Der HERR, der gütig ist, wolle gnädig sein allen, die ihr
Herz darauf richten, Gott zu suchen. 2. Chronik 30,18–19

Mir fallen zu diesem Losungstext Erlebnisse bei meiner Grossmutter
ein. Sie war so etwas wie eine Grande Dame, strahlte
Würde aus, wenn sie in ihrem Sessel sass und zumeist irgendeine
Handarbeit verrichtend Besucherinnen und Besucher
empfing. Wollte ihr jemand besonders gefallen, sie gütig für
ein Anliegen stimmen und ihr also schmeicheln, so begrüssten
sie sie zumeist mit «gnädige Frau». Hierauf kannte meine
Grossmutter nur eine Antwort: «Gnädig ist nur einer!» Im
Sinne der Losung kann diese Antwort verstanden werden
als: «Senden Sie bitte die Schmeicheleien an die richtige
Adresse!» Und in der Tat, es wäre ja in unserer Welt vielen
schon geholfen, wenn das Gefallenwollen sich dorthin richten
könnte, wo das Gnädigsein zuhause ist. Wenn das Herz,
also unsere Lebensmitte, sich auf den Urquell aller Güte und
Gnade fokussieren würde. So, wie es Hiskia in der Losung
tut, wenn er all jene ins Gebet und in seine Handlungen
einschliesst, die sich letztlich unwissend verhielten und sich
noch nicht für das Heilige gereinigt hatten. Für sie bittet
Hiskia
Gott um Gnade. In meinen Worten: Auch wenn es
bisher nicht gereicht hat, so wende dich nicht ab, Gott, bleib
den Unvollkommenen zugewandt. «Und der Herr erhörte
Hiskia und vergab dem Volk!», heisst es in Vers 20. Welch
eine Chance für ein erneutes Fokussieren auf den, von dem
meine Grossmutter schon sagte: «Gnädig ist nur einer!»

Von: Gert Rüppell