Der HERR wird aufheben die Schmach
seines Volks in allen Landen. Jesaja 25,8
Es ist eine opulente Vision der Hoffnung, die der Prophet ins Bild setzt. Gott wendet sich allen Völkern zu und bereitet ihnen auf dem Berg «ein fettes Mahl» (Jesaja 25,6). Die Menschen sollen sich nicht nur satt essen, Gott will sie auch befreien von der Schmach, die sie erlitten haben, und von der Angst vor dem Tod: «Den Tod hat er für immer verschlungen, und die Tränen wird Gott der Herr von allen Gesichtern wischen.» (Jesaja 25,8)
Die aufscheinende Jenseitshoffnung leuchtet hell mitten ins Diesseits, ins Leben und in die Welt hinein. Sie will die dunkle Macht der Gewalt, der Vergeltung und des Todes brechen. Und sie verspricht all jene zu sättigen, die hungern nach Brot und nach Gerechtigkeit.
Das Versprechen vom göttlichen Mahl, das den Hunger stillt und vom Joch der Unterdrückung befreit, ist das Bild, das all jene Menschen eint, die an der Gewissheit festhalten, dass eine andere Welt möglich ist: in der geteilt statt geraubt, versöhnt statt vergolten, Frieden gestiftet statt Zwietracht gesät wird. Der Weg auf diesen Gipfel ist weit; wer ihn geht, rutscht immer wieder ab. Doch Gott kommt entgegen und schenkt den Mut, weiterzugehen und sich von der Hoffnung immer wieder neu berühren und bewegen zu lassen.
Von: Felix Reich