Ich rufe zu Gott, dem Allerhöchsten, zu Gott, der meine Sache zum guten Ende führt. Psalm 57,3

Zu meinen Aufgaben als Studienleiter bei «mission 21»
gehörte
es, die Vorbereitungskurse für internationale Einsätze
zu gestalten. In den Kurseinheiten zur interkulturellen
Kommunikation ging es darum, die Teilnehmenden darauf
aufmerksam zu machen, welchen Bruchlinien entlang Menschen
in Kamerun oder Indonesien sich beispielsweise von
uns in der Schweiz unterscheiden. Eine dieser Unterscheidungslinien
ist die «Unsicherheitsvermeidung»: Wie gross
ist das Bedürfnis nach Klarheit und Sicherheit oder umgekehrt
die Fähigkeit, Unsicherheiten und Unklarheiten auszuhalten
und mit ihnen umzugehen? Meine Vermutung ist,
dass wir uns in der Schweiz ganz auf der einen Seite des
Spektrums befinden, während Menschen in Kamerun oder
Angola viel mehr Unsicherheiten aushalten (und aushalten
müssen).
Unsere Art von Sicherheit und Absicherung hat Vorteile –
aber sie macht es uns schwer, etwas anzupacken, ohne dass
wir einen klaren Plan, ein Projekt, ein Budget und eine Versicherung
haben. Und es braucht oft eine heftige Krise in
einem Projekt, bis wir dort sind, wo unser Psalm ist: im
demütigen Wissen, dass weit mehr sich unserer Kontrolle
entzieht, als wir im Griff haben. Und dass es deshalb gut ist,
wenn wir täglich zu Gott rufen, dass er unsere Sache zum
guten Ende führt.

Von: Benedict Schubert