Schlagwort: Madeleine Strub-Jaccoud

4. August

Der HERR ist ein Gott des Rechts. Wohl allen, die auf ihn harren!
Jesaja 30,18

Das Volk ist vom Weg abgekommen, hat Gewalt und Arglist eingesetzt. Die Lebendige lässt ihr Volk aber nicht fallen. Vielmehr mahnt sie zu Umkehr, Ruhe und Vertrauen (Vers 15).
Und sie wartet, wartet darauf, dass das Volk einsichtig wird. Dann will sie sich erbarmen und Brot und Wasser schenken. Das gibt Kraft und führt aus der Bedrängnis. Ich meine, dass uns in unserer Welt, die unter Kriegen und Ungerechtigkeit leidet, dieses Erbarmen Gottes zugesagt ist. Ruhe, Vertrauen, Recht, genau das brauchen die Menschen, die unter der Gewalt leiden.
Mir scheint, es sei wie eine Durststrecke, die die Welt durchläuft.
Die Lebendige wartet, und sie wartet nicht mit leeren Händen, sondern sie will die Menschen mit Brot und Wasser stärken. Wie lange dauert diese Durststrecke?
Ich kann einfach nur hoffen, dass die Menschen, die über die Gewalt und die Kriege entscheiden, nicht das letzte Wort haben, sondern Gott, die Lebendige, die auf uns wartet. Und ich kann diese Durststrecke füllen mit meinem Gebet, meinem Festhalten daran, dass Gerechtigkeit und Friede für alle möglich sind. Und ich kann hoffen und die Hoffnung mit anderen Menschen teilen. Denn Gott ist ein Gott des Rechts.
Danke, dass du auf die Umkehr der Menschen wartest und dich unser erbarmst.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

3. August

Der HERR spricht: Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du gehen sollst. Psalm 32,8

Es kann sein, dass Gott den Psalmdichter direkt anspricht. Dieser braucht Gottes Beistand: «Denn schwer lag deine Hand auf mir Tag und Nacht, verdorrt war meine Lebenskraft.» (Vers 4) Und dann folgt das Schuldbekenntnis. Ich gestehe, dass mir diese Ausdrucksweise Mühe macht. Führt die direkte Ansprache aus der Tiefe ins Licht? Wie soll das gehen, wenn die Kraft doch einfach fehlt? Ich denke unweigerlich an die Menschen in Gaza, in der Ukraine, im Sudan, in Myanmar. Sie brauchen immer wieder Kraft, unendlich viel Kraft, um ihren Alltag zu bestehen oder die Flucht in Angriff zu nehmen. Auch wenn der Psalm von einem einzelnen Menschen geschrieben wurde, Gottes Unterweisung steht allen zu, besonders den leidenden Menschen. So kann ich nur die Lebendige darum bitten, dass sie mit den Menschen unterwegs ist und ihnen die nötige Lebenskraft schenkt. Und ich kann darum bitten, dass ich das tue, was ich kann: mit diesen Menschen und mit Gott unterwegs sein, immer wieder neu darum bitten, dass Gerechtigkeit und Frieden Einzug halten. Und ich kann meinen Weg so gestalten, dass die Lebendige mich begleitet, auch dann, wenn meine Kraft zu schwinden droht.
Sei du bei den leidenden Menschen und mit uns allen auf dem Weg.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

