HERR, führe meine Sache und erlöse mich; erquicke mich durch dein Wort. Psalm 119,154

Im längsten aller Psalmen, der das hebräische Alphabet
durchbuchstabiert, steht dieser kurze Vers, eine Geschichte
in drei Worten: führen, erlösen, erquicken.
Führe meine Sache! Welche Sache? Ist dem Psalmdichter
Unrecht geschehen? Hat er sich in eine ausweglose Lage
manövriert? Ist er ratlos? Kraftlos? Hat er Angst? Das erfahren
wir nicht. Es ist seine Sache, und sie ist ihm zu gross, zu
schwer. Es ist gut, Gott um Hilfe zu bitten.
Erlöse mich! Es geht nicht nur um eine Sache, es geht um
ihn selbst. Der Beter hat sich verstrickt, er zweifelt und verzweifelt
und kommt nicht los. Niemand kann sich selbst
erlösen.
«Erlöse uns von dem Bösen», hat Jesus uns beten
gelehrt. «Ich elender Mensch!», schrieb Paulus an die Römer,
«Wer wird mich erlösen von diesem Leib des Todes? Gott
sei Dank durch Jesus Christus, unsern Herrn.» (Römer 7,24)
Erquicke mich durch dein Wort! Der Psalmdichter hat Erlösung
erfahren. Es war ein Kampf. Jetzt ist er frei, aber erschöpft,
er braucht Kraft zum Weitergehen. «Erquicken»,
was für ein poetisches Wort, wie frisches, kaltes Wasser! Jesus
lädt ein: «Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen
seid; ich will euch erquicken!» (Matthäus 11,28) Mögen
auch die Bolderntexte da und dort Erquickung bringen!

Von: Dorothee Degen-Zimmermann