Die vom Volk, die ihren Gott kennen, werden stark sein und danach handeln. Daniel 11,32
Die Losung holt uns ins babylonische Exil und zu all den Versuchen
Nebukadnezars, sich das Volk gefügiger zu machen,
indem es zur Staatsideologie, hier dem Hellenismus, übertrat.
Das war natürlich verführerisch. Wahrscheinlich ist es
nicht nur mir vertraut, wie sehr es das Leben erleichtert,
wenn man den Weg geht, der von oben befohlen wird. In
so manchem Land, nicht nur dem unseren, gibt es immer
wieder Perioden, in denen Christen sich nationalen Ideen
und Ideologien mehr verpflichten als dem, was ich hier das
«Programm Jahwes / Jesu» (2. Mose 20, 5 / Mt. 5,1–7,29) nennen
möchte.
Zurzeit ist wieder einmal die Frage der Gewaltlosigkeit
solch ein programmatischer Schwerpunkt, bei dem es vielen
Christen schwerfällt, sich von der offiziellen politischen Linie
abzusetzen und die Frage eines christlichen Verhältnisses zur
Ausübung von Gewalt (z. B. Matthäus 26,52) neu durchzubuchstabieren.
Auch die neue Friedensdenkschrift der EKD
ruft nach dieser Losung. Was heisst es angesichts gegenwärtiger
Herrschaftsstrukturen: Die vom Volk, die ihren Gott
kennen, werden stark sein und danach handeln?
Mir wird deutlich, wie schwierig es damals unter Nebukadnezar
war, stark zu bleiben und entsprechend zu handeln.
Was mir bleibt, ist das Gebet um Kraft und um Einsicht für
diejenigen, die das Volk führen.
Von: Gert Rüppell