Schlagwort: Carsten Marx

16. August

Wir sind Fremdlinge und Gäste vor dir wie unsere
Väter alle. Unser Leben auf Erden ist wie ein Schatten
und bleibet nicht.
1. Chronik 29,15

Wer denkt bei Fremdlingen und Gästen etwa an die Vergänglichkeit
des Lebens? Wer denkt schon an den Tod mitten im
Leben? Wer denkt an den endgültigen Abschied mitten im
Alltag?
Ja, wir Menschen sind Gäste auf dieser Erde. Wie oft vergessen
wir das. Der Tod wird immer wieder abgeschoben in die
Sterbezimmer der Krankenhäuser, in die Intensivstationen,
in die Operationssäle, in die Pflegekompetenzzentren. Der
Tod, beziehungsweise das Ende des Lebens, soll uns nicht
berühren.
Aber: Mitten im Leben sind wir vom Tod umgeben. Mit
diesen Worten beginnt ein Liedtext Martin Luthers. Mitten
im Leben sind wir vom Tod umgeben: Um diese Lebenserfahrung
wissen auch die biblischen Texte. Als Christinnen
und Christen aber dürfen wir über diese Erfahrung hinaus
hoffen: Diese Hoffnung heisst Ostern. Ostern stellt alles auf
den Kopf und der alte Liedtext muss dann heissen: Mitten im
Tod sind wir vom Leben umgeben. Das macht Mut, unseren
Alltag mit offenen Augen und Ohren wahrzunehmen: Wo
entdecke ich das Leben, das uns umgibt? Noch besser ist es,
dies gemeinsam zu tun und sich gegenseitig zu ermutigen.
Wunderbar, dass ich das tun darf, und ich mache mich mitten
im Sommer auf Lebensentdeckungsreise.

Von: Carsten Marx

15. August

Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen,
auf dass ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel.

Matthäus 5,44–45

Gerechtigkeit, das wissen wir, gibt es im alltäglichen Leben
nicht immer. Wir streben an, dass möglichst alle gleich
behandelt werden, aber das ist selten möglich.
Wenn es uns Menschen nicht gelingt, für gerechten
Umgang untereinander zu sorgen, dann erwarten wir es
zumindest von Gott. In den Religionen taucht immer wieder
die Frage nach der Gerechtigkeit auf. Aber dann muss auch
gefragt werden, ob Gott wirklich gerecht ist. Warum lässt
Gott das zu, was in unseren Augen überhaupt nicht gerecht
ist? Unsere Reaktion ist zunächst Unverständnis und dann
Anklage. Von dort, von wo wir letzte Gerechtigkeit erhoffen,
von dort kommt sie aber nicht! Was tun?
Im heutigen Lehrtext aus der Bergpredigt gibt Jesus einen
Hinweis, der zwar nicht so ganz befriedigen kann, mit dem
wir aber versuchen können, Wege zu finden, um mit Ungerechtigkeiten
zu leben. Vor Gott sind alle Menschen gleich,
die Sonne scheint auf alle, und auch den Regen bekommen
alle ab. Ganz gleich, wie wir leben oder was wir tun. Wir sind
alle den gleichen Naturgewalten ausgesetzt und müssen unter
diesen Bedingungen leben. Wir haben alle die gleichen Voraussetzungen.
Es kommt nur darauf an, wie wir damit umgehen.
Wir sind mit unseren Kräften und Möglichkeiten gefragt.
Also: Packen wir es an!

Von: Carsten Marx

16. Juni

Wir wollen die Versammlung der Gemeinde
nicht verlassen, wie es bei einigen üblich geworden ist,
sondern einander mit Zuspruch beistehen.

Hebräer 10,25


Warum bin ich in der Kirche? Der Hauptgrund, warum ich
in der Kirche bin, ist Sehnsucht nach Spiritualität. Meine
Seele braucht Nahrung, die ich mir nicht selbst geben kann.
Gedanken und Symbole. Wort und Abendmahl. Rituale und
Predigt. Nahrung, die beide Hirnhälften anspricht. Die linke,
die mehr für das Fühlen, und die rechte, die für das Nachdenken
zuständig ist.
Gemeinde, Kirche, das ist für mich: das Wort von Gott,
das Herz und Hirn trifft, die segnende Hand, die Hoffnungsträgertasche
mit Lebensmitteln für Bedürftige von der Diakonie,
die vielen ehrenamtlich Mitarbeitenden in meiner
Kirchgemeinde, die Pfarrpersonen – das heisst die Kolleginnen
und Kollegen, die fast rund um die Uhr im Einsatz für
die Menschen sind. Es ist wunderbar, dass sich meine Kirche,
meine Gemeinde engagiert, für andere da ist und öffentlich
Partei ergreift.
Kirche ist nicht nur eine einzelne Gemeinde. Man kann
suchen, ausprobieren, auswählen, finden, auch im Netz auf
Facebook und Instagram.
Mir ist meine Gemeinde, meine Kirche ans Herz gewachsen
und ich bin zu einem Teil von ihr geworden.

Von: Carsten Marx

15. Juni

Der Geist selbst gibt Zeugnis unserm Geist,
dass wir Gottes Kinder sind.
Römer 8,16


Was treibt uns an? Das Gute! Die Neugierde! Der Ehrgeiz!
Die Verantwortung? Die Gier? Die Liebe? Der Mut? Die
Angst? Der Erfolg? Das Geld? Gott?
In den letzten Jahren hat uns das Virus getrieben: Lockdowns,
Maske, Abstand, Hygiene. Die Wissenschaft wurde
angetrieben, innerhalb kürzester Zeit einen Impfstoff zu
entwickeln. Es grenzt an ein Wunder, dass ihr das gelang.
Hoffnung keimte auf.
Der Geist Gottes, von dem der Apostel Paulus in unserem
heutigen Lehrtext spricht, ist kein Sklaventreiber. Zu unserem
Alltagsstress will er uns nicht noch zusätzlichen Stress
machen. Diejenigen, die von Gottes Geist erfüllt sind, die
Gott Raum geben, sind Gottes Kinder.
Der Geist Gottes ist die Energiequelle. Er ist der Treibstoff,
nicht der Antreiber!
Wir sind Gottes Kinder. Mich beruhigt dieser Satz. Ich darf
im Schutzraum Gottes leben. Gott hat seinen Heiligen Geist
in unsere Welt gegeben, der uns zum Glauben befähigt. Er
ist die Kraft Gottes, die in und unter uns wirkt, und ich darf
ein Kind Gottes sein. Darüber freue ich mich. Ich darf die
Schöpfung
Gottes betrachten: den Apfel, den Baum, die
Erde, das Wasser. Schritt für Schritt erkenne ich das grosse
Geheimnis: Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist – das ist
eine Familie.

Von: Carsten Marx

16. April

Erhebet den HERRN, unsern Gott, betet an vor
dem Schemel seiner Füsse; denn er ist heilig. Psalm 99,5

Was ist Ihnen, was ist dir heilig? Ist es das Auto, das Eigenheim
oder der Lieblingssportverein? Auf das, was uns heilig
ist, lassen wir nichts kommen. Das ist uns das Wichtigste
und gibt uns den Takt vor. Jedoch genau hier setzt unser
Losungswort ein. Nur Gott verdient es, heilig genannt und
anerkannt zu werden. Nur Gott ist unüberbietbar. Er ist das
Mass aller Dinge.
Was mich in unserem Losungswort besonders anspricht:
Es ist «unser Gott». «Unser Gott», das ist der, der Abraham
berufen hat, ein Segen für alle Völker zu sein. Das ist der, der
das Volk Israel geduldig durch die Wüste führte bis hinein in
das Land, das er ihm versprochen hat. «Unser Gott», das ist
der, der uns in Jesus Christus ganz nahe gekommen ist, der
unser Leben geteilt und den Tod erlitten hat. Das ist «unser
Gott». Wer ihn kennt und ehrt, ist gut dran.
Es tut gut, wenn ich zu Gott kommen darf. Es tut gut, wenn
ich zu ihm beten darf. Ich kann mein Herz ausschütten.
Im Gebet kann ich mich mit Gott verbinden. Er ist immer
online.
Gott hat uns Menschen einzigartig gemacht und wir können
einen Abdruck seiner Liebe in der Welt hinterlassen. Gehen
wir im Vertrauen auf seine prägende Kraft in diesen Tag. «Gott
loben, das ist unser Amt», so, wie es der Liederdichter David
Denicke im Jahr 1648 auf den Punkt gebracht hat.

Von: Carsten Marx

15. April

Gott ist weise und mächtig; wer stellte sich ihm
entgegen und blieb unversehrt? Hiob 9,4

«Womit habe ich das verdient?» Angesichts einer schweren
Krankheit oder anderer Schicksalsschläge fragt sich das
heute so mancher. Menschen erreicht plötzlich eine Hiobsbotschaft:
die Diagnose Krebs, die plötzliche Arbeitslosigkeit
oder der Tod eines lieben Menschen.
«Womit habe ich das verdient?» Diese Frage stellt auch
Hiob in der Bibel. Hiob hat gelernt und gelehrt: So, wie ich
handle, so wird Gott mich auch behandeln: belohnen oder
bestrafen. Als ihn dann Schicksalsschläge treffen, erforscht
Hiob sein Leben und zermartert sich das Hirn. Er findet
nichts. Ist Gott doch ungerecht? Hiob ist nahe am Verzweifeln.
Was hat er falsch gemacht? Auch wenn er diese Frage
nicht für sich selbst beantworten kann, er gibt nicht auf.
Hiob erkennt: Ich habe in all dem Leid noch einen, an den
ich mich wenden kann. Ich begreife nicht, wieso. Ich verstehe
Gott und seine Wege oft nicht. Damit bin ich aber nicht
allein. Trotzdem gibt Hiob nicht auf. Hiob hat erkannt: Ich
darf mein Leid, meine Klagen und mein Unverständnis herausschreien.
Ich darf Gott zur Rede stellen. Ich darf fragen:
«Gott, warum?»
Hiob bekommt schliesslich eine Antwort. Gott stellt erneut
seine eigene Weisheit und Macht heraus. Gott ist ein gnädiger
Gott. Er wendet sich den Menschen zu. Oft erkennen
wir das nicht sofort. Vieles braucht seine Zeit.

Von: Carsten Marx