Paulus schreibt: Mir ist alles und jedes vertraut: beides, satt sein und hungern, beides, Überfluss haben und Mangel leiden; ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht. Philipper 4,12–13

Paulus und seine Begleiter waren auf ihren Reisen hauptsächlich
zu Fuss, manchmal per Schiff, unterwegs. Was man
brauchte, musste getragen werden, auf dem eigenen Buckel
oder von bezahlten Trägern. Die Strassen waren meistens
gut, dafür sorgten die Römer. Aber die körperliche Leistung
– und der tägliche Kalorienbedarf – war enorm. Und
wo hat Paulus Überfluss kennengelernt? Wohl da und dort
bei grosszügigen Gastgeberinnen wie Lydia in Philippi. Mit
keiner Gemeinde war der Apostel so herzlich verbunden
wie mit den dortigen Glaubensgeschwistern. «Meine geliebten
und schmerzlich vermissten Brüder und Schwestern»,
schreibt er (Philipper 4,1 ff.). Diese hatten ihn, der damals
vermutlich in Rom in Gefangenschaft sass, mit einer Spende
für seinen Lebensunterhalt tatkräftig unterstützt.
Hunger haben? Von Spendern abhängig sein? Paulus hatte
sich für Gottvertrauen entschieden. Das bewahrte ihn
vor dem Klagen, vor Furcht und Sorgen: «Alles vermag ich
durch den, der mir die Kraft dazu gibt.» (Neue Zürcher
Übersetzung)
Mit dieser Haltung kann auch die Bewältigung des Alltags
ohne spektakuläre Reisen ein Abenteuer sein, wo ich die
Hilfe dessen, der mich stark macht, erfahre, sei es in Engpässen
oder im Übermass an Möglichkeiten.

Von: Dorothee Degen-Zimmermann