Durch den Glauben wurde Abraham gehorsam, als er berufen wurde, an einen Ort zu ziehen, den er erben sollte; und er zog aus und wusste nicht, wo er hinkäme. Hebräer 11,8
Abraham wurde hochbetagt seiner Sicherheiten beraubt. Als er dachte, alles im Leben schon hinter sich zu haben, hatte er mehr Ungewissheit vor sich, als er sich vorstellen konnte. Er wusste nicht, was kommt, aber er zog los.
Später zog er weiter, weil eine Hungersnot kam, weil er sich also in einen Wirtschaftsflüchtling verwandeln musste (Genesis 12,10). Aber: «Freude aus Verunsicherung ziehn – wer hat uns das denn beigebracht?» (Christa Wolf)
Abraham hat diese Zuversicht unmittelbar von Gott gelernt. Der Hebräerbriefschreiber und der amerikanische Psychologe H. B. Gelatt finden, wir sollten es auch lernen. Gelatt schrieb schon vor 35 Jahren: «Vor einem Vierteljahrhundert war die Vergangenheit bekannt, die Zukunft vorhersagbar, und die Gegenwart veränderte sich in einem Schrittmass, das verstanden werden konnte. […] Heute ist die Vergangenheit nicht immer das, was man von ihr angenommen hatte, die Zukunft ist nicht mehr vorhersehbar, und die Gegenwart ändert sich wie nie zuvor.»
Gelatt täuschte sich ein bisschen, denn herausfordernde Zeiten gab es immer, sie sind nicht neu. Abraham täuschte sich nicht: Auf Gott ist Verlass. Denn er kommt mit, heraus aus allem, was war, seien es auch Vaterland und Muttersprache, hinein in alles, was kommt. Alter schützt vor Neugier nicht.
Von: Dörte Gebhard