Maria setzte sich dem Herrn zu Füssen und hörte seiner Rede zu. Lukas 10,39

Jesus war bei Marta zu Besuch. Sie war offensichtlich die Vorständin
ihres Hauses und hatte Jesus eingeladen, bei ihr einzukehren.
Und natürlich fühlte sie sich dafür verantwortlich,
dass ihr Gast mit Speise und Trank gut versorgt wurde. Ihre
Schwester Maria hatte wohl weniger Verantwortung,
hätte aber natürlich helfen können. Früher, als wir noch einen
grossen Haushalt hatten und täglich viel zu tun war, um alle
satt zu kriegen, hatte ich immer besondere Sympathie für
Marta, die sich über die in ihren Augen bequeme
Schwester ärgerte. «Jesus zu Füssen sitzen und zuhören, das ist nun
wahrlich keine Leistung, sie könnte mir ruhig helfen!», wird
sie sich gedacht haben. Hat sie nicht recht?
Maria aber hört Jesus aufmerksam zu – sie ergreift diese
einmalige Chance – und sie kann offensichtlich zuhören.
Das ist ja bekanntlich gar nicht so leicht. Wirklich aufmerksam
zuhören – das ist schwer, und wenn es gelingt, kann es
einen Menschen zutiefst berühren und wachsen lassen. Von
ihrer Namensschwester Maria, Jesu Mutter, heisst es nach
dem Besuch der Hirten: «Und sie bewegte alle ihre Worte
in ihrem Herzen.» Gut zuhören – dann können Worte und
Sätze einem sehr viel bedeuten und lange wirken. Maria
hatte im Zuhören das gute Teil erwählt – ich hoffe, Marta
hat dies akzeptiert und sich dann dazugesetzt!

Von: Elisabeth Raiser von Weizsäcker