Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. Psalm 103,2

Mein Partner und ich haben seit einiger Zeit ein Ritual am Abend vor dem Einschlafen: Wir sagen, wofür wir an diesem Tag dankbar sind. Zuerst er, dann ich. Oder zuerst ich, dann er. Die Dinge, die wir da aufzählen, können zum Beispiel diese sein: Etwas ist uns in unserer Arbeit gut gelungen. Wir haben uns zu etwas Unangenehmem oder Schwierigem überwinden können. Wir haben ein feines Essen gehabt. Wir sind dankbar für das Haus, in dem wir wohnen dürfen. Der Sohn ist gut aus dem Lager zurückgekehrt. Die Tochter ist gut nach Italien abgereist. Jemand fordert uns zu einer Tat oder Haltung heraus, die uns weiterbringt. Die Rosen im Garten blühen. Das Singen im Chor war schön. Wir sind froh, einander zu haben.

Solche Dinge sagen wir einander. Manchmal schweift jemand von uns ab, beginnt plötzlich zu erzählen. Das ist manchmal gut, und manchmal, wenn wir müde sind, knurrt die eine Person die andere zurecht, damit diese zum Punkt kommt. Wenn wir fertig sind mit unseren Aufzählungen, sagen wir «Amen». Ich weiss nicht mehr, wie dieses Amen aufgetaucht ist. Aber es gibt unserem Ritual den Charakter eines Dankgebets. Und das ist passend, weil wir immer wie-der merken, wie uns vieles passiert und wie wir in unserer Abhängigkeit von anderen viel Gutes erleben dürfen, das nicht auf unser Tun zurückgeht, sondern ein Geschenk ist.

Von: Katharina Metzger