom Zusammenbruch all dessen, was er zu beherrschen meinte. Erklärung muss her, und wer nicht zufriedenstellend erklären kann, wird umgebracht. So einfach ist die Logik der Herrschenden.
In dieser Situation zählt auch Daniel zu den potenziellen Opfern. Er aber und seine Gefährten wenden sich im Gebet an den Gott der Väter, ihren Herrscher, und erhalten eine Deutung, die die Vision Nebukadnezars in den Gesamtzusammenhang von Aufstieg und Fall seines Reichs einordnet. Die Erkenntnis dieses Zusammenhangs vom Aufstieg und Fall von Macht ist der Kontext, aus dem heraus Daniel, dem hier Einsicht gegeben worden ist, sein Lob ausspricht. Ein Lob dessen, der von Ewigkeit zu Ewigkeit Weisheit und Stärke beweist, anders als der mit einer kurzfristigen Macht ausgestatte Kaiser und sein Reich.
Ganz anders als so mancher Gernegross von heute.
Von: Gert Rüppell