4. Juli

Du bist mein Schutz und mein Schild;
ich hoffe auf dein Wort.
Psalm 119,114

Und was, wenn das Wort einfach zugeschüttet ist von
schlechten Nachrichten, von Betriebsamkeit, von Ungeduld,
von Arbeit, von der Pflege der alten Eltern? Mit Schilden
kann ich nichts anfangen, aber Schutz brauche ich. Ich will
nicht, dass die Kraft, die mir die Lebendige durch ihr Wort
schenkt, zugeschüttet ist. Ich will mich nicht verirren in den
Verwirrungen unserer Welt.
Gott wird direkt angesprochen: «Du bist.» Vielleicht sitzt
in mir die Hoffnung auf Gott. Vielleicht kann ich daraus
Kraft schöpfen und wieder zu mir und damit zu Gott finden.
Und das ist es, was mich verbindet mit den Menschen, auch
mit denjenigen, die an einen anderen Gott glauben als ich.
Sie alle sind mit der Hoffnung unterwegs, sie alle hoffen auf
Gerechtigkeit und Frieden, sie alle sind weise und gehen den
Weg des Lebens, auch wenn dieser lang und beschwerlich ist.
Wenn mir jemand ein Lächeln schenkt im Zug oder mich
freundlich anschaut, tut mir das gut. Und: Kann es sein, dass
hie und da Gottes Wort da ist, offen, klar, zukunftsorientiert?
Dann atmen wir durch und gehen weiter, spüren, wie befreiend
dieses Wort ist. Daraus entsteht Hoffnung und Kraft.
Schenke du uns und allen Menschen immer wieder neu die
Kraft deines Wortes.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

3. Juli

Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg;
aber der HERR allein lenkt seinen Schritt.
Sprüche 16,9

Als Kind war ich einmal mit meiner Mutter unterwegs im
Wald. Wir hatten nur einen schmalen Fussweg, den wir
immer wieder suchen mussten. Das machte mir Angst. Da
erblickte ich in der Ferne ein mir vertrautes Haus, und ich
konnte wieder sicheren Schrittes weitergehen. Es war unser
Weg. Wir gingen ihn in der Hoffnung, unser Zuhause wiederzufinden.
Das heutige Losungswort macht mir Mut und
schenkt uns Hoffnung. Denn Gott, die Lebendige, lässt mich
meinen Weg gehen. In der komplexen Welt von heute ist
das gar nicht einfach. Es gibt so viele verschiedene Wege
in der Berufswahl der jungen Menschen, im Gestalten des
Alltags, in der Frage, was in meinem Handeln der Klimakrise
entgegenwirkt und was nicht. Gott lässt mich meinen Weg
gehen. Ich kann ihn gehen, kann straucheln und wieder aufstehen,
denn ich kann mit der Gegenwart der Lebendigen
rechnen. «Durch Güte und Treue wird Schuld gesühnt.»
(Sprüche 16,6)
Gemeint sind meine Güte und meine Treue, Güte zu den
Menschen, mit denen ich hier und weltweit unterwegs bin,
und Treue zum Gott des Lebens. Auch das mag manchmal
gelingen und manchmal nicht. Aber Gott geht den Weg mit
mir – mit uns.
Danke, Gott des Lebens, dass du mit uns gehst.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

4. Juni

Du bist mein Vater, mein Gott und der Hort
meines Heils.
Psalm 89,27

Die heutige Losung ist einem Weisheitslied entnommen. Es
erinnert an den Bund, den Gott mit seinem Volk geschlossen
hat. Die Zürcher Bibel spricht im heutigen Vers vom Felsen.
Gott als Felsen, Vater und Mutter. Im Altwerden erinnere
ich mich an Situationen, in denen meine Mutter und mein
Vater für mich ein Felsen waren. Etwa dann, wenn ein Elternteil
ernsthaft krank war und der andere der Felsen war. Zu
diesem Felsen gehört das Vertrauen. Vertrauen in Gott, die
Lebendige. Und so spricht der Psalm auch von Gnade. Vater
und Mutter können zuhören, können einen Konflikt wieder
wegstecken. Das ist vielleicht das wichtigste Merkmal des
Felsens, dass er oder sie uns annimmt, mit allem, was Leben
ausmacht. An uns ist es, immer wieder neu dieser Gnade,
von der auch der Psalm spricht, zu vertrauen. So können wir
Schweres überwinden und neue Kraft sammeln. Ich meine,
das gehört zur Weisheit.
Und noch etwas: Der Bund, den Gott mit seinem Volk
geschlossen hat, ist nicht eine Zusage an einen einzelnen
Menschen, sondern an das Volk. Also sind wir eingeladen,
auch von uns wegzuschauen hin zu den Menschen, die uns
hier und weltweit umgeben.
Dein ist der Himmel, dein auch die Erde. (Vers 12)

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

3. Juni

Heilig, heilig, heilig ist der HERR Zebaoth,
alle Lande sind seiner Ehre voll!
Jesaja 6,3

Jesaja hat eine Vision im Tempel. Er sieht den HERRN auf
seinem Thron und über ihm stehen Serafim, die einander
zurufen: «heilig, heilig, heilig ist der HERR Zebaoth!» Im Kommentar
lese ich, dass Jesaja ein Prophet war, auf den niemand
hören wollte. Denn eines seiner Ziele war, die Menschen zur
Umkehr zu bewegen. Aber was bedeutet «Umkehr»? Vertraute
Wege verlassen und neue Ziele erreichen? Mein Leben
ändern? Ganz einfach nachdenken und mir bewusst werden,
wo ich stehe. Zur Umkehr gehört auch, die Gemeinschaft
der Menschen hier und weltweit anzuschauen und sich zu
fragen, wie wir die Gemeinschaft gerecht gestalten können.
Und das wiederum bedeutet, aufzubrechen, die Stimme zu
erheben, selbst wenn scheinbar niemand sie hören will. Es ist
wohl etwas hoch gegriffen, wenn ich von den prophetischen
Stimmen spreche. Aber eines wünsche ich mir: dass die Kirchen
ihre Stimme erheben und Stellung beziehen zugunsten
der Menschen, der Gerechtigkeit und der Bewahrung der
Schöpfung. Dass sie Menschen mitnehmen auf den Weg der
Umkehr, hin zum Nachdenken darüber, was der Prophet uns
sagen will. Dann singen wir gemeinsam Lieder und stimmen
das Lob Gottes, der Lebendigen, an, denn sie ist es, die uns
die Kraft schenkt, um den Weg weiterzugehen.

Danke, dass wir auf deine Stimme hören dürfen.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

4. Mai

Der HERR ist meine Stärke und mein Lobgesang
und ist mein Heil.
2. Mose 15,2

Die Zürcher Bibel übersetzt die Losung so: «Meine Kraft und
meine Stärke ist der HERR und er wurde mir zur Rettung.»
Dieser Lobgesang folgt auf die eindrückliche Schilderung des
Durchzugs der Israeliten durch das Schilfmeer. Gott schenkte
Mose und dem Volk die Kraft, nicht nur aufzubrechen aus
Ägypten, sondern weiterzuwandern. Das war die Rettung.
Die Kraft kam von der Lebendigen, dem Gott des Lebens.
Diese Kraft, diese Stärke ist auch uns heute geschenkt. Sie
lässt uns weiterwandern, auch dann, wenn uns die Kraft zu
fehlen scheint. Mose war mit Gott in einer engen Beziehung.
Gott hat die Kraft geschenkt.
Ich weiss nicht, ob ich mit der Lebendigen immer in einer
engen Beziehung bin. Wohl eher nicht. Aber wenn ich Kraft
und Stärke brauche, dann bitte ich darum und komme wieder
auf die Beine, damit ich weiterwandern kann auf meinem
Lebensweg. Und ich hoffe, bitte darum, dass ich die Kraft
nicht einfach als einzelne Frau erhalte, sondern dass sie allen
Menschen zuteilwird. Denn gerade in unserer Welt brauchen
wir die Lebendige, die uns den Weg zur Gerechtigkeit und
zum Frieden zeigt. An uns ist es, daran festzuhalten, dass sie
das tut.
Schenke du uns und allen Menschen deine rettende Kraft.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

3. Mai

HERR, neige mein Herz zu deinen Zeugnissen
und nicht zur Habsucht.
Psalm 119,36

Welch eine Aufforderung in einer Welt, in der die Reichen
immer reicher und die Armen immer ärmer werden. Ich
kann zwei Anliegen des Psalmschreibers erkennen: Zum
einen geht es darum, darüber nachzudenken, was meine
Beziehung zu Gott, der Lebendigen, ausmacht. Ist es die
Erfahrung von Gottes Zuwendung zu den Menschen in der
ganzen Schöpfung? Ist es das Ringen darum, diese Zuwendung
wahrnehmen zu können? Ist es die Frage, was ich
dazu beitragen kann, dass diese Beziehung lebendig ist?
Zum andern lese ich das Anliegen, dass diese Beziehung zur
Lebendigen mich stark macht, um mich für eine gerechtere
Verteilung der Güter dieser Erde einzusetzen. Denn es ist
meine feste Überzeugung, dass wir das tun sollen. Wie aber
gehe ich um mit der Ohnmacht, die unweigerlich in mir
aufsteigt, wenn ich lese und höre, wie Reichtum und Macht
oft den Menschen und seine Würde vernachlässigen, gar
einfach übersehen?
Der Psalmschreiber hat den längsten Psalm der Bibel
geschrieben, um immer wieder mit einer anderen Erfahrung
auf die Lebendige und die Beziehung zu ihr aufmerksam zu
machen. Das ist zwar noch kein Weg aus der Ohnmacht,
wohl aber einer, der mich nachdenken lässt und auch Wege
aufzeigt, wie ich mein Leben gestalten kann auf Gerechtigkeit
und eine lebendige Beziehung zur Lebendigen hin.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

4. April

Er wird sich unser wieder erbarmen und alle unsere Sünden in die Tiefe des Meeres werfen. Micha 7,19

Es war zu Michas Zeit offenbar wie heute an vielen Orten der Welt: Durcheinander, Hunger, Unrecht. Das Michabuch vertraut darauf, dass Gott, die Lebendige, sich zeigen wird. Ja, mehr noch, dass sie sich erbarmen wird und die Sünden in die Tiefe des Meeres werfen wird. Beim Lesen der Zeitung oder beim Anschauen der Tagesschau wird mir oft übel. Darum versuche ich, mit dem Verb «erbarmen» klarzukommen. Zwar weiss ich nicht genau, was es bedeutet. Aber ich denke, es geht darum, dass die Lebendige hilft, mit der Situation klarzukommen. Dann stosse ich aber an: Was ist mit den Millionen von Menschen auf der Flucht, was mit denen, die kein Dach über dem Kopf haben, oder mit denjenigen, die den Kriegen ohnmächtig ausgeliefert sind? Werden sie Erbarmen erfahren? Ich weiss es nicht. Ich kann einfach nur für sie beten. Die Meere sind verschmutzt, leergefischt. Hat es da noch Platz für unsere Sünden?
Jetzt will ich aber aufhören mit meinen Klagen und das Herz öffnen für das Vertrauen in Gott, will mich daran halten, dass die Lebendige sich erbarmt und hilft. Hat nicht Micha gesagt, dass Schwerter zu Pflugscharen werden? Dann sind die Sünden tief im Meer vergraben.
Danke, Gott des Lebens, dass du da bist und wir deines Erbarmens sicher sein dürfen.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

3. April

Mein Volk tut eine zweifache Sünde:
Mich, die lebendige Quelle, verlassen sie und
machen sich Zisternen, die doch rissig sind
und das Wasser nicht halten.
Jeremia 2,13

Und das, wo Gott, die Lebendige, doch das Volk aus der Gefangenschaft in Ägypten geführt hat! Die lebendige Quelle hat es verlassen. Und es ist eine Sünde, Zisternen zu bauen, die rissig sind.
Ist unser Glaube nicht auch rissig? Können wir gerade heute einfach darauf vertrauen, dass die Lebendige bei uns ist, uns Kraft schenkt, Vertrauen, Hoffnung? Ich denke an die Menschen, für die jeder Wassertropfen, den sie erhaschen können, wichtig ist. Und so ist es mit dem rissigen Glauben. Es bleibt irgendwo im Herzen ein Tropfen lebendiges Wasser. Jeremia spricht zum Volk. Da sollten ja viele Tropfen zusammenkommen. Aber offenbar braucht es Zeit, um sie zu erkennen. Und wieder spricht der Text auch zu mir. Ich kann die rissige Zisterne flicken, oder ich kann einfach alles Rissige in Gottes Hand legen. Offenbar braucht es Zeit, Zeit, damit in unsere Welt, in der so viele Risse sind, Gerechtigkeit und Frieden kommen. Der Tropfen im Herzen lädt ein, dafür zu beten und immer wieder daran zu glauben, dass eine bessere Welt möglich ist. Genau wie damals braucht es Zeit und Kraft.
Schenke du uns Wassertropfen, damit wir vertrauen und hoffen können.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